Eine persönliche Reaktion auf den Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger “Durch Qualm in der Zwickmühle” vom 3.11.2010

Zunächst finde ich die Idee, Tabakwerbung auszuschließend, grundsätzlich gut. Es erhöht die Chance, dass Kinder und Jugendliche nicht in Versuchung geraten, mit dem Rauchen anzufangen. Schließlich sind die Hochglanzwerbeplakate dann nicht an jedem Bushäuschen zu sehen. Aus den Augen – aus dem Sinn?

Aber: Es verhindert das Rauchen auch nicht. Schließlich gibt es noch genügend legale und nicht zu verbietende Tabakwerbung im ganzen Land: In jeder Tankstelle und an allen Kassen in Supermärkten und in den meisten Kiosken ist Tabak, vornehmlich Massen an Zigarettenmarken prominent und großflächig zu sehen und zu kaufen.

Letztlich ist die gigantische Auswahl an Zigarettensorten, die hinter den Tankstellenkassierern aufgebaut sind, fast eine bessere Werbung als manches Plakat.

Ich glaube (auch aus eigener Erfahrung früher) nicht, dass ein Werbeverbot Jugendlichen wirksam davon abhält, mit dem Rauchen zu beginnen. Wer will, der wird auch rauchen. Angestiftet durch die o. g. „Verführung“ an der Kasse (das kennen wir alle noch aus unserer Kinderzeit: Die leckeren Süßigkeiten sind immer kurz vor der Kasse in Kinderhöhe zu finden) oder schlicht durch Freunde, Mitmenschen und vielleicht sogar die eigenen Eltern.

Wenn die Stadt sich also tatsächlich entschließen sollte, auf die Tabakwerbung in dem Werbevertrag, der alle Bushäuschen und viele weitere Werbeflächen in der Stadt Bergisch Gladbach umfasst, zu verzichten, dann verzichtet die Stadt automatisch auf eine Menge Geld. Ehrlicherweise kann sich die Stadt das in der heutigen Zeit nicht leisten. Wir sind auf die Werbeeinnahmen angewiesen, weil sonst noch andere freiwillige Leistungen gekürzt werden müssten. Auch die Bushäuschen wären vielleicht in Gefahr. Die Stadt kann sich die Bushäuschen selber nicht leisten. Und für die ÖPNV-Betreiber ist das nicht Pflicht. Ein einfaches H-Schild ohne Unterstand würde reichen.

Das würde den Protest tausender ÖPNV-Benutzer täglich hervorrufen. Zu Recht, finde ich.

Mal abgesehen davon, ob eine Steuer für Tabakwerbeflächen rechtlich überhaupt zulässig wäre, dürfte doch der Verwaltungsaufwand für die Steuer letztlich um einiges höher liegen, als die Einnahmen. Also noch mehr Minusgeschäft für die Stadt. Warum wohl gibt es zwar Überlegungen für neue Steuern, aber keine handfesten Pläne: Weil das Eintreiben der meisten solcher Steuern letztlich teurer ist, als die Einnahmen.

Was bleibt am Ende? Die Stadt kann nicht auf die Einnahmen verzichten und die tausende Busfahrer wollen nicht auf die Bushäuschen verzichten. Unsere Kinder und Jugendliche werden auf vielfältigen anderen Wegen zum Tabakkonsum verführt, nicht nur durch Werbeplakate.

Die Entscheidung wird in den politischen Gremien sicher nicht leicht fallen: Die Wahl zwischen Pest und Cholera. Haben wir Geld, müssen wir Tabakwerbung dulden, haben wir keine Tabakwerbung, haben wir auch kein Geld.

Warum die Vergabe übrigens nicht-öffentlich diskutiert und entschieden wird, dürfte eigentlich klar sein: Über Vertragsdetails mit Dritten wird immer nicht-öffentlich gesprochen. Wie bei allen Vergaben. Gut ist aber, wenn vorher über die generelle Tabak-Frage gesprochen wird.

Original-Artikel im KstA auf http://www.rhein-berg-online.ksta.de/html/artikel/1288741292450.shtml

Lennart Höring

Jg. 1976, verheiratet, 2 Töchter, lebt in Bergisch Gladbach-Bensberg // Macht in Bensberg, Bergisch Gladbach und dem Rheinisch-Bergischen Kreis auf verschiedenen Ebenen Politik // Interessiert in Stadt- und Verkehrsentwicklung, Medien und Digitale Agenda // Mehr Infos und Links auf

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