Die Odenthaler Straße zwischen Grundschule und Rewe

Die Grundschule Hebborn liegt an der Odenthaler Straße. Direkt gegenüber der Schule sind eine Bushaltestelle, ein Rewe-Markt mit großem Parkplatz und ein Bäcker. Für Eltern und Kinder gibt es also viele Gründe die Odenthaler Straße gerade hier zu queren – manche kommen auf der anderen Straßenseite mit dem Bus oder dem Auto an oder man will den Schulweg mit einem Einkauf verbinden.

Aus Sicht der Schule fehlt eine sichere Querungsmöglichkeit. Die Situation ist sehr unübersichtlich und hat sich auch durch den Umbau des Rewe-Parkplatzes nicht verbessert.

Die Stadt zuckt mit den Schultern, Pressesprecher Martin Rölen antwortete dem Kölner Stadtanzeiger, es gäbe zwei Ampeln in „zumutbarer Entfernung“.

Aha! Der „zumutbare“ Umweg ist rund 300 Meter lang, erfordert vier Minuten Gehzeit und etwa zwei Minuten Wartezeit an der Ampel, die erst nach Tastendruck den Fußgängern Grün gibt. Wer im falschen Moment kommt, muss einen weiteren Zyklus abwarten.

Besonders sicher ist der Weg auch nicht, denn er führt an unübersichtlichen Ausfahrten und einer Tankstelle mit Zu- und Abfahrt vorbei. Zusätzlich versperren Zeitungsverkaufsboxen und Werbeschilder die Sicht.

Also: Sechs Minuten gelten für Martin Rölen und die Stadtverwaltung als zumutbar, Tempo 30 auf einer Strecke von 400 Metern aber nicht. Tempo 30 statt 50 km/h, das bedeutet auf dieser Strecke einen Zeitverlust von maximal 20 Sekunden – dann müssten aber schon alle Ampeln grün zeigen und kein Abbieger dürfte die Fahrt aufhalten. Es ist schon aufschlussreich, wem die Stadtverwaltung was zumuten mag.

Dabei wird Tempo 30 längst als Regeltempo in Städten empfohlen: vom EU-Parlament, von der Gewerkschaft der Polizei NRW und vom wissenschaftlichen Beirat des Bundesverkehrsministers. Der Aktionsplan Nahmobilität des Landes NRW stellt die Belange von Fußgängern in den Vordergrund, zudem wurde jüngst ein landesweiter Leitfaden für barrierefreien Straßenraum neu aufgelegt. Aufschlussreich ist auch ein Blick in die Broschüre „Schulwegsicherung – Informationen für Eltern“ der Unfallforschung der Versicherer. Danach sollen Kinder an Ampeln allenfalls 20 Sekunden warten müssen, weil sie sonst ungeduldig werden.

Und sichere Überquerungsstellen sollten dort vorhanden sein, wo sie auch benötigt werden. Konkret schreiben die Unfallforscher:

„Ist der nächste gesicherte Übergang jedoch zu weit entfernt, wächst die Bereitschaft, die Fahrbahn an ungesicherten Stellen zu überqueren.“

Von all dem will die Stadtverwaltung offenbar wenig wissen. Es scheint fast, als herrsche im Rathaus noch eine „Freie Fahrt für freie Bürger“ Mentalität.

Die Odenthaler Straße ist an der genannten Stelle eng, ebenso wie die Hauptstraße an der Ecke Waatsack oder die Jakobstraße am Busbahnhof. Die drei Stellen böten sich an für eine Umgestaltung, die Tempo rausnimmt und trotz Busverkehr auf engem Raum allen Verkehrsteilnehmern – also auch Fußgängern und Radfahrern – gerecht wird.

Angeregt wird hiermit eine Gestaltung, die sich an die Bushaltestelle Markt am Konrad-Adenauer-Platz anlehnt: Straßenbelag, Bordsteinkanten, Aufpflasterungen, Schilder – alles signalisiert: „lieber langsam, aufpassen, Blickkontakt aufnehmen statt durchbrettern“.

Warum versucht man das nicht mal an den genannten Orten? Billiger als aufwändige Ampelanlagen, aber vermutlich genauso effektiv. Und damit es auch für die Kleinsten unter den Verkehrsteilnehmern sicher wird, dürfte an die zentrale Stelle dieser „Blickkontaktzonen“ zusätzlich ein Zebrastreifen gehören.

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1 Kommentar

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  1. Hallo Schlade,

    habe zwar keine schulpflichtigen Kinder mehr, aber der Bericht geht vollkommen in Ordnung. Muss erst etwas passieren? Bevor die Stadt einschreitet? Für den sicheren Verkehrsweg gerade an Schulen, gibt die neue Landesregierung mit Sicherheit etwas Geld. Aber hier ziert sich dann die Stadt.
    Ich hoffe für Sie, dass schnellstmöglich etwas unternommen wird.