Michael Müller engagiert sich im Bergischen Streuobstwiesenverein, der gemeinsam mit anderen Vereinen die Obstwiesenretter stellen

Seit vielen Jahrzehnten reifen auf den Wiesen unterhalb des Kardinal Schulte Hauses in Bensberg alte Apfelsorten heran. Dank der Bergischen Obstwiesenretter bietet die Kulturlandschaft jetzt wieder ein wunderbares Bild, ergänzt durch aufschlussreiche Infotafeln. Nun soll ein Ernährungsrat gegründet werden, der das regionale Obst zu den Verbrauchern bringt.

Rot, grün, gelb leuchten die Apfelsorten, die auf den Obstwiesen des Kardinal Schulte Hauses reifen. Sie alle zählen zu der Gruppierung Kulturapfel. Gesetzt wurden viele der Bäume im Jahr 1957, erinnert sich Lothar Eschbach, der einen Spaziergang im Wieseneck zu schätzen weiß.  

Direkt nachdem man die Einfahrt unter dem historischen Pförtnerhaus passiert hat, erschließt sich optisch eine harmonische, ländliche Idylle.  Obstbäume säumen den Rand der Wiese. Rot leuchten einige Äpfel im Sonnenschein. Sie werden zum Blickfang Richtung Bensberg Panorama, wo das Schloss sich mit strahlendem Weiß vom blauen Himmel absetzt.

Diesen Ausblick genießend, plaudere ich mit Obstwiesenretter Michael Müller. Er kennt auch die Apfelsorten, die hier gedeihen. Nennt anmutige aber auch historisch klingende Namen wie  Rote Sternrenette,  Boikenapfel, Bäumchens Apfel, Kaiser Wilhelm, Renette, Goldpärmene oder Jakob Lebel. 

Rund 200 Obstbäume bereichern die Wiesen. Zu ihnen zählen neben den Äpfeln auch Birnbäume, Kirschen und Pflaumen. Ihre Betreuung hat Hartmut Brückner vom Bergischen Steuobstwiesenverein übernommen.

Zum ehrenamtlichen Team der bergischen Obstwiesenretter gehören Gabi Lieberoth vom Obst- und Gartenbauverein Refrath, Thomas Klostermann vom Bergischen Geschichtsverein und Michael Müller vom Bergischen Streuobstwiesenverein.

Spezialität der Bergischen Obstwiesenretter ist es alte, jahrelang nicht geschnittene Obstwiesen wieder in einen guten Zustand zu bringen. Das hat man auch in Bensberg liebevoll umgesetzt. So ist sicher, dass die knorrigen Obstbäume noch lange Früchte tragen. Ihre Stämme geschützt werden, sei es vor Rindern, Schafen, Ameisen oder Wühlmäusen. 

Michael Müller verweist im Gespräch auf den in der Gründungsphase befindlichen Ernährungsrat.  Er betont: „Wir müssen erreichen, dass wir wieder regelmäßig Tafelobst von den Bensberger Wiesen verkaufen können.” Dies könne  beispielsweise über Händler auf den Wochenmärkten erfolgen. Ein regionales Verarbeitungszentrum ist ein weiteres Ziel. Hier sollen weniger haltbare Früchte direkt in die nächste haltbare Verarbeitungsstufe gebracht werden.

Lothar Eschbach ist ein gebürtiger Bensberger. Ihm liegt die Zukunft der Obstwiesen ebenfalls am Herzen. Für ihn steht fest: „Wenn die Bäume keiner pflegt, verlieren wir eine Kulturlandschaft. Eine Landschaft, die einst Selbstversorger wie das Vinzenz-Pallotti-Hospital nutzten und hier sogar Viehzucht betrieben.“

Unbedingt empfehlenswert ist ein Spaziergang auf den offenen  Wegstrecken der Obstwiesen. Hier gibt es Informationen an den Bäumen. Es wird erläutert, um welche Obstsorte es sich handelt. Dabei entdeckt man dann auch den Baum „Jakob Lebel“. Seit den 1920er Jahren gehörten diese Äpfel zu den Reichsobstsorten. Im Rheinland ist diese Sorte bereits seit 1902 verzeichnet und häufig anzutreffen. 

Nahe der farbenfrohen und schönen Infotafel „Obstwiese“ steht der stattliche „Jakob Lebel“. Er ist gekennzeichnet mit einem Namensschild. Blickt man nach oben Richtung Kardinal Schulte Haus entdeckt man eine Reihe Obstbäume. An diesen Bäumen wurden Informationen hinterlegt. Damit steht fest, bei einem geruhsamen Spaziergang kann man hier viel über das heimische Obst lernen.

Ein Körbchen mit bunten Apfelsorten und knackigen Birnen begleitet mich nach Hause. Ich habe auch Fallobst im Gepäck. Das wird flott gewaschen, geschält und verspeist. Die Benotung rund um Aroma, Süße usw. liegt bei Sehr gut.  

Helga Niekammer

ist freiberufliche Journalistin (Text und Bild), weitere Berichte und Fotos finden Sie auf bensberg-im-blick.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

1 Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Ein schöner Bericht über eine wunderbare Initiative. Hoffentlich geht von den Bensberger Obstwiesen eine Beispielwirkung für möglichst viele Privatleute aus, den einen oder anderen Obstbaum in den heimischen Garten zu pflanzen. Nützliche Tipps, was es zubeachten gibt, gibt’s reichlich, zum Beispiel beim NABU und den Landwirtschaftskammern.