Im Strundorf ist man wütend. Der einstige Vorzeige-Ortsteil im Osten Bergisch Gladbachs verkommt zusehends. Nun hat eine – in Augen der Anwohner – „schwachsinnige“ Einbahnstraßenregelung das Fass zum Überlaufen gebracht.

„Sit-In“, „Flashmob“, „Bürgerbegehren“ riefen viele Anwesende bei der gemeinsamen Bürgerversammlung von Haus & Grund und Strundorfer Heimatverein im Haus der Begegnung von Fritz Roth.

Die neue Einbahnstraße am Vollmühlenweg zwingt die Betroffenen, über Haupt- und Odenthaler Straße in ihre Wohnstraßen zu fahren. Das führt zu noch mehr Verkehr auf der ohnehin schon verstopften Hauptstraße, wo sich die Autos zu Hauptverkehrszeiten bis zum Kreisel an der Locher Mühle stauen.

Ein städtebauliches Gesamtkonzept müsse für den Gladbacher Osten geschaffen werden, darin waren sich der Vorsitzende von Haus & Grund, Franz-Heinrich Krey (CDU), die Bergisch Gladbacher Landtagsabgeordnete Helene Hammelrath (SPD) und der Hausherr der Veranstaltung, Fritz Roth, einig.

„Wir sprechen nicht nur über eine Verkehrslösung“ bekräftigte Hammelrath. Krey sprach von einer zu planenden „städtebaulichen Komponente“. Weiterhin warnte der ehemalige Bürgermeister der Stadt, dass „Detaillösungen Gesamtlösungen zerstören können“ – auch im Hinblick auf die neue Einbahnstraße.

Kreuzung Hauptstraße/Odenthaler Straße gegenüber dem historischen Waatsack, heute Taco-Mex

Ergo: planen, Ideen finden ist angebracht.

Pläne und Überlegungen gibt es – zum Beispiel die Errichtung eines Kreisverkehrs an der Ecke Hauptstraße / Odenthaler Straße – also doch nur eine Detaillösung?

Mitnichten: Ein Kreisverkehr verbessert den Verkehrsfluss im Gegensatz zu einer Ampelkreuzung enorm, darüber sind sich alle Experten einig. Das Stauproblem würde bekämpft, man könnte das Gelände der alten Feuerwache sinnvoll nutzen um einen neuen Platz mit Wohnungen, einer Kneipe und Geschäften zu errichten.

Das Totschlagargument: „Wer soll das bezahlen?“ kommt von Gegnern einer Veränderung dann meist prompt.

Jeder Gewerbetreibende, vom Kiosk-Besitzer bis zum Vorstandsvorsitzenden weiß jedoch: Wer von der Substanz lebt, geht irgendwann pleite. Wer nie investiert sitzt irgendwann vor Ruinen.

Wann waren Sie zuletzt an der oberen Hauptstraße? Schönes gibt es dort schon lange nicht mehr, einiges ist bereits in sehr dürftigem Zustand. Und bis heute gibt es von den Stadtplanern noch nicht mal einen Plan, der das gesamte Gebiet umfasst, Vorschläge von Bürgern werden ignoriert. Seit Jahren.

Das Gelände der alten Feuerwache wartet auf eine neue städtebauliche Nutzung.

Die Anwohner sind es leid, die Politik hat 2006 reagiert: SPD und CDU stimmten damals für den Kreisverkehr. Seitdem ist jedoch nichts geschehen.

Heute wollen die Christdemokraten nichts mehr davon wissen, man streitet intern über die Kosten. Es ist wichtig und unerlässlich die Kosten seriös zu kalkulieren – das bestreitet niemand, über Kleinigkeiten in ideologische Streitigkeiten auszubrechen jedoch, bevor überhaupt ein Gesamtplan aufgestellt wurde, ist unseriös.

Deshalb: Macht einen Plan, fragt die Anwohner (die haben nämlich oft einfache und gute Vorschläge, sie leben schließlich da und kennen ihren Ort am besten), über die Umsetzung kann man dann immer noch diskutieren.

Nur: Es muss etwas geschehen, Stillstand ist tödlich. Gladbach-Ost ist auf dem Weg zur Verödung – die Verantwortlichen sind nicht mal Willens etwas zu ändern, so grotesk es auch ist.

Das zeigte sich auch dadurch, dass niemand aus der Verwaltung es für nötig hielt, zur Bürgerversammlung zu kommen (Begründung: Man hätte einem Mitarbeiter für den abendlichen Termin Extrastunden bezahlen müssen, so Gladbachs Beigeordneter Schmickler). Diese Begründung bedarf keines weiteren Kommentars.

Die Strundorfer wollen sich nicht weiter so behandeln lassen, der Vorsitzende des Heimatvereins Volker Pütz hat das deutlich gemacht. Hoffentlich können sie sich Gehör verschaffen und verhindern, dass der Ortsteil endgültig zur „Nachkriegslandschaft“ wird, von der Fritz Roth in Teilen schon heute spricht.

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