Eine Visualisierung des künftigen OGS- und Mensa-Gebäudes für die GGS Hand. Foto: Screenshot Ratsinfosystem

Ab dem kommenden Schuljahr haben auch in Bergisch Gladbach alle Erstklässler einen Rechtsanspruch auf Betreuung im Offenen Ganztag. Stadtweit betrachtet gibt es genügend OGS-Plätze. Dennoch werden einige Familien vermutlich leer ausgehen. Wir haben uns angeschaut, wie die Pläne der Stadt im Einzelnen aussehen.

Die gute Nachricht vorweg: Es gibt im kommenden Schuljahr für alle Erstklässler, die das wünschen, einen OGS-Platz in Bergisch Gladbach: Zumindest stadtweit betrachtet reichen die Betreuungsplätze für Kinder mit einem Rechtsanspruch. Tatsächlich wird es an einzelnen Offenen Ganztagsschulen (OGS) aber voraussichtlich nicht genügend Plätze geben. Das bedarf einiger Erklärung. 

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Zunächst ist festzuhalten, dass ab dem kommenden Schuljahr 2026/27 erstmals ein Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung gilt. Zunächst für alle Erstklässler. In den darauffolgenden Jahren folgen stufenweise die weiteren Jahrgänge, bis er ab 2029/30 alle Grundschulklassen umfasst. Wenn der Rechtsanspruch nicht erfüllt wird, drohen dem Jugendamt Klagen der Eltern.

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Erstklässler werden bei OGS-Plätzen künftig bevorzugt

Ab dem kommenden Schuljahr gibt es einen Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz – zumindest für alle Erstklässler. Allerdings übersteigt die Nachfrage an vielen Bergisch Gladbacher Grundschulen schon jetzt das Angebot. Die Stadt hat daher mit den Trägern Kriterien festgelegt, die darüber entscheiden, wer einen Betreuungsplatz erhält.

So viele OGS-Plätze sind geplant

Die Stadtverwaltung plant für das kommende Schuljahr mit einem Angebot von bis zu 3610 OGS-Plätzen – und damit 302 mehr als aktuell vorhanden sind. Das geht aus einer Vorlage für den kommenden Jugendhilfeausschuss (JHA) am 10. März hervor. Bei diesen Planzahlen handelt es sich um Maximalwerte: OGS-Träger, Schulen und Verwaltung legen fest, wie viele Kinder maximal aufgenommen werden können.

Die Vorlage der Verwaltung und die Anhänge dazu finden Sie im Ratsinformationssystem.

Planung und Wirklichkeit stimmen aber nicht unbedingt überein: So hatte die Verwaltung für das aktuelle Schuljahr 2025/26 mit bis zu 3472 Plätzen geplant. Tatsächlich wurden es nur 3312. So viele Kinder besuchten zum Stichtag 15. Oktober 2025 eine OGS – immerhin 40 mehr als im Jahr davor. Geplant waren allerdings 200 mehr.

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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Die Pläne für den OGS-Ausbau

Die Stadt Bergisch Gladbach plant für das kommende Schuljahr 200 zusätzliche OGS-Plätze an den Grundschulen. Diese sollen unter anderem an den Sofortschulen in Hebborn und Refrath entstehen. Ob es tatsächlich so viele werden, bleibt allerdings fraglich. Die Zeit für den Ausbau drängt, denn der Rechtsanspruch auf einen Platz naht.

Die OGS-Versorgungsquote liegt aktuell bei 76,9 Prozent, was einen leichten Rückgang (um 0,8 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Wenn im kommenden Schuljahr tatsächlich alle geplanten 3610 Betreuungsplätze vergeben werden, würde die Quote auf 82,8 Prozent klettern.

Die künftigen Versorgungsquoten der einzelnen Schulstandorte können laut Verwaltung noch nicht berechnet werden, da das Aufnahmeverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Gleichwohl wird deutlich, wo besonders viele Plätze neu geschaffen werden und in welchen Bezirken die Quoten voraussichtlich am höchsten und am niedrigsten sein werden.

Im aktuellen Schuljahr verzeichnen folgende Grundschulen die höchsten OGS-Versorgungsquoten: GGS Bensberg (99 Prozent), KGS In der Auen (92 Prozent), GGS Gronau (91 Prozent), GGS Kippekausen (90 Prozent). Die niedrigsten Quoten haben die KGS Sand (58 Prozent), GGS Moitzfeld und GGS Schildgen (jeweils 59 Prozent).

Wo neue Plätze entstehen

An vielen Grundschulen wächst die Zahl der OGS-Plätze zum kommenden Schuljahr: Mal sind es nur einzelne (beispielsweise 2 an der GGS An der Strunde, 3 an der KGS Steinbreche), mal sind es deutlich mehr (31 an der KGS In der Auen, jeweils 23 an der GGS Hebborn und der GGS Katterbach, 21 an der GGS Schildgen). An der GGS Paffrath und der GGS Moitzfeld bleibt die Anzahl unverändert, an der KGS Sand fallen 4 Plätze weg.

Den größten Ausbau an Betreuungsplätzen gibt es an der GGS Hand: Durch einen Erweiterungsbau kann die OGS 76 zusätzliche Plätze vergeben. Schulleiterin Barbara Dortmann zufolge erhalten in diesem Jahr erstmals alle Erstklässler, die das möchten, einen Betreuungsplatz. 

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Neubau beendet Jahre des Improvisierens an der GGS Hand

Aufatmen an der GGS Hand: Das neue Gebäude für die Mensa und den Offenen Ganztag kommt gerade noch rechtzeitig. Auch hier gilt ab dem Sommer der Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz. Die Bauarbeiten für die Erweiterung liegen im Zeitplan – Stadt, Schule und Baufirmen feierten jetzt Richtfest.

Ob es tatsächlich mit einem Betreuungsangebot klappt, hängt allerdings von mehreren Faktoren ab: neben der Gesamtzahl der OGS-Plätze, die an einer Schule zur Verfügung stehen, kommt es auf die Zahl der Erstklässler an, die an einer Schule angemeldet werden und die einen OGS-Platz wünschen.

Und schließlich ist entscheidend, wie viele aktuell belegte Plätze zum kommenden Schuljahr frei werden – etwa weil Viertklässler die Schule verlassen oder weil Eltern ihr Kind aus anderen Gründen abmelden.  

Um das kompliziert erscheinende Rechenmodell zu verdeutlichen, zwei Beispiele: An der GGS Schildgen werden laut Planungen der Verwaltung im kommenden Schuljahr 58 Erstklässler neu aufgenommen. 42 wünschen einen OGS-Platz. 26 Plätze werden frei, 21 neu geschaffen. Unterm Strich bleiben also 5 OGS-Plätze übrig. 

Anders sieht die Situation an der GGS Paffrath aus: 70 neuen Erstklässlern stehen 62 gewünschte OGS-Plätze gegenüber. 49 Plätze werden frei, keine zusätzlichen geschaffen. Nach jetzigem Stand würden 13 Kinder leer ausgehen.

Nach dieser Gegenüberstellung der Betreuungswünsche mit der Summe aus freiwerdenden und neu geschaffenen Plätzen ergibt sich außerdem für folgende Schulen eine negative Bilanz: GGS Heidkamp (23 fehlende Plätze), KGS Sand (5), GGS Moitzfeld (10), KGS Steinbreche (4), KGS Frankenforst (7).

Die Verwaltung betont allerdings, dass es noch Schwankungen geben könne – etwa weil sich Familien von Erstklässlern nachträglich doch noch für einen Betreuungsplatz entscheiden könnten oder ältere Kinder doch noch abgemeldet werden.

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Was es bedeutet, keinen OGS-Platz zu bekommen

Jule Roßberg würde gerne mehr arbeiten und sich beruflich weiterentwickeln. Kann es aber nicht, weil die Familie, nun zum zweiten Mal, keinen OGS-Platz bekommen hat. Sie hat für uns aufgeschrieben, was das für sie bedeutet. Vom Arbeitsbeginn um 6 Uhr morgens bis hin zur Höhe der Rente, die sie einmal beziehen wird.

Es fehlt an Räumen und Personal

Hauptproblem ist und bleibt, dass es an den meisten Grundschulen an Räumen fehlt, um weitere Kinder zu betreuen. Vor allem an Essensräumen mangelt es häufig. Denn wenn nicht genügend Platz ist, dass alle Kinder zu Mittag essen, können sie auch nicht bis 15 oder 16.30 betreut werden. An der GGS Hand mussten viele Schüler:innen in den Klassenräumen essen – durch den Neubau gibt es dort künftig eine große Mensa.

Dort, wo das möglich ist, nutzen Grundschulen ihre Klassenräume multifunktional: Vormittags wird darin unterrichtet, nachmittags wird dort gespielt, gebastelt oder es finden andere OGS-Angebote statt. 

Neben den Raumproblemen besteht laut Verwaltung außerdem – wie auch bei den Kitas – ein Personalmangel. Durch die angespannte Arbeitsmarktsituation werde es für die Träger „zunehmend schwerer, geeignetes Fachpersonal zu finden“, heißt es.

Weil in den kommenden Jahren der Rechtsanspruch auf die anderen Grundschul-Jahrgänge ausgeweitet wird, muss die Stadt weitere OGS-Plätze schaffen. Die groben Planungen sehen eine Aufstockung auf insgesamt 3800 Plätze im Schuljahr 2029/30 vor. 

Aktuell müssen sich die Eltern der kommenden Erstklässler gedulden: Die endgültige Schulplatzzusage erhalten sie erst Ende März. Und damit erfahren sie auch, ob ihr Kind einen OGS-Platz erhält oder nicht.

Dokumentation

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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