Die Gartensiedlung Gronauer Wald ist eine Stadt in der Stadt, voller architektonischer Sehenswürdigkeiten, großer Bäume und gepflegter Gärten. Wer Inspiration für den eigenen Vorgarten sucht, wird hier reichlich fündig. Wir waren vor Ort und haben uns mit einigen der Bewohnerinnen und Bewohnern unterhalten.

Grün, wohin das Auge blickt. Auf kleinstem Raum gedeihen – von Hecken und Holzzäunen eingefriedet – stattliche Bäume, üppige Gehölze, immergrüne Bodendecker und blühende Zierpflanzen. Rosen und Efeu beranken Hauswände und Eingänge. Unzählige Grüntöne, die mit den Farben der Blumen verschmelzen, machen diese Vorgärten so einladend und bewirken ein angenehmes Flair.

Wir befinden uns in der Gartensiedlung Gronauer Wald, 1897 von Anna und Richard Zanders an der heutigen Richard-Zanders-Straße mitten in der Stadt gegründet worden ist und heute eine besondere Stellung in Bergisch Gladbach genießt.

Hintergrund: Mit der Serie „Mehr Grün für unsere Stadt …“

… will unsere Autorin Annette Voigt auf Musterbeispiele für grünes Engagement in Bergisch Gladbach und im Rheinisch-Bergischen Kreis aufmerksam machen. 

Angesichts der zunehmenden Negativauswirkungen des Klimawandels wie Hitze -und Trockenperioden, Starkregen und Hochwasser ist der Erhalt von Grünflächen und die Neuanpflanzung klimaresistenter und schattenspendender Pflanzen, Bäume und Gehölze notwendiger denn je. In Zeiten knapper werdenden Wasserressourcen gilt es auch hier umzudenken und einzusparen, z. B. indem Rasenflächen zu blühenden Blumenwiesen umgewandelt werden. Möglichst viel Grün gehört in die Stadt, denn das sind die grünen Lungen der Bergisch Gladbacher Bevölkerung, unsere Sauerstoffproduzenten.

Doch statt dessen ersetzen Schottergärten und durchgeflieste Flächen ehemals grüne Vorgärten. Sie wirken der Biodiversität entgegen und berauben den Insekten und Kleingetier ihren Lebensraum. Da es von der Stadt keine Verfügungen gibt, die diese grauen „Steinwüsten“ verbieten oder zumindest reglementieren, können diese Beispiele dazu beitragen, an die grüne Vernunft zu appellieren.

Eine ganze Reihe von Gartenprojekten haben wir bereits vorgestellt.

Kennen Sie weitere Projekte dieser Art? Melden Sie sich gerne bei der Autorin.

Die beruhigende Wohnlichkeit der Gartensiedlung ist aber nicht nur das Ergebnis des ursprünglichen Gestaltungskonzepts – sondern auch das Werk der Menschen, die hier wohnen. Wer durch das Quartier spaziert, sieht vielerorts pittoreske Blumengalerien, wilde Wiesen, heimische und exotische Pflanzen, gemütliche Sitzecken, hübsche Dekorationen. Fassadengrün. Blumen in Kübeln und auf Fensterbänken sind eher spärlich, leuchten aber dafür umso mehr.

Nur wenige Gemüse-Hochbeete und Obstgehölze erinnern noch an die früheren Nutzgärten eines jeden Hauses. Ein kleiner Quittenstrauch am Gartentor von Angelika und Karl; Kornelkirsche, Mirabelle und Wildapfel in Martins Vorgarten oder ein Berlepsch-Apfel bei Roland. Stolz erzählen die Gartenbesitzer, dass sie daraus Marmelade zubereiten.

Vorgärten werden als optische Visitenkarte eines Hauses bezeichnet. Sie sind der erste Eindruck vom Wohnbereich und bilden den Übergang von der Straße zum Haus, zwischen öffentlich und privat. Für die Menschen, mit denen wir gesprochen haben, ist ihr Haus ohne Vorgarten gar nicht denkbar.

Hinweis der Redaktion: Unsere Autorin hat informelle Gespräche über den Gartenzaun oder in den Gärten geführt; auf die Nennung der Nachnamen verzichten wir in diesem Fall.

„In Vorgärten finden Begegnungen statt,“ sagt Tanja, in deren Vorgarten eine weiße Bank steht. „Ich sitze gerne auf meiner Bank oder auf der kleinen Mauer und plaudere mit den Nachbarn“.

Ihren Hauseingang krönt ein Rosenbogen. „Wie ein Eintritt in etwas Schönes. Öfters sitzt eine ältere Dame davor und wartet nach ihrem Einkauf auf ihren Mann. Da kommen wir oft ins Gespräch“, erzählt sie.

Die Gartensiedlung früher und heute

Das Ehepaar Anna und Richard Zanders gründete 1897 die Einfamilienhaussiedlung Gronauer Wald. Die Siedlung gilt heute trotz einiger Veränderungen städtebaulich und gartenkulturelle als ein besonderes Kulturgut.

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Anna und Richard „zwitschern“ die Geschichte der Gartensiedlung Gronauer Wald

Sie ist so etwas wie die bessere Hälfte von Bergisch Gladbach: Die Gartensiedlung Gronauer Wald. Gegründet vor 125 Jahren, ist sie die älteste Gartenstadt Deutschlands. Das Bürgerportal wirft in einer kleinen Serie einen Blick auf Geschichte und Geschichten des malerischen Viertels. Wir starten mit den „Zwitscherkisten“ am Platz an der Eiche“, mit deren Hilfe Anna und Richard Zanders höchstpersönlich in die Geschichte der Siedlung einführen.

Anna Zanders: „Grande Dame“ mit großem Herz und unerschütterlichen Willen

Haus Lerbach und den Lerbacher Park würde es ohne Anna Zanders, geborene Siemens, nicht geben. In einer weiteren Folge unserer Serie lässt unsere Autorin daher das Leben dieser Garten- und Kunstfreundin Revue passieren – die auch über Lerbach hinaus sehr viel für Bergisch Gladbach bewirkt hat: Die Stadtbücherei, die Gartensiedlung Gronauer Wald, das Zanders-Bad und einige andere Dinge verdankt die Stadt dieser starken Frau.

Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Ortsverband Köln, kürte die Gronauer Waldsiedlung 2008 zum Denkmal des Monats. In der städtischen Baumschutzsatzung, seit 2014 in Kraft, wird der „hohe Durchgrünungsgrad“ als charakteristisch für das Siedlungsbild angesehen.

In den damaligen Bauvorschriften ist von einem hübschen Straßenbild die Rede. Anna Zanders sah für ihre geplante Siedlung in den Haus- und Vorgärten Ziersträucher, Stauden, Gemüsebeete und Obstbäume vor. Hauswände wurden von Spalierobst und blühenden Gewächsen berankt. Jedes Haus besaß damals Rankhilfen, erklärt Karl und zeigt ein Foto seines Hauses von 1902.

Hecken sollten damals möglichst niedrig sein, um die Vorgärten gut erkennen zu können. Heute sind sie allerdings relativ hochgewachsen, sodass sie Einblicke in den Garten verwehren. Aktuell werden gerne „siedlungstypische“ Hecken aus Weiß-, Rot- oder Hainbuche, Weißdorn oder Liguster gepflanzt.

Der Vorgarten war grundsätzlich in Grünfläche, Zuwegung und Einfriedung unterteilt. Diese Grundstruktur ist vielerorts noch vorhanden. Ein Gutachten des Architekturbüros Vogt-Werling von 2011 empfiehlt bei Neu- und Umgestaltungen die Struktur dieser „historischen Freiraumvorstellung“ zu beachten.    

Besser Rasen als gar kein Grün                                                                                     

Rasenflächen und versiegelte Bereiche gelten als siedlungsuntypische Vorgartengestaltung. Es existieren jedoch Vorgärten, die Rasen als Wiesengras nutzen und mit Blühflächen kombinieren. „

Rasen ist für die Natur besser als gar kein Grün. Ein Vorgarten darf nicht zum Parkplatz verkommen und den Tieren den Lebensraum rauben“, sagt Martin. „Jeder Flecken Grün sorgt für frische Luft“, ergänzt ein Nachbar. „Er kühlt und spendet Schatten, während zubetonierte Flächen aufheizen“.

Seit sich der Freundeskreis der Gartensiedlung Gronauer Wald vor 18 Jahren gegründet hat wird verstärkt auf diese früheren Gestaltungsprinzipien verwiesen. Eine Gestaltungsfibel (Hrsg. Stadt Bergisch Gladbach und Freundeskreis) wurde 2011 an alle Haushalte verteilt. Das Handbuch soll jeden Bewohner dazu anregen, Haus und Garten im Sinne der Siedlungsentwicklung positiv zu verändern.

Selbst kleine Details wie Dachziegel, Fensterläden, Rank-Gerüste, Hecken erzielen positive Wirkungen im gesamten Erscheinungsbild“, heißt es dazu im Vorwort von Frank Grobolschek. „Eigentlich ist es wieder an der Zeit, besonders bei neu Hinzugezogenen, auf diese Fibel hinzuweisen“, sagt er jetzt.

1928 gab es eine „Häuserschmuckprämierung“, im Fokus die Vorgärten. Besonders anerkannt wurden die, „die eine große Liebe und Pflege zum Vorgarten erkennen ließen“, ein „freudiges Farbenbild“ aufwiesen und für ihre „schmucken Vorgärten“ möglichst niedrige Hecken besaßen.

„Ablehnende Beurteilung fanden Drahtzäune“, so die Jury. Als hätten sie die aktuelle Entwicklung geahnt. 20 von 400 Vorgärten wurden inzwischen im Quartier von gefliesten Einfahrten und überdimensionalen Carports verdrängt.

Grüne Refugien für die perfekte Wohnumgebung

So verschieden die Gärtner:innen hier im Stadtteil auch sind. Sie alle eint der Wunsch, ihr Umfeld zu verschönern. Sie schätzen die Natur vor ihrer Haustür. Manche mögen Wildwuchs, andere möglichst natürlich oder Zierblumen in Reihen mit und ohne Bäume, doch stets auf eine geordnete Struktur bedacht. Bunte Farbtupfer und sattes Grün in ihren Vorgärten lassen Vorbeigehende innehalten.

In diesen grünen Oasen wächst zu jeder Jahreszeit etwas und immer bietet sich ein anderes schönes Bild. Die Prachtkerze beispielsweise blüht bis November. „Im Frühjahr ist es besonders malerisch, wenn es hier in allen Farbnuancen blüht“, schwämt eine Vorgartenbesitzerin: „Die blaue Glockenblume ist dann eine Augenweide“.

„In meinem schmetterlingsfreundlichen Vorgarten darf wachsen, was will, wie der wilde Thymian zwischen den Steinplatten zum Haus oder der Lavendel, der sich selbst aussäte. Die gelbblühende Zypressenwolfsmilch riecht nach Honig und die riesige Prachtkerze ist ein Blickfang. Die Leute bleiben davor stehen. Auch Wildbienen und Vögel fühlen sich hier wohl. Bis jetzt habe ich 25 Singvogelarten gesichtet, von der Blaumeise bis zum Wendehals,“ erzählt Martin.

„An dieser windgeschützten Nordseite wächst nicht alles, dafür aber üppig“, sagt Karl. Zum Beispiel Nachtkerze, Azalee, Zigarettenblume, Schneeballhortensie. „Hauptsache natürlich.“

Angelikas Lieblingsblume ist die Cosmea, filigran und voller Blüten. Ein Fächerahorn, mitten im schmalen Grünstreifen, dominiert wie die Akazie nebenan, die über 150 Jahre sein soll. Die drei hohen Rosenstöcke sind ein Hingucker. „Wäre ich eine Pflanze, würde ich mir hier einen weiteren Platz suchen und mich wohlfühlen“, sagt Angelika.

„Seit ich hier wohne, bin ich der Natur gegenüber feinfühliger. Kleine Unkraut-Blüher schätze ich jetzt sehr“, berichtet Tanja. Bei näherer Betrachtung finden sich in ihrem halbschattigen Vorgarten u.a. Löwenmäulchen, Herbstaster und Anemone, die sich an Rhododendron- und Hibiskusbüsche schmiegen. Diese kleinen Farbtupfer sind leicht zu übersehen. „Die fast 100 Jahre alte Magnolie ist so groß, dass ich diese nur aus dem Dachfenster schneiden kann“, erzählt sie. 

Rolands Vorgarten ähnelt einem Bauerngarten bzw. nach Meinung von Nore, seiner Mutter, einem englischen Cottage-Garten. Für beide ist es ebenfalls ein Erinnerungsgarten. Die Blumenkästen stammen vom Vater bzw. Großvater, die Topinambur von einer verstorbenen Freundin. „Immer wenn ich diese sattgelben Blumen betrachte, denke ich an sie“, erzählt Nore.                                                                                                                                          

Außerhalb des Gartenzauns dürfen Pflanzen bleiben, die sich selbst aussäten wie die Stockrose in Dunkellila. An diesem sonnigen Standort wachsen u.a. Katzenminze, Thymian, Zitronenmelisse, Lampionblumen, „eigentlich alles, was sich durchsetzt“. Mitten im viereckigen Beet stehen ein Apfelbaum der alten Sorte Berlepsch und eine Kornelkirsche.

Begrünter Wandschmuck auf kleinstem Raum.

Wer wenig Platz hat (schmale Streifen oder Eck-Beete), pflanzt vertikal. Pflanzen an der Häuserwand kühlen im Sommer und wärmen im Winter. Karls und Angelikas Haus besitzt eine komplett mit Efeu begrünte Fassade. „Hier nisten Tauben und Eichhörnchen. Das ist auch der Grund, warum wir bis Ende September nicht schneiden dürfen,“ erklärt Karl.

Der bepflanzte Hauseingang von Gudi und Vivian beweist, wie wenig viel bewirken kann. Den beengten Platz schmücken u.a. Rosmarin, schwarzäugige Susanne, Dipladenia, und Fette Henne in Kübeln. Kletterrose und Clematis teilen sich die weiße Rankhilfe bis zur ersten Etage.

Die Blumenkästen der zwei Fensterbänke zimmerte Vivian selbst, extra schmal, damit sich die Schlagläden schließen lassen. „Früher gab es stets ausreichend Grün vor der Haustür und wir wollen das Alte bewahren. Unsere Pflanzen sind Ausdruck unserer Gartenliebe. Sie heißen uns willkommen,“ meint das Ehepaar

Bäume und Hecken in Vorgärten

Große und alte Bäume gingen durch Bausünden, Schädlingsbefall oder Trockenheit verloren. Bäume, die bisher den Charakter der Gronauer Waldsiedlung prägten. Daher pflanzt seit 2014 der Freundeskreis in Gemeinschaft regelmäßig Bäume nach und bietet Workshops zur Baumpflege und zum Baumschnitt an.

„Mit den Baumpflanzaktionen versuchen wir, die Eigentümer zu überzeugen, auch Bäume in die Vorgärten zu setzen, damit diese „in die Straße“ hineinwirken und nicht hinterm Haus versteckt werden. Ohne diese Vorgartenbäume sähen die Straßen kahl aus, so wie der obere Gronauer Waldweg ohne seine jetzigen Baumscheiben“, sagt Frank.

Baumpflanzaktion 2020. Gartensiedlung Gronauer Wald

Auch Hecken sind Teil einer begrünten Siedlung. Im Info-Brief (Ausgabe 2/2015) plädierte die Bürgerinitiative dafür, diese beizubehalten. Hecken sind wertvolle Lebensräume für Vögel, Käfer, Bienen, Hummel und Schmetterlinge, dienen als Lärm-, Sicht- und Windschutz, verändern das Mikroklima positiv und filtern Staubpartikel aus der Luft. 

Der Freundeskreis setzt sich dafür ein, Vorgärten gemäß traditioneller Gartenrichtlinien auszuweiten. Für die Anwohner sollen Anreize geschaffen werden, wie beispielsweise ein Vorgarten-Wettbewerb analog zu dem von 1928. Es ist ein Wunsch der Akteure, die Richard-Zanders-Straße verstärkt zu begrünen, Schottergärten und geflieste Flächen mit Hilfe einer städtischen Verordnung drastisch einzudämmen, kleine Flächen optimal zu bepflanzen, wie Carports zu begrünen sowie Fensterbänke und Kübel zu bepflanzen. 

„Dieser Vorgarten-Beitrag ist für uns eine Bestandsaufnahme und zeigt uns Potenziale auf , auch mit wenig viel begrünen zu können,“ sagt Grobolschek.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Freundeskreis der Gartensiedlung Gronauer Wald.


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ist der Fotograf des Bürgerportals. Mittlerweile wohnt er „im schönen Kürten" und liebt das Bergische Land. Aber das sieht man seinen Fotos ja auch an. Mehr Infos auf seiner Website www.thomas-merkenich.de

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