Janis Reinhold vor dem Eingang zum Pfadfinderheim des Stammes Folke Bernadotte. Foto: Redaktion

Der Pfadfinderstamm Folke Bernadotte Bergisch Gladbach wehrt sich gegen den Auszug aus dem renovierungsbedürftigen Gebäude auf dem Quirlsberg. Die Jugendlichen fordern Bürgermeister und Stadtrat auf, das Gebäude zu sanieren – und bieten tatkräftige Unterstützung an. In einem Gespräch signalisiert Frank Stein den Pfadfindern eine konkrete Perspektive.

Der Pfadfinderstamm Folke Bernadotte hat eine Petition gestartet, um die Stadt für die Sanierung und den Erhalt des Gebäudes am Quirlsberg zu überzeugen. „Wir fordern Herrn Bürgermeister Stein und den Stadtrat Bergisch Gladbach auf, dieses Gebäude, welches essenziell für die Bergisch Gladbacher Jugendarbeit ist (zusammen mit uns) zu retten und zu erhalten, damit auch die nächsten Generationen davon profitieren können“, lautet die zentrale Forderung.

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In der Petition unter dem Titel „Pfadfinderheim retten – für unsere Jugend in Bergisch Gladbach“, beschreiben die Pfadfinder dieses als einen „Ort, an dem Kinder und Jugendliche sich selbstbestimmt entfalten und entwickeln können und zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt heranwachsen“. Das Pfadfinderheim sei für viele „zu einem zweiten Zuhause geworden“ und „das Rückgrat unserer Jugendarbeit“.

Pfadfinder wehren sich gegen den Auszug

Am Mittwochabend trafen sich die Pfadfinder auf dem Marktplatz vor dem Rathaus, informierten mit Flyern und Plakaten über das bevorstehende Aus ihres bisherigen Standorts und sammelten Unterschriften für ihre Petition.

Der Stamm Folke Bernadotte zählt mehr als 100 Mitglieder und ist seit mehr als 40 Jahren mit seinem Pfadfinderheim in einem Gebäude am Quirlsberg beheimatet. Gebäude und Grundstück gehören der Stadt, die Instandhaltung obliegt jedoch der Kirchengemeinde als Mieterin. Diese hatte wiederum Verträge mit den Pfadfindern und dem Kindergartenmuseum über die Nutzung der Räume abgeschlossen.

Fotos: Thomas Merkenich

Weil Aufwand und Kosten in dem sanierungsbedürftigen Gebäude zu groß wurden, hatte die Kirche den Mietvertrag im Oktober 2024 gekündigt. Erst Ende Mai hatte die Verwaltung die Öffentlichkeit und die Politik im Jugendhilfeausschuss darüber informiert, dass die bisherigen Nutzer:innen des Gebäudes Ende September ausziehen müssen, möglicherweise wird diese Frist bis zum Jahresende verlängert.

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Pfadfinder kämpfen um ihr Heim auf dem Quirlsberg

Neben dem Jugendzentrum und dem Kindergartenmuseum ist auch der Pfadfinderstamm Folke Bernadotte Bergisch Gladbach von der Aufgabe des sanierungsbedürftigen Q1-Gebäudes am Quirlsberg betroffen. Erfahren haben die Pfadfinder davon erst durch die Berichterstattung. In einem offenen Brief fordern sie Bürgermeister Stein und die Politik zum Erhalt des Gebäudes auf.

Jugendzentrum Q1 soll ins Zanders-Areal ziehen

Mittelfristig soll das Jugendzentrum der evangelischen Kirche in der Zentralwerkstatt auf dem Zanders-Gelände eine neue Heimat finden. Eine Übergangslösung für das Q1 werde bald präsentiert, teilt Bürgermeister Frank Stein mit. Auch für Kindergartenmuseum und Pfadfinderheim gebe es gute Perspektiven. Vorwürfe von CDU und FDP weist Stein zurück – und gibt deren Bürgermeisterkandidaten einen Ratschlag mit auf den Weg.

Die vergebliche Suche nach einem neuen Ort für die Jugend

Das Gebäude ist in die Jahre gekommen, die Sanierung zu teuer: Das Jugendzentrum Q1 muss seinen bisherigen Standort verlassen, auch das Kindergartenmuseum und die Pfadfinder müssen ausziehen. Die Stadt weiß bereits seit 2024 von dieser Entwicklung – und sucht händeringend nach Ersatzräumen. Bislang ohne Erfolg.

Jugendzentrum und Kindergartenmuseum waren bereits im Oktober 2024 über den bevorstehenden Auszug informiert worden. Mit den Jugendlichen und mit den Pfadfindern hatte allerdings niemand gesprochen. Die Pfadfinder haben laut Stammesführer Janis Reinhold erst durch einen Artikel des Bürgerportals davon erfahren. 

Pfadfinder kritisieren fehlende Kommunikation

Diese Intransparenz kritisieren die Pfadfinder in ihrer Petition: „Hierüber wurden wir leider bis jetzt in keinster Weise informiert. Weder von der Stadt noch von der Kirche. Alle Informationen wurden uns lediglich auf Nachfragen zur Verfügung gestellt.“

Weiter heißt es: „Mit uns hat kein Dialog stattgefunden. Hätten wir die Chance gehabt, hätten wir unsere tatkräftige Unterstützung, sowohl finanziell als auch handwerklich angeboten. Welches wir hiermit erneut tun möchten.“ Die Petition erhielt innerhalb eines Tages bereits mehr als 800 Unterschriften.

Verwundert äußert sich Janis Reinhold auch darüber, dass im Doppelhaushalt 2024/2025 insgesamt 1,8 Millionen Euro für Sanierungsmaßnahmen des Q1 eingeplant und beschlossen worden waren. Fragen an die Stadtverwaltung dazu sind bisher noch offen.

Screenshot: Haushaltsplan der Stadt Bergisch Gladbach

Am Mittwochabend schließlich kam es kurzfristig zu einem von den Pfadfindern initiierten Treffen zwischen Bürgermeister Frank Stein, Stammesführer Janis Reinhold und Mitgliedern der Verwaltung im Rathaus. Danach äußerte sich Reinhold „vorsichtig optimistisch“, dass eine Lösung gefunden werde. 

Stadt bietet Pfadfindern Mietvertrag an

Nach dem Gespräch verfasste Stein einen Brief an die Pfadfinder, den die Stadt dem Bürgerportal auf Anfrage weiterleitete. „Wir sind uns alle völlig einig, dass wir das große gemeinsame Ziel haben, Eure Arbeit auch zukünftig zu ermöglichen“, so Stein. Die Stadt wäre bereit, mit den Pfadfindern einen Mietvertrag „zu gleichen Konditionen“ abzuschließen, wie bisher mit der evangelischen Kirche.

Dazu müsse allerdings sichergestellt werden, dass das Gebäude ohne Sicherheitsrisiko genutzt werden könne, schreibt der Bürgermeister weiter. Die Verantwortung habe bislang bei der Kirche gelegen, künftig liege sie bei der Stadt. Stein schlägt daher „kurzfristig eine gemeinsame Begehung und Bewertung des Gebäudes von unseren Fachleuten der Verwaltung“ und den Pfadfindern vor, „um sich eine gemeinsame Meinung dazu zu bilden“. 

Sollten keine Sicherheitsrisiken festgestellt werden, könne der Mietvertrag abgeschlossen werden. Sollte es nicht vertretbare Risiken insbesondere beim Brandschutz geben, „müssen wir uns noch einmal zusammensetzen, um darüber zu reden, wie wir damit umgehen“.

Eine Schätzung, wie hoch die Kosten einer Sanierung wären, kann die Stadt einem Sprecher zufolge noch nicht machen. Man kenne den detaillierten Stand des Gebäudes noch nicht, und könne daher nicht abschätzen, wie umfangreich eine Sanierung werden würde.


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ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. ….warum neteiligt sich das Jugendzentrum nicht an der Petition?
    Oder hab ich was übersehen?

    Schönen Tag

    1. Träger des Jugendzentrums Q1 ist die ev. Kirche.
      Ich gehe davon aus, wenn die Kirche daran Interesse hätte da zu bleiben hätte sie nicht gekündigt. Der Grund Sanierungskosten scheint mir ja eher vorgeschoben, nachdem, was Herr Piel sagt und ja auch bereits Gelder in Millionen Höhe von der Stadt bewilligt wurden.
      Wenn dem so ist ( ich kann natürlich nur mutmaßen, da die Kirche bis jetzt nicht öffentlich Stellung bezogen hat) würde die Leitung des Q1 mit der Unterstützung der Petition gegen die Interessen Ihres eigenen Arbeitgebers handeln.

      1. und was sind schon Interessen des Arbeitsgebers, der evgl. Kirche – im Vergleich zu Jugendlichen .. einem Ort der Jugendlichen, seit 40 Jahren . . . .
        _ des hat scho alles a Geschmäckle – gell _ _ _ _
        und knapp drei Wochen später, muss ja jetzt auch noch nicht sofort die Transparenz eröffnet werden,
        wo es doch so ‘still ruht der See’ seit Okt. 2024 vereinbart wurde

        Sarkasmus Aus!

  2. Ich bin, wie Janis Reinhold, auch verwundert, was mit dem Beschluss “Doppelhaushalt 2024/2025” und den 1,8 Millionen für Sanierungsmaßnahmen des Q1 passiert/passiert ist… (Wenn das denn alles so korrekt dargestellt ist, was ich hoffe…).

    Vielleicht könnte in diesem Zusammehang auch transparent gemacht werden, ob in welcher Höhe ein Kostenanteil des Trägers, der Ev. Kirchengemeinde, in diesem Sanierungskonzept eingeplant oder von der Stadt gefordert worden ist.

    Soviel ich weiß, beziehen sich die 1,8 Millionen auf einen Architektenentwurf für einen für die Offene Kinder- und Jugendarbeit bedarfsgerechten Umbau des Q1 Jugend-Kulturzentrums, den das Jugendamt (Stadt) und der Träger gemeinsam unterstützt haben.

    Im Beitrag steht: “Eine Schätzung, wie hoch die Kosten einer Sanierung wären, kann die Stadt einem Sprecher zufolge noch nicht machen. Man kenne den detaillierten Stand des Gebäudes noch nicht, und könne daher nicht abschätzen, wie umfangreich eine Sanierung werden würde.”

    Vielleicht könnten die Pläne ja mal öffentlich gemacht werden… Und noch besser wäre es, die Nutzer des Gebäudes (Q1, Kindergartenmuseum, Pfadfinder) vor allem aber die direkt betroffenen Jugendlichen bei diesen weitreichenden Plänen und Entscheidungen mit einzubeziehen.

    Schöner Erfolg schon mal bis hier hin liebe Pfadfinder!

    Euer Engagement scheint sich voll gelohnt zu haben, wenn Herr Stein euch einen Folgemietvertrag in Aussicht stellt. Und an “Sicherheitsrisiken” wird die Weiter-Nutzung des Gebäudes nicht scheitern, ich sehe wie ihr keine “Einsturzgefahr” und für das “Bestehen” der regelmäßigen Brandschutzprüfungen, hat der Träger, Ev. Kirche, und haben die Mitarbeiter des Q1 in der vergangenen 25 Jahren immer Sorge getragen.

    Bei dem Angebot von Herr Bürgermeister Stein an die Pfadfinder bleibt für mich jetzt nur noch die Frage. Kann das Gebäude dann nicht auch für Kindergartenmuseum und die Offene Kinder und Jugendarbeit weiter genutzt werden?

    Positiv denken!

    1. passt, die Frage rief mich auch, schreit ja nahezu
      wenn dann … alle
      alle für eine, eine für alle … alles andere macht doch (eigentlich) auch keinen Sinn – oder???
      Oder gibt es Q1 intern ‘etwas’
      Menschen, Differenzen, Interessenkonflikt
      Spekulationen ..

  3. sehr gut & schön
    es besteht, leise, zart, ‘Hoffnung’
    !hoffen wir, dass es kein Lippenbekenntnis wird oder/und gravierende Mängel entdeckt werden. ..und uns dann erzählt wird: geht nicht
    Wobei wir in dieser Stadt sehr viel ältere verfallene Gebäude hatten und die wurden grundlegend saniert, erhalten, neu aufgebaut
    DAS finde ich nach wie vor:
    Erhalt! aller Bestände am Quirlsberg