Zuspruch gab es für die freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe und die Arbeit, die in den Jugendzentren geleistet wird. Zumindest für 2026 legte der Jugendhilfeausschuss die Grundlage für eine solide Finanzierung – und erteilte der Verwaltung einen ganz speziellen Suchauftrag. Darüber hinaus ging es im Ausschuss um die neuen Kitas und das Autismus-Zentrum.

Bunter, lauter, jünger und sehr viel besser besucht als gewöhnlich war die letzte Sitzung des Jugendhilfeausschusses in dieser Ratsperiode. Und sie stand ganz im Zeichen der Jugend. Rund 100 Kinder, Jugendliche und Mitarbeitende aller Jugendzentren waren zum Bensberger Rathaus gekommen.

Sie demonstrierten mit Plakaten vor dem Rathaus gegen Kürzungen und für eine bessere Finanzierung. „Jugend fördern“, „Kürzungen stoppen“ oder „Jugend ohne Zentrum? Zukunft ohne Chance“ war auf den selbst gebastelten Schildern unter anderem zu lesen. Anschließend verfolgten die Jugendlichen die Ausschusssitzung von der Besuchertribüne aus. 

Die Ausschussvorsitzende Brigitte Holz-Schöttler begrüßte die Jugendlichen: „Es wäre schön, wenn der Jugendhilfeausschuss immer so gut besucht wäre.“ Kurzerhand wurde die Tagesordnung wegen der jungen Besucher:innen geändert und die beiden Tagesordnungspunkte zur Finanzierung der Offenen Kinder- und Jugendhilfe (OKJA) vorgezogen.

Finanzierung der Jugendzentren

Zunächst beschloss der Ausschuss einstimmig, den bisherigen Kinder- und Jugendförderplan, der Ende 2025 ausläuft, übergangsweise für 2026 zu verlängern. Der neue Jugendhilfeausschuss soll im kommenden Jahr gemeinsam mit Trägern, Kindern und Jugendlichen einen neuen Förderplan für fünf Jahre zu erarbeiten. Dieser legt unter anderem die Finanzierung der Einrichtungen fest. Details dazu in der Beschlussvorlage.

Genau diese Finanzierung hatte im Vorhinein für großen Unmut und Sorge bei den freien Trägern gesorgt: Die Verwaltung hatte einen mit den Trägern erarbeiteten Finanzierungsvorschlag deutlich gekürzt, weil sich dieser nach Worten von Fachbereichsleiterin Claudia Werker „leider als nicht finanzierbar“ herausgestellt hatte. 

Die AG OKJA reichte daraufhin einen Gegenantrag mit dem ursprünglich abgestimmten Finanzierungsvorschlag ein; konkret geht es dabei um einen Mehrbedarf von rund 240.000 Euro für das Jahr 2026. Die beiden Bürgermeisterkandidaten hatten sich im Vorfeld auf die Seite der Träger gestellt.

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Freie Träger kämpfen um die Existenz der Jugendzentren

Die Stadt hat einen Vorschlag zur Finanzierung der Jugendzentren im nächsten Jahr deutlich gekürzt. Damit wollen sich die freien Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit nicht abfinden, die Kosten laufen ihnen davon. Im Jugendhilfeausschuss lassen sie daher über einen Gegenvorschlag abstimmen, der die Zukunft der Einrichtungen über den Jahreswechsel hinaus sichern soll. Dabei erhalten sie Rückendeckung von den Bürgermeisterkandidaten.

In der Ausschusssitzung bekundeten nun alle Parteien ihre Unterstützung für den Antrag. „Es kann nicht angehen, dass solche wichtigen Aufgaben in Frage gestellt werden. Wir bitten die Verwaltung: Macht euch auf die Suche nach diesem Geld“, forderte Elke Lehnert (CDU). 

„Wir sind stolz darauf, dass wir diese Qualitätseinrichtungen und -angebote in dieser Stadt haben. Wir erwarten, dass das Geld gefunden wird“, sagte Dominik Klaas (SPD).

„Man sieht heute, dass Demokratie gelebt wird. Diese Orte der Demokratie müssen weiter bestehen“, lautete der Appell von Joshua Vossebrecker (Grüne). Lauter Applaus und Pfiffe von der Besuchertribüne.

Kritik an der Verwaltung äußerte Reinhard Blunck vom Kinderschutzbund: Der von der Verwaltung eingebrachte Finanzierungsvorschlag hätte aus seiner Sicht „dramatische Konsequenzen“, weil dadurch berufserfahrene Mitarbeiter:innen finanziell deutlich schlechter gestellt würden. „Ich begreife nicht, dass man das so durchlaufen lassen wollte.“ 75 Prozent des Personals würde das betreffen.

„Wir nehmen den Auftrag, das Geld zu suchen, total gern mit. Aber wir spielen den Ball zurück: Den Haushalt müssen am Ende Sie beschließen“, sagte Dekker in Richtung der Ausschussmitglieder. Denn über den Haushalt für 2026 und damit auch eine Kompensation der Mehrkosten wird der neue Rat entscheiden. 

Der alternative Beschlussvorschlag, der die Mehrkosten in Höhe von rund 240.000 Euro für das Jahr 2026 enthält, fiel – wenig überraschend – einstimmig.

Die Jugendlichen jubelten und verließen das Rathaus. Für die Träger ist der Beschluss ein Teilerfolg. „Wir hoffen, dass wir Planungssicherheit auch über das Jahr 2026 hinaus bekommen“, formulierte es Manuela Muth für die AG Jugendhilfe. 

Die Originaldokumente im Ratsinformationsystem

Kita-Ausbauprogramm

Fachbereichsleiterin Claudia Werker berichtete über den aktuellen Stand des Kita-Ausbauprogramms: Die Holzmodule der Kita Schulstraße in Sand würden derzeit geliefert und aufgebaut. Der Rohbau soll am 2. Oktober fertig sein, die Inbetriebnahme der Kita ist für Sommer 2026 geplant.

Am Nittumer Weg in Schildgen sei die Baugenehmigung erteilt und die Baustelle eingerichtet worden. Im Februar 2026 werde der Holzmodulbau starten. Die Kita Jakobstraße in der Innenstadt befinde sich noch im Baugenehmigungsverfahren.

Anders als zuletzt geplant wird damit keine der neuen Kitas noch im aktuellen Kindergartenjahr eröffnet werden. 

Kita mit Autismus-Kompetenzzentrum

In der vergangenen Sitzung hatte der JHA den Folgebeschluss zur Finanzierung der geplanten Kita an der Odenthaler Straße in Hebborn mit angegliedertem Autismus-Kompetenzzentrum verschoben und den Wunsch nach weiteren Informationen des Trägers über das Konzept geäußert. Dieses präsentierte die „Awo Sommerberg GmbH“ nun. 

Der Rat hatte das Neubauprojekt im Dezember 2021 beschlossen. Geplant war eine viergruppige Kita mit 63 Plätzen, davon sollten 15 Plätze für Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung vorbehalten sein. Die Eröffnung war für das Kindergartenjahr 2023/24 geplant. 

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Ein Kindergarten zuviel?

Kita-Plätze sind in vielen Stadtteilen knapp, aber nicht in Hebborn. Hier gibt es derzeit sogar ein Überangebot. Dennoch will die Stadt hier eine weitere Kita errichten lassen, auf einer Brachfläche an der Odenthaler Straße. Nicht weil sie es muss. Sondern weil sie es kann. Als Kompetenzzentrum für Kinder mit einer Autismus-Störung.

Weil es zu großen Verzögerungen kam, haben sich laut Verwaltung Bedarf und Rahmenbedingungen „erheblich verändert“. Daher wurde die Planung angepasst: 55 Plätze und drei statt vier Gruppen soll es demnach geben, ein Nachnutzungskonzept muss noch erarbeitet werden. Eine Beschlussvorlage ist laut Verwaltung für Dezember geplant. 

Die Originaldokumente im Ratsinformationssystem

Vier Anträge des JAEB

Der Jugendamtselternbeirat (JAEB) hatte vier Anträge eingereicht: die Vorlage eines Personalkonzepts bei der Ausschreibung neuer Kita-Träger, Maßnahmen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels bei Erzieher:innen, eine Änderung der Elternbeiträge für Kitas sowie eine transparente Darstellung und Auswertung der Auslastung in allen Kitas.

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Kita-Krise: Kreutz schlägt Fördertopf für Alltagshelfer vor

Der Kandidat von SPD und Grünen, Marcel Kreutz, stellt sich hinter Forderungen des Jugendamtselternbeitrat und will Verwaltung, Träger, Politik und Eltern ins Gespräch bringen, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Die Stadt sollte mehr Geld für die Gewinnung von kommunalen Alltagshelfern und die Ausbildung von Erzieher:innen in die Hand nehmen.

Die Verwaltung hat angekündigt, die Anträge für die nächste Sitzung des JHA inhaltlich zu bearbeiten. Brigitte Holz-Schöttler dankte dem JAEB für die Arbeit und die vielen Ideen. „Ich hoffe, der künftige Bürgermeister wird diese aufgreifen.“

Die Anträge im Ratsinformationssystem

Was sonst noch passierte

Einstimmig beschlossen wurde die Förderung einer Sanierungsmaßnahme in der Kita Familienzentrum ZAK in Bensberg in Höhe von rund 460.000 Euro, unter anderem für Toiletten und Lüftungs- und Brandmeldeanlage. Beschlussvorlage

Thomas Muth, bei der Stadt für sozialräumliche Netzwerkarbeit zuständig, teilte mit, dass 20 Projekte zur Demokratiebildung für fünf Monate mit insgesamt 80.000 Euro gefördert würden.

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„Schere Stein Papierflieger“ sucht Teilnehmer für Demokratie-Wettbewerbe

Wie erleben Kinder und Jugendliche Demokratie im Alltag? Wie lassen sich die Themen Demokratie und Vielfalt in 60 Sekunden in einem Social-Media-Reel darstellen? Das „Papierflieger“-Team aus Gronau lädt junge Menschen dazu ein, sich bei zwei Wettbewerben (inklusive Preisen) kreativ zu beteiligen – und sucht Mitwirkende, die sie bei den Workshops unterstützen.

Für die Ausschussvorsitzende Brigitte Holz-Schöttler war es die letzte Sitzung in dieser Funktion. Es sei ihre „bewusste Entscheidung“, sich künftig nicht mehr als Ratsmitglied, sondern voraussichtlich als sachkundige Bürgerin einzubringen. „Es war für mich eine besondere Ehre, den Jugendhilfeausschuss zu leiten.“

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Ein ermutigender erster Schritt nach Vorn. Dass endlich Bewegung in die richtige Richtung erkennbar wird, zeigt, dass Engagement sich noch lohnt. Zu sehen, dass die Jugend selbst sich konstruktiv kümmert, ohne sich irgendwelchen zweifelhaften Alternativen zuzuwenden, macht wieder Hoffnung für den Bestand der Demokratie.
    Wir Oldies sollten an dieser Stelle Unterstützen, Ermutigen und uns Solidarisieren wo immer es geht. Sehen wir das Ganze einfach als Generationenvertrag…
    Dieter Richter (75), Bergisch Gladbach