Für den kompletten Umbau des Geländes der ehemaligen Papierfabrik werden 30 Jahre veranschlagt, die Planungen stehen am Anfang. Als Basis legt das Projektteam dem Stadtrat jetzt einen Strukturatlas vor – der erste Pflöcke für die Konversion des Zanders-Areals anbietet und zugleich eine ziemlich konkrete Vision für eine rasche Nutzung des Geländes eröffnet. Auch für Zwischennutzungen gibt es erste Ansätze.

Seit einem Jahr feilt das Zanders-Projektteam mit dem niederländischen Büro Karres en Brands an den Grundlagen für den Umbau des 37 Hektar großen Zanders-Areals, erste Grundlinien wurden im April im Stadtrat vorgestellt und im Mai der interessierten Öffentlichkeit präsentiert. Jetzt sind der versprochene „Strukturplan“ und der „Strukturatlas“ fertig, der alle Grundüberlegungen, Planungsprinzipien und Ideen auf 78 Seiten zusammenbringt – und sehr viel interessanten Lesestoff bietet.

Die gesamte Strukturplanung wird am 15. Juni zunächst im Zanders-Ausschuss beraten und soll am 21. Juni im Stadtrat beschlossen werden. Als Basis für die weitere Arbeit, die zunächst darin bestehen wird, eine Vielzahl von Gutachten, Studien und Machbarkeitsstudien in Auftrag zu geben.

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Zur Vorbereitung hat die Verwaltung die entsprechende Beschlussempfehlung und die Strukturplanung im Ratsinformationssystem veröffentlich. Hinzu kommt ein Sachstandsbericht, welche Gebäude für Zwischennutzungen in Frage kommen. Schon im Herbst 2022 soll ein erster Förderantrag gestellt werden. Und schließlich soll der Stadtrat über erste Investitionen entscheiden, von der Anschaffung eines Toilettenwagens und einer mobilen Heizung für das „Museum“ bis zur Teilsanierung der Halle 1B für 1,5 Millionen Euro.

Plan + Atlas = Planung

Die Stukturplanung enthält zunächst einmal den sogenannten Strukturplan, der nur aus zwei Seiten besteht: einer Karte mit der grundlegenden Struktur des Geländes aufgrund des Gebäudebestands, der Freiräume und bestehenden Wegebeziehungen. Sowie einer Vision, wie das Gelände am Ende der Konversion genutzt werden könnte:

Quelle: Ratsinformationssystem Stadt Bergisch Gladbach

Der Strukturatlas erläutert den Plan und fasst den aktuellen Stand der Überlegungen, alle Ideen, Visionen und Träume auf 78 Seite zusammen. Gut verständlich und gut illustriert.

Auch wenn der Atlas noch keine Entscheidungen vorwegnehmen soll enthält er für den Weg der Konversion deutliche Empfehlungen und Prinzipien. Sie waren im Stadtrat bereits vorgestellt und grundsätzlich begrüßt worden. An einer formalen Zustimmung besteht daher kein Zweifel.

Eine Zanders-Stadt mit drei Stadtvierteln

Die Planer geben auch eine Empfehlung für eine grundlegende Aufteilung des Areals in drei Funktionen ab. Ausgehend von der heutige Bebauungsstruktur schlagen sie innerhalb der „Zanders-Stadt“ drei unterschiedliche Stadtviertel vor:

Foto: Screenshot Ratsinformationssystem der Stadt Bergisch Gladbach

Das westliche Gebiet (hin zum Drescher Kreisel und zur unteren Hauptstraße) soll „durch die Freiflächen charakterisiert sein, in der verschiedene Solitäre angeordnet werden“. Leitgedanken sei das Prinzip einer offenen Stadt und eines urbanen Campus.

Das bereits dicht bebaute Kernareal entlang der „Mainstreet“ und den Papiermaschinen-Hallen soll zu einer neuen „Altstadt“ werden, mit Gewerbe und Wohnungen, und einer Integration der Baudenkmäler.

Der östliche Teilbereich mit dem Parkplatz an der Bensberger Straße soll unbebaut bleiben, aber zu einem „Stadtpark“ qualifiziert werden. 

Welche Teile des gesamten Geländes später wie genutzt wird, soll vorerst offen bleiben. Grundsätzlich soll es einen „Mix aus Wohnen, Gewerbe, Bürogebäuden, Grün, Wasser, Freizeitaktivitäten, Bildung, Kultur und ggfls. auch mit modernen innovativen Produktionsbereichen“ geben.

Aber auch hier zeigt der Strukturatlas schematisch, wie eine solche Verteilung aussehen könnte:

Foto: Screenshot Ratsinformationssystem der Stadt Bergisch Gladbach

Aber Achtung: Die farblichen Kennzeichnungen auf dieser Darstellung gehen weit über das eigentliche Zanders-Gelände (gestrichelte Linie) hinaus. Vor allem die angedeuteten riesigen Flächen für Wohnen befinden sich außerhalb.

Zanders im Kleinen

Insgesamt, so der Strukturatlas, werde die Konversion rund 30 Jahre lang dauern. Aber der Atlas bietet in seinem letzten Kapitel auch eine Perspektive, wie die künftige „Zanders-Stadt“ in einem kleineren Teilgebiet schon sehr viel schneller Realität werden könnte.

Das Konzept unter dem Titel „Zanders im Kleinen“ erfasst ein Teilgebiet, das so klein gar nicht ist: den nördlichen Geländebereich zur Innenstadt hin, mit dem alten Verwaltungsgebäude und den umliegenden Büros, der alten Gleisanlage, dem Büstengarten, den großen Hallen mit dem „Gohrsmühle“-Schriftzug, das alte Kantinengebäude (Forum) sowie die denkmalgeschützten Bereiche im Zentrum des Areals mit dem „Museum“ bis hin zur alten Zentralwerkstatt.

Hier könnten, das legt die folgende Skizze nach, einige substanzielle erste Nutzungen eingerichtet werden, und das schon innerhalb von drei Jahren: Eine Veranstaltungshalle, ein Innovationszentrum und sogar ein Büroneubau. Ergänzt durch Biergarten, Blumenwiesen, einer in Teilen geöffneten Strunde und einigem mehr.

Foto: Screenshot Ratsinformationssystem der Stadt Bergisch Gladbach

Diese Gebäude wurde bereits geräumt und vom Insolvenzverwalter an die Stadt zurück gegeben; hier könnte theoretisch also bald gestartet werden.

Für die sogenannte „Gleisharfe“ mit den schon lange nicht mehr genutzten Rangiergleisen, hegt der Strukturatlas besonders konkrete Pläne: Sie soll den Bürger:innen möglichst rasch zugänglich gemacht werden, als Scharnier zwischen Innenstadt und „Zanders-Stadt“ dienen und zu einem echten Park entwickelt werden.

Am anderen Ende von „Zanders im Kleinen“ würde die alte Zentralwerkstatt liegen, und damit würde man bis in die Mitte des gesamten Geländes vorrücke. Diese Werkstatt ist zugleich das Herzstück des „Altstadtbereich“ mit den denkmalgeschützten Gebäuden und sollte, so die Beschlussvorlage der Stadtverwaltung, rasch zugänglich und erlebbar gemacht werden. Durch eine Nutzung mit starkem Besucherverkehr, wie zum Beispiel einem Projektbüro oder einem Ausstellungsraums.

Für die Gleisharfe und die Zentralwerkstatt will das Projektteam schon im Herbst 2022 einen vorgezogenen Antrag zur Städtebauförderung stellen – und legt dem Stadtrat neben einem Beschlussvorschlag eine weitere Skizze vor:

Zanders Gleisharfe Zentralwerkstatt
Foto: Screenshot Ratsinformationssystem der Stadt Bergisch Gladbach

Noch mehr Ideen für Zwischennutzungen

Parallel zu den Arbeiten an der Strukturplanung hat das Projektteam untersucht, welche Teilbereiche und welche Gebäude sich kurzfristig für Initial- und/oder Pioniernutzungen einsetzen lassen. Dafür gibt es zwar hohe Hürden, weil die Gebäude nach dem plötzlichen Aus der Papierfabrik weder über Strom noch Wasser verfügen, von Brandschutz ganz zu schweigen. Zum Teil sind Schadstoffe gefunden worden, zum Teil müssten die Gebäude zunächst saniert werden.

Dennoch haben die Planer in einer Vorlage für den Stadtrat eine ganze Reihe von Gebäuden identifiziert und aufgelistet, die sich in der Regel im Bereich befinden, der auch für „Zanders im Kleinen“ ins Auge gefasst wurde.

Foto: Screenshot Ratsinformationssystem der Stadt Bergisch Gladbach

Die Halle 1B könnte demnach ein „temporär bespielbarer Ort für diverse Nutzungen“ werden, die Staplerwerkstatt ein Café oder Bistro, die Ausbildungswerkstatt eigne sich für kleinteilige Nutzungen.

Auch mit zwei potenziellen Nutzern hat das Projektteam bereits gesprochen.

Beim ersten dieser Vorhaben geht es um das Regionale-2025-Projekt „Innovationszentrum für digitale Bildung“ in Handwerk und Mittelstand, das vom Kreis Rhein-Berg, der Rheinisch-Bergischen Wirtschaftsförderung und der Kreishandwerkerschaft getragen wird. Eigentlich sollte es an der Bensberger Straße angesiedelt werden, doch diese Pläne hatten sich zerschlagen. Daher habe die Regionale-2025-Agentur darauf gedrängt, das Innovationszentrum auf das Zanders-Gelände zu verlagern.

Das zweite Projekt greift auf das „WandelWerk 1.0“ zurück, das der Verein „KLuG – Köln leben und gestalten e.V.“ vor zwei Jahren in Neuehrenfeld umgesetzt hatte. Als Experimentierraum für eine nachhaltige Stadtentwicklung. In angepasster Form könnte ein ähnliches Vorhaben auch auf dem Zanders-Areal eine Heimat finden, zum Beispiel in der Ausbildungswerkstatt, in der Halle 720 oder in der Halle 120, heißt es im Sachstandsbericht.

Dokumentation

Den gesamten Strukturatlas können Sie im Ratsinformationssystem herunterladen oder direkt hier lesen:

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. Das Gelände sollte möglichst umgehend zwischen Cederstraße und Poststraße für den Radverkehr geöffnet werden. Das würde die Fahrt zwischen Finanzamt/Kaufland und Innenstadt deutlich erleichtern.