Michael Müller auf den Weg zum Baum. Fotos: Annette Voigt

Sie waren angetreten, um die Obstwiesen im Bergischen zu retten – durch eine regelmäßige Pflege der Bäume. Doch inzwischen müssen die Obstwiesenretter zusätzlich mit Wasserkanistern antreten, um die Bäume im heißen Sommer vor dem Tod durch Verdursten zu retten. Auch jetzt noch, wenn es wieder regnet. Wir haben Sie auf der Streuobstwiese in Herrenstrunden begleitet – und Tipps für das richtige Gießen gesammelt.

Die wochenlange Trockenheit hat ihre Spuren hinterlassen. Bäume, die sich verfärben, ihre Blätter verlieren und vertrocknen. Die Bäume, die eigentlich unsere Stadt kühlen sollen, geraten an ihre Belastungsgrenze. Das wollen zehn Naturliebhaber:innen mit ihrem ehrenamtlichen Engagement verhindern. In der heißen Zeit haben sie zweimal in der Woche im städtischen Raum bewässert – und so die Bäume vor dem Verdursten gerettet. Zum Beispiel auf der Streuobstwiese oberhalb des Dorfplatzes in Herrenstrunden.

Die Akteure nennen sich „Bergische Obstwiesenretter“, wobei sich ihre Tätigkeit zunehmend auf die Kulturlandschaftspflege ausweitet. Sie pflegen und erhalten die biologische Vielfalt ihrer Heimat und Kultur. Eigentlich steht die Baumpflege im Vordergrund, denn ohne kontinuierliche Pflege würden diese bald verwildern. Angesichts der Wetterextreme hatte das Gießen jedoch Priorität. 

Die ersten Bäume in Herrenstrunden wurden 2012 vom Bürgerverein Herrenstrunden gepflanzt, für die die Obstwiesenretter 2020 die Pflege übernahmen. Begonnen hat alles 2021, als die Gruppe hier auf der Wiese ihre eigenen Apfelbäume, alte Sorten, pflanzten. Hier auf dem Dorfplatz teilt sich die Gruppe die anstehende Arbeit derzeit auf. Die einen richten für das Strunde-Fest den Platz her, stutzen Bäume, jäten Unkraut und legen Wege frei wie den kleinen Weg zum Belvedere. Die anderen wässern. 

140 Bäume werden regelmäßig versorgt

Bewässert wird auch in der Gartensiedlung Gronauer Wald, im Stadtgarten Bensberg zwischen Vinzenz-Pallotti-Krankenhaus und Schloss und auf der Wildblumenwiese in Herkenrath. „Jetzt in den Schulferien können die Schüler des Gymnasiums in Herkenrath nicht selbst gießen, sodass wir dies dann übernehmen“, sagt Michael Müller, einer der Initiatoren. 

Mittlerweile sind es 140 Bäume, die die Gruppe regelmäßig versorgt. Das notwendige Wasser erhalten sie von Privatpersonen und Unternehmen. In Herrenstrunden nutzen sie eine städtische Wasserleitung. „Die Stadt weiß Bescheid“, erklären sie.

Der Wasserverbrauch ist enorm, denn besonders die Jungbäume müssen alle zwei bis drei Tage gegossen werden. Je nach Baumgröße werden etwa 20 bis 50 Liter bei jungen Bäumen sowie 100 bis 150 Liter bei Altbäumen pro Woche verbraucht. Je breiter die Krone eines Baumes, desto mehr Wasser braucht er. 

Gibt es kein Wasser in Nähe des Gießortes befördern die Baumretter in großen 20-Liter-Kanistern das wertvolle Nass mit dem Auto und Anhänger. Die Herkenrather Wiese, die gegossen wird, liegt an einem Hang, sodass die Kanister mit der Schubkarre vom Parkplatz aus oder zu Fuß transportiert werden. Eine anstrengende und mühevolle Arbeit. 

„Bei über 30 Grad wird es für den Baum gefährlich“, erklärt Thomas Klostermann. Michael Müller schmerzt der Überlebenskampf der Bäume bei dieser Trockenheit sehr. „Sie werfen ihre Blätter ab und hoffen so, durchzuhalten. Wer weiß, wie lange sie es noch schaffen werden.“   

Peter hilft nur in den Ferien. „Gegen diese Dürre muss ich doch etwas tun“. Tara absolviert ihren Bundesfreiwilligendienst beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und hilft jeden Freitag mit beim Gießen. „Ich bin in der Natur aufgewachsen und leiste so meinen Beitrag, die Natur zu erhalten. Ohne die Natur gäbe es uns Menschen nicht“, meint sie.

Harm-Wulf Thelen liebt Bäume und arbeitet gerne in der Gemeinschaft. „Es macht mir Spaß, in der freien Natur zu sein und ich möchte mit dazu beitragen, diese zu erhalten.“

Gieß-Tipps von Experten

„Viele meinen, dass der Regen der letzten Tage den Bäumen reicht. Das stimmt jedoch nicht. Es ist allenfalls eine Erfrischung für die Bäume. Für ihr Wachstum brauchen diese viel mehr Wasser. Also heißt es trotz Regen gießen, gießen, gießen“, betont Klostermann. 

Damit Bäume und Pflanzen das Wasser optimal aufnehmen können, sind Gießränder hilfreich. Dabei wird ein kleiner Wall, um den Stamm errichtet. So wird verhindert, dass das Gießwasser unkontrolliert abfließt. Bei einem ausgetrockneten Boden kann das Wasser nicht mit einem Mal einsickern. Es soll daher langsam in kleinen Mengen gleichmäßig und dosiert gegossen werden. Bei Bäumen am Hang ist der Gieß-Rand nach unten zu verstärken.

Die Erde ist so trocken, dass an vielen Bäumen die Spitzhacke eingesetzt wird, um das Erdreich zu lockern. Jede Woche von neuem. Die Kühe auf der Wiese zertrampeln oft die Gieß-Ränder. Angst vor Kühen darf die Gießgruppe nicht haben. Eine junge, besonders zutrauliche Kuh kommt im Galopp auf sie zu. Sie lässt sich streicheln, denn Tara füttert sie jedes Mal mit einem Apfel. 

Mulchen hilft, um die Verdunstung des Wassers zu vermeiden und sorgt für Schatten. Es muss kein Mulch gekauft werden. Schnittgut oder Gras tun es auch. Das Laub, das die Bäume jetzt aufgrund der starken Hitze abwerfen, kann liegenbleiben. Laub schützt ähnlich wie Mulch. Das Laub reichert zudem den Boden mit wertvollen Nährstoffen an, sobald es sich zersetzt. Gewässert wird morgens oder abends. So verdunstet weniger Wasser.

Besonders Straßenbäume, junge Bäume und Bäume an versiegelten Standorten brauchen jetzt viel Wasser. Wer ausreichend gießt, trägt mit zum Erhalt unserer grünen Infrastruktur bei. Dazu kann jede:r beitragen und nicht nur die Baumretter.

Weitere Mitstreiter sind willkommen. Michael Müller, michimue@gmx.de 

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