Der Kauler Hof in Bensberg blickt auf eine lange Geschichte zurück – und schafft es trotzdem, modern und einladend zu wirken. Das liegt nicht zuletzt an der Küche: Die deftige Brauhaus-Kost weiß auch anspruchsvolle Gaumen zu überzeugen, und die Tageskarte punktet mit saisonalen Akzenten. Da verzeiht man es gern, wenn der Kellner mal das Kölsch verschüttet.
Im vollen ICE von Berlin nach Köln sitze ich neben einer Frau Mitte Zwanzig, die für eine NGO in Berlin arbeitet. Sie ist auf dem Weg nach Bensberg, um ihre Großeltern über‘s Wochenende zu besuchen. Ich freue mich, im anonymen Strom der Reisenden jemanden „von zu Hause“ zu treffen, zugleich wundere ich mich darüber, dass ein junger Mensch ein Wochenende im wilden Berlin gegen eins in Bensberg tauscht.
Sie erzählt mir, dass sie schon als Kind mit ihren Großeltern viel Zeit in Bensberg verbracht habe. Dazu gehöre auch, im Kauler Hof einzukehren, das Päffgen Brauhaus, das inmitten eines Wohngebiets auf den Hügeln von Bensberg liegt. Wie es der Zufall will, zählt „die Kaule“ auch zu meinen Lieblingsorten. Sie vereint die Qualitäten eines Stammlokals mit anspruchsvoller Brauhauskost zum fairen Preis.
Erst neulich war ich mit meiner Familie dort. Draußen oder drinnen sitzen? In der milden Abendluft ist es angenehm im Hof des Fachwerkhauses unter Schirmen und Bäumen.

Aber auch drinnen sitzt man gut, im großen Innenraum mit den hellen Wänden, den altmodischen Fensterfronten an zwei Seiten und den großzügig im Raum verteilten Holztischen. Ein Wagenrad, zum Kronleuchter umfunktioniert, prangt unter der Decke, der abgewetzte Dielenboden scheint leicht zu federn. Mood-Bilder in Sepia-Tönen aus dem Päffgen-Universum schmücken die Wände.
Vor Renovierung und Neueröffnung durch Pächter Sebastian Fitzon im Dezember 2021 hing da eine verrückte Auswahl stilistisch unterschiedlicher Gemälde, die alle das gleiche Motiv hatten: Kühe. Sie gaben dem Lokal einen besonderen Charakter, den ich manchmal vermisse. Aber wie das bei einem Stammlokal so ist: Man geht trotzdem hin. Weil es nicht weit ist, man die Belegschaft kennt und umgekehrt selbst erkannt wird, das Ambiente stimmt – und weil es schmeckt.



Zum Beispiel die Kalbsleber mit Schmorzwiebeln, Kartoffelpüree und Apfelmus (22,90 Euro). Sie wird kräftig angebraten, sodass sie Röstaromen entfaltet und außen fast knusprig ist, innen aber noch zart. „Schon seit zwei Stunden aus“, sagt die Kellnerin, als mein Mann die Leber bestellen will. Fast jeder Tisch ist besetzt und der Lärmpegel entsprechend hoch.
Die Kellnerin versorgt gemeinsam mit einem neuen Kollegen den gesamten Innenraum. Sie hat keine ruhige Minute, nimmt Bestellungen auf, tauscht leere Kölschgläser gegen volle, trägt Schweinshaxen und große Teller mit Kotelett, Bratkartoffeln und Spiegelei hinein und leere Teller, übereinandergestapelt, wieder heraus. Hinterm Tresen wechseln zwei weitere Mitarbeiter das Fass und zapfen im Rekordtempo Päffgen Kölsch in die Gläser im Kranz.

Als Zugezogene ist das eines dieser Dinge, die ich an Brauhäusern zu schätzen weiß: Es geht flott. Zwar mussten wir eine Viertelstunde auf die Kellnerin warten, um zu bestellen.
Doch wenig später steht das Essen schon vor uns: Himmel un Ääd mit gebratener Blutwurst mit Schmorzwiebeln, Kartoffelpüree und warmen Apfelmus (15,50 Euro), Currywurst mit Pommes Frites mit hausgemachter Currysauce (11,90 Euro), ein Beilagensalat (4,50) sowie Matjes mit Bratkartoffeln und grünen Bohnen (17,50 Euro).
Der Matjes ist mit Dill und hartgekochten Eierscheiben dekoriert, er ist frisch und mild im Geschmack. Die Bratkartoffeln, in dicke Würfel geschnitten, sind wunderbar knusprig. Die grünen Bohnen hingegen bräuchte es nicht für mich. Beim zweiten Matjesgericht auf der Karte „Nach Hausfrauenart“ in Sahnesauce und ebenfalls mit Bratkartoffeln (18,50 Euro) gibt es sie jedenfalls nicht.




Himmel und Ääd ist nicht nur ein Brauhaus-Klassiker, sondern auch eines meiner Lieblingsgerichte. Heute hat es mein Mann bestellt – die Blutwurst ist scharf angebraten, sodass sie unten eine Kruste hat, ein schöner Kontrast zum weichen Fleischbrei. Im Zusammenspiel mit dem warmen, süß-sauren Apfelmus, das immer etwas stückig ist und dem Kartoffelpüree – echtes Comfort Food.
Meine Tochter sagt nicht viel – sie ist mit den dünnen und knusprig frittierten Pommes Frites, die trotzdem hellgelb sind, beschäftigt. Erst danach widmet sie sich der Currywurst mit selbstgemachter Sauce. Viel zu süß, finde ich. Aber insgesamt lecker.
Noch ein Wort zum Beilagensalat. Ist er nicht im Gericht enthalten, wie das etwa bei Kotelett „Natur“ mit Schmorzwiebeln und Bratkartoffeln (19,90 Euro) der Fall ist, beim Schnitzel „Wiener Art“ mit Bratkartoffeln (19,90 Euro) oder beim Wiener Schnitzel vom Kalb mit Bratkartoffeln (27,90 Euro), dann bestelle ich stets einen dazu. Denn die Mischung aus Krautsalaten, Blattsalaten und der sahnigen Salatsauce, die selbst herzustellen einigen Aufwand bedeutet, ist ein – fast gesunder – Genuss.
Kauler Hof
Kaule 55, 51429 Bergisch Gladbach
Telefon: 02204 55944
E-Mail: info@kauler-hof.de
Öffnungszeiten:
Mittwoch – Donnerstag: 16.30 – 22.30 Uhr
Freitag – Samstag: 16.30 – 23 Uhr
Sonntag: 16 – 22 Uhr



Manchmal geht auch etwas schief. „Wo bleibt mein Eis?“, fragt meine Tochter mit gequältem Blick, der nicht von einem leeren Magen herrühren kann. Als wir unsere Kellnerin an unsern Tisch gelotst haben, tut es ihr leid: „Ich hab’s komplett vergessen.“
Zuvor hat uns der Kellner auch schon das falsche Gericht gebracht – Cordon Bleu statt Kottelet. Ein anderes Mal hat er mein Kölsch umgestoßen. Und davor musste er auch mal rennen um den Lappen zu holen, unsere Tochter hatte ihre Limo umgestoßen. So geht das im Stammlokal – es ist ein bisschen wie zuhause.
Als unsere Kellnerin losstürzen will, um „ganz schnell“ die stattliche Portion Vanilleeis mit Schokoladensauce und Sahne (6,50 Euro) zu besorgen, sagen wir freundlich danke. Beim nächsten Mal. Vielleicht treffe ich ja dann auch meine Reisebekanntschaft aus dem ICE von Berlin nach Köln wieder, zusammen mit ihren Großeltern?
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Bin bei allen hier aufgeführten Punkten dabei, nur die Akustik im großen Saal ist bei voller Besetzung erdrückend und konnte in fast 40 Jahren, die ich das Lokal besuche, nie verbessert werden.
Wir waren erst gestern dort. Super leckeres Essen und ein toller Köbes. Wir kommen ganz bestimmt wieder.
Wohlfühllokal mit gutem Essen, freundlichem Personal und sympathischen Wirt