Fotos: Annette Voigt

Seit 25 Jahren führt der Obst- und Gartenbauverein Refrath zusammen mit den Kitas und Grundschulen des Stadtteils im Frühjahr und Herbst Pflanzaktionen durch. Um die Kinder auf spielerische und natürliche Art an die Natur und das Gärtnern heran zu führen. Unsere Autorin hat sich angeschaut, wie das abläuft.

Was keimt denn da? Die Zwiebeln der Tulpen und Narzissen. Dank einer Pflanzaktion des Obst- und Gartenbauverein Refrath (OGV) können sich die 3- bis 5-jährigen Kinder der Kita Bollerwagen schon jetzt auf die Frühjahrsblüher freuen.

Die kleinen Gärtner lassen sich vom schlechten Wetter nicht abhalten und sind emsig dabei, ihre Zwiebeln in den Vorgarten der Kita zu setzen. „Das schlechte Wetter ist nicht schlimm“, meint der 5-jährige Moritz. „Wir haben doch Matschhosen, Gummistiefel und Mützen“. Alexander ist Erzieher und befürwortet diese Mitmachaktion: „Uns und unseren Eltern ist es wichtig, dass die Kinder sich mit der Natur auseinandersetzen.“

Ulrike, Angela, Viola, Resi und Dominique, die ehrenamtlichen Helferinnen vom OGV Refrath, sehen dies ähnlich. So können die Kinder an das Gärtnern herangeführt werden: „Die kleinen Gärtner von heute sind nämlich die großen Gartenfreunde von Morgen“. 

Vom Samenkorn zur Zwiebel

Fünfzehn Kinder lauschen gespannt den bildhaften Geschichten von Dominique Sohn und lernen viel darüber, wie Tulpen und Narzissen wachsen. Die Zwiebel ist zunächst ein klitzekleines Samenkorn, das in der dunklen Erde sehr lange schläft.

„Wer von Euch ist drei?“ Einige zeigen sofort auf. „3 Jahre, so lang wie ihr alt seid, benötigt dieses winzige Samenkorn um eine Minizwiebel zu werden. Diese ist noch zu klein, um eine Blüte hervorzubringen“, erklärt Dominique.

„Wer von Euch ist 5?“ Und wieder melden sich einige. „5 Jahre braucht es mindestens, bis die Zwiebel so groß ist wie die, die wir heute einpflanzen“, erklären die Freizeitgärtnerinnen vom OGV Refrath. 

Ein Erdloch für meine Zwiebeln

Die Geschichte über eine kleine Tulpe mögen die Kinder. Sie sitzen in einer langen Reihe auf einer Holzbank und hören aufmerksam zu. Die Tulpenzwiebel mag es gerne dunkel. Wenn es Frühling wird und die Vögel, singen macht die kleine Tulpe einen langen Hals und reckt sich neugierig aus der Erde.

Doch bevor sich die kleine Tulpe zeigt, braucht ihre Zwiebel Kälte, viel Kälte, und eine Wurzel. Die Kinder wissen genau Bescheid, was eine Wurzel ist. „Die hält doch den Baum da drüben in der Erde fest“.

Mit der Serie „Mehr Grün für unsere Stadt“ …

… will unsere Autorin Annette Voigt auf Musterbeispiele für grünes Engagement in Bergisch Gladbach und im Rheinisch-Bergischen Kreis aufmerksam machen. 

Angesichts der zunehmenden Negativauswirkungen des Klimawandels wie Hitze -und Trockenperioden, Starkregen und Hochwasser ist der Erhalt von Grünflächen und die Neuanpflanzung klimaresistenter und schattenspendender Pflanzen, Bäume und Gehölze notwendiger denn je. In Zeiten knapper werdenden Wasserressourcen gilt es auch hier umzudenken und einzusparen, z. B. indem Rasenflächen zu blühenden Blumenwiesen umgewandelt werden. Möglichst viel Grün gehört in die Stadt, denn das sind die grünen Lungen der Bergisch Gladbacher Bevölkerung, unsere Sauerstoffproduzenten.

Doch statt dessen ersetzen Schottergärten und durchgeflieste Flächen ehemals grüne Vorgärten. Sie wirken der Biodiversität entgegen und berauben den Insekten und Kleingetier ihren Lebensraum. Da es von der Stadt keine Verfügungen gibt, die diese grauen „Steinwüsten“ verbieten oder zumindest reglementieren, können diese Beispiele dazu beitragen, an die grüne Vernunft zu appellieren.

Eine Reihe von Gartenprojekten haben wir bereits vorgestellt; Sie finden sie unter diesem Artikel.

Kennen Sie weitere Projekte dieser Art? Melden Sie sich gerne bei der Autorin.

Die Tulpenzwiebel, die die Kinder heute einpflanzen, blüht beispielsweise rot. Es gibt aber eine zweite Blume und die ist gelb. Die Kinder sollen raten „Vielleicht die Seerose“. Ein kleiner Tipp von den Pflanzakteurinnen bringt die Kinder auf die richtige Spur: „Welche Blume blüht zu Ostern“? Das wissen alle. Es ist die Osterglocke, die Narzisse.

Jetzt ist viel Phantasie nötig, um in der Zwiebel eine Tulpe und eine Narzisse erkennen zu können? Die Damen vom OGBV haben daher Fotos einer leuchtend roten Tulpe und einer sattgelben Narzisse dabei. Anhand dieser Fotos wählen die kleinen Gartenhelfer ihre Zwiebel aus, die sie einpflanzen möchten.

Doch wie ist die Zwiebel einzupflanzen? Die Antworten der Kinder kommen blitzschnell. „Wir buddeln ein Loch in die Erde und setzen die Zwiebel rein. Auf den Steinen geht das aber nicht, die Zwiebel wächst nur in der Erde“, da sind sich alle einig.

Schüppe und Harke, sehr begehrt

Voller Tatendrang buddeln die Kinder Löcher für ihre Zwiebel, die sie fest in ihren Händen halten. Schüppen und Harke sind jetzt sehr begehrt. Regenwürmer schrecken auf. Das macht sie sden Kindern willkommen, denn es gibt etwas zu entdecken. Wo krabbelt der denn hin, vielleicht zum Marienkäfer, der die Aufmerksamkeit von Louis und Annabelle weckt. 

Und was ist, wenn es nicht kalt genug für die eingesetzten Zwiebeln ist. Dann kommt eine eingefrorene Zwiebel in Form eines Würfels zum Einsatz. Eine Eiszwiebel haben sie noch nicht gesehen und jeder möchte sie befühlen. Ziemlich kalt und nass. Alle entscheiden zusammen und setzen die Eiszwiebel in die Mitte der anderen Zwiebeln.

Zum Abschluss raten die jungen Pflanzfreunde, in welcher Farbe die Eis Tulpe später blüht. Dazu dürfen sie sich ein kleines Tier aussuchen und es in die Spalte „rot“ oder „gelb“ kleben. Louis faucht, denn er hat ein Krokodil gewählt. „Die Ente ist aber schön pink“, neckt Alexander. Die kleine Lotti protestiert, denn ihr Tier sei ein Pelikan und keine Ente. 

Eine Tradition seit 25 Jahren

Diese Pflanzaktion macht Kindern und Erwachsenen sichtlich Spaß, die in vielen Kindergärten ähnlich wie in der Refrather Elterninitiative Bollerwagen abläuft. Die Damen vom OGV Refrath versprechen im Frühjahr wiederzukommen, um nach den Tulpen und Narzissen zu schauen.  Die Neugierde der Kinder ist geweckt und ab jetzt werden sie regelmäßig in ihrem kleinen Gärtchen ihren Zwiebeln beim Wachsen zuschauen. 

Diese Pflanzaktionen in jedem Herbst, die von Klemens Delgoff initiiert wurden, beziehen in diesem Jahr erneut rund 20 Kindergärten und Grundschulen aus Refrath ein. Seit 25 Jahren bietet der Gartenbauverein Refrath im Frühjahr und im Herbst dies an. Im Herbst werden in der Regel Frühjahrsblüher gepflanzt und im Frühjahr Sommerblumen wie Begonien, Ringelblumen und bei Bedarf auch Kräuter.

Neu ist, dass auf Grund der großen Nachfrage in diesem Jahr zwei Teams parallel eine komplette Woche lang vor- und nachmittags im Einsatz sind. Ein Team managt Dominique Sohn, das andere Klemens Delgoff. Pro Einsatz werden 40 bis 200 Zwiebeln benötigt, die der Verein spendet. Für Kindergärten und Grundschulen ist diese Aktion kostenfrei. 

In den Grundschulen gehen die Pflanzakteure vom Gartenbauverein mit den Kindern in die Tiefe. Es wird beispielsweise über Herkunft, Geschichte und Verbreitung der Tulpe informiert. Kaum ein Schüler weiß, dass die Tulpe bereits im 16. Jahrhundert zu uns gelangte und früher eine Tulpenzwiebel so viel wie ein Haus wert war.  Darüber hinaus lernen sie den Unterscheid zwischen Blumen- und Küchenzwiebeln kennen und wie eine Zwiebel aufgebaut ist.

„Unsere Kinder hatten super viel Spaß und haben dazu auch viel über Tulpen und Narzissen gelernt,“ lobt die OGS Kippekausen die Pflanzaktion.

Für den kommenden Winter sucht der Gartenbauverein Refrath Tannenbäume für alle Refrather Kindergärten und Schulen. Tannenbaumspenden sind herzlich willkommen.

Im nächsten Frühjahr soll diese Pflanzaktion fortgesetzt werden, allerdings nur in Refrath. Wer mitmachen möchte meldet sich bitte unter info@gartenbauverein-refrath.de   

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  1. Ein tolles und unschätzbar wertvolles Engagement der Freiwilligen des OGV Refrath! Vielen DANK dafür! Blühendes-GL vom BZV Bergisch Gladbach unterstützt solche Aktionen gerne mit dem Kauf von Saatgut, Blumenzwiebeln oder Pflanzen!