Wenn an einem lauen Sommerabend die Aula des Nicolaus Cusanus Gymnasium (NCG) rappel voll ist kann das nur eines heißes:  Das jährliche Schuljahresabschiedskonzert “Musik, Musik, Musik” steht auf dem Programm. Neben den Kultursplittern im Herbst DAS kulturelle Highlight im an Aufführungen nicht armen Schulleben der Hebborner Penne.

Und das hat es in sich: fast drei Stunden lang Klavier-Soli, Bläserorchester, Bigband und diverse Chöre. Bei den subtropischen Temperaturen in der notorisch schlecht gelüfteten Aula könnte das ganz schön nervend sein – ist es aber nicht.

Vom Start weg reißen Schüler und Lehrer ihre Zuhörer mit. Traditionell beginnt der Chor mit einem sehr beschwingten, etwas schrägen, aber selbstbewusst vorgetragenen “Free your soul”. Dann spielt das Bläserorchester – wie immer – “Concerto d’amore”. Und als drittes deutet ein anspruchsvolles Klaviersolo von Babette Weigel (Toccata von Chatchaturjan) die Bandbreite des Abends an.

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“Sind die süß”, klingt es aus den Reihen der Oberstufe, als die Bläser-AG der Klassen 5 auf die Bühne kommt. Tatsächlich verschwinden einige der Neulinge noch hinter ihren Instrumenten. Doch unter Leitung von Nikolaus Borchert beweisen die Steppkes rasch, dass man auch nach nur einem knappen Jahr aus seinem Blasinstrument eine ganze Menge herausholen kann. Sie spielen Beethovens Eurohymne, Aura Lee und das flotte “Five ‘n ‘four”. Frenetischer Applus, den sie sich verdient haben.

Auswahlchor – eine Klasse für sich

Der Auswahlchor ist schon immer eine Klasse für sich – und auch in diesem Jahr nach dem Abgang einiger bewährter tragender Stimmen wieder in Topform. “Take on me” von A-ha reißt alle mit. Doch dann kündigt Chorleiter Marc Mönig, trotzt der Hitze noch ganz korrekt im hellen Anzug, ein gewagte Experiment an: Das wohl anspruchsvollste Stück seit sechs Jahren – und das nicht nur auf der Bühne, sondern im Zuschauerraum vorgetragen.

Die Sänger und Sängerinnen platzieren sich links und rechts von den Zuschauern – und lassen den “Butterfly” von M. Makaroff gekonnt durch die Aula fliegen. Das Experiment gelingt, der Chor lässt sich noch nicht einmal aus dem Takt bringen, als sich in ihrem Rücken die große Tür öffnet, und drei Kids der Bläser-AG in die Aula huschen. Und dann noch mal zwei. Und noch drei. Und …

Großer Respekt für die Leistung auf der Bühne

Gekonnt spielt das große Bläserorchester unter Leitung von Joachim Zinzius Filmmusik im Bigband-Sound (Titan Spirit), Eike Paulat & Joachim Borchert spielen auf der klassischen Gitarre (Boliviana von Machad00), Karsten Hens brilliert mit Bachs Italienischem Konzert auf dem Flügel. Johann Gaede singt nicht nur im Auswahlchor (den er bei der Zugabe sogar dirigieren darf), er komponiert auch und trägt sein “Klavierstück I” natürlich selbst vor.

Auch all diese klassischen Stücke werden diszipliniert angehört und heftig beklatscht. Hier herrscht noch Respekt vor den Hochleistungen auf der Bühne. Dabei ist es alles andere als brav und still im Zuschauerraum, während der Umbaupausen geht es hoch her.

Mithilfe gesucht: Die Fotos stammen von einem Konzert im Vorjahr. Hat jemand am
17.6.fotografiert und kann Fotos zur Verfügung stellen? Mail an info@in-gl.de
- Wer hat mehr Infos? Wie heißen z.Bsp. die Mitglieder der Band?
- Wie war denn Ihr Eindruck? Nutzen Sie doch das Kommentarfeld!

Sage und schreibe 46 Schüler und Schülerinnen kommen dann mit dem Unterstufenchor auf die Bühne, um im rhythmischen Sprechgesang ein Tennisspiel aufzuführen, komplett mit Schlägern, Schiedsrichter und TV-Übertragung. Grandios.

Anschließend gibt der Unterstufenchor dann den Background (hier natürlich im Vordergrund) für die Band-AG, die die Zuschauer mit einem krachenden “Jump” von Van Halen in die Pause schickt.  Bei der Band AG hat Gerhard Jaeger die Leitung, der sich an diesem Abend allerdings entschuldigen ließ. Fast zwei Stunden dauert das Programm da schon.

Ein Big Band-Sound, der sich gewaschen hat

Nach der Pause geht es auf hohem Niveau weiter. Die Big Band (Leitung: Zinzius) bringt mit “Crocodile Rock” von Elton John und “Superstition” von Stevie Wonder den ohnehin schon überhitzen Saal zum Kochen. Großartiger Sound, von den fast 40 Musikern kraftvoll vorgetragen.

Wie Groß und Klein harmonieren können beweisen Big Band und Unterstufenchor, die “Haus am See” von Peter  Fox in einer fast schon anrührenden Weise umsetzen.

Viel Beifall auch für die harte, klassische Kost

Und auch im zweiten Teil gibt es klassische Kost: Nicole Schöbel spielt Mozart (Fantasie d-Moll), Benedikt Gerards die Mazurka von Chopin, M. Gaede den “Maple Leaf Rag” von Janis Joplin.  Trotz vorgerückter Stunde mit hoher Konzentrationon auf der Bühne und im Saal, heftiger Beifall garantiert.

Belohnt werden die Zuschauer mit einem zweiten Auftritt der Bläser-AG (weitere vier Stücke haben die 5. Klässler einstudiert, vor der Pause waren es schon drei plus Zugabe!) und des Chors mit den Hits Leningrad (Billy Joel) und “True Colors” (Cindy Lauper).

“So soll es sein, so kann es bleiben”

Der Auswahlchor singt Engel von Rammstein und “So soll es sein”, eine Hymne von Annette Humpe, die mit dem Refrain so etwas wie das Motto des Abends intoniert. Beim Auswahlchor kann man besonders gut beobachten, was aber auch die anderen Gruppen auszeichnet: alle Beteiligten, Lehrer wie die insgesamt an die 150 Schüler auf der Bühne, haben einen gewaltigen Spaß an der Sache.

Solange die Atmosphäre so herzlich, die Zusammenarbeit so begeistert ist, kann das Klima am NCG so schlecht nicht sein. Eine Zeit lang war das ehrwürdige Gymnasium ja als seelenlos-strenger humanistischer Lehrapparat verschrieen gewesen – davon ist hier nichts mehr zu spüren.

Besser als die 4 Tenöre: die 4 Musiklehrer

Ein gewaltigen Anteil daran tragen alle vier Musiklehrer, die angeführt von Marc Mönig das gewaltige Programm des Abends erarbeitet haben, daher seien sie noch einmal gesondert genannt:

  • Nikolaus Borchert (Foto rechts)
  • Joachim Zinzius (Foto links)
  • Marc Mönig
  • Gerhard Jaeger

Doch noch sind wir nicht am Ende, auch wenn es schon weit nach zehn Uhr ist und die jüngeren Geschwister am Rande ihrer Kräfte ankommen. Die Big Band glänzt einmal mit “Stand by me” von B.B. King und “Jumpin’ at the woodside” von Count Basie.

Und das letzte gesungene Wort hat der Chor mit “Top of the world” von den Carpenters, von der obligatorischen Zugabe mal abgesehen.

Kritik, Kritik, Kritik

Kritik? Klar, die gehört zu einer ordentlichen Konzertkritik auch dazu. Also: erstens waren Bier und Sekt in der Pause lauwarm. Aber dafür gab es endlich mal genug Brezeln.

Und dann sollte man noch mal über die Länge des Konzertes reden. Um 19.30 ging es pünktlich los, um 22.45 Uhr hatten wir uns erst aus dem Getümmel am Ausgang befreit. Mehr als drei Stunden für eine Abendveranstaltung ist einfach zu lang, wenn nicht für die Schüler, dann aber für ihre Eltern.

Daher war es zwar ein richtiger Ansatz, als die neue Direktorin Inge Mertens-Billmann in ihrer lobenswert kurzen Dankesrede den Schülern der 5. und 6. Klasse für die erste Stunde des folgenden Tages frei gab, ganz unbürokratisch von der Bühne herunter. Aber was bringt das uns Eltern?!?

Volle Transparenz: Zwei meiner Töchter singen im Chor bzw. Unterstufenchor. Da musste das ja ein Erfolg werden. Allerdings, von mir haben sie das nicht.

Weitere Informationen:

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Fotos: NCG Online
Diese Fotos stammen nicht vom 17.6.2010, sondern von einem Konzert des Vorjahres.
Wer aktuelle Fotos hat und beisteuern oder verlinken möchte, bitte eine Mail an:
info@in-gl.de

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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