Das Cross in Gronau gehört zu den Jugendzentren, deren Zukunft finanziell nicht gesichert ist. Foto: Thomas Merkenich

Die Stadt hat einen Vorschlag zur Finanzierung der Jugendzentren im nächsten Jahr deutlich gekürzt. Damit wollen sich die freien Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit nicht abfinden, die Kosten laufen ihnen davon. Im Jugendhilfeausschuss lassen sie daher über einen Gegenvorschlag abstimmen, der die Zukunft der Einrichtungen über den Jahreswechsel hinaus sichern soll. Dabei erhalten sie Rückendeckung von den Bürgermeisterkandidaten.

Die Stimmung im „Ufo“ ist gedämpft. Das Team treibt die Sorge um, ob und wie es im neuen Jahr mit dem Jugendzentrum in Bensberg weitergeht. „Wir können im Januar nur aufmachen, wenn wir einen Vertrag haben“, sagt Martin Greiber, Leiter des „Ufo Jugendkulturhaus der Awo“. „Und dieser muss für die Träger, wie das Wort schon sagt, tragbar sein.“ 

Tragbar ist der von der Stadtverwaltung vorgelegte Finanzierungsvorschlag aus Sicht der freien Trägern der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) in Bergisch Gladbach allerdings nicht. Im Gegenteil. Er sichere keine angemessene Finanzierung, ignoriere die realen Kostensteigerungen und „gefährdet die Zukunft der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in unserer Stadt massiv“, warnt die Arbeitsgemeinschaft OKJA in ihrem eigenen Beschlussvorschlag. 

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Freie Träger: „Zukunft der offenen Kinder- und Jugendarbeit gefährdet“

Steigende Personalkosten setzen die freien Träger seit Jahren finanziell unter Druck. Mit einem drängenden Appell wendet sich die Arbeitsgemeinschaft Offene Kinder- und Jugendarbeit in Bergisch Gladbach nun an die Politik, damit die Angebote der Jugendzentren und der Kreativitätsschule auch künftig finanziert werden können.

Als nicht mehr tragbar bezeichnen die Träger die Kostenbelastung: Durch die Tarifsteigerungen im Öffentlichen Dienst sind die Personalkosten massiv gestiegen, viele Träger arbeiten daher seit mehr als zwei Jahren defizitär.

„Wir sehen keine Einsparmöglichkeiten mehr“, sagt Manuela Muth, Sprecherin der AG OKJA, die bei der Katholischen Jugendagentur den Fachbereich Offene Kinder- und Jugendarbeit verantwortet.

Finanzierungsvorschlag der freien Träger

Die Mehrkosten seien vor allem im Bereich Personal entstanden, doch bei einem Personalschlüssel von zwei Fachkraftstellen pro Jugendzentrum gibt es Muth zufolge dabei nichts einzusparen: „Diesen sehen wir als Mindeststandard an.“ Zumal die Anforderungen und Bedarfe der Jugendlichen – auch im Hinblick auf Inklusion – eher gestiegen seien.

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Jugendliche: Eigentlich alles (gar nicht) gut

Sie wüssten gar nicht, was mit ihnen los sei, sagen immer mehr junge Menschen im Beratungsgespräch. Dass sie innerlich traurig und angespannt sind, dass sie Panikattacken haben oder sich selbst verletzen, können sie sich nicht erklären – und erst recht niemandem sagen. Was es mit diesem neuen Phänomen auf sich hat und was den Jugendlichen helfen kann, schreibt Susanne Hucklenbroich-Ley von der Evangelischen Beratungsstelle Bensberg.

Der Jugendhilfeausschuss soll in seiner Sitzung am kommenden Dienstag über den Beschlussvorschlag der Verwaltung entscheiden. Die AG OKJA hat nun – wie angekündigt – dazu einen Gegenantrag mit einem Finanzierungsvorschlag eingereicht und will über diesen abstimmen lassen. Sie beantragt, die Jugendzentren zu erhalten und die Finanzierung sicherzustellen.

Es handelt sich dabei um genau den Vorschlag, den das Jugendamt gemeinsam mit den Trägern erarbeitet hatte. Dieser sah zum einen mehr Geld für die sechs Jugendzentren und die Kreativitätsschule ab 2026 vor und zum anderen eine veränderte Personalkostenberechnung. (Details dazu siehe im Antrag der Träger unter „Dokumentation“)

Träger kritisieren Vorschlag der Stadt

Die freien Träger bewerten dieses Angebot als „tragfähig und akzeptabel“ und kritisieren, dass die Stadt es durch ein „deutlich reduziertes Angebot ersetzt“ habe. Auf Nachfrage teilt die Stadt dazu lediglich mit: „Dieser Entwurf war aus fachlicher Sicht nachvollziehbar und begründet. Es gab allerdings zu keinem Zeitpunkt eine finale Zusage zur Umsetzung dieses Entwurfes.“

Weiter heißt es bei der Stadt: „Das Jugendamt unterstützt die Offene Kinder- und Jugendarbeit ausdrücklich, ist aber gleichzeitig an die haushaltsrechtlichen Vorgaben gebunden“ und könne aktuell keine weiteren finanziellen Mittel in Aussicht stellen.

Konkret geht es um rund 240.000 Euro, die den Einrichtungen pro Jahr fehlen. Die Träger fordern in ihrem Antrag die Verwaltung auf, diese durch andere finanzielle Mittel im Haushalt zu kompensieren. 

Kandidaten kündigen Unterstützung an

Beide Kandidaten für die Stichwahl für das Amt des Bürgermeisters stellten sich hinter die Jugendzentren.

Marcel Kreutz, Bürgermeisterkandidat von SPD und Grünen, kündigt auf Nachfrage an, dass SPD und Grüne für den Antrag der Träger im Jugendhilfeausschuss stimmen werden. „Jugendzentren sorgen dafür, dass alle Jugendlichen – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern – die gleichen Chancen haben, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten. Hier zu sparen und die Zukunft der Kinder- und Jugendarbeit aufs Spiel zu setzen, wäre fatal“, so Kreutz.

„Offene Kinder- und Jugendarbeit ist kein Luxus, sondern eine Investition in die Zukunft von Bergisch Gladbach“, erklärt Kreutz weiter. Wie schon als Ratsmitglied und Mitglied im Jugendhilfeausschuss sei es ihm ein „Herzensanliegen“, die Finanzierung der Jugendarbeit zu sichern. „Das wird es auch für mich als Bürgermeister sein. Kinder und Jugendliche sind die Zukunft unserer Stadt – hier lohnt sich jede Investition.“

Für die Deckung der Mehrkosten werden „wir Lösungen suchen und finden. Das ist eine Frage der Prioritätensetzung im Haushalt“. Kreutz appelliert an Politik und Verwaltung, Planungssicherheit für die Träger zu gewährleisten und die Strukturen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit nachhaltig zu stärken. 

Auch Alexander Felsch (CDU/FDP) betont, dass er den Vorschlag der freien Träger unterstützt, „für das Jahr 2026 eine solide und transparente Finanzierung sicherzustellen, die den tatsächlichen Bedarf abbildet“. Das sei kein „Wunschzettel“, sondern eine Grundlage für Planungssicherheit und Qualitätssicherung.

Das gemeinsam von den freien Trägern und dem Jugendamt erarbeitete Finanzierungsmodell für 2026 sei dafür ein guter Ansatz. Gleichzeitig eröffne ein solches Übergangsjahr die Möglichkeit, die Förderstrukturen gemeinsam mit Verwaltung und Politik grundlegend zu überarbeiten – mit dem Ziel, ein zukunftsfähiges Modell zu entwickeln. 

Nach Ansicht von Felsch geht es „um die Anerkennung der offenen Jugendarbeit als kommunale Pflichtaufgabe“, die dauerhaft und strukturell abgesichert werden müsse.

Hinweis der Redaktion: Bei einem Rede-Duell der beiden Bürgermeister-Kandidaten für die Stichwahl, Alexander Felsch (CDU/FDP) und Marcel Kreutz (SPD/Grüne) am Samstag um 12 Uhr haben Sie noch einmal die Gelegenheit, die beiden Bewerber persönlich kennenzulernen und zu befragen.

Samstag, 20.9., 12 Uhr an der Schlosstreppe in der Schlossstraße in Bensberg. Anschließend können Sie das Bensberger Herbstfest an gleicher Stelle besuchen.

Jugendzentren als Bildungsorte

Die freien Träger erinnern in ihrem Antrag an die gesetzliche Verpflichtung der Stadt, Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit vorzuhalten. Die Stadt müsse die Träger aber auch in die Lage versetzen, die Einrichtungen finanziell abzusichern. Wäre die Stadt selbst Träger eines Jugendzentrums, „wäre eine 100 % Finanzierung selbstverständlich“, kritisieren die Träger.

Zum Schluss ihres Antrags betonen sie die gesellschaftliche Bedeutung der Einrichtungen: „Es geht um niedrigschwellige Bildungsorte, um Orte, in denen jungen Menschen wesentliche soziale und kulturelle Kompetenzen vermittelt werden, in denen Integration und Inklusion praktisch gelebt werden.“

Martin Greiber, Manuela Muth und die anderen Akteur:innen der Jugendzentren kämpfen weiter dafür, dass es diese Orte auch in Zukunft geben wird.

Dokumentation

Der Antrag der freien Träger und die Beschlussvorlage der Stadtverwaltung.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Der Städte- und Gemeindebund will, dass Bund und Länder mehr Sozialausgaben übernehmen. Es ist alles eine politische Entscheidung. Die Politik vor Ort hat nicht so viel Handhabe, wie wir denken, aber ihre Parteien schon. Besonders konservative und rechte Parteien bremsen, wenn die Kommunen nach starken Schultern aus dem Bund fragen. Viele langjährige Porjekte für die Jugend stehen vor dem Aus oder sind bedroht. Das Ufo ist hier ein gutes Beispiel, aber auch das Q1, wo ein Machtkampf um Sanierungskosten stattfindet. Das Junge Essemble sollte auch endlich eine Förderung der Stadt erhalten, wenigstens einen Probe- und Vorführraum könnte die Stadt doch fördern. Das Queercafe bekommt keinen Cent, dabei gibt es kein anderes Angebot für queere Jugendliche im RBK. Wenn diese und weitere Projekte wegen Geldnot schließen, dann fällt Infrastruktur weg, die viele Jahre brauchen würde um neu zu entstehen. Denn Jugendangebote basieren auf Vertrauen, das muss man erstmal aufbauen.

    Gleichzeitig muss man sagen, dass die Stadt in den vergangenen Jahren sehr viel in Schulen und ihrer Sanierung investiert hat und da wirklich viel passiert ist, sei die CDU nicht mehr so viel Macht hat. Wir drüfen nicht vergessen welche Partei in Gladbach seit Gründung dieser Stadt den größten Einfluss hatte, das war die CDU, da wurde einfach viel liegen gelassen. Die CDU hat versagt und das macht mich wütend. Und gleichzeitig bedroht und die AfD, denn die würde alle diese Angebote sofort einstampfen.

  2. ….kann ja wohl nicht wahr sein an der Jugend zu sparen. Unsere Jugend braucht halt in diesen Zeiten, gerade in diesen Zeiten. Aber eine Fahradstrasse ist natürlich wichtiger.
    Schön Tag

    1. Das reflexartige gegeneinander Ausspielen verschiedener Aspekte ist so durchsichtig. Vor allem wenn man die “Fahrradstraße” nicht mag. Leider werden dadurch dann tatsächliche Zusammenhänge final übersehen.

      Wie sieht denn die selbst bestimmte Mobilität von Kindern und Jugendlichen im Alltag und Freizeit eigentlich aus? Wie können die Wege zur Schule und Jugendzentren eigenverantwortlich bestmöglich zurückgelegt werden? Könnte das Fahrrad in diesem Zusammenhang eben doch eine entscheidende Rolle spielen? Und wären dann sichere Verkehrswege und eine durchgehende Radinfrastruktur eventuell auch hilfreich und wichtig? Gerade in diesen Zeiten?

      Einfach mal die Perspektive wechseln und neu bewerten. Kinder- und Jugendförderung endet doch nicht in oder an den Einrichtungen, die selbstverständlich – im Übrigen wie auch ein Skaterpark oder Sportplätze – wichtig für die Entwicklung sind.

      1. …hier ist nichts reflexartig und durchsichtig. Weiss ehrlich gesagt gar nicht was Sie mir damit sagen wollen.
        Es ist halt Fakt das die Jugend in dieser Stadt einfach zu kurz kommt.
        Reflexartig und durchsichtig finde ich eher Ihre Aussage.
        Schönen Tag

      2. Gerade eine Infrastruktur, die nicht nur auf das Auto ausgelegt ist, hilft den Jugendlichen. Der Ausbau von Fahrradstraßen ist eine Ausgabe für die Jugend. Herr Kraus, ja Sie verstehen es nicht. Wenigstens haben Sie das verstanden!

        Die Stadt MUSS aber wikrlich die Jugendzentren priorisieren und auch andere Jugendangebote zB Träger der Jugendhilfe mehr Unterstützen. Gerade wenn es um Personalkosten geht. Zur Not auch über Verschuldungen.

        Das Problem ist, dass jeder Jugendlichen helfen will, aber niemand ist Bereit dafür das nötige zu tun. Gladbach ist ein reiches Pflaster. Hier leben viele Millionäre. Diese sollten sich auch mehr beteiligen.

  3. Die Offene Jugendarbeit – von wem auch immer gestaltet, Hauptsache demokratisch und antirassistisch – ist keine Wellnessveranstaltung für Pubertierende. Auch finden wir hier nicht unbedingt die Lückenbüßer für Mängel in der Schulpolitik oder Versagen im Elternhaus.
    Junge Menschen sind auch nicht die Produktionsfaktoren, welche eines Tages den Renditeansprüchen von Kapitalanlegern entsprechen sollen. Wenn sich diese überaus wichtige Personengruppe nicht nur als internetsüchtige Nerds entwickeln soll, braucht sie eine Infrastruktur, die ihr gemäß ist, um Leben in hoher Selbstverantwortung zu gestalten . Dafür zu sorgen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir dürfen auch nicht die Augen vor den Risiken verschließen, wenn an dieser Stelle versagt wird.
    Dann fehlt es an Prävention in den Bereichen
    – Suchtbekämpfung
    – Kriminalität
    – Antirassismus
    – sozialer Bildung
    Diese Sollseite der Bilanz sollte bei der Erstellung von Haushaltsplänen unbedingt mit durchkalkuliert werden. Auch wenn es zum beklagenswerten Lösungsverhalten der Jetztzeit gehört, unbeherrschbare Probleme in die Zukunft zu verschieben (Klimawandel, Staatsverschuldung), so soll man die Personengruppe, welche sich im späteren Erwachsenenleben dieser Zukunftsprobleme stellen muss, nicht heute schon den berühmten Stuhl unter dem Allerwertesten wegziehen. Mein Apell an die Stadt: “Sparen ja, aber nicht an der falschen Stelle!”
    Dieter Richter, Bergisch Gladbach

  4. Während des Wahlkampfes hatte ich die Gelegenheit das UFO zu besuchen. Das Team des UFOs macht gute Jugendarbeit in einer dafür ideal geeigneten räumlichen Hülle. Für die Zukunft unserer Stadt macht es keinen Sinn, dieses Angbot zu gefährden. Auch wenn das Jugendzentrum städtisch betrieben würde, müsste die Stadt die Personalkosten tragen.