Auch im Bereich Mobilität ist Bergisch Gladbach laut IW Studie sehr gut versorgt. Foto: Thomas Merkenich

Viele Schulen und Straßen der Stadt sind kaputt, die S11 liegt still – und dennoch kommt Bergisch Gladbach bei einem bundesweiten Ranking der Lebensqualität auf einen der vordersten Plätze. Gemessen wurde das anhand der Versorgung in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Mobilität, Freizeit und Digitales. Den guten Rang verdankt GL allerdings einem relativ groben Raster.

Platz 148 von 10.817 Gemeinden in ganz Deutschland erreicht Bergisch Gladbach in einer Studie des Kölner Instituts der Wirtschaft (IW) zur sogenannten Daseinsvorsorge. Damit liegt die Stadt auch im Bereich der Note „Sehr gut“ weit vorne.

Rösrath, Leichlingen, Overath und Wermelskirchen liegen zwar um mehr als 1000 Ränge weiter hinten, sind laut IW aber auch noch „sehr gut“; Odenthal, Kürten und Burscheid daher nur noch „gut“.

Wenn man auf Bergisch Gladbachs Plätze in den einzelnen Kategorien schaut, dann sieht das Bild nicht mehr ganz so rosig aus. Bei Freizeit (Platz 383) und Gesundheit (416) rangiert die Stadt noch weit oben.

Bei Bildung (932), Mobilität (1110) fällt Bergisch Gladbach zurück – steht unter den insgesamt mehr als 10.000 Gemeinden bundesweit aber immer noch weit oben. Lediglich im Bereich Digitales schneidet die Stadt mit Rand 3368 deutlich schlechter ab.

Keine der Städte und Gemeinden in Rhein-Berg ist laut dieser Studie in den Teilbereichen besser versorgt als Bergisch Gladbach – mit Ausnahme der Mobilität, hier liegen Overath und Rösrath vor der Kreisstadt.

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass in NRW 86 Prozent aller Gemeinden mit „gut“ oder „sehr gut“ eingestuft werden.

Begrenzte Aussagekraft der Studie

Die Aussagekraft der Studie, die das IW als ersten umfassenden „Gemeinde-Check“ Deutschlands vermarktet (und im Auftrage des Tabakkonzerns Philip Morris erstellt hat), ist allerdings zweifelhaft und hält einem Realitätscheck kaum stand.

Das zeigt ein Blick in die Methodik. Zwar hat das IW jede Kategorie anhand von jeweils zwei bis fünf Indikatoren bewertet – aber dabei geht es in der Regel allein um die quantitative Versorgung.

Beim Thema Bildung sind das zum Beispiel die „Erreichbarkeit von Grundschulen, weiterführende Schulen, Gymnasien, Versorgung mit Kitas“ – und dabei wird einfach die Zahl der jeweiligen Einrichtungen herangezogen. Qualitative Faktoren, wie der Zustand der Schulen, die Qualität der Bildung oder die Ausfallzeiten der Kitas spielen keine Rolle.

Ähnlich grob ist das Raster in allen fünf Kategorien:

  • Digitales (Mobilfunkabdeckung, Breitbandverfügbarkeit)
  • Gesundheit (Erreichbarkeit von Hausärzten, Krankenhäusern, Apotheken und Pflegeeinrichtungen)
  • Mobilität (Anbindung an den ÖPNV, Qualität von Brücken, Autobahnanbindung, Flughäfen)
  • Freizeit (Erreichbarkeit von Schwimmbädern, Theatern, Museen)
  • Bildung (Erreichbarkeit von Kitas, Grundschulen und weiterführende Schulen)

Staatsversagen und politische Entfremdung

Darüber hinaus nimmt das IW für sich in Anspruch, die Qualität der Daseinsvorsorge nicht nur differenziert erfasst zu haben – sondern auch politische Implikationen ableiten zu können. Konkret werde analysiert, „inwiefern objektive Mängel in der lokalen Daseinsvorsorge subjektiv wahrgenommen und als Ausdruck von Staatsversagen interpretiert werden, wodurch sie zur politischen Entfremdung beitragen“.

Das Ergebnis: 53,2 Prozent der Menschen in Deutschland sind mit der Daseinsvorsorge im eigenen Umfeld zufrieden. Je urbaner das Wohnumfeld, desto höher die Zufriedenheit. Zudem zeige sich, dass eine objektiv bessere Daseinsvorsorge mit einer erhöhten subjektiven Zufriedenheit einhergehe.

Auf die zunehmende politischen Entfremdung in Deutschland habe das jedoch keine großen Bedeutung, denn dabei dominiere die subjektive Bewertung und nicht die objektive Versorgung. Für die „wahrgenommene Leistungsfähigkeit der Politik, die Demokratiezufriedenheit, die Unterstützung der AfD sowie das Gefühl des regionalen Abgehängtseins spielen tatsächliche Daseinsvorsorgeangebote eine untergeordnete
Rolle“.

Kurz gesagt: um der AfD Einhalt zu gebieten reiche eine Verbesserung bei Schulen, Straßen und Digitalisierung nicht aus. Denn: „Politische Unzufriedenheit speist sich nicht
allein aus messbaren Defiziten, sondern maßgeblich aus deren Interpretation und öffentlicher Deutung.“

Das Institut hatte 5.455 Personen befragt, eine konkrete Zuordnung zu den mehr als 10.000 Gemeinden ist daher nicht möglich.

Dokumentation

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Wer hat denn diese Studie betreut?
    Schulen und Kindergärten heruntergewirtschaftet bis zum geht nicht mehr, Mobilitätswende mit Fahrradstraßen auf Eis gelegt. Eingleisige S111 siehe Beitrag

    Ladestation für E-Autos im Bereich Refrath 4 Stk
    Internet weiterhin zum Großteil DSL – Glasfaser in weiter ferne

    Sorry, aber wer auch immer die Auswertung gemacht hat, schein auch Morgens schon zu trinken – Wenn ich mir die Parameter der Studie so zurechtlege, dass Sie am Ende mit Note 1 da steht, hat keiner etwas davon

      1. Okay gut – dann halt 20 Stationen für 10.000 Einwohner in Refrath.

        Die Stadt baut neue Kindergärten; an sich nickt schlecht, nur das Personal wächst halt nicht an den Bäumen und verschiebt das Problem nur. Glaube sie mir, ich kenne mich aus mit Ausfallzeiten und notbetreuung, mein Arbeitgeber gezwungenermaßen ebenfalls

        Den Zustand der Schulen (abgesehen vielleicht von OHG) sind absolut desolat. Schulklassen in Container, siehe NCG, Wittenbergstraße und und und
        Sporthallen absolut marode und immer wieder mit Asbest belastet.
        Auf sportangebote für Kinder warten man ewig auf Wartelisten, Schwimmenlernen in dem neuen Bad am mohnweg ebenfalls Wartezeiten von über zwei Jahren

        Reden sie es sich ruhig schön; Fakt ist, Refrath war und ist noch immer absolut kinderunfreundlich und alle sozialen Einrichtungen über Jahre kaputt gespart worden

        Aber hey, Hauptsache wir haben wieder Sitzmöglichkeiten für Rentner, den 10 Friseur und den 20. Optiker

      2. Da die Leute nicht durch die Straßen wandern und den Zeigefinger ins Ladekabel stecken, ist die Zahl der Einwohner irrelevant. Das Verhältnis zur Zahl der Elektrofahrzeuge, die nicht sowieso an der eigenen Wallbox tanken, wäre die interessantere Kennzahl.

        Dass Personal fehlt, ist ja nun etwas ganz anderes als eine heruntergewirtschaftete Kita. Zudem sind viele in privatwirtschaftlicher oder kirchlicher Trägerschaft – da hat die Stadt keinen Einfluss, und sie sind in der Regel auch nicht heruntergewirtschaftet. Ach ja, die Schulen – bei den intakten Schulen kann ich noch die KGS Schwerfelstraße ins Spiel bringen.

        Und noch ein Tipp: Wenn Ihr Kind schwimmen lernen soll, dann gehen Sie mit ihm ins öffentliche Schwimmbad und bringen es ihm bei. Die Stadt steht nicht in der Pflicht, Angebote zu schaffen, die Ihnen solche Basics abnehmen.

        „Reden sie es sich ruhig schön“ – Reden Sie nur alles runter, Sie werden schon wissen, welche Motivation Sie dazu treibt.

      3. @MrGreen, Sie wollen doch wohl nicht wirklich das NCG mit aufführen. Das ist nun seit fast 7 Jahren in einer Sanierungsphase und sollte längst fertig sein. Durch Firmen die insolvent gegangen sind verzögert sich der gesamte Prozess.
        Und welche Geschäfte (ob Friseur oder Optiker) wo sind hat etwas mit freier Marktwirtschaft zu tun. Da wollen Sie hoffentlich nicht dran rütteln!
        Zu meiner Kindheit haben einem die Eltern übrigens noch erfolgreich das Schwimmen beigebracht. Dazu brauchte es keine Schwimmkurse.

  2. Gestern wieder zwischen Wiehl und Lindlar gewesen. Wie schaffen es diese großen Landstriche ihre ewig langen Straßen komplett in Ordnung zu halten und Bergisch Gladbach es nicht wenige kurze Abschnitte zu renovieren die dem Zerfall überlassen werden? Ein Armutszeugnis – welches nicht nur mit Geld zu tun haben kann. Seit vielen Jahren das gleiche Trauerspiel. Ist es nur Unfähigkeit? Oder doch harte Ideologie, mit außerdem Null Rücksicht auf Radfahrer, Kinder und wichtige Zulieferungen? Es wird geredet, geschrieben – und es passiert nichts. Hohe Steuern zu zahlen ist aber voll in Ordnung !

    Anmerkung dazu noch: Über kurz oder lang werden wir deswegen – und wegen anderen Überschreitungen und Nichtbeachtungen der Bürgerrechte – wegziehen und unsere Steuern einer Gemeinde anvertrauen die ihre Einwohner mehr schätzt. Über die Ämter in Bergisch Gladbach an sich kann wenig Schlechtes gesagt werden: Die allermeisten Angestellten dort sind freundlich und zuvorkommend.

    1. Moin Jens, jetzt seit doch mal realistisch. In den vergangenen vier, fünf Jahren wurden so viele Straßen in BGL erneuert, wie noch nie. Es gibt eine Liste mit Priorisierungrn und es tut sich eindeutig etwas. Aber gut, mehrere 100km Straße kann man nicht mal eben im Vorbeigehen sanieren. Das sind Versäumnisse aus den 90ern und 00er Jahren. Wer da in der Verantwortung war können Sie ja einfach googlen.

      Spaßeshalber habe ich mal die von Ihnen genannte Strecke bei Google Maps eingegeben. Was Sie da befahren sind, das war zum allergrößten Teil Landesstraße. Dreimal dürfen Sie raten, wer für die Instandhaltung verantwortlich ist…. Tipp: Es ist nicht die Kommune. Insofern ein Äpfel/Birnen Vergleich! Vergleichen wir Kommunen miteinander, sollte man die Spielregeln kennen.

      Es schreibt ein zufriedener Gläbbischer