Die Obstwiese des (Rheinisch)-Bergischen Naturschutzvereins (RBN) in Bechen ist um eine Besonderheit reicher: Eine besondere Apfelsorte, der Rote Morgenstern, wurde gepflanzt. Dort stehen inzwischen weit über 100 Bäume unterschiedlichen Alters, die aufwendig gepflegt werden.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des (Rheinisch)-Bergischen Naturschutzvereins (RBN)

Zum 50jährigen Bestehen des Naturschutzvereins im vergangenen Juni hatte der Leiter der Biologischen Station Rhein-Berg, Matthias Wirtz-Amling, einen Gutschein über einen Obstbaum überreicht – mit dem neuen Jahr war der Zeitpunkt erreicht, den Gutschein einzulösen.

Lino Kämmerle, bei der Biologischen Station für Streuobst zuständig, war mit dem Roten Morgenstern nach Bechen gekommen, und gemeinsam mit dem RBN-Vorsitzenden Mark vom Hofe und den Mitgliedern des Biologischen Arbeitskreises des RBN, die in den Wintermonaten die Obstbäume schneiden, fand der neue Baum rasch einen Platz auf der hängigen nach Süden ausgerichteten Wiese.

„Wir betreiben die Wiese seit über 20 Jahren, sie war uns von der Flurbereinigungsbehörde als typisches Element der bergischen Kulturlandschaft zugeteilt und mit unserer Hilfe auch bepflanzt worden“, erläuterte der RBN-Vorsitzende. 

Die Mitglieder des AK Botanik unter Leitung des RBN-Vorstandsmitglieds Dr. Christiane Hauschild treffen sich in der vegetationsarmen Zeit auf der Obstwiese in Bechen, um die weit über 100 Bäume unterschiedlichen Alters zu schneiden – eine zeitaufwändige Arbeit, die viel Geduld erfordert – aber so die Mitglieder: „Uns macht das dienstags vormittags, wenn wir uns treffen, viel Spaß, weil wir sehen, wie die Bäume gewachsen sind, wo wir ihnen fürs weitere Wachsen helfen können, und dabei lernen und erfahren wir viel über das Leben im Obstbaum und auf der Obstwiese!“

Daher war der Rote Morgenstern äußerst willkommen, denn der in seiner Erscheinung der Roten Sternrenette  ähnelnde Baum ist eine Neuerung bei den bergischen Sorten: Wie Lino Kämmerle ausführte, ist der Rote Morgenstern Anfang des 21. Jahrhunderts bei Nümbrecht im Homburger Ländchen auf drei Bäumen wieder entdeckt und durch Veredelung auf Jungbäume fürs Erste gerettet worden.

Wie die Obstbaumspezialisten aus dem  Oberbergischen weiter herausfanden, handelt es sich um eine regionale Sorte, die sonst nur noch im angrenzenden Rhein-Sieg-Kreis mit  wenigen Bäumen entdeckt wurde und sonst in Deutschland nicht zu finden ist.

Mit der Anpflanzung wollen Biologische Station und RBN dazu beitragen, diese neu entdeckte, vermutlich alte regionale Sorte wieder heimisch zu machen und damit den Erhalt typisch bergischer Apfelsorten zu fördern. 

„Streuobstwiesen sind die idealen Bereiche, um die Artenvielfalt zu fördern. Insekten und Vögel finden Nahrung und Lebensraum, und wenn darüber hinaus der Wiesenbereich nur ein- oder zweimal im Jahr gemäht oder, wie bei uns, von Schafen beweidet wird, stellen sich Wiesenkräuter zu allen Blütezeiten ein. Das vermissen wir bei landwirtschaftlich genutzten Grünlandflächen, die nahezu ausschließlich artenarm sind und mit mehreren Mahden pro Jahr nur für Silage benötigt werden. Das geht zu Lasten der Artenvielfalt“, bedauert der RBN.

Umso bedeutsamer sei es, Streuobstwiesen zu pflegen und neue anzulegen. Der Verein hat Nistkästen für Vögel, aber auch für Hornissen aufgehängt, und durch die Pflege mit Pommerschen Landschaften, die zu unterschiedlichen Zeiten die in verschiedenen Bereiche aufgeteilte Wiese beweiden, ist sichergestellt, dass sich eine Vielzahl an Blütenpflanzen hat einstellen können. 

Der Botanische Arbeitskreis ist vom früheren langjährigen RBN-Vorstandsmitglied Hubert Sumser in den 1990er Jahren ins Leben gerufen worden. Der in Botanikkreisen äußerst anerkannte inzwischen über 80-Jährige hatte es sich zum Ziel gesetzt, hatte es sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen des „Projekts Köln Kartiert“ eine Erfassung des Wildpflanzenbestands  im Raum Köln, anschließend auch im Raum Bergisch Gladbach, anzufertigen.

Er gründete  hierzu den Botanischen Arbeitskreis und begann zunächst, den Interessierten die Vielfalt der Pflanzenwelt beizubringen und sicher bestimmen zu lernen. In den nachfolgenden Jahren konnte er nun mit vielen Helfern zusammen die Kartierungen im Gelände fertigstellen und abschließend schriftlich niederlegen und beenden.

Der Botanische Arbeitskreis ist nach wie vor äußerst  aktiv: Von Frühling bis zum Herbst trifft er sich weiterhin wöchentlich, um mit Interessierten die Welt der hier vorzufindenden Wildpflanzen  zu studieren und  das Wissen um sie weiterzugeben – etwa  inwieweit sich Bestände erholt haben oder Pflanzen durch gezielte Hilfsmaßnahmen sich wieder ansiedeln konnten. 

Der (Rheinisch-) Bergische Naturschutzverein ist seit 1975 die Stimme des Naturschutzes im Bergischen Land. Ursprünglich entstanden aus einer Bürgerinitiative engagieren sich Ehrenamtler quer durch das Bergische Land für den Schutz von Natur und Landschaft. Kontakt: info@bergischer-naturschutzverein.de

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