Der Hauptausschuss tagt im Historischen Rathaus. Foto: Redaktion

Ohne die FWG geht nichts, das zeigte sich im Hauptausschuss deutlich. Bei kleinteiligen Entscheidungen zum Klimaschutz. Sehr knapp fiel ein Beschluss zur Bezahlkarte aus. Eindeutig war dagegen die Ablehnung einer Idee aus dem Stadtmarketing sowie das Bedauern über den Verlust einer wichtigen Fachfrau. Wir bringen die Debatten und Entscheidungen auf den Punkt.

So eindeutig die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat und damit auch im Hauptausschuss zum Start der Legislaturperiode waren, so unberechenbar sind sie jetzt, wenige Monate vor der nächsten Wahl. Nachdem die FDP aus der Ampel zur CDU hinüber gewechselt war, sind die Kräfte zwischen Mitte-links und Mitte-rechts gleich verteilt und oft gibt die Freie Wählergemeinschaft (FWG) den Ausschlag. Oder auch das fraktionslose Ratsmitglied Fabian Schütz.

So auch am Mittwochabend bei zum Teil sehr langen und kleinteiligen Debatten, bei denen es um die Digitalisierung, den Klimaschutz, die Bezahlkarte für Geflüchtete sowie um ein städtisches „Midsummer“-Fest ging.

Bei der Digitalisierung kommt die Stadtverwaltung inzwischen rasch voran, berichtet sie per Vorlage im Hauptausschuss. Zum Beispiel beim elektronischen Daten-Management-System (DMS): 39 von 42 Bereiche seien auf die papierlosen Akten umgestellt worden, sagt der zuständige Fachbereichsleiter David Sprenger. Auf Nachfrage von Friedrich Bacmeister (Grüne) stellt sich dann aber heraus, dass es nur die 39 von 42 Pilotbereichen sind, die sich die Stadt in einem ersten Schritt vorgenommen hat.

Immerhin: Wenn ein Teil der Verwaltung nächstes Jahr in das AOK-Gebäude umzieht, werden keine Aktenschränke mehr gebraucht; die entsprechenden Abteilungen können dann weitgehend papierlos arbeiten, bestätigte Sprenger.

Das gesamte Update zur Umsetzung der E-Government-Strategie 2020 – 2025 finden Sie hier im Ratsinformationssytem, hier alle Beiträge zur Digitalisierung.

Auch bei der elektronischen Bauakte komme die Stadt voran, antwortet der Beigeordnete Ragnar Migenda, nach einem erfolgreichen Probelauf soll jetzt ein Auftrag zur Digitalisierung des Altbestands an Akten herausgegeben werden. Bei den nächsten Schritten gebe es jedoch ein Problem: Um das landesweite Bauportal NRW nutzen zu können, muss sich die Stadt von IT.NRW lizenzieren lassen – der entsprechende Antrag werde von der Landesbehörde einfach nicht beantwortet, auch andere Kommunen hingen an dieser Stelle fest.

Kleine Löcher im Klimaschutzkonzept

Das Klimaschutzkonzept der Stadt war im November 2023 nach sehr langen Debatten und Abstimmungen mit einer breiten Mehrheit im Stadtrat verabschiedet worden. Seither kommt es jedes Jahr in Form einer Beschlussvorlage zum Energiepolitischen Arbeitsprogramm der Stadt neu auf den Tisch.

Die CDU nutzt diesen Anlass, um noch einmal auf die Punkte des Konzeptes zu schauen, mit denen sie von Anfang an Probleme hatte – und im Zweifel die Zustimmung zu verweigern. Für die CDU ist das Teil ihrer Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Verwaltung sich nicht mit Dingen verzettelt, die auch von Privaten geleistet werden könnten oder die nach ihrer Ansicht ohnehin nichts bringen. Am Ende gehe es dabei auch um Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in die Politik, argumentiert Harald Henkel.

Die Grünen und die SPD werten das dagegen als Versuch, immer wieder „Löcher in das Konzept zu bohren“ (Theresia Meinhardt, Grüne). Der Beigeordnete Ragnar Migenda befürchtet gar, dass die Stadt durch kleinteilige Abstriche das Tempo bei der Umsetzung verliert, im kommunalen Ranking des European Energy Awards und auch bei der Vergabe von Fördermitteln abgestraft werde.

Konkret geht es in einem Antrag der CDU (den Migenda ein Pamphlet nennt) darum, bei der Bestätigung des Arbeitsprogramms einige Punkte getrennt abzustimmen. Dabei handelt es sich um Partizipations-, Informations- und Beratungsangebote, die von der CDU kritisch gesehen worden waren, für Rot-Grün aber wichtige Bausteine für die Akzeptanz in der Bevölkerung sind – und die Teil des Kompromisses gewesen seien.

Für die FWG, die sonst in der Regel und gerade bei Klima-Themen mit Grünen und SPD stimmt, schließt sich ihr Fraktionsvorsitzender Rainer Röhr der Kritik der CDU an: Die Effizienz des Klimaschutzprogramms sei nicht gefährdet, wenn man zwei kleine Maßnahmen herausnehme.

Zunächst geht es um den Antrag der CDU, die kritischen Punkte in fünf Schritten einzeln abzustimmen. Dafür stimmen neben CDU, FDP und FWG auch AfD und das fraktionslose Ratsmitglied Fabian Schütz. Dagegen sind Grüne und SPD. Mit 11 zu 10 Stimmen wird der Antrag angenommen. Bürgermeister Stein hätte das mit seiner Stimme verhindern können, enthält sich aber, weil er für größtmögliche Transparenz stehe.

Für das energiepolitische Arbeitsprogramm im Grundsatz gibt es dann eine sehr breite Mehrheit. Nur die AfD stimmt dagegen, Schütz enthält sich.

Dann wird über drei Maßnahmen einzeln abgestimmt:

  • Mitmachaktionen zur Wärmewende und der „Wärmepumpentag“ erhalten – trotz der Unterstützung durch den Bürgermeister – nur 11 der 22 Stimmen. Also ein Patt und damit keine Zustimmung. Hier hat die CDU (mit FDP, FWG, AfD und Schütz) ihr Ziel erreicht, dieser Punkt fällt aus dem Programm.
  • Bei der „Energiekarawane“ in den Stadtteilen gibt es ein identisches Ergebnis. Auch diese Maßnahme wird gestrichen.
  • Bei der Vermittlung von Beratungs- und Informationsangeboten stellt sich die FWG jedoch auf die Seite von Grünen und SPD – und verhilft ihr zu einer Mehrheit.

Insgesamt ein Etappensieg für die CDU. Denn wie so oft gibt der Ausschuss nur eine Beschlussempfehlung für den Stadtrat ab. Dort wird also – womöglich ebenso kleinteilig – noch einmal abgestimmt, bei ebenso knappen Mehrheitsverhältnissen. Dann kann das Ergebnis auch davon abhängen, ob alle Fraktionen vollständig antreten können.

Klimaschutzmanagerin verlässt die Verwaltung

Über den nächsten Tagesordnungspunkt, den Sachstand Umsetzung der Kommunalen Wärmeplanung, wird nicht diskutiert. Bürgermeister Stein nutzt den Anlass, um die Person zu verabschieden, die neben dem Klimaschutzkonzept u.a. auch die Wärmeplanung innerhalb der Verwaltung verantwortet hat: Jana Latschan, seit drei Jahren Klimaschutzmanagerin, verlasse die Stadtverwaltung.

Unter Applaus aller Fraktionen würdigt Stein die Leistungen Latschans, dank derer die Stadt im Klimaschutz einen großen Sprung nach vorne gemacht habe. Wer gute Arbeit leiste, erhalte gute Angebote, daher könne er Latschans Entscheidung nachvollziehen, sagt Stein.

Knappe Mehrheit gegen Bezahlkarte

Die Frage, ob sich die Stadt Bergisch Gladbach einer Bezahlkarte für Geflüchtete verweigern soll, war bereits im Integrationsrat (Ja) und im Sozialausschuss (Unentschieden) ausführlich debattiert worden, dennoch tauschen auch im Hauptausschuss die beiden Lager ihre Argumente aus.

Auf Nachfrage stellt der zuständige Beigeordnete Stephan Dekker klar, dass eine solche Bezahlkarte nur rund 200 bis 250 Personen oder Bedarfsgemeinschaften betreffen würde. Er wiederholt die Meinung der Verwaltung, dass viele Fragen noch nicht geklärt seien und plädiert dafür, auf die Einführung vorerst zu verzichten.

SPD und Grüne argumentieren auf mehreren Ebenen gegen die Bezahlkarte. Zum einen würde die Verwaltung trotz des kleinen Kreises von Betroffenen mit zusätzlichen Aufgaben belastet, wogegen sich CDU, FDP und FWG sonst immer wehrten.

Zum anderen sollte allen Menschen die Möglichkeit der Bargeldzahlung gegeben wären, wofür sich CDU und FDP an anderer Stelle doch immer stark machten. Das sei auch aus praktischen Gründen notwendig, weil nicht alle Geschäfte die Bezahlkarten akzeptieren und manchmal – wie beim Schulausflug – mal zwei oder drei Euro benötigt würden. Daher schränke die Bezahlkarte die Teilhabe aus.

CDU und FDP verweisen dagegen darauf, dass die Bezahlkarte von der schwarz-grünen Landesregierung beschlossen worden sei und es keine guten Gründe geben, von der Opt-Out-Option Gebrauch zu machen. Die Bezahlkarte sei ein wirksames Mittel, um den Abfluss von Sozialleistungen ins Ausland zu verhindern.

Bei der Abstimmung erhält der Antrag, von der Ausnahmeregel Gebrauch zu machen und die Bezahlkarte nicht einzuführen, die elf Stimmen von Grünen, SPD und Bürgermeister. Die Gegenposition erhält zehn Stimmen (CDU, FDP, FWG, AfD), Schütz enthält sich.

Demnach wird die Bezahlkarte in Bergisch Gladbach nicht eingeführt. Unter der Voraussetzung, dass sich auch im Stadtrat eine entsprechende Mehrheit findet. Denn auch in dieser Sache hat er das letzte Wort.

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Fassung des Beitrags und auch im Newsletter hatten wir das Ergebnis falsch dargestellt (10:11 statt 11:10).

Eine neue Website

Der Vorschlag der Verwaltung, die Website der Stadt Bergisch Gladbach zu modernisieren und technisch neu aufzustellen, wird ohne Debatte einstimmig beschlossen.

Dafür werden 250.000 Euro veranschlagt. Mehr Infos im Ratsinformationssysstem

Mittsommer-Idee fällt durch

Das Stadtmarketing hatte vorgeschlagen, bis zu 20.000 Euro aus dem städtischen Haushalt zur Verfügung zu stellen, um ein Mittsommer-Fest auf dem Konrad-Adenauer-Platz zu veranstalten. Weitere 30.000 Euro sollten an Drittelmittel mobilisiert werden, um drei bis fünf Karnevalsbands zu verpflichten.

Bürgermeister Stein räumt ein, dass er erst überzeugt werden musste, es nun jedoch für „eine schöne Idee“ halte. Dem stimmen die Fraktionen zwar zu, äußern aber sehr grundsätzliche Vorbehalte.

Über kleine Beträge für die freie Kultur in Bergisch Gladbach werde hart gerungen, und nun solle man soviel Geld für Karnevalsband ausgeben – nur weil das Pressebüro eine tolle Idee habe, fragt Meinhardt (Grüne). Eine Gegenveranstaltung zu „Jeck im Sunnesching“ brauche man in Bergisch Gladbach nicht, sagt Klaus Waldschmidt (SPD).

Dem stimmt Henkel (CDU) zu. Sehr viel sinnvoller sei es doch, Vereine in den Stadtteilen zu unterstützen, die dort ähnliche Feste mit lokalen Kräften organisieren.

Christian Buchen (CDU) schließt sich dem Vorschlag von Waldschmidt an, die Idee erst einmal in die Verwaltung zurück zu geben – mit dem Auftrag, ein neues Konzept auszuarbeiten.

Auch Bürgermeister Stein erkennt die Stimmung und appelliert, den engagierten Mitarbeiterinnen und ihrer Idee eine neue Chance zu geben und zieht den Antrag der Verwaltung zurück.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Die FWG nimmt für sich in Anspruch, wesentlich dazu beigetragen zu haben, dass das Klimaschutzkonzept der Stadt mit breiter Mehrheit beschlossen wurde. Da dieses Konzept eine der wiederkehrenden Grundlagen für eine Teilnahme am European Energy Award ist, muss es aber auch erlaubt sein, Einzelaktionen auf ihre Effektivität zu überprüfen. Das ist im Klimaschutzkonzept ausdrücklich vorgesehen und gilt insbesondere vor dem Hintergrund der von der Verwaltung immer wieder vorgebrachten Personalengpässe. Ein völlig normaler Vorgang also.

    Eine wirksame Maßnahme, die die FWG schon lange fordert und auch vom Rat 2023 beschlossen wurde, nämlich einen Runden Tisch mit den Bürgervereinen und allen anderen Akteuren zum Starkregenereignis von 2021(!) einzurichten, wird hingegen nicht angefasst. Gerade das Bemühen um Fortschritte bei der Ausweisung von Retentionsflächen und der Wille, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürger etwas zu bewirken, dürfte wirksam zu einer besseren Platzierung der Stadt beim Award beitragen. Es ist für mich eine Verschwendung, die von der Bürgervereinen angesammelte Expertise nicht zu nutzen.

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    Rainer Röhr ist Vorsitzender der FWG-Fraktion im Stadtrat.

  2. Es ist ärgerlich, dass die CDU & ihr FDP-Anhängsel jede Gelegenheit nutzen (bzw. das versuchen), beim Klimaschutz zurückzurudern. Warum stimmt sie gegen “Mitmachaktionen zur Wärmewende und … die Vermittlung von Beratungs- und Informationsangeboten”? Damit sie später sagen kann, dass Dinge nicht angenommen werden, weil die Verwaltung “die Bürger nicht mitgenommen habe”?

    Auch die Forderung nach Einführung der Bezahlkarte ist beschämend. Zum Glück hat der Ausschuss dagegen gestimmt, wenn auch denkbar knapp – die Ratsentscheidung ist offen.

    Warum der Verwaltung zusätzliche Arbeit (d.h. Kosten) aufbürden, und gleichzeitig den Betroffenen das Leben unnötig schwermachen? Das klingt für mich nach ‘lose-lose’. Wer ernsthaft glaubt, so “den Abfluss von Sozialleistungen ins Ausland … verhindern” zu können, lebt in Wolkenkuckucksheim. Und warum soll es überhaupt verhindert werden? Wer so sparsam lebt, dass er mit seinen kargen Mitteln Familienangehörige im Ausland unterstützen kann, verdient Applaus!

    Was ich nicht verstehe: Warum “Mittsommer-Fest”? Die Fête de la Musique am 21. Juni ist allseits beliebt & lange etabliert – aber Bergisch Gladbach braucht offenbar mal wieder eine Extrawurst…

    1. Bei der Bezahlkarte sind wir völlig falsch losgelaufen in Deutschland. Warum bekommt ein Flüchtling nicht ein stink normales Bankkonto oder ein Bankkonto mit gewissen Lenkungseinschränkungen.

      Das die Mitmachaktionen eingestampft wurden, finde ich OK, bei solchen Veranstaltungen würden doch sowieso immer nur die selben auftauchen. Eher sollte man die lokalen Wärmepumpenbauer eine z.B. bei einen der Stadtfeste eine extra Ecke vorhalten, dort wo Sie beraten und werben können.

      1. Gute Frage! Das wäre einfach und billig – und diskriminierungsfrei.
        Die Diskussion ist keineswegs neu, ich erinnere mich an Kampagnen gegen “Sachleistungen” (und pro-Bargeld) für Geflüchtete vor 20-25 Jahren. Es ist ziemlich heuchlerisch, sich über “mangelnde Integration” zu beklagen – und diese gleichzeitig mit einer Politik der Ausgrenzung selbst zu erzeugen.

        Was Mitmachaktionen angeht, könnten sie recht haben – wobei es sicher auf die Ausgestaltung ankommt. Aber auch die “Vermittlung von Beratungs- und Informationsangeboten” (was Sie beschreiben) lehnen CDU & Co. ab. Warum??

  3. Die heutige Nachricht, dass Jana Latschan als Klimaschutz-Managerin gekündigt hat und demnächst die Stadt GL verlässt, hat mich persönlich sehr betroffen gemacht. Sie hat in den zurückliegenden Jahren dafür gesorgt, dass wir Bürger:innen aktiv bei der Entwicklung des Klimaschutz-Konzeptes beteiligt wurden. Ebenso konnten wir bei der Entwicklung der kommunalen Wärmeplanung mitreden. Das haben wir als Klimafreunde Rhein-Berg e.V. und BürgerEnergie Bergisch Gladbach eG (BEGGL) gerne wahrgenommen.

    Für Jana Latschan war die Bürgerbeteiligung immer wichtig. Sie hat sich mit Herz und Verstand in die komplexen Sachverhalte der Wärmeplanung eingearbeitet. Sie war für uns immer eine kompetente Ansprechpartnerin, die unsere Anliegen des Klimaschutzes wahrgenommen hat. Sie hat unser Anliegen einer hohen Bürger:innen-Beteiligung wahrgenommen und in verschiedenen Projekten, wie der “Energiekarawane” und “Wärmepumpen-Party” umgesetzt.

    Sie hat sich dafür eingesetzt, dass die Stadt Bergisch Gladbach in Zusammenarbeit mit MetropolSolar eine Schulung/Ausbildung zu BürgerSolar-Beratern durchgeführt hat. Diese Schulung habe ich zusammen mit weiteren 24 Menschen in Bergisch Gladbach durchlaufen. Wir werden demnächst ehrenamtlich und kostenfrei in nachbarschaftlicher Unterstützung unsere Mit-Bürger:innen auf dem Weg in die Klimaneutralität begleiten können.

    Dafür und für Ihr Engagement für den lokalen Klimaschutz möchte ich Ihnen persönlich, Frau Latschan, diesmal auch im Namen der Klimafreunde und BEGGL, danken. Liebe Frau Latschan: Gestatten Sie mir zum Schluss einen persönlichen Gruß: Ich bedauere Ihren Abschied aus GL sehr, aber ich wünsche Ihnen für Ihren weiteren Weg viel Erfolg und ein gutes Gelingen.

  4. Als Mitglied der Klimafreunde Rhein-Berg e.V. und der BürgerEnergie Bergisch Gladbach eG (BEGGL) bin ich ziemlich entsetzt, wie die demokratischen Parteien der Mitte zusammen mit der AfD (Abgrund für Deutschland) für eine kleinteilige Durchlöcherung des Klimaschutz-Konzeptes (KSK) von 2023 im Hauptausschuss gestimmt haben.

    Wir als Klimafreunde und BEGGL haben uns aktiv in den damaligen Prozeß des KSK eingebracht. Wir haben dieses Engagement als wichtigen Beitrag der bürgerschaftlichen Beteiligung angesehen. Das war so auch von der KS-Managerin Jana Latschan und dem Beigeordneten Ragnar Migenda initiiert und gewünscht. Diese demokratische Mitsprache und Beteiligung haben wir auch bei der kommunalen Wärmeplanung aktiv und konstruktiv wahrgenommen.

    Nun sehe ich, dass wichtige Projekte wie die “Energiekarawane” oder die “Wärmepumpen-Party” gestrichen werden sollen. Das ist ein fatales Zeichen gegen niederschwellige, positive Beispiele zur Motivierung von uns Bürger:innen für einen aktiven Klimaschutz. Wir treten für eine enkeltaugliche Zukunft ein und freuen uns, wenn die Verwaltung/die Stadt Bergisch Gladbach dafür konkrete Angebote macht. Wenn gesagt wird, das gehöre nicht zu den Pflichtaufgaben einer Kommune, sei auch von dieser nicht zu finanzieren, mag das teilweise richtig sein. Völlig falsch ist allerdings das Signal, diese Angebote komplett zu streichen.

    Damit wird die Vorbildfunktion der Kommune klein-geredet, es wird eine De-Motivierung von uns Bürger:innen betrieben. Die nötige Energie- und Wärmewende wird damit aufgehalten, statt beschleunigt. Das Eintreten für einen aktiven Klimaschutz ist vielmehr eine gemeinsame Aufgabe von uns allen – Stadt-Gesellschaft, Verwaltung und Stadtrat. Deshalb wende ich mich an die demokratischen Parteien der Mitte: Überdenken Sie ihre kleinteilige “Durchlöcherung” des Klimaschutz-Konzeptes. Bedenken Sie den größeren Zusammenhang des Klimaschutzes als verfassungsmäßigen Menschen- und Gesundheitsschutz (GG Art. 14) und als Menschenrecht. Auch wenn der Klimaschutz auf Bundes-/ Landesebene zur Zeit eine sehr untergeordnete Rolle spielt, sollte das für Sie in der kommenden Abstimmung im Rat der Stadt Bergisch Gladbach nicht gelten. Ich erwarte von Ihnen als CDU, FDP und FWG, dass Sie nicht mit der AfD für einen Rückschritt stimmen. Es geht um einen deutlichen Fortschritt für eine enkeltaugliche Zukunft für uns alle. Ihre Entscheidungen haben für mich persönlich direkte Auswirkungen auf mein Wahlverhalten bei der kommenden Kommunalwahl im September 2025

    .
    Abschließend lege ich Wert auf die Feststellung, dass mein Kommentar nicht pauschal im Namen der Klimafreunde Rhein-Berg e.V. oder der BEGGL erfolgt, sondern meine persönliche Äußerung darstellt. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass viele Klimafreunde und BEGGL-Mitglieder meine Einschätzung teilen und ihre Meinung auch so kundtun werden.

  5. Heiße Tage, heiße Nächte… Der Klimawandel ist nicht mehr leug- und nur schwerlich umkehrbar. Alle Debatten dazu werden aus zwei Lagern geführt, den Atomkraftgegnern und den Atomkraftbefürwortern. Was diese Paradigmen im Zusammenhang mit der im obigen Artikel reportierten KleinKleinDebatte zu tun hat?

    Die Hitzewelle offenbart, dass Atomkraftbefürworter jetzt ihre stärkste Argumentationsbasis verloren haben: Die permanente Verfügbarkeit von Atomstrom.

    Jetzt gelten Zeitfenster für ALLE Energietechniken: Die Sonne liefert nicht jederzeit Strom, der Wind auch nicht und Atomkraftwerke nach neuesten Erkenntnissen auch nicht mehr. Gas und Kohle sind als hochwirksame Klimagifte nur noch niedrig dosiert – am besten überhaupt nicht – einzusetzen.

    Nur am Rande erwähnt werden in den aktuellen, kaum noch zählbaren Hitzereportagen der Nachrichtensendungen, dass einige Atomkraftwerke Frankreichs und der Schweiz wegen mangelnder Kühlung abgeschaltet werden mussten. Wir erinnern uns: Die Kernschmelzen der geborstenen Kraftwerksblöcke in Tschernobyl waren durch mangelnde Kühlung (hierbei jedoch in einem Testverfahren abgeschaltet) nicht mehr aufzuhalten…. Ist solch ein Supergau ist mit unseren viel höherwertigen Überwachungstechniken selbstverständlich ausgeschlossen?

    Ausgeschlossen ist m.E. jedoch nicht mehr ein unmerklicher Kontrollverlust im Zusammenhang mit Entscheidungsfindungen. Die Argumente gegen Abschaltungen finden sich in der Selbstüberschätzung der HiTec-Experten und in den wirtschaftlichen Zwängen der Betreiber. Profitverluste sind wegen der exorbitanten Betriebskosten unbedingt zu vermeiden. Vor allem ist unwiederbringlicher Vertrauensverlust bei den “Restbeständen” ideologisch geprägter Atompolitik nicht auszuschließen. Abschaltungen könnten hier zum GAU (Größtes Annehmbares Umdenken) führen.

    Für die Vermeidung von Supergaus sorgten Gott sei Dank einige verantwortungsbewusste Betreiber in Frankreich und der Schweiz. In diesem Zusammenhang fehlen mir jetzt vor allem Hintergrundinformationen (keine Beschwichtigungen!) und zwar Daten und Fakten zu den anderen AKW’s (Belgien!), welche in der Hitzephase durchliefen.

    Trotz alledem bleibt meine Empfehlung an alle Entscheidungsträger: Cool bleiben, unermüdlich um belastbare Erkenntnisse ringen, gründlich Nachdenken und auch in den kleinen Dingen (s.obigen Artikel) zu den Entscheidungen finden, welche auch unseren Enkeln und Urenkeln ein gesundes Leben ermöglichen werden.
    Problemlösungsverhalten nur für die Erfüllung von Tagesaufgaben war Früher…
    Dieter Richter, Bergisch Gladbach

    1. Tihange 3 und Doel 4 werden von Engie Electrabel betrieben, dem belgischen Tochterunternehmen des französischen Konzerns Engie.

      Der “verantwortungsbewusste Betreiber in Frankreich” hat offensichtlich auch hier den Supergau noch abwenden können.
      Bei den Gewinnen allerdings, die Engie mit den belgischen AKs erzielt, dürfen wir mit einer baldigen Abschaltung vermutlich nicht rechnen.

      https://www.vrt.be/vrtnws/de/2025/03/06/engie-erwirtschaftet-2024-rund-eine-milliarde-euro-gewinn-mit-be/

      1. Können Sie bitte einmal belegen, wo und wann gerade ein “Supergau” abgewendet wurde?

      2. Sorry, nochmal neu:
        Der „verantwortungsbewusste Betreiber in Frankreich “hätte oder würde auch hier (Tihange 3 und Doel 4) sicherlich/hoffentlich einen Supergau noch abwenden können”

  6. Hat Herr Buchen das Lager gewechselt? Oder haben wir zuviele Christians in BGL?
    “Christian Buchen (SPD)”

    1. Danke, Herr Lesnik, für das aufmerksame Lesen. Und an das Bürgerportal für die schnelle Korrektur :-)

      Ich fühle mich in der CDU nach wie vor wohl und richtig aufgehoben ;-)

      Herzliche Grüße
      Christian Buchen