Ein Wasserbauwerk an der Buchmühle. Foto: Redaktion

Beim Versuch, ein einigermaßen schlankes Konzept für die Abwasserbeseitigung aufzustellen, war Bergisch Gladbach gescheitert. Nun nimmt die Verwaltung einen neuen Anlauf. Weil die rechtlichen Anforderungen in der Zwischenzeit weiter gestiegen sind, rechnet sie bis 2037 mit Ausgaben von 390 Millionen Euro. Ohne ein Konzept drohen jedoch rechtliche, finanzielle und planerische Konsequenzen – bis hin zum Stopp für neue Baugebiete.

In einer Mitteilungsvorlage für die Sitzung des Ausschusses für Infrastruktur, Umwelt, Sicherheit und Ordnung am Dienstag skizziert die Stadtverwaltung den aktuellen Stand beim Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) – und stellt einen kostspieligen Plan vor. Dabei lässt eine Vielzahl von nationalen und europäischen Gesetzen und Verordnungen zum Gewässer- und Hochwasserschutz der Stadt wenig Spielraum. Die bis zum Jahr 2037 auf 390 Millionen Euro geschätzten Kosten werden umgelegt – über die (Ab-)Wassergebühren auf alle Bewohner:innen der Stadt.

+ Anzeige +

Seit der Beanstandung durch die Bezirksregierung 2023 besitzt die Stadt kein gültiges ABK – und wird diesen Zustand auch vorerst nicht heilen könne. Um wieder Planungssicherheit zu erlangen arbeitet das Abwasserwerk seit einiger Zeit in Abstimmung mit der Bezirksregierung und der Unteren Wasserbehörde an einer Neuauflage für den Zeitraum 2027 bis 2037. Ein konkreter Entwurf soll dem Stadtrat im März 2026 vorgelegt werden.

Das Abwasserwerk sieht erhebliche Investitionen vor: Bis 2037 sollen insgesamt 254 Maßnahmen mit einem Volumen von etwa 390 Millionen Euro umgesetzt werden. Der größte Anteil entfällt auf Rückhaltebecken und Niederschlagswasserbehandlungsanlagen (rund 196 Mill. Euro) sowie auf Sanierungen der Kanalisation (rund 64 Mill. Euro).

Wesentliche Gründe für Verzögerungen bei der Abarbeitung dieser Projekte in der Vergangenheit waren massive Personalengpässe, sehr schwierige Grundstücksverhandlungen, komplexe Vergabeverfahren und weitere Umweltauflagen. Um künftig schneller voranzukommen, hat das Abwasserwerk sechs zusätzliche Ingenieurstellen beantragt. Eine externe Projektsteuerung hatte laut Verwaltung nicht die erhoffte Beschleunigung gebracht, sie soll daher aufgekündigt werden.


Hinweis der Redaktion: Wir haben die ausführliche Mitteilungsvorlage der Stadt (siehe Dokumentation) mit Hilfe von künstlicher Intelligenz zusammengefasst und redaktionell überprüft.

Dokumentation

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

2

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Hier muss man doch mal die Kirche im Dorf lassen!
    Machen wir mal eine einfache Rechnung auf: 390.000.000,00 € / 10 Jahre = 39.000.000,00 € im Jahr. Diese Summe geteilt durch 100.000,00 Einwohner (gerundet) = 390,00 € pro Einwohner und Jahr. Eine vierköpfige Familie muss demnach alleine für diese Investition 1.560,00 € im Jahr zusätzlich bezahlen! Zu den sowie zu zahlenden Abwassergebühren versteht sich!

    Meiner Meinung nach sollte die Stadt im Sinne der finanziellen Möglichkeiten der Bürger auf manch eine Forderung der EU verzichten und es halt mal darauf ankommen lassen, diese nicht umzusetzen! Gerade der Bereich Regenrückhaltung, welcher die Hälfte des Betrages ausmacht, sollte zurückgestellt, oder zumindest langfristiger verteilt werden.

    Denn neben diesen zusätzlichen Beträgen für die Abwasserentsorgung kommt garantiert noch die erhebliche Heraufsetzung des städtischen Hebesatzes die nächsten Zehn Jahre. Nicht außer acht zu lassen die allgemeine Erhöhung der Lebenshaltungskosten für Krankenversicherung, Rente oder die künstliche Verteuerung der Energie durch die CO2 Bepreisung.
    Also, bitte nicht über jedes Stöckchen aus Brüssel springen!

    1. Die Rechnung ist so leider nicht korrekt, da Bauwerke und Kanalsysteme im Regelfall nicht über 10 Jahre abgeschrieben werden, sondern über einen deutlich längeren Zeitraum. Das die Abwassergebühren in den kommenden Jahren deutlich steigen werden, steht außer Frage – ich gehe aber davon aus, dass dies nicht von jetzt auf gleich geschehen wird, sondern “nach und nach” über die 10 Jahre der Maßnahmenumsetzung verteilt werden.

      Die Entscheidung, OB die Maßnahmen durchzuführen sind oder nicht, trifft zudem nicht die Stadt, sondern die BezReg, Land, Bund, EU…. da hat die Kommune relativ wenig Entscheidungsspielraum – sonst drohen, wie der Beitrag ja schön erläutert, rechtliche, finanzielle und planerische Konsequenzen bis hin zu Erlaubnisentziehungen zum Betrieb der Kläranlage, etc.