Wollen ihr Stammesheim am Quirlsberg nicht verlieren: Chris, Lilli, Janis und Felix (von links) vom Pfadfinderstamm Folke Bernadotte Bergisch Gladbach. Foto: Redaktion

Neben dem Jugendzentrum und dem Kindergartenmuseum ist auch der Pfadfinderstamm Folke Bernadotte Bergisch Gladbach von der Aufgabe des sanierungsbedürftigen Q1-Gebäudes am Quirlsberg betroffen. Erfahren haben die Pfadfinder davon erst durch die Berichterstattung. In einem offenen Brief fordern sie Bürgermeister Stein und die Politik zum Erhalt des Gebäudes auf.

Das Pfingstlager ist ein Jahreshighlight im Pfadfinder-Kalender. Auch für den Pfadfinderstamm Folke Bernadotte Bergisch Gladbach, der seit 40 Jahren mit seinem Pfadfinderheim am Quirlsberg beheimatet ist. In dem Gebäude, aus dem Ende September (oder, wenn es gut läuft, erst Ende Dezember) alle Nutzer:innen ausziehen müssen.

+ Anzeige +

Erfahren haben die Pfadfinder davon erst durch den Artikel im „Bürgerportal“, wie Stammesführer Janis Reinhold sagt.

Mehr zum Thema

Kommunal, kurz & knapp: Q1 verliert sein Haus, Kita-Projekt wird vertagt

Der Jugendhilfeausschuss hat ein weiteres Mal einigen Projekten zum Ausbau von Kita-Plätzen, der Sanierung oder des Neubaus von Einrichtungen zugestimmt. Bei der Entscheidung, erhebliche Mehrkosten für das geplante Autismus-Kompetenzzentrum zu übernehmen, taten sich die Mitglieder allerdings schwer. Und mussten zur Kenntnis nehmen, dass für das Jugendzentrum Q1 eine neue Heimat gesucht wird.

Gemeinsam mit drei weiteren Pfadfinder:innen belädt der 20-Jährige an diesem Donnerstag einen Lkw mit allerlei Ausrüstung, Lebensmitteln und Zelten für das Pfingstlager. 50 Kinder und Jugendliche verbringen das verlängerte Wochenende mit vielen anderen Stämmen aus NRW in Arnsberg. Die Stimmung ist angesichts der aktuellen Lage um den bisherigen Standort getrübt.

Janis Reinhold vor dem Eingang zum Pfadfinderheim des Stammes Folke Bernadotte. Foto: Redaktion

„Wir haben mit Schrecken davon gelesen, dass wir unser Zuhause verlieren. Niemand hat bisher mit uns Kontakt aufgenommen“, berichtet Janis Reinhold. Nach dem ersten Artikel im Bürgerportal habe ihm die Leitung des Jugendzentrums auf Nachfrage bestätigt, dass auch die Pfadfinder ausziehen müssen.

Mehr zum Thema

Die vergebliche Suche nach einem neuen Ort für die Jugend

Das Gebäude ist in die Jahre gekommen, die Sanierung zu teuer: Das Jugendzentrum Q1 muss seinen bisherigen Standort verlassen, auch das Kindergartenmuseum und die Pfadfinder müssen ausziehen. Die Stadt weiß bereits seit 2024 von dieser Entwicklung – und sucht händeringend nach Ersatzräumen. Bislang ohne Erfolg.

Das Q1-Gebäude gehört der Stadt und wird von der evangelischen Kirche gemietet, die wiederum den Pfadfindern und dem Kindergartenmuseum Räume zur Verfügung stellt. Das Gebäude ist nach Aussage der Stadt in einem sehr renovierungsbedürftigen Zustand. Die Kosten sind den Beteiligten zu hoch, die evangelische Kirche hat den Mietvertrag im Oktober 2024 gekündigt, alle Nutzer:innen müssen Ende September ausziehen, möglicherweise auch erst Ende Dezember.

Die Pfadfinder wollen dem „nicht tatenlos zusehen“, wie sie sagen. Daher haben sie einen offenen Brief an Bürgermeister Frank Stein und weitere Lokalpolitiker:innen verfasst. Diesen dokumentieren wir nachfolgend.


Der Offene Brief der Pfadfinder

Sehr geehrte Damen und Herren, 

wir, der Pfadfinderstamm Folke Bernadotte, wenden uns mit einer dringenden Bitte heute an Sie, in ihrer Funktion als Lokalpolitiker:innen.

Durch verschiedene Medien mussten wir erfahren, dass die evangelische Kirche den Mietvertrag für das Gebäude auf dem Quirlsberg, in welchem wir seit über 40 Jahren unserer fast 80-jährigen Existenz beheimatet sind, gekündigt hat und ein Anruf bei der Stadtverwaltung bestätigte uns, dass die Zukunft des Gebäudes auf der Kippe steht. 

Wir wissen, dass das Gebäude nicht mehr das jüngste ist, sehen es aber in keinster Weise in einem Zustand, in welchem es abgerissen werden müsste. Deshalb bitten wir Sie persönlich: Setzen Sie sich für den Erhalt des Gebäudes auf dem Quirlsberg ein! 

Dieses Gebäude und unsere Räumlichkeiten haben nicht nur einen rein materiellen Wert für uns. Unser Stammesheim, wie wir es nennen, trägt die Erinnerung von hunderten Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahrzehnten. Hier sind etliche tausende Stunden ehrenamtliche Arbeit und Liebe reingeflossen.

Mehr zum Thema

Pfadfinderstamm Folke Bernadotte wird 75

Der Pfadfinderstamm Folke Bernadotte war kurz nach dem Krieg gegründet worden und ist der älteste Pfadfinderstamm Bergisch Gladbachs. Zur Jubiläumsfeier am Samstag lädt der Stamm alle Mitglieder und Ehemaligen ein.

Neben der ehrenamtlichen Arbeit für Kinder und Jugendlichen ist auch stets viel Arbeit in den Erhalt des Pfadfinderheims geflossen. Jährlich finden bei uns zwei Renovierungswochenenden statt, an denen wir Fenster vom Efeu freischneiden, streichen, die Küche erneuern, Mobiliar aufarbeiten oder alles in unserer Macht Stehende tun, um zum Erhalt der Räumlichkeiten beizutragen. Dieses Heim bedeutet uns sehr viel – es ist nicht durch andere Räumlichkeiten zu ersetzen. 

Aus diesem Grund wären wir auch bereit, uns im nicht unerheblichen Rahmen an den Sanierungsarbeiten zu beteiligen – sowohl finanziell als auch mit unserer Arbeitskraft. 

Unser Stamm ist seit Jahren kontinuierlich gewachsen! So können wir gerade die höchste Mitgliederzahl seit Jahrzehnten feiern! Für unsere über 100 Mitglieder ist das Pfadfinderheim der perfekte Ort und in Gladbach Mitte einzigartig und kaum zu ersetzen! Unserer Kinder kommen aus der unmittelbaren Umgebung, aus Gladbach Mitte.

Viele unserer Mitglieder, Kinder und Jugendliche kommen aus sozial schwächeren Familien. Trotzdem können wir ihnen seit über 75 Jahren wöchentliche Gruppenstunden und Fahrten ins Ausland, teils ohne Zuzahlung der Familien, organisieren. Unser Rückgrat, um all dies möglich zu machen, ist unser Stammesheim. Wir haben Angst, dass wir dies sonst in Zukunft nicht ermöglichen können. 

Wir appellieren deshalb an Sie: Setzen Sie sich für einen Erhalt des Gebäudes ein, setzen Sie sich für die Kinder und Jugendlichen aus sozial schwächeren Verhältnissen aus Gladbach Mitte ein, setzen Sie sich auch für ein Stück Stadtgeschichte ein! 

Liebe Grüße und Gut Pfad 
i.A. Janis „Menü“ Reinhold (Stammesführer) 
Der Stammesrat des Stamms Folke Bernadotte (Leitungsebene) 
Die Stammesführung des Stamms Folke Bernadotte (Vorstand) 

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

16

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Diese Gelegenheit sollte nicht ungenutzt verstreichen..lasst uns erstmal eine 30ziger Zone mit Radar bauen.. natürlich darf eine Radwege in der Mitte der Straße nicht fehlen.. desweiteren soll die Vereinssatzung auf Diversität geprüft werden ..und wenn ausgeschlossen ist das sie nicht von der DİTİB finanziert werden ..dann kann man sich dieses Thema annehmen…so hab ich es hier gelernt!

  2. Es erfreut einen zu sehen und hören, dass Jugendliche durchaus in der Lage sind, für sich selbst zu sprechen und sich stark zu machen.
    Wenn nur immer Eltern sich zu Worte melden (angeblich?) im Namen ihrer Kinder, dann weis man immer nicht, was die antreibt (Helikoptereltern, überängstliche/-eifrige Eltern oder parteipolitisch begründet).
    An diesem Stammeshaus kann jeder betrachten, was Kindern/Jugendlichen gefällt und was sie brauchen, zumindest keine auf Hochglanz polierten, sterilen Orte.
    Selbst bestimmtes (ohne Eltern) handeln ist dort angesagt und erwünscht.

    Man sollte Kinder/Jugendliche (z.B. durch Umfragen in den Schulen) selbst zu Wort kommen lassen dürfen, sie fragen was ihnen an ihrer Schule nicht gefällt oder welche Bedürfnisse sie haben, wie sie ihre Freizeit am liebsten gestalten möchten, was sie vermissen.

  3. In unserer “bürgerlichen Mitte” zeigt sich nun unerwartet ein absolut neuer Typ “Obdachlosigkeit”… Nicht nur, dass physikalisch das “Dach fliegen geht”, schlimmer ist die bitteres Erkenntnis, menschlich ignoriert worden zu sein. Hier kommt wieder die Erkenntnis zu tragen: “Kommunikation ist nicht Alles, aber ohne Kommunikation ist Alles Nichts!”.
    Euch Pfadfindergruppe und auch den anderen Betroffenen gilt es jetzt, keine Beruhigungspillen zu verteilen, sondern echte glaubhafte Perspektiven anzubieten. Und zwar im Schnellverfahren! Ihr Hauptverantwortlichen, vergesst die Gremien, schielt nicht in die immer leerer werdenden Kassen (Klingbeileffekt…), sondern seid mutig, sucht nach unkonventionellen Lösungen und steht dann auch dazu… Langfristig! Es geht um die gesellschaftliche Substanz schlechthin: soziale Mitmenschlichkeit! Die wächst nicht von selbst…
    Ihr Pfadfinder, lasst euch durch diesen “Absturz auf den harten Boden der Wirklichkeit” nicht entmutigen. Hinter euch stehen eine Menge Leute, die ihr nicht persönlich kennt, einige davon sicher auch im Gebet. Und vor allem ein Gott der euch nicht im Stich lässt: Psalm 68,20: “Gelobt sei der Herr täglich, Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.” Dieter Richter, Bergisch Gladbach

  4. Das ist nicht ernsthaft so passiert, oder?
    Hat sich der Bürgermeister Stein auch schon öffentlich dazu geäußert?
    Das wäre ja das mindeste

    1. Ich frage mich wirklich, wo der Bürgermeister überhaupt sich mal positioniert oder seine Wahlversprechen einlösen möchte?!
      Erinner da nur gerne mal an das Thema „ Skatepark an der Saaler Mühle“…

  5. Und schon wieder zieht die Jugend den Kürzeren!!

    Dass die Kirche sich hier so verhält ist beschämend! Gerade mitten im Zentrum von Bergisch Gladbach wäre es so nötig sich zu kümmern und zu sorgen, damit die Gemeinschaft und die Jugend einen Platz für sich haben!

    Wie man sich so verantwortungslos verhalten kann ist mir ein Rätsel …

    Man kann nur dringend hoffen, dass sich jemand engagiertes den Dingen annimmt und sich einsetzt für einen guten Weg, damit ein Platz für die Jugend erhalten und neu gestaltet wird!

  6. Es stimmt mich sehr traurig, dass dieses für die Jugendkultur so richtige Gebäude den Verantwortlichen der Stadt scheinbar nicht wichtig ist. Die Möglichkeiten für junge Menschen sind in GL ohnehin eher eingeschränkt. Jetzt verlieren sie einen so wichtigen Ort.

    Die Initiative der Jugend gefällt mir sehr. Gut das sie nicht kampflos aufgeben, auch wenn zu befürchten ist, dass dieser nicht gewonnen werden kann.

    Wo gibt es ein neues Zuhause für die Pfadfinder und das Jugendzentrum? Auf dem Zanders Gelände? Das wäre traumhaft.

  7. Es kann doch nicht sein das schon wieder an falscher Stelle gespart wird. Diese soziale Einrichtung ist so wichtig für die Kinder. Und gerade der Standort seit 40 Jahren darf nicht platt gemacht werden. Die Pfadis bieten ja schon an finanziell und mit Taten zu unterstützen wo sie nur können. Der Abriss wäre eine Katastrophe und eine Schande für die Stadt. Das Heim wird dringend gebraucht.

  8. Wir unterstützen die Pfadfinder in Ihren Wunsch zum Erhalt und würden das auch spendentechnisch unterstützen. Wir sind sehr irritiert über den Umgang mit Pfadfindern.

  9. Es bleibt zu hoffen, dass der Bürgermeister auf den Brief zeitnah reagiert und die Stadt den Dialog mit dem. Pfadfindern sucht.
    Es kann nicht sein, dass der Stamm die Kündigung des Mietvertrages erst aus den Medien erfährt und dass die Entscheidung schon über ein halbes Jahr feststeht.

  10. ….eine tolle Initiative, der Jugend..!!!
    Wie wichtig die Jugendarbeit in BGL ist, zeigt sich in dem offen Brief. Das Engagement ist bemerkenswert und “schreit” nach Unterstützung durch die Gesellschaft der Bürgerinnen und Bürger von Bergisch Gladbach!

    Steht auf und unterstützt die Pfadfinder, die auch eine Säule der Gesellschaft sind… coole Truppe!

  11. Da fragt man sich, wer für sowas verantwortlich ist?
    Es kann doch nicht sein, dass hier Ewigkeit nichts gesagt wurde…