DOKUMENTATION DER SPD-PRESSEMITTEILING:

Elegant, aber zu dick

Mit Interesse hat die SPD Fraktion die verlegten Mustersteine für die Fußgängerzone in Bergisch Gladbach begutachtet. Auf Unverständnis stieß jedoch die Form der Bürgerbeteiligung bei Klaus Waldschmidt, dem Fraktionsvorsitzenden:

„Wir hatten einen echten Dialog mit der Bürgerschaft erwartet. Das Ankreuzen von eins, zwei, drei oder vier auf einer Postkarte, kann man doch nicht ernsthaft, als Dialog bezeichnen. Wir erwarten, dass Planer und Verwaltung den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort Rede und Antwort stehen.“

Da der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Michael Zalfen seit 18 Jahren in der Betonsteinindustrie arbeitet, macht sich die SPD Fraktion dessen Sachverstand zu Nutze.

Michael Zalfen erklärt:

„Unterstellt man, dass die Verwaltung aus den schlechten Erfahrungen mit dem alten Belag gelernt hat, ergeben sich daraus eine Reihe von Problemen. Nach den einschlägigen DIN-Normen muss ein befahrbarer Stein ein Verhältnis von 4:1 zwischen Länge und Dicke aufweisen. Die Verwaltung schlägt das Format 64/32 cm oder 60/30 cm vor. Diese Steine müssten demnach 16 cm bzw. 15 cm Dicke aufweisen. Ein einzelner Stein würde dann 72 kg bzw. 60 kg wiegen. Dieses Gewicht kann man nicht von Hand verlegen. Die besondere Geometrie, d.h. der Verzicht auf eine angeschliffene Fase, macht es dann notwendig, jeden Stein einzeln mit einem Vakuumhebegerät zu setzen. Dies verteuert die Verlegung von 7-8 €/QM auf 15-18 €/QM. Sind die Steine einmal verlegt, kann man sie bei Reparaturen nur noch herausstemmen. Wo sollen bei so einem seltenen Format aber in 5, 10 oder 15 Jahren die Ersatzsteine herkommen? Für Betonsteinhersteller lohnen sich erst Mengen ab 500 QM aufwärts.“

Die stellvertretende Bürgermeisterin, Helene Hammelrath, hat nach Durchsicht der Normen noch ganz andere Fragen:

„Wir vermissen Aussagen über Rutschfestigkeiten. Es war vor einiger Zeit über Euskirchen zu lesen, dass man dort in der Fußgängerzone massive Probleme hatte. Außerdem, wo bleibt die gute Begehbarkeit, wenn die Verlegenorm bei 8 cm Steinen Fugen von 3-5 mm zulässt, ab 12 cm Dicke aber bereits 5-8 mm vorschreibt.“

„Abschließend stellt Klaus Waldschmidt fest:

„Wir haben den Auftrag eine gute Lösung für die nächsten 30 Jahre zu erreichen. Es gilt der alte Satz: Die Form folgt der Funktion! Deshalb sollte sich der Bürgermeister die Zeit nehmen, die Pläne nochmals eingehend zu prüfen. Sachgerechte Planung darf sich nicht geschmacklichen Gründen unterordnen.“

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Weitere Informationen:

Redaktion

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2 Kommentare

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  1. Der von dem Planer und und (Verwaltung) eingeschlagene Weg des Dialogs mit der Bürgerschaft ist für die Entscheidung über ein Material nach meiner Kenntnis sogar eher besonders intensiv und auch ungewöhnlich. Mir sind keine Projekte bekannt, in denen derart ausführlich mit der Bürgerschaft diskutiert wird und sogar ein entsprechendes Votum abgefragt wird. Zumeist fallen diese Entscheidungen auf Verwaltungsebene oder in den entsprechenden Ausschüssen. Genau das tun wir aber nicht, sondern fragen breit ab!

    Zur DIN EN 1338: Diese fordert ein Verhältnis von 4:1 zwischen Länge und Dicke. Das einschlägige „Merkblatt für die Planung und Ausführung von Verkehrsflächen mit großformatigen Pflastersteinen und Platten aus Beton“ der SLG (Betonverband Straße, Landschaft, Garten e.V.) sieht hingegen für Bereiche mit mittlerem Verkehr Pflasterplatten vor, deren Kantenlänge 750 mm nicht überschreiten darf und deren Stärke > 14 cm betragen soll. Die Klassifizierung mittlerer Verkehr ist definiert durch „regelmäßige Nutzung durch Schwerverkehr, jedoch ohne Linienbusverkehr“ und als konkrete Anwendungsbeispiele werden „Fußgängerzonen und andere Fußgängerverkehrsflächen mit Anlieferungs- und Ladeverkehr“ bezeichnet. Demzufolge wäre eine Steindicke von 14 cm ausreichend. Bei dem Format 60 x 30 x 14 cm beträgt das Gewicht des einzelnen Steins 55 kg. Heutzutage ist die Verlegung mit Vakuumheber übrigens Stand der Technik. Inwieweit sich hieraus ein erhöhter Verlegeaufwand ergibt, werden die Angebote für die Verlegearbeiten zeigen. Das kommt ja erst noch! Wenn man die Argumentation der SPD zu Ende denkt, wäre eine Verlegung von einfachstem rechteckgrauen Pflaster mit Sicherheit das Kostengünstigste, denn dies lässt sich vollständig maschinell verlegen – allerdings ohne jede Gestaltungsqualität.

    Es gibt durchaus Hersteller, die durchaus in der Lage sind, Nachliefergarantien von 5, 10 oder 15 Jahren zu geben. Aber im Ernst: Wenn ich mir die Einfahrt neu pflastern lasse, dann bestelle ich doch auch 10 qm mehr und lege sie an die Seite, oder?

    Geschliffenes Pflaster, wie es hier von den vier Herstellern bemustert wurde, muss gemäß dem Merkblatt der Forschungsgesellschaft mindestens 55 SRT-Einheiten hinsichtlich der Rutschfestigkeit aufweisen. Wir (Verwaltung) achten natürlich darauf wachen, dass dieses Kriterium seitens der Hersteller eingehalten wird.

    Eine 5 mm breite Fuge führt zu keinen Beeinträchtigungen der Begehbarkeit, insbesondere dann, wenn sie mit einem größeren Format einhergeht. Aus der reinen Logik heraus ergibt sich, dass großformatige Pflastersteine einen erheblich geringeren Fugenanteil in der Fläche zur Folge haben als kleinformatiges Pflaster.

    Alles klar?

  2. Das alles nährt bei mir wieder mal den Verdacht, dass die Planung des Steins nur eine rechnerische ist, und der gesunde Menschenverstand draußen bleiben musste. Allerdings vermisse ich auch hier wieder – wie in allen bisherigen Diskussionen – einen „besseren“ Vorschlag.

    Ich bin gestern mal durch die „Randgebiete“ der Fußgängerzonen geschlendert und habe mir angesehen, was abseits des zu reparierendes Pflasters liegt: Davon passt nichts zu den neu geplanten Steinen. Im Bereich der Rhein-Berg-Galerie liegt was völlig anderes, dass schon große geteerte Flächen aufweist. Soll dort auch neu gepflastert werden? oder gibt es sie Steine auch schon nicht mehr?

    Wird die Grüne Ladenstraße auch neu gepflastert, oder wird sie ihren eigenen Musterteppich behalten?

    Der Platz vor der Post? Neue Pflaster oder bleibt das so?

    Werden wir am Ende der Reparatur ohnehin einen Flickmusterteppich in der Stadt haben, weil in jeder Ecke was anderes liegt? Und werden wir in ein paar Jahren nach jeder Reparatur am Kanal, oder einer anderen Leitung einen Teerflecken haben?

    Der Abstimm-Termin 14.3. scheint mir wirklich extrem kurz für alle die Fragen und es wäre schön, wenn bei den Mustern ein Mensch wäre, der erklären kann, was denn die Vorteile des einen Steins zum anderen sind.

    Ich habe gestern einige Leute angesprochen, ob sie schon ein Muster gewählt hätten. Sie haben nicht mal realisiert, dass dort von jedem Muster ein rauhe und glatte Steine liegen.
    Den einzigen Vorteil den ich da für unseren Bügermeister zur Zeit sehe ist der: Er kann behaupten, er hätte die Bürger beteiligt. Wenn die das nicht kapieren, was sie da entscheiden, dann kann er da schließlich nix dafür.

    Persönlich tendiere ich immer mehr zu Grauwacke. Das würde der Stadt auch erlauben, nur Teilstücke zu reparieren und bei Bedarf nach und nach andere Teile der Stadt im gleichen Stein und Muster anzupassen. Denn auch hier gilt: Wer billig kauft, kauft 2 mal oder noch öfter.