Protagonisten der ILA. In der ersten Reihe: Fabian Rensch, Annegret Fleck, Oliver Schillings

Diese Unternehmer und Manager haben Sendungsbewusstsein.

  • „Wir haben den Eindruck, dass in der öffentliche Diskussion die Stimme der Wirtschaft oft fehlt“, sagt Oliver Schillings (Alpha & Omega PR).
  • „Wir wollen eine Sensibilität dafür schaffen, dass eine lebendige Stadt Industrie, Gewerbe und Handel braucht – sonst haben wir bald eine tote Stadt”, sagt Hermann-Josef Wagner (Foto Wagner).
  • „Wir müssen verhindern, dass sich die Gesellschaft separiert, wir brauchen keine getrennten Schlaf- und Wohnstädte, sondern beides,“ sagt David Roth (Pütz Roth).
  • „Wir haben hier ein größeres Problem mit der Wirtschaftsfreundlichkeit als das Umland“, sagt Fabian Rensch (Geschäftsführer Deuta Werke).

Und weil sie damit nicht zufrieden sind haben bislang 17 Unternehmer, Selbständige und Freiberufler die Initiative „Leben und Arbeiten in Bergisch Gladbach e.V.“ (ILA-GL) gegründet. Um mehr Durchsetzungskraft gegenüber der Verwaltung und Politik zu erreichen, und vor allem eine höhere Akzeptanz der Wirtschaft in der Bevölkerung. Es könne doch nicht sein, so Wagner, dass die Menschen zum Arbeiten nach Köln pendelten und in Bergisch Gladbach auf Ruhe und „eine ungestörte Sicht auf den Dom“ bestünden.

Alle im Boot – egal ob Handwerk, Gewerbe, Industrie oder Freiberufler

Es stimme schon, räumt Vorstand Schillings ein, genau diese Ziele habe sich auch die Industrie-Akzeptanz-Initiative der IHK auf die Fahnen geschrieben.

Aber bei der ILA-GL gehe es

  • erstens um alle Wirtschaftsakteure, vom Handwerk über Gewerbe und Industrie bis hin zu Dienstleistungen und Freiberuflern.
  • Und zweitens werde sich die Initiative als „regionale Klammer aller Unternehmer, Interessensgruppen und Verbände“ voll und ganz auf Bergisch Gladbach konzentrieren.

Vorbild des Vereins ist der Arbeitskreis Wirtschaft in Hürth, der schon seit 30 Jahren aktiv ist und inzwischen mehr als 90 Prozent der Arbeitsplätze der Stadt repräsentiert.

Keine harte Lobbygruppe – sondern Gesprächsplattform

Zwar versteht sich ILA-Gl als „die Stimme der Wirtschaft Bergisch Gladbachs“, aber weniger als harte Lobbygruppe, viel mehr als Gesprächsplattform. Das Wort „gemeinsam“ wird hoch gehalten: gemeinsam mit Bürgern und Bürgerinitiativen, gemeinsam mit Politik und Verwaltung, gemeinsam mit IHK, Handwerkerschaft, JUC und was es da sonst noch gibt, wolle man einen Dialog führen sich zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger stark machen.

Screenshot der ILA-Website

Der Slogan der ILA, auf der neuen Website von einem idyllischen Bild von Kinderfüßen unterlegt, lautet daher:

Ähnlichkeiten zum ebenfalls noch sehr jungen Verein „Wir für Bergisch Gladbach“ gebe es durchaus, sagt ILA-Vorstand und AOK-Regionaldirektorin Annegret Fleck. Während sich dort Privatpersonen (die durchaus Unternehmer sein können) engagierten, gehe es hier ausschließlich um wirtschaftliche Akteure – und am Ende auch im ihre Interessen.

In der Präambel der Vereinssatzung heißt es:

Die Initiative Leben und Arbeiten in Bergisch Gladbach setzt sich zum Ziel, die vielfältigen Vorteile von Bergisch Gladbach als Lebensmittelpunkt sowie die Qualität der Stadt und Region aufzuzeigen.“

Wer schon mit dabei ist

Den dreiköpfigen Vorstand bilden Schillings, Fleck und Rensch. Unterstützt werden sie von einem Beirat, dem Frank Dörich (Walter Dörich Metallbau), Uwe Heinlein (Communication Manager Miltenyi Biotec), Dieter Porzberg (Geschäftsführer Oevermann Networks), Alexander von Petersenn (Bahnhof-Apotheke) und Hermann-Josef Wagner (Foto Wagner) angehören.

Weitere Gründungsmitglieder sind Hans-Dieter Angerer, Carsten Donnert (Metsä Board Zanders), Jürgen Innig, (Tischlerei Innig), Reinhard Kenfenheuer (FK-Logistik GmbH), Karlheinz Lockmann, Marc Linzenich (Linzenich Fitnessgruppe), Stephan Michels (Michels Simon Rottländer GmbH), Alfred Rass (Rass GmbH & Co.KG), David Roth (Pütz-Roth).

Eine erste ordentliche und öffentliche Mitgliederversammlung findet am 27. März statt, zudem sind Stammtische geplant. Vier Arbeitskreise haben bereits ihre Arbeit aufgenommen und beschreiben die Schwerpunkte der Arbeit:

  • Aus- und Weiterbildung (wie kann man dafür sorgen, dass genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen, wie verhindern, dass gut ausgebildete junge Leute abwandern)
  • Soziales (was leistet die Wirtschaft schon alles für Sport, Kultur und soziale Einrichtungen)
  • Infrastruktur (nicht nur Autobahnanschluss, sondern auch Breitbandverbindungen sind wichtig)
  • Vision (wie soll das Bergisch Gladbach der Zukunft aussehen)

Sie sollen zunächst eine Bestandsaufnahme machen und dann neue Ansätze entwickleln. Und auch beraten, was die „Stimme der Wirtschaft“ eigentlich wolle. Das sei nicht immer trivial, da gebe es auch Meinungsunterschiede, berichtet Schillings. Was „die Wirtschaft“ zum Beispiel in Sachen Stadtwerke wolle, wie es mit den Gewerbegebieten weitergeht, was aus der Autobahnanbindung werden soll, das werde man nun besprechen.

Und dann als „Impulsgeber“ tätig werden. Wenn der Verein erst mal für eine Unternehmerschaft mit 40.000 Arbeitsplätzen sprechen können, dann werde man auf ihn auch hören. Das klingt zwar wie eine Kampfansage, ist aber als Aufforderung zum konstruktiven Dialog gedacht.

Weitere Informationen: Website der ILA-GL

PDFDrucken

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

3 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Wenn die Idee der Gemeinsamkeit ernsthaft gemeint ist, dann ist das sicher eine löbliche Initiative. Leider werde ich das Gefühl nicht los, dass es ein weiterer Lobbyverein ist, der klare, einseitige Interessen für bestimmte Teile der Gesellschaft vertritt. Noch schlimmer wäre es, wenn es sich um eine weitere Jubelpersertruppe für Herrn Urbach handeln sollte.

  2. Ich finde die Initiative sehr gut – und fasse die letzten Spiegelstriche auch nicht als “Kampfansage” auf.

    Wir befinden uns auf dem Weg, Wirtschaftsförderung allmählich umfassender zu sehen als “nur” Flächen für Gewerbe bereitzustellen. Und das ist ein guter Weg.

    Ein konstruktiver Dialog kann allen in Bergisch Gladbach nur am Herzen liegen.

    Dass ich zum Thema “Autobahnzubringer über den Bahndamm” aus zahlreichen Gründen der festen Überzeugung bin, dass es ihn niemals geben wird, muss ich an dieser Stelle natürlich unterstreichen. Ansonsten kann ich vielem – nicht zuletzt der Fragestellung “Bergisch Gladbach der Zukunft” – nur zustimmen!

    In diesem Sinne auf einen guten und konstruktiven Dialog – und möglichst sinnvolle resultierende Maßnahmen!

  3. Eine gute Initiative, wie ich finde. Meiner Meinung nach, sollte es viel mehr gute Möglichkeiten Job und Freizeit besser zu kombinieren. Das würde sicher in vielen Fällen die Stimmung und auch die Ergebnisse der Arbeitsleistung verbessern.
    Ich bin mir auch sicher, das nicht wenige Arbeitnehmer sehr gerne auf die “Pendelei” verzichten würden.
    MF