Die “Verkehrsuntersuchung zur L 286 Ortsumgehung Bergisch Gladbach / Refrath” liegt nun endlich vor, bis vor der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses wurde sie noch peinlichst unter Verschluss gehalten. Nur die Presse hatte sie bereits. Interessierte können die Untersuchung nun in voller Länge von verschiedenen Servern herunterladen.

Es wird sich selbstverständlich eine weitere, heiße Diskussion ergeben, denn die Voraussetzungen für eventuelle Verkehrsentlastungen sind sehr komplex und umfangreich, die Verkehrsentlastungseffekte selbst sind umstritten – und von einer Verkehrswende hin zur Schiene ist gleich überhaupt nichts zu spüren! Aber hier geht es ja formell zunächst um die Untersuchung, die vom Landesbetrieb Straßen NRW in Auftrag gegeben worden ist.

Diskussion um die Bahndammtrasse in Bergisch Gladbach

Es gibt zahlreiche Argumente gegen eine solche, nicht zuletzt extrem kostspielige Autobahnzubringer-Trasse. Manche dieser Argumente sind bei der Bürgerinitiative Rettet unsere Stadt im Grünen abrufbar, manche bei den Fraktionen und Parteien [v.a. Bündnis 90/Die Grünen], die vehement gegen diese (u.a. geographisch falsch verlaufende) Trassenführung sind.

+ Anzeige +

Ich zitiere aus einer Zusammenstellung der Grünen im Stadtrat von Bergisch Gladbach:

(Zitat)

15 Gründe gegen eine Straße auf dem alten Bahndamm !

Der kürzlich vorgelegte erste Teil der Umweltstudie zu einer Straße auf dem alten Bahndamm zwischen Bergisch Gladbach und Bensberg  präsentiert nichts wirklich Neues sondern bestätigt die altbekannte Hinderungsgründe, die gegen diese Trassenführung sprechen.

Aus 10 Gründen, die bisher gegen die Wahl der Trasse sprachen, sind aber 15 geworden. Der Vollständigkeit halber habe ich noch einmal alle 15 Gründe wieder gegeben. Sie sind in dieser Fülle erdrückend.

  1. Die Straße führt die Gladbacher Nutzer in eine falsche Richtung. Statt nach SW, d.h. in Richtung Köln führt sie nach SO, d.h. in Richtung Rösrath. Das bedeutet ca. 8 km Umweg  nach Köln und somit bei 10.000 Fahrten pro Tag an 250 Tage ca. 10 Mio € Umwegkosten pro Jahr.
  2. Die A4 in Bensberg ist (noch) zweispurig, kann also zusätzlichen Verkehr in den          Spitzenlastzeiten gar nicht mehr aufnehmen, muss also auf 4 km bis nach Refrath für ca. 28 Mio € erweitert werden.
  3. Die Verkehrsströme aus zwei Zentren, nämlich Bensberg und Gladbach, werden  gebündelt    der A4 zugeführt. Permanente Staus sind so vorprogrammiert.
  4. Der mit ca. 20.000 Fahrzeugen am Tag höchstbelastete Ortsteil, nämlich Refrath, wird kaum entlastet. Dafür entsteht in Frankenforst ein neuer Ortsteil mit Spitzenbelastungen.
  5. Ein Tunnel entlang der Bahndammtrasse ist aufgrund geologischer Probleme (Fels steht hoch an; Wasser drückt aus Felsspalten nach oben) unbezahlbar.
  6. Die Bahndammtrasse ist mitsamt Anbindung der “Querspange” mit ca. 5,5 km die längste und  somit teuerste Trasse (ca. 115 Mio € plus ca. 28 Mio € für die notwendige Verbreiterung der A4 von Kaule bis Refrath).
  7. Eine direkte Anbindung an die A 4 im Bereich BAST ist nach Auskunft der Bundesautobahnverwaltung zumindest “sehr schwierig”. Die Trasse könnte also für immer an der Kölner Straße enden.
  8. Die Grenzwerte der Feinstaub- und Stickoxidbelastung entlang der A 4 in Frankenforst sind    nach Auskunft der BAST heute schon überschritten. Selbst wenn man es wollte, könnte man schon deshalb keinen weiteren Verkehr auf die A 4 in Kaule leiten.
  9. Die geplante Linienführung SO-NW wird einen Abkürzungsverkehr zur Umfahrung des     Autobahnkreuzes Köln-Ost von  Bensberg nach Leverkusen quer durch die Ortsteile Kaule,  Frankenforst, Lückerath, Gronau, Hand, Paffrath und Schildgen erzeugen.
  10. Alternativen wie der Schienengüterverkehr und der Schienenpersonenverkehr sind im digitalen Zeitalter billiger und effizienter als neue Straßen. Sie haben also Vorrang in einer nachhaltigen Verkehrsplanung. Die hohen Spritpreise zwingen ohnehin zu diesem Schritt. Genau dieser Schienenverkehr wird aber durch die Wahl der Bahndammtrasse für immer blockiert.Die Umweltverträglichkeitsstudie, Teil 1, vom Dezember 2009 fügt weitere fünf Argumente unter der Überschrift “Raumwiderstände” der durchquerten Stadtgebiete hinzu:
  11. Große Wohngebiete entlang der Trasse werden massiv gestört.
  12. Besonders sensible Nutzungen wie zwei Schulen und ein Seniorenheim werden massiv gestört.
  13. Wesentliche Kernbereiche des zentralen Bergisch Gladbacher Naherholungsgebietes mitsamt dem zentralen Rad-Fußweges entlang des Bahndammes werden massiv gestört.
  14. Über lange Strecken wird eine fast 10 m hohe (Lärmschutz-)Mauer entstehen, die Bergisch Gladbach förmlich zerschneiden wird.
  15. Die Trasse wird sehr wertvolle Naturräume zerstören bzw. zerschneiden, die zudem für die     Luftgüte von großer Bedeutung sind.

Wenn behauptet wird, es sei nur eine vorläufige Studie für den internen Behördengebrauch, dann sollte man wissen, was dies an Unverständnis auslöst. Diese Schutzbehauptung offenbart nur eines: Wie schwach die Argumente der Befürworter der Trasse angesichts der massiven Raumwiderstände sind. Nötig wäre ein sofortiges “reset”, ein Neustart in der Verkehrspolitik der Stadt im Sinne einer nachhaltigen Lösung unserer Verkehrsprobleme.

gez. G. Ziffus,  Fraktionsvorsitzender
(Zitat Ende)

Eine besondere Erwähnung wert ist übrigens auch der folgende Satz aus der Untersuchung (dort S. 5): “Bemerkenswert ist, dass sich bei der Gegenüberstellung der Erhebungsergebnisse für den Zeitbereich 2002 bis 2009 eine Verkehrsabnahme von 5,7% ergibt.

Einiges zu dem Thema werde ich sicherlich auch künftig in meinem Blog notieren…

pebaco

Peter Baeumle-Courth, wohnhaft in Moitzfeld, beruflich tätig an der FHDW (Fachhochschule der Wirtschaft). Mehr unter baeumle-courth.eu oder im Blog blog.baeumle-courth.eu. Seit 2004 Mitglied des Rates der Stadt...

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

2 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Was sagen eigentlich die Golfplatzbetreiber und -nutzer zu der Umgehung? Aus „der Ecke“ hat man ja noch gar nichts gehört…

  2. Wie kommen Sie darauf, dass die Presse vorab informiert war? Bislang ist auf den Online-Seiten des KSTA nur eine kurze Notiz, bei der BLZ gar nichts zu finden. Allerdings gab es gestern Gerüchte, einzelne Ratsmitglieder hätte vorab Infos erhalten. Wie steht es damit?