Foto: Thomas Merkenich

Um dem jahrelangen Mangel an Betreuungsplätzen entgegenzuwirken, baut die Stadt Bergisch Gladbach die Anzahl der Kita-Plätze aus. Doch noch immer liegen die Neubauprojekte weit hinter dem Zeitplan – daher gibt es nun sogar weniger Plätze als im Vorjahr. Immerhin: Sinkende Kinderzahlen lassen die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage etwas kleiner werden. Die Lage unterscheidet sich je nach Alter der Kinder und Stadtteilen deutlich.

Obwohl die Anzahl der Neugeborenen und Kleinkinder in Bergisch Gladbach deutlich geschrumpft ist, reichen die Kita-Plätze auch im kommenden Kindergartenjahr nicht aus. Die Lage in Sachen Kinder-Betreuung bleibt also angespannt. Oder ist – wie es die Stadtverwaltung in ihrer Vorlage für den Jugendhilfeausschuss formuliert – „nach wie vor nicht bedarfsdeckend“.

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Eigentlich hatte sich die Stadt in den vergangenen Jahren vorgenommen, Plätze in der Kindertagesbetreuung auszubauen. Doch dieser Ausbau stockt weiter. Daher hat sich im Vergleich zum Vorjahr die Anzahl der (geplanten) Plätze sogar reduziert: Für das kommende Kindergartenjahr, das im August beginnt, sehen die Planungen bis zu 4221 Plätze in 73 Kitas vor. 

Zum Vergleich: Für das aktuelle Kindergartenjahr waren bis zu 4266 Kita-Plätze geplant, im Jahr davor (2024/25) sogar 4312. Was aktuell eher wie ein Abbau statt einem Ausbau anmutet, hängt damit zusammen, dass auch in den früheren Planungen bereits Plätze von Kitas eingerechnet wurden, die noch nicht existieren – bis heute nicht. Zum Stand der Neubauprojekte siehe weiter unten.

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Für das kommende Kita-Jahr plant Bergisch Gladbach mit weniger Betreuungsplätzen als im Vorjahr – obwohl die Stadt einige neue Kitas baut. Diese Bauprojekte haben sich aber verzögert oder liegen ganz auf Eis. Auch der Fachkräftemangel verzögert den Ausbau der Kita-Kapazitäten. Für das nächste Jahr fehlen daher mehr als 500 Plätze.

Kita-Ausbau kommt deutlich langsamer voran als geplant

Bergisch Gladbach braucht dringend weitere Kita-Plätze. Eigentlich sollten 333 zusätzliche Plätze im laufenden Kindergartenjahr in fünf neuen Einrichtungen geschaffen werden. Bauverzögerungen, der Fachkräftemangel und Proteste von Anwohnern bremsen das städtische Ausbauprogramm aber aus und sorgen dafür, dass lediglich ein Bruchteil der geplanten Plätze bis Sommer 2025 entsteht.

Die Reduzierung der Platzzahlen begründet die Verwaltung entsprechend damit, dass der Ausbau „nicht so schnell vorangeschritten ist, wie angenommen“. Außerdem seien in bestehenden Einrichtungen zum Teil Plätze abgebaut worden, „um die pädagogische Qualität zu erhöhen“. 

100 fehlende Kita-Plätze plus Überbelegungen

Rechnerisch fehlen laut Verwaltung insgesamt 100 Plätze in Kitas. Diese betreffen alle den Ü3-Bereich, also Kinder, die älter als drei Jahre sind.

Allerdings fehlen auch bei den Kindern unter zwei Jahren 116 Plätze in Kitas. Die Verwaltung verrechnet diese aber mit 116 Plätzen, von denen es für die Altersgruppe zwei bis drei Jahren rechnerisch zu viele gibt. Inwieweit dieses Unter- und Überangebot in der Kita-Praxis tatsächlich miteinander verrechnet werden kann, geht aus der Vorlage nicht hervor.

Außerdem wurden mit den Trägern insgesamt 65 Überbelegungen der Gruppen vereinbart: Nach wie vor sind manche Kitas bereit, zusätzliche Plätze anzubieten. Würden diese nicht mitgerechnet, würde das Defizit insgesamt schon bei 165 Plätzen liegen.

Für ihre Planungen legt die Verwaltung nicht wie im Vorjahr die Bevölkerungsprognose (die sogenannte Entwicklungsvariante) zugrunde, sondern – wie vor 2025 – wieder die Bevölkerungszahlen zum Stichtag 30. Juni des Vorjahres, um den Bedarf „realistisch abzubilden“.

Das begründet sie mit der großen Diskrepanz zwischen Prognose und zuletzt veröffentlichten tatsächlichen Zahlen, unter anderem mit einem drastischen Rückgang der Geburten (dem niedrigsten Wert seit 40 Jahren). 

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Weniger Babys: Bergisch Gladbach fehlt der Nachwuchs

Die Bevölkerungszahl Bergisch Gladbachs geht zurück, die Zahl der Geburten liegt sogar auf dem niedrigsten Stand seit mindestens 40 Jahren. Das hat Auswirkungen auf die weitere Planungen der Stadtverwaltung – zunächst offenbar bei den Kitas, die gerade unter Hochdruck ausgebaut werden.

So wurden für das Jahr 2026 insgesamt 6411 Kinder unter sechs Jahren prognostiziert, zum Stichtag 30.6.2025 waren es tatsächlich nur 5762 Kinder – damit ergibt sich eine Abweichung von 649 Kindern.

Stadt rechnet mit Klagen von Eltern

Würde die Verwaltung für ihre Planung wie zuvor die Bevölkerungsprognose zugrunde legen, ergäben sich sogar 402 fehlende Plätze. 

Auch wenn sich die Situation in der Kindertagesbetreuung durch den Rückgang der Geburten etwas entspannt habe, rechnet die Verwaltung „weiterhin mit Klagen der Eltern“, deren Kinder keinen Betreuungsplatz erhalten. Auch der gravierende Fachkräftemangel führe dazu, dass die Betreuung „in vielen Kitas nicht verlässlich erfolgen kann“. Es kommt zu verkürzten Betreuungszeiten und tageweisen Ausfällen.

Genügend Plätze in der Kindertagespflege

Anders als bei den Kitas bezeichnet die Verwaltung die Betreuungssituation in der Kindertagespflege als „bedarfsdeckend“. Und das, obwohl die Anzahl der geplanten Plätze mit 364 im Vergleich zu den beiden Vorjahren (378 im Jahr 2025/26 und 389 Plätze 2024/25) gesunken ist.

Der Geburtenrückgang wirkt sich in dieser Betreuungsform besonders aus, da die Zielgruppe insbesondere Kinder unter drei Jahren sind. Rechnerisch gibt es bei der Kindertagespflege ein Überangebot von 15 Plätzen. 

Diese neuen Kitas sind geplant

Aufgrund des großen Mangels an Betreuungsplätzen in der Vergangenheit hatte die Stadt den Bau von vier „Sofort-Kitas“ beschlossen, die durch die Schulbaugesellschaft realisiert werden sollten. Deren Fertigstellung und Inbetriebnahme verzögerte sich allerdings massiv. 

Am weitesten fortgeschritten ist die Kita Schulstraße in Sand: Das Gebäude steht, aktuell läuft der Innenausbau. 70 Plätze sollen dort entstehen. Im September soll die Kita eröffnet werden – mit eineinhalb Jahren Verspätung.

Die Kita Nittumer Weg in Schildgen mit 50 Plätzen verzögert sich wegen eines Kampfmittelfundes. Geplant war die Eröffnung einmal für Mai 2025, zuletzt wurde Ende 2026 genannt. Nun heißt es dazu, es könne „kein realistischer Zeitpunkt der Inbetriebnahme genannt werden“.

Für die Kita Jakobstraße in der Innenstadt, die einmal 70 Plätze bieten soll, steht die Baugenehmigung noch aus. An den Start gehen soll die Einrichtung eigentlich im Frühjahr 2027 (geplant war das einmal für Sommer 2025). 

Die Verwaltung betont in ihrer Vorlage für den kommenden Jugendhilfeausschuss am 10. März, dass sie sich angesichts der Bevölkerungsentwicklung des Geburtenrückgangs auf die Fertigstellung dieser drei Kitas konzentriert; „von der Realisierung weiterer Projekte wird zunächst Abstand genommen“.

Zu den Ausbauplänen gehörte auch einmal die Kita Am Fürstenbrünnchen in Lückerath auf der sogenannten Lena-Wiese, die 50 Betreuungsplätze bieten sollte. Die Pläne für das umstrittene Projekt liegen auf Eis. Die Plätze flossen daher nicht in die aktuelle Planung ein.

Die Versorgung in den Stadtteilen

Beim Blick auf die einzelnen Stadtteile ergeben sich wieder große Unterschiede bei der Versorgung mit Betreuungsplätzen. Angespannt ist die Lage in Bezirk 1 (Schildgen, Katterbach, Nußbaum, Paffrath und Hand), wo laut Verwaltung 58 Plätze fehlen. Allerdings wurden mit den Trägern im Bezirk insgesamt 19 Plätze als Überbelegungen vereinbart. Würden diese entfallen, läge das Defizit bei 77 Plätzen. Außerdem wurden bereits die 50 Plätze der neuen Kita am Nittumer Weg berücksichtigt – obwohl noch nicht einmal feststeht, wann diese eröffnet werden kann. Somit liegt das Defizit tatsächlich bei 127 Plätzen.

Im Bezirk 6 (Refrath, Alt-Refrath, Kippekausen, Frankenforst und Lustheide) fehlen 54 Plätze, ohne die vereinbarten 21 Überbelegungen wären es sogar 75. 

In den Bezirken 4 und 5 (Herkenrath, Asselborn und Bärbroich, Lückerath, Bensberg, Bockenberg, Kaule und Moitzfeld) fehlen den Planungen zufolge 51 Plätze, dazu kommen 7 Überbelegungen. Obwohl in Bensberg zuletzt die neue Kita Reiser eröffnet wurde und sich die Versorgungssituation verbessert hat, gibt es laut Verwaltung in den Bezirken „weiterhin einen Ausbaubedarf“.

Ganz anders die Situation in den Bezirken 2 und 3 (Stadtmitte, Hebborn, Heidkamp, Gronau, Romaney, Herrenstrunden und Sand), wo zwei der neuen Kitas entstehen: Rechnerisch ergibt sich ein „Überangebot“ von 63 Plätzen – auch abzüglich der 18 Überbelegungen wären es noch 47. Die „planerische Überversorgung mit Plätzen“ soll laut Verwaltung das Defizit in angrenzenden Stadtteilen ausgleichen.

Eingerechnet sind allerdings auch schon die beiden neuen Kitas in Sand und in der Innenstadt mit insgesamt 140 Plätzen, von denen voraussichtlich nur ein Teil im Laufe des Kindergartenjahres belegt werden kann. 

Dokumentation

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Ich verstehe nicht, warum die Stadtverwaltung Zahlen schönt, indem Überbelegungen und nicht existente Kitaplätze eingerechnet werden.
    Was soll das bringen?
    Warum kann man nicht die Wahrheit schreiben? „In Bezirk 1 fehlen 127 Plätze. 19 davon können wir durch Überbelegung ausgleichen.“
    Ich bin sehr froh, dass meine schon so groß sind, dass ich keinen Kitaplatz mehr brauche.
    Allerdings ist ein Schulwechsel in Klasse 9 auch unmöglich, weil die Klassen übervoll sind.

    1. Die Zahlen klingen alle wunderbar: neue Plätze, neue Kitas. Aber dass diese Plätze nicht dem Bedarf entgegenzurechnen sind, wird nicht erwähnt. Wir haben einen Mangel an Ü3 Plätzen, aber in jeder neuen Kita werden die Plätze für 2-3 Jährige vorrangig ausgebaut. Da wo wir jetzt schon zu viele Plätze haben, da wo die Kindertagespflege zusätzlich gut abdeckt und bereits jetzt Plätze nicht mehr belegen kann, was zu ersten Schliessungen führt. Genau deswegen gehen die Plätze zurück in der Kindertagespflege. Der Bau der Kitas deckt also nicht den Bedarf der benötigten Plätze, aber die Kindertagespflege muss sich immer deutlicher mit Existenzängsten auseinandersetzen.