Nachdem sich ehemalige Insassen des Kinderheims Gut an der Linde in Moitzfeld zu Wort gemeldet haben untersucht die Bergische Diakonie Aprath alle Vorwürfe – und stößt dabei auf weitere Fälle in einem zweiten, bislang nicht bekannten Kinderheim in Bergisch Gladbach. Das berichtet der Evangelische Pressedienst mit Berufung auf Pfarrer Peter Iwand, dem Vorstandsvorsitzenden der Bergischen Diakonie. Sie hatte die Kinderheime damals betrieben.

Nach Gesprächen mit den Opfern habe  sich das “Bild des Schreckens” intensiviert, sagte Iwand jetzt. Nachdem zunächst fünf frühere Heimkinder Ende April im KSTA von Misshandlungen berichtet hätten, seien zwei weitere ehemalige Bewohner mit Missbrauchsvorwürfen an die Diakonie herangetreten. Es seien nicht nur im Gut an der Linde Kinder vergewaltigt und geschlagen worden, sondern auch in einem zweiten Kinderheim “in der gleichen Stadt”. Iwand weiter: “Wir müssen damit rechnen, dass es noch weitere Missbrauchsfälle gibt.” Er kündigte eine Entschuldigung der Bergischen Diakonie an, wenn nach der Aufarbeitung der Vorfälle “die ganze Dimension der Schuld klar ist”.

Die Diakonie hat wie berichtet den Erziehungswissenschaftler Klaus Wolf von der Uni Siegen mit der Aufklärung der Fälle beauftragt. Er solle die gesamte Akten- und Archivlage der Erziehungsheime aus der Nachkriegsgeschichte der Diakonie überprüfen.

Laut Iwand berichteten die ehemaligen Heimkinder von sexuellem Missbrauch, Vergewaltigungen und Schlägen durch ältere Jungen und Erzieher in der Schlafstube, am Rande des Schwimmunterrichts oder auf dem weitläufigen Gelände. Außerdem sollen die damals sieben bis 15 Jahre alten Kinder zu Arbeiten in einer Bäckerei und der Landwirtschaft gezwungen worden sein. Die Jungen hätten ab drei Uhr morgens in der Bäckerei aushelfen müssen und seien anschließend in die Schule geschickt worden. Den Lohn habe die Einrichtung in die Kasse der Bergischen Diakonie eingezahlt.

Dabei geht es vor allem um die Jahre 1965 bis 1974. “Es waren 40 Heimplätze allein im “Knaben- und Lehrlingsheim”, wir wissen nicht, wie viele Menschen betroffen waren,” sagt Iwand. Das Heim wurde Ende der 70er Jahre geschlossen, Akten sind bei der Bergischen Diakonie selbst nicht mehr vorhanden.

Die Bergische Diakonie Aprath wird von der evangelischen Kirche getragen und beschäftigt über 1400 Mitarbeitern. Hauptsitz ist Wülfrath-Oberdüssel (Aprath) bei Wuppertal. Die Bergische Diakonie begleitet, betreut und pflegt nach eigenen Angaben derzeit über 2000 Senioren, Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten, Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen sowie Suchtkranke.

Quelle: epd, Diakonie Aprath

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3 Kommentare

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  1. Ich bin einer der ehemaligen Zöglinge dort aus dem Knabenheim Bensberg -Moitzfeld.
    Ich sehe das nicht so ganz ,wie in diesem artikel beschrieben. hier wird es leicht verharmlost..

    für weitere informationen bitte folgenden link benutzen .

    http://amd.co.at/anti/index2.php?moitzfeld/Akten_Berichte/

    dort die Bilder anschaun, wie auch ALLE pdf dateien öffnen..

    Kleiner Teil ,meiner gesammelten Werke aus der Zeit damals..

    mfg