Eigentlich wollten Leonie Culmann eine Bäckerei und Joscha Strasser eine Weinhandlung eröffnen. Beide suchten nach einem Ladenlokal. Dann wurde ihnen ein ehemaliger Gasthof in Kürten-Spitze angeboten. Heute verkaufen sie dort Brot und Wein, organisieren Veranstaltungen und verfolgen eine Idee, die schon lange vor der Suche nach Räumen entstanden war.

Es ist Dienstagvormittag. In der Backstube von Leonie Culmann duftet es nach Schokobrötchen. Gerade holt sie die letzten Brote aus dem Ofen und sortiert sie in die Verkaufsregale. Die meisten Kunden haben ihre Bestellung schon online aufgegeben. Aber auch für Spontankäufe hält sie eine kleine Auswahl bereit. Um 13 Uhr beginnt der Verkauf.

Die ersten Kunden lassen nicht lange auf sich warten. Hier holt kaum jemand nur die Bestellung ab. Oft bleiben die Leute auf einen kurzen Plausch oder trinken einen Kaffee im Hof.

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Foto: Thomas Merkenich

Culmann nimmt sich Zeit für ihre Kundschaft. Sie erklärt, lädt zum Probieren ein und plaudert. Gerade heute hat sie eine Eigenkreation im Angebot: ein Walnuss-Apfel-Brot mit Äpfeln von Streuobstwiesen aus der Umgebung. Der Besuch bei Leobrot ist offensichtlich mehr als eine schnelle Besorgung.

Im ehemaligen Gasthof „Lindenstube“ an der Kreuzung in Kürten-Spitze hat sie ihre Bäckerei „Leobrot“ eingerichtet. Gleich nebenan betreibt Joscha Strasser seit Mai 2026 die Weinhandlung „Wein am Berg“. Und wo früher Gäste an der Theke saßen, finden heute Feiern, Kurse und Veranstaltungen statt.

Vom verschenkten Brot zur eigenen Backstube

Dass Leonie Culmann einmal eine Bäckerei betreiben würde, war so nicht geplant. Gebacken wurde in ihrer Familie schon immer gerne; teilweise so viel, dass sich die Frage stellte, wer das eigentlich alles essen sollte.

So begann die Familie, das Brot in der Nachbarschaft zu verteilen. Für die Organisation wurde eigens eine WhatsApp-Gruppe gegründet. Eines ihrer Mitglieder war Joscha Strasser, Culmanns Nachbar.

Die Nachfrage wuchs stetig und irgendwann konnte Culmann nebenbei kaum noch so viel backen, wie sich die Menschen wünschten. Gleichzeitig stand für sie eine berufliche Veränderung an. Während ihrer Elternzeit war ihr bisheriger Arbeitgeber insolvent geworden. In einen Bürojob wollte sie eh nicht unbedingt zurück.

Leonie Culmann; Foto: Thomas Merkenich

Zusammen mit Strasser entstand die Idee, Brot und Wein zu verbinden. Er hatte bereits Erfahrung mit einem eigenen Weinladen und wollte sich erneut selbstständig machen. Culmann wiederum musste zunächst eine entscheidende Hürde überwinden: Ohne entsprechende Qualifikation durfte sie nicht einfach eine Bäckerei eröffnen.

Sie beantragte bei der Handwerkskammer eine Ausnahmegenehmigung und bereitete sich mit einem Kölner Bäckermeister auf die Meisterprüfung vor, die sie acht Wochen später bestand.

Jetzt fehlten nur noch die Räume.

Ein Gasthof? Viel zu groß!

Zunächst sah es so aus, als hätten Culmann und Strasser in Bensberg einen passenden Standort gefunden. Doch kurz vor dem Vertragsabschluss zog die Vermieterin ihr Angebot zurück. Sie befürchtete, dass sich die Bewohner der darüberliegenden Wohnungen am Geruch frisch gebackenen Brotes stören könnten.

Ein dramatischer Rückschlag war die Absage allerdings nicht, denn die beiden wollten eh lieber „auf dem Dorf“ eröffnen. So suchten sie also weiter und veröffentlichten eine Kleinanzeige, auf die sich Max Heider meldete. Er hatte einen ehemaligen Gasthof in Spitze zu vermieten.

„Ja, nee, das ist ja riesig und was soll man mit so einem Gasthof in Spitze“, erinnert sich Culmann an ihre erste Reaktion. Trotzdem schauten sich die beiden das Gebäude an.

Bei der Besichtigung rückte ein Gedanke wieder in den Vordergrund, der die beiden schon länger beschäftigt hatte. Neben Brot und Wein hatten sie sich immer auch ein weiteres Angebot vorstellen können: etwas Kulturelles, einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Im Alltag der Geschäftsplanung war diese Idee allerdings in den Hintergrund geraten.

Nun standen sie in einem Haus, das genau dafür Platz bot.

Hinzu kam ein Vermieter, der Gefallen an ihren Vorstellungen fand. Heider bedauert, dass ehemalige Gaststätten häufig zu Wohnungen umgebaut werden und damit ihre frühere Funktion als öffentliche Orte verlieren. Allerdings wollte er das Haus auch nicht einfach wieder mit einer klassischen Gastronomie besetzen.

Culmann und Strasser fanden in ihm jemanden, der bereit war, ihr Vorhaben mitzutragen. Zugleich bot das Gebäude viele praktische Vorteile: Lagerräume, ein Kühlhaus und Parkplätze, die für beide Geschäfte wichtig sind.

Brot und Wein ergänzen sich

Joscha Strasser ist gelernter Winzer. Schon während seiner Schulzeit hatte er mit einem Freund davon geträumt, in Griechenland ein eigenes Weingut mit Olivenanbau aufzubauen. Tatsächlich wurde er aber erst einmal Basketballspieler in der zweiten Bundesliga, ehe er eine Winzerausbildung machte. Später arbeitete er im Weinhandel und Vertrieb und betrieb eine eigene Weinhandlung in Offermannsheide.

Joscha Strasser, Foto: Thomas Merkenich

In Spitze hat er ein Sortiment von rund 250 Weinen zusammengestellt. Viele der Weingüter kennt er von persönlichen Besuchen. Seine Erfahrungen aus dem Weinbau und der direkte Kontakt zu den Weingütern fließen in die Auswahl und die Beratung seiner Kunden ein. Dabei geht es ihm nicht ausschließlich um hochpreisige Tropfen. Auch im günstigeren Segment möchte er seinen Kunden eine gute Auswahl bieten.

Dass Bäckerei und Weinhandlung nebeneinanderliegen, sieht er als Vorteil. Menschen, die Brot kaufen, schauen anschließend auch im Weinladen vorbei. Und umgekehrt entdecken Weinkunden die Bäckerei. Doch das gemeinsame Vorhaben reicht über die beiden Geschäfte hinaus.

Keine neue Dorfkneipe

Für Irritationen sorgte bei manchen Passanten die verschlossene, mit einem Werbebanner verhängte Tür der ehemaligen Gaststätte. Erst auf den zweiten Blick wurde klar, dass sich das Leben im großzügigen Innenhof abspielt.

Eine neue Dorfkneipe findet man hier tatsächlich nicht. Vielmehr erinnert der Hof an eine kleine Ladenpassage. Von hier aus gelangt man in die Bäckerei, die Weinhandlung und den ehemaligen Schankraum. Der ist noch immer als solcher zu erkennen. Tische und Stühle sind weiterhin vorhanden, lassen sich aber je nach Anlass aufstellen. So kann der Raum für unterschiedliche Zwecke genutzt werden. Aktuell werden unter anderem Yoga-Kurse angeboten.

Mit zwei Feierabendmärkten im Juli und August haben Culmann und Strasser bereits ausprobiert, wie sich der Ort über den normalen Geschäftsbetrieb hinaus beleben lässt. Strasser erzählt, dass beim ersten Markt der Andrang größer war als erwartet. Vor allem das Angebot an Speisen reichte nicht aus.

Bei den folgenden Veranstaltungen haben sie deshalb nachgebessert. Neben Wein und Brot gehören wechselnde Anbieter regionaler Produkte, verschiedene Speisen und Livemusik zum Angebot.

Weitere Veranstaltungen sind bereits geplant. In der Vorweihnachtszeit soll ein Adventsmarkt stattfinden. Auch der Biergarten unter der großen Linde soll weiterentwickelt werden. Strasser möchte daraus einen Weingarten machen, in dem Besucher nicht nur einkaufen, sondern auch sitzen und ein Glas Wein trinken können.

Neben ihren beiden Geschäften gestalten Culmann und Strasser damit auch das Veranstaltungsangebot. Der ehemalige Gasthof bietet ihnen dafür Möglichkeiten, die ein gewöhnliches Ladenlokal kaum eröffnet hätte.

Ein Ort, an dem man auch bleiben kann

Leonie Culmann und Joscha Strasser beobachten, dass in ländlichen Orten neue Wohnungen entstehen und Menschen zuziehen, ohne dass die Angebote vor Ort im gleichen Maß wachsen. Auch Spitze habe aus ihrer Sicht keinen eigentlichen Ortskern, an dem sich das Leben sammelt.

Beide wünschen sich, dass der ehemalige Gasthof stärker zu einem Treffpunkt wird. Die Entwicklung soll allerdings Schritt für Schritt geschehen. Schließlich müssen neben den neuen Ideen auch die beiden Geschäfte ihren Alltag bewältigen.

Foto: Thomas Merkenich

Wie das Anwesen in ein oder zwei Jahren aussehen könnte, hat Joscha Strasser schon recht konkret vor Augen: Menschen kommen beispielweise freitags auf ein Glas Wein vorbei, gehen mittwochs zum Yoga, holen dienstags ihr Sauerteigbrot ab und trinken vielleicht noch einen Kaffee im Hof.

„Es wäre mein Wunsch, dass das einfach ein schöner Treffpunkt ist. Wo die Leute gerne hinkommen, ob es nun zum Einkaufen ist oder einfach zum Verweilen und Quatschen“, sagt Strasser.

An Ideen mangelt es den beiden jedenfalls nicht. Und mit dem ehemaligen Gasthof haben sie einen Ort gefunden, an dem sich weit mehr verwirklichen lässt als ihr ursprünglicher Plan, Brot und Wein zu verkaufen.

Foto: Thomas Merkenich

Die Angebote im Überblick

Wipperfürther Straße 26, 51515 Kürten-Spitze

Leobrot – Sauerteigbackstube

Leonie Culmann backt Sauerteigbrot mit teilweise regionalen Zutaten. Bestellungen erfolgen überwiegend online, eine kleine Auswahl gibt es auch im Direktverkauf. Außerdem bietet sie Backworkshops an. Ein Brotverkaufsautomat mit tiefgekühlten Broten ergänzt das Angebot.

Verkauf: Dienstag und Freitag, 13–17 Uhr
Internet: www.leobrot.de

Wein am Berg – Weinhandlung

Joscha Strasser bietet rund 250 verschiedene Weine an. Zum Angebot gehören persönliche Beratung, Weinproben und die Abholung von Onlinebestellungen.

Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag und Freitag 10–19 Uhr, Mittwoch 10–14 Uhr, Samstag 10–15 Uhr
Internet: www.weinamberg.de

Raum 26 – Veranstaltungen und Vermietung

Der ehemalige Schankraum kann für private Feiern, Seminare, Workshops und Kurse genutzt werden. Die Bestuhlung lässt sich flexibel gestalten. Auch der Innenhof kann einbezogen werden.

Buchung: nach Vereinbarung
Internet: www.raum26spitze.de

Weitere Eindrücke aus Spitze

ist der Fotograf des Bürgerportals. Mittlerweile wohnt er „im schönen Kürten" und liebt das Bergische Land. Aber das sieht man seinen Fotos ja auch an. Mehr Infos auf seiner Website www.thomas-merkenich.de

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  1. das klingt ja toll.
    wie schade, dass der Bekanntheitsgrad erst hierdurch zustande kommt, zumindest bei mir
    Ich habe, im (häufigen) vorbeifahren nicht wahrgenommen, dass dort Brot, Wein und mehr angeboten werden

    mögen die Betriebe gut erhalten bleiben und angenehm wachsen