Ein Polizist kontrolliert Autofahrer, die verbotenerweise in die Schulstraße Im Grafeld einfahren. Foto: Redaktion

Die ersten Schulstraßen in Bergisch Gladbach laufen derzeit noch als Verkehrsversuche, weitere waren geplant. Sie sollen die Schulwegsicherheit für Kinder erhöhen, Elterntaxis eindämmen. Doch die beschlossenen Haushalts- und Stellenkürzungen könnten das Aus für das Projekt Schulstraßen bedeuten.

Die Sparbeschlüsse des Stadtrats gefährden die Zukunft der Schulstraßen in Bergisch Gladbach: Sowohl aktuelle als auch geplante Projekte werden sich zeitlich verzögern „oder zukünftig möglicherweise gar nicht mehr umgesetzt werden können“, wie die Stadt auf Nachfrage des Bürgerportals mitteilt.

Die vorgesehenen Haushalts- und Stellenkürzungen haben demnach Auswirkungen auf das schulische Mobilitätsmanagement. So habe ein Mobilitätsmanager nach dem Ratsbeschluss sein Arbeitsverhältnis zum 31. Mai 2026 beendet und die Stelle könne nicht nachbesetzt werden, so die Stadt weiter.

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„Sparen hat Folgen“

Die Stadtverwaltung arbeitet unter Hochdruck daran, die Sparbeschlüsse des Stadtrats umzusetzen – ohne die eigene Handlungsfähigkeit zu verlieren. Rund vier Millionen Euro müssen eingespart werden. Dafür prüfen die Fachbereiche seit Wochen, was Vorrang hat und wo gekürzt werden kann. Dabei gehe es nicht nur um große Projekte, sagt Kämmerer Thore Eggert, sondern oft auch um viele kleine Entscheidungen. Für die Bürger:innen werde das spürbare Folgen haben.

Verkehrsversuche in Refrath und Hand

Aktuell laufen zwei Schulstraßen an der KGS In der Auen in Refrath sowie der GGS und KGS Hand als Verkehrsversuche weiter. Die Schulstraße in Refrath war im September 2025 gestartet – als erste in Bergisch Gladbach. Der Versuch befindet sich laut Stadt „in der finalen Evaluationsphase“. Für die Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehrsflächen (AMV) im Juni bereitet die Verwaltung dazu eine Mitteilungsvorlage vor. Dann entscheidet sich, ob der Versuch zur dauerhaften Regelung wird.

Die Schulstraßen in Hand wurden im Januar dieses Jahres eingerichtet. Laut Stadt werde die aktuelle Situation nach dem Abschluss eines halben Jahres analysiert. 

Keine weiteren Schulstraßen geplant

Weitere Schulstraßen waren für folgende Standorte vorgesehen: GGS Kippekausen, EGS Bensberg und Concordiaschule Schildgen. Einen entsprechenden Zeitplan hatte die Verwaltung am 17. Mai 2025 im AMV vorgestellt. Demnach hätten zum kommenden Schuljahr dort die Verkehrsversuche starten sollen.

Doch diese Planung ist nun offenbar hinfällig: „Aufgrund der aktuellen personellen Situation können die ursprünglich vorgesehenen Zeitpläne sehr wahrscheinlich nicht mehr eingehalten werden“, heißt es nun seitens der Stadt. 

Denn die notwendigen Evaluationen und weiteren Schritte könnten nur mit entsprechender personeller Kapazität durchgeführt werden. Daher sehe die Verwaltung derzeit auch von weiteren Verkehrsversuchen ab. 

Was das für eine mögliche Einrichtung von Schulstraßen an den Standorten GGS Paffrath, GGS Moitzfeld und GGS Bensberg bedeutet, bleibt damit offen. Die entsprechenden Anträge wurden im Ausschuss für Anregungen und Beschwerden im März 2026 in den AMV verwiesen. 

Langwieriger Weg zur Schulstraße

Hintergrund: Der Weg zu einer dauerhaften Schulstraße ist langwierig und ist die letzte Stufe nach einer Reihe von vorherigen Einzelmaßnahmen. Im ersten Schritt wendet sich die Schulleitung an die Verwaltung. Es folgen unter anderem Vor-Ort-Termine, Schulwegbefragungen (um Gefahrenstellen zu identifizieren), die Analyse der Schulwege mit Polizei, Eltern und Mobilitätsmanagement, die Einrichtung von sogenannten Walkingbussen und Elterntaxizonen.

An vielen Schulstandorten spielen sich morgens zu den Bring- und Abholzeiten gefährliche Szenen ab, weil viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto bis zur Schule fahren. Dadurch bilden sich Staus, Autos rangieren auf der Straße, in Einfahrten oder auf Gehwegen und gefährden Kinder, die zu Fuß zur Schule gehen, mit dem Rad oder Roller fahren. 

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Schulstraßen in Hand: Knöllchen für die Unbelehrbaren

Um das hohe Aufkommen von Elterntaxis rund um die Grundschulen in Hand einzudämmen, hat die Stadt drei Schulstraßen eingerichtet. Autos dürfen in den Bring- und Abholzeiten nur mit Ausnahmegenehmigung einfahren. Einige Eltern halten sich allerdings nicht daran und ignorieren das Verbot, wie ein Besuch vor Ort zeigt.

Drei Schulstraßen sollen Eltern in Hand zur Vernunft bringen

Elterntaxis stellen für Kinder die größte Gefahr auf dem Schulweg dar. Am Dienstag sind in Hand drei Schulstraßen eingerichtet worden, um die Sicherheit rund um die beiden Grundschulen und die Kita zu erhöhen – zunächst als Verkehrsversuch. Eltern in Warnwesten kommt dabei eine besondere Rolle zu.

Schulstraßen sollen den Verkehr durch Elterntaxis eindämmen und die Schulwegsicherheit erhöhen. Autos dürfen zu festgelegten Zeiten nicht mehr in die ausgewiesenen Schulstraßen im Umfeld der Schule fahren. Ausnahmeregelungen gibt es unter anderem für Anwohner:innen, Lehrkräfte, Handwerker:innen und Pflegepersonal.

Elterntaxis sind aber nicht nur an den Grundschulen ein Problem, sondern auch an vielen weiterführenden Schulen. So berichtet Felix Bertenrath, Leiter der Otto-Hahn-Realschule und Sprecher der weiterführenden Schulen, dass er regelmäßig gefährliche Szenen und schon mehrfach Beinahe-Unfälle beobachtet habe – ebenso wie etliche seiner Schulleiterkolleg:innen.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Wir – Eltern, Tanten, Onkels, Omas, Opas und Verwandte – dürfen uns dies nicht gefallen lassen! Die Sparbeschlüsse des Stadtrats gefährden die Zukunft der Schulstraßen und nehmen hierbei in Kauf, dass die Hol- und Bring-Situationen an Schulen weiterhin gefährlich für die Kinder bleiben. Aufgebaute Strukturen zur Einführung der Schulstraßen werden mir nix, dir nix zertrampelt.

    Gleichzeitig treibt das Land Nordrhein-Westfalen die Verkehrssicherheit vor Schulen voran und hatte einen neuen Förderwettbewerb für technische Lösungen gestartet, die Schulstraßen praktisch umsetzbar machen sollen.
    Insgesamt werden in drei Modellkommunen jeweils 100.000 Euro für die Umsetzung von Maßnahmen zur Verfügung gestellt, wobei kein Eigenanteil für die Kommunen vorgesehen ist.

    Nordrhein-Westfalen hat als erstes Bundesland eine landesweite Regelung für Schulstraßen eingeführt, um die Verkehrssicherheit für Kinder zu erhöhen.

    Angesichts dieser Bewegung im Land ist es wirklich bitter, erleben zu müssen, wie rückschrittig der Stadtrat in Bergisch Gladbach handelt.

    Wer sich damit nicht abfinden möchte, kann seine Forderung nach kindersicheren Schul- und Radwegen, zu Fahrradstraßen und eben auch Schulstraßen erneuern:

    Am 28.06. findet die nächste Kinder-Fahrraddemo “Kidical Mass” statt.
    Sie startet im Rahmen des Kinderkünstlerfest um 12:00 Uhr an der Villa Zanders auf dem Konrad-Adenauer-Platz.

    https://kinderaufsrad.org/erlass-schulstrassen
    https://zukunftsnetz-mobilitaet.nrw.de/aktuelles/news/land-nrw-foerdert-schulstrassen-in-drei-modellkommunen

    1. @ Kidical Mass Bergisch Gladbach
      Wir – Eltern, Tanten, Onkels, Omas, Opas und Verwandte – müssen einfach vernünftiger fahren und parken. Dann sind die Kinder auch sicher.

      1. Anno Nym, ich bin mit 3 Jahren über den Haufen gefahren worden weil der Fahrer mich schlichtweg hinter einem stehenden Auto nicht früh genug gesehen hat. Knochenbrüche, schwere Gehirnerschütterung, und es hat ziemlich lange gebraucht, bis ich wieder gerade aus gehen konnte.

        Und auch wenn Sie und alle anderen in B-GL hoch und heilig versprechen würden, künftig vernünftig zu fahren, diesen Versuch wird, nur weil es Ihnen so gefallen würde, trotzdem kein Elternteil mit seinem Kind riskieren, bei den mangelhaften Radverkehrs- und schlimmen, bereits seit langem eingefleischten Parkverhältnissen hier.

  2. Ganz, ganz bittere Entwicklung – wir machen uns zusammen mit der Kidical Mass seit Jahren stark für sichere Geh-, Rad und Schulwege. Wir waren auf einem guten Weg – wie viele Kommunen in NRW und deutschlandweit.

    Kidical Mass und vier Grundschulen, deren Leitungen und Elternschaft hatte sich über das Beschwerdemanagement erfolgreich für die Einrichtung von Schulstraßen stark gemacht. Der Verkehrsausschuss folgte dem Antrag und die Stadtverwaltung Stadt Bergisch Gladbach startete diese wichtigen Projekte.

    Nun wird die weitere Umsetzung aufgrund der Haushaltseinsparungen – konkret aufgrund der durch CDU und AfD getriebenen Personaleinsparung im Mobilitätsmanagement – deutlich in Frage gestellt.

    Dies wäre ein deutlicher Rückschritt nicht nur bei der Schulwegsicherheit. https://www.adfc.de/artikel/schulstrassen-sicherheit-vor-dem-schultor

  3. Ganz ehrlich, da wo es um Sicherheit von Menschen insbesondere unserer Kinder geht darf nicht gespart werden. Eh schon traurig genug das es mit den Schulstraßen so lange dauert diese einzuführen. Bei Sicherheit sollte kein Rotstift angesetzt werden.

    1. Hallo Mo, die Menschen müssen wieder selbst mehr für ihre Sicherheit tun. Erwachsene blicken im Straßenverkehr (als Autofahrer, als Fußgänger) auf ihr Smartphone, haben dicke Kopfhörer auf den Ohren, gehen “blind” über den Fußgängerüberweg und setzen auf ihr Recht an Straßenkreuzungen.

      Eltern müssen ihre Kinder an die Gefahren von Straßen heranführen. Spielstraßen suggerieren eine Sicherheit, die nicht gegeben ist. Und werden mit dem Aut0 bis vor die Tür der Kita und Schule, Sportstätte und Freunden gefahren. Als Jugendliche erhalten sie dann das EBike oder den EScooter und fahren viel zu schnell und ohne Verstand über die Straßen.

      1. Auch hier das gleiche Spiel wie bei ihrem anderen “Beitrag” – Sie betreiben hier eine Opferumkehr. Die Kinder, Fußgänger und Fahrradfahrer sind natürlich selbst schuld an alle den Problemen.

      2. Von „selbst schuld“ lese ich hier nichts, da sehe ich eher Pragmatismus. Vernunft und Umsicht von allen Verkehrsteilnehmern sind schon nötig, ebenso dass Eltern ihre Vorbildfunktion und ihren Erziehungsauftrag ernstnehmen. Sicherheit lässt sich nicht allein durch Regeln erreichen, sondern dadurch, dass Menschen sich an die Regeln halten, egal wie sie gerade unterwegs sind.

  4. Weswegen hat der Mobilitätsmanager denn gekündigt? Doch wohl kaum wegen des Sparbeschlusses. Sein Gehalt war nicht gefährdet.
    Und natürlich kann die Stelle nachbesetzt werden. Sie steht im Stellenplan. Es geht um Prioritäten im Personalhaushalt, die die Verwaltung setzen kann. Wenn dem Bürgermeister dieses Thema wichtig genug ist, kann er diese Stelle nachbesetzen und an anderer Stelle sparen.

    1. Ein Mobilitätsmanager, der nicht mehr managen sondern nur verwalten darf, sucht sich eine Stelle in der er oder sie das eigene Potential ausschöpfen kann….. Und Personal fällt nicht von den Bäumen, das sollte sich mittlerweile rumgesprochen haben….

      Der Dank kann nur an die AFD und CDU Fraktionen gehen, die diese Kürzungen gemeinsam beschlossen haben……

  5. Sorry aber so langsam verliere ich echt den Glauben in dieses Land und die Politik. Was macht der Staat noch für junge Familien? Schulen seit Dekaden runtergewirtschaftet und pleite, Kindergärten völlig desolat, Fahrradstrassen und Schulstrassen auf Eis gelegt..
    Kindegeld als nicht Beamter ist ein absoluter Witz, Beiträge überall hoch

    Ich habe echt keine Lust mehr den ganzen Mist zu bezahlen und am Ende versickert es in irgendwelchen dubiosen politischen Instanzen

    Diese Land wird von Tag zu Tag lächerlicher, Danke für nichts

    1. Warum muss immer alles neu gestaltet werden ? Wenn die schrecklichen Eltern mal Vernunft annehmen würden und nicht ” in die Schulen hinein fahren würden” bräuchten wir keine Schulstrassen. Es muss richtig Geld kosten , wenn Eltern sich nicht benehmen können , dann hört es vielleicht auf.

      1. Genauso ist es. Demnächst bauen wir -nach Elternwillen – vielleicht noch Rampen ins Schulgebäude hinein. Mehr Bewegung und frische Luft täten den Kindern – mehr oder weniger offensichtlich – besser.

    2. Hallo MrGreen, der Staat macht mehr für junge Familien als je zuvor.
      Elterngeld zu meiner Kindheit: Fehlanzeige, Anspruch auf Kitaplatz: Fehlanzeige, OGS: Fehlanzeige, … Woher soll all das Geld kommen?

      Mir geht die Jammerei inzwischen mehr als auf den Nerv. Wohnkosten/Lebenskosten im Verhältnis zum Einkommen waren früher nicht höher. (Wenn man sich mit gleich großen Wohnungen zufrieden geben würde wie damals, ein ähnliches Ernährungs- und Freizeitverhalten hätte, nicht 3 x im Jahr in Urlaub fahren würde, nicht alle Streamingdienste abonniert hätte.)
      Benzinpreise im Verhältnis zum Einkommen waren früher höher.

      1. @Anno Nüm “der Staat macht mehr für junge Familien als je zuvor. Elterngeld….”

        Mal ehrlich, das ganze ausgezahlte Elterngeld ( 7 bis 8 Milliarden, im Jahr !) kommt nicht den Kindern zugute sondern insbesondere den sowieso bereits gutverdienenden Eltern, damit die sich eben NICHT einschränken müssen (wie 3 x Urlaub im Jahr, bisheriger Kfz-Unterhalt usw.).

        Dieses ganze gute Geld hätte man besser in Freibäder/Hallenbäder, Erzieher/Personal und Instandhaltung von Kitas und Schulen, Radwege, Freizeit-Angebote für Jugendliche (wie z.B. das Q1) investiert.

        Das alles wäre ALLEN Eltern und Kindern gleichmässig zugute gekommen bzw. hätte sie entlastet, und zwar nicht nur für die kurze Dauer der Elternzeit sondern sogar darüber hinaus, bis aus den Jugendlichen halt Erwachsene werden.

      2. Hallo Ulla, ich habe hier ausschließlich auf die Frage “Was macht der Staat noch für junge Familien?” reagiert, mit Schwerpunkt auf das Wort “noch” und darauf hingewiesen, dass früher wesentlich weniger für Familien gemacht wurde.

      3. Hallo Anno Nüm,

        Elterngeld sehe ich absolut ein, da gab es mit Sicherheit eine Verbesserung. Die anderen Punkte kann und muss ich entschieden zurückweisen.
        Anspruch auf einen KiTa Platz gibt es zwar auf dem Papier, in der Realität hat die Stadt Bergisch Gladbach jedoch keine einzige Einrichtung, sodass auch diese nur bei den KiTas anfragen können. Erklären Sie einem Arbeitgeber mal die Ausfallzeiten von einer Woche am Stück (diesen Winter bei uns noch so passiert)
        OGS scheint ja notwendig zu sein, wenn man denn heute zwei Überdurchschnittliche Einkommen benötigt um sich auch nur im Ansatz etwas zu leisten können. Auch an diesem Punkt vielen Dank an ihre Generation und den zugehörigen Weitblick.
        Mit ihrem Punkt Wohnkosten leben Sie für mich hinter dem Mond – Früher mit einem Alleinverdiener absolut möglich gewesen, heutzutage wie oben geschrieben nur mit zwei vollen Gehältern realisierbar. Familiengeeignete Wohnungen mit 3 oder 4 Zimmern kosten mittlerweile deutlich über 1500€ warm, wenn Sie denn überhaupt auf den Markt kommen.

        Um ihren O-Ton aufzunehmen – Mir geht die Selbstverständlichkeit und Überheblichkeit ihrer Generation mehr als auf den Nerv. Sie haben Dekaden wie die Maden im Speck gelebt und zögern nicht auf die Generationen unter ihnen zu zeigen. Natürlich sind eben diese jungen Generationen dafür selbst schuld und nicht die Vorgenerationen /IRONIE

        Woher das Geld kommen soll?
        Ich frage mich, was mit den Steuern von mir und meiner Frau passiert, abgesehen von “Mehrgenerationenparks, die für Rentner ausgelegt sind.

        PS – Wir fahren maximal einmal im Jahr in den Urlaub, meistens in die Berge oder an die deutsche Nordsee. Wir sind seit Jahren nicht mehr geflogen, weil wir es uns zum einen nicht leisten können/wollen und zum anderen – im Gegensatz zu ihrer Generation – Versuchen den Planeten für die Nachwelt zu erhalten.
        Eben auch aus diesem Grund fahren wir die Kinder immer mit dem Fahrrad zu nahezu allen Terminen, KiTa und Co hin.

        Bezüglich Verzicht möchte ich ergänzen, dass wie von ihnen Beschrieben Besuche von Lokalen und diversen Events schlicht zu teur geworden sind.
        Selbst in der Ewigen Lampe zahlt man mittlerweile für ein Schnitzel und 3 Bier 30€ – Aber ja, Sie haben vollkommen recht – Wir als junge Generationen sind es selbst schuld, dass wir in einer Zeit leben die einfach nur abartig für junge Menschen ist.

        Wer auch immer Sie sind, ich hoffe, dass Sie endlich mal von ihrem eingebildeten Hohen Ross runterkommen und versuchen ein Stück Empathie für andere und jüngere zu zeigen. Es ist nicht mehr ihre Zukunft die Sie verbocken, sondern die der nächsten Generationen.

        Weitere Ergänzungen an Dingen die deutlich Teure geworden sind:
        Lebensmittel, sämtliche Versicherungen, Fahrzeuge, Häuser, Kinderbetreuung und Utensilien, Steuern, Strom und Energiekosten.

        Aber ja – auch hier haben Sie natürlich recht. Das billige Benzin aus Russland war ihnen natürlich herzlich willkommen, ihr Gewissen scheint es nicht mal im Ansatz bewegt zu haben.

        Bevor Sie zukünftig über die Lebensverhältnisse anderer urteilen, machen Sie sich doch bitte zunächst auch ein Bild von eben diesen. Und verschonen Sie mich und alle anderen mit ihrem geistigen Reichtum.

    3. @Anno Nüm, Sie möchten aber gerne glauben, dass es Familien heute besser geht als früher.
      Und, woher wissen Sie denn, dass Mr. Green zu den Privilegierten gehört die Elterngeld beziehen/bezogen haben? Das bekommt nicht jeder.
      Und haben Kitaplätze und OGS nicht auch dauernd zuwenig Personal bzw. schicken Kinder wegen Krankheitsausfälle nach Hause? Wohin dann mit den Kindern?

      Und wenn die Kinder von Mr.Greens junger Familie aus dem Kindergartenalter bereits raus sind oder Schulfrei haben, wo/was sind dann die weiteren Aufenthalts- oder andere Möglichkeiten für Kinder oder Jugendliche?

      Also ich persönlich kann mich nicht an Mangel an Freizeitbeschäftigung und Bewegungsradius in meiner Kindheit/Jugend erinnern, aber damals fuhren oder standen natürlich auch noch nicht so viele Autos auf den Straßen herum, da konnte/durfte man noch zufuss oder mit dem Rad zu Freund:innen oder ins Freibad usw. fahren oder auf den Strassen z.B. Rollschuh fahren.

      Wie kommt es denn, Ihrer Meinung nach, dass, obwohl es in den 50ern und 60ern VIEL mehr Kinder gab als heute, Eltern ständig nach Unterstützung von staatlicher Seite verlangen?
      Meine Mutter war übrigens, auch damals schon, auch berufstätig.

      1. Hallo Ulla, ich bin nicht auf die Situation von Mr.Green eingegangen. Ich habe ausschließlich darauf hingewiesen, dass der Staat heute viel mehr für Familien tut als früher.

        Möglicherweise verlangen viele junge Eltern heute immer mehr Unterstützung von staatlicher Seite, da sie nicht gelernt haben auch mal auf Dinge zu verzichten. (Wie auch, sie haben ja immer alles gehabt und kennen es nicht anders.) Gastrobesuche waren in meiner Kindheit die Ausnahme, heute schaue man sich mal die vielen Gastrobetriebe in der Innenstadt an. Urlaub wurde gemacht im eigenen Land mit Zelt oder in einer Ferienwohnung, ohne AllInclusive und ohne Kinderanimation. Und das – wenn man es sich überhaupt geleistet hat – einmal im Jahr.
        Zu den vielen Autos auf den Straßen: meine Eltern hatten ein Auto bei fünf Kindern, heute haben sehr viele Familien zwei, drei oder mehr Fahrzeuge, die dann in den Straßen geparkt werden.
        Übrigens: auch heute dürfen Kinder alleine mit dem Fahrrad zu Freunden oder ins Freibad fahren. Die Eltern müssen sie nur frühzeitig an den Straßenverkehr heranführen und sie dann auch fahren lassen.

      2. Guten Tag, das Elterngeld ist nicht für Privilegierte Eltern sondern für die Breite Masse bis hin zu sehr guten Verdienenden. Für Geburten ab dem 1. April 2025 liegt die Elterngeld-Einkommensgrenze für Alleinerziehende und Paare einheitlich bei 175.000 Euro (zu versteuerndes Einkommen). Wird diese Grenze überschritten, entfällt der Anspruch auf Elterngeld vollständig.
        Und betrachtet man die gesamte Entwicklung haben die Kinder heute ein vieles mehr an staatlichen Leistungen, es wurde hier bereits einiges aufgeführt! Dies ist die rein Materielle und technische Betrachtung, denn die Frage ist ob Kinder heutzutage noch die Möglichkeit haben unbeschwert Kinder zu sein. Hier sehe ich persönlich ein viel größeres Problem unserer Gesellschaft und dies kann nicht der Staat regeln sondern liegt in der Verantwortung der Eltern, Omas und Opas, Arbeitgebern, Nachbarn, Verkehrsteilnehmer usw.
        VG

      3. @Robert Martin Kraus – In Bezug auf Schulstraßen (das eigentliche Thema) überlassen wir die Unbeschwertheit der Kinder und deren Verkehrssicherheit sehenden Auges eben dem Schicksal und der Realität obwohl es bewiesener Maßen Mechanismen gibt um die Gefährdung auf dem Schulweg zu reduzieren? Stichwort auch hier “Vision Zero”.

        Ich denke auch, dass das ursächliche Problem in der Gesellschaft zu suchen ist bzw. bei den Eltern, aber auch beim zunehmenden Autoverkehr und nicht ausreichender Infrastruktur liegt. Aber die Realität nötigt den Staat, das Land oder die Kommune nun einmal gewissen Rahmenbedingungen wie auch ganz konkrete Regelungen – auch zur Symptombekämpfung – ab.

        Eigenverantwortung ist nett und sinnvoll aber eben oft nicht zielführend. Das Thema “Elterntaxi” und die damit verbundene Problematik ist nicht erst seit gestern bekannt, wird seit Jahren zunehmend als kritisch bewertet und Alternativen (Aufklärung, Walking Bus, Elternparkzonen, etc.) die ebenfalls genutzt werden, sind in letzter Konsequenz nicht erfolgreich.

      4. @Redaktion: Ich finde die Diskussion spannend – sie verdient es m.E., vertieft zu werden. Vielleicht findet sich dafür ein Format?

        Meine 2 Cent:
        Die (fehlende) eigenständige Mobilität von Kindern und Jugendlichen ist Teil eines größeren Kontexts: Weniger Freiheit, weniger Bewegungsradius – stattdessen die Erwartung, dass Kinder permanent beaufsichtigt bzw. kontrolliert werden. Sobald etwas passiert, werden im Zweifelsfall die Eltern verantwortlich gemacht. Ein Resultat ist die Flut von “Elterntaxis” vor Schulen, die selbst zur Gefahr werden. Die Einrichtung von Schulstraßen kann das nicht grundsätzlich ändern – aber sie kann zumindest Debatten auslösen (q.e.d.).

        Elterngeld und Kitaplätze schön und gut, aber sie ändern nichts daran, dass die Gesellschaft strukturell immer kinderfeindlicher wird. Die Bildungsausgaben sind heute wesentlich niedriger als vor 50 Jahren (ca. die Hälfte, wenn ich mich richtig erinnere), es gibt kaum noch Jugendzentren und Nachmittags-AGen, vielerorts werden Kinder als “störend” empfunden… Gleichzeitig können sich viele Familien einen “angemessenen Lebensstandard” (nb, das bedeutet heute etwas Anderes als vor 50 Jahren) nur leisten, wenn beide Eltern arbeiten.

        Schule und Kita verkommen so zur bloßen “Aufbewahrung”: Inhalte und Persönlichkeitsentwicklung sind nicht so wichtig, Hauptsache die Kinder sind bis 16 Uhr “betreut”. Siehe die Schulschließungs-Diskussion während Corona, bei der es doch (wenn wir ehrlich sind) nie um die Kinder ging.

        Eine “Gesamtlösung” habe ich nicht. Aber den Kopf in den Sand zu stecken, was Manche hier empfehlen, führt mit Sicherheit nicht zu Verbesserungen – eher das Gegenteil.

        @Ulla: Danke für das schöne Wort “Streifradius” – wieder was gelernt! :-)

  6. Auch “die Erziehungsexpertin Zimmer warnt vor den langfristigen Folgen von zu geringem Streifradius und zu wenig selbstständiger Erkundung.”
    z. B. der als zu gefährlich empfundene Schulweg, weil Kinder von Schule und Kita abgeholt würden..

    Der Streifradius z.B. Achtjährige 1919 bewegten sich noch im Umkreis von 9,5 km 1950 nur noch 1,5 Kilometer
    1979 dann 700 Meter
    2006 nur noch 300 Meter
    heute vermutlich noch kleiner als 300 Meter!

    https://www.fr.de/panorama/geht-verloren-paedagogin-warnt-vor-bedenklichem-trend-bei-achtjaehrigen-zr-94116317.html

  7. Diese konkreten Sparmaßnahmen und die daraus hier beschriebenen möglichen Folgen hat die Elternschaft der CDU und AfD zu verdanken, die ohne Wissen um die konkreten Aufgaben der Mobilitätsmanager*innen beide vorhandenen Stellen aus dem Haushaltsplan eliminiert hatten. Explizit auch nachdem beide Fraktionen in der Sitzung selber vom 1. Beigeordneten über die Zuständigkeiten aufgeklärt wurden.

    Wer sich damit nicht anfreunden möchte, kann seine Forderung nach kindersicheren Schul- und Radwegen, zu Fahrradstraßen und eben auch Schulstraßen erneuern. Am 28.06. findet die nächste Kinder-Fahrraddemo “Kidical Mass” statt. Sie startet im Rahmen des Kinderkünstlerfest um 12:00 Uhr an der Villa Zanders auf dem Konrad-Adenauer-Platz.

    1. Diese “Bestrafung der Eltern, die nicht Grün oder SPD” gewählt haben, zeigt doch genau das, WARUM die Eltern eben genau diese Parteien nicht gewählt haben sondern die Abgeordneten direkt gewählt wurden, die maßvoll mit Geld und Neuverschuldung umgehen wollen!

      Mein erster Reflex auf das Lesen war Unglaube, dass sich Verantwortliche so äußern – “So, da siehst du, was du davon hast, wenn du nicht machst was ICH will” – und das von Erwachsenen, die auf das Wohl der Stadt und damit ALLER Einwohner vereidigt sind! Dieses Hickhack wird vorwiegend auf dem Rücken der Kinder und Jugendlichen ausgetragen!!!