Willibert Krüger, Eva Babatz, Lutz Urbach, Fred Arnulf Busen

Seit 1983 sitzen zweimal pro Jahr drei Dutzend Bergisch Gladbacher Unternehmen mit dem Bürgermeister zusammen, um an den Problemen des Wirtschaftsstandortes zu arbeiten. Das sind einige. In ihrer Einladung spricht Eva Babatz von der IHK Köln, nebenbei Geschäftsführerin des Wirtschaftsgremiums, von „Dauerbrennern“: Wettbewerbsfähigkeit, Verkehrsanbindung, Verschuldung, Abgaben- und Steuerlast.

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Doch von Problemen will an diesem Tag, an dem in der Hüttenstraße der 30. Geburtstag des Wirtschaftsgremium gefeiert wird, niemand reden. Willibert Krüger (Krüger GmbH & Co. KG) und Fred Arnulf Busen (Polytron Kunststofftechnik GmbH & Co. KG) vertreten die Wirtschaft, Lutz Urbach die Stadt Bergisch Gladbach – und unisono loben sie die vernünftige Zusammenarbeit zum Wohle des Bürgers.

Genau mit dem, mit dem Bürger, gibt es dann doch Probleme. Die Industriebetriebe „gerade an diesem Standort spüren immer wieder Widerstand“, berichtet Busen. Vor allem, wenn es um die Ansiedlung oder den Ausbau von Industriebetrieben gehe, käme es häufig zu Missverständnissen. Um diesen entgegen zu treten hatten die Unternehmer vor einigen Wochen eigens eine Industrie-Akzeptanz-Initiative ins Leben gerufen.

Deutlicher wird IHK-Vertreterin Babatz, die eine Reihe von Wirtschaftsgremien in der Region betreut und einen guten Vergleich hat: Es gebe ein klares Nord-Süd-Gefälle im Rheinisch-Bergischen Kreis, von den industriefreundlichen Städten Leverkusen und Burscheid zu den eher skeptischen Städten im Kölner Speckgürtel: Bergisch Gladbach, Overath, Rösrath. Weiter draußen, im Oberbergischen Kreis, habe die Industrie überhaupt keine Akzeptanzprobleme, dort gehe es um Arbeitsplätze.

Daraus leitet Babatz eine klare Warnung ab: Die Bergisch Gladbacher müssten sich überlegen, ob ihre Heimat zu einem reinen Wohnstandort werden soll.

Auf keinen Fall, stellt Bürgermeister Urbach klar: „Wir wollen hier die Ausbildungsplätze haben. Und wir sind froh, dass die alleinerziehende Mutter nicht nach Düsseldorf pendeln muss, sondern hier Arbeit findet. Wir können uns nicht alle gegenseitig die Haare schneiden – sondern brauchen echte Wertschöpfung hier vor Ort.“

Ausbildungsplätze gibt es in Bergisch Gladbach. Aber die Auszubildenen werden in den kleineren Industriebetrieben bereits knapp, berichtet Busen. Auch das sei ein wichtiger Grund, warum die Unternehmer aus der Defensive kommen und offensiv für ihre Unternehmen werben müssten. Genau das hat sich die Industrie-Akzeptanz-Initiative für 2014 vorgenommen – mit öffentlichkeitswirksamen Lehrlingsaktionen, Tagen der offenen Tür und einem Industrie-Kongress.

Vor allem aber setzt Busen auf mehr Dialog, wenn die Bürger ihn denn wollen. Wer das wolle oder eine Frage hat, kann sich direkt an ihn wenden: busen@polytron-gmbh.de

Weitere Informationen:

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. Zitat Lutz Urbach:
    Auf keinen Fall, stellt Bürgermeister Urbach klar: „Wir wollen hier die Ausbildungsplätze haben. Und wir sind froh, dass die alleinerziehende Mutter nicht nach Düsseldorf pendeln muss, sondern hier Arbeit findet. Wir können uns nicht alle gegenseitig die Haare schneiden – sondern brauchen echte Wertschöpfung hier vor Ort.“
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    Vorab möchte ich sagen, dass ich die Initiative sehr gut finde und auch der Meinung bin, das die Industrie Werbung für sich machen muss? !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!,

    Da ich der Ansicht bin das wir Arbeitsplätze benötigen, weil die Tendenz dahin gehen wird, das Arbeitnehmer aus Arbeitsplatzunsicherheit in immer kürzeren Arbeitsverhältnissen von Arbeitgeber zu Arbeitgeber auf Jobhopping gehen „müssen“, brauchen wir einen guten Wirtschaftstandort mit Arbeitsplätzen in „Wohnortnähe“

    GL war einst ein guter Wirtschaftsstandort und ohne Industrie geht es nicht.

    Und nun zu der alleinerziehenden Haare schneidenden Mutter ( Ironie off)

    Es gibt Alleinerziehende die in der Industrie arbeiten und sogar als Alleinerziehende nach Düsseldorf pendeln. Die sitzen in der Bahn und denken sich so: “die Bahn ist proppevoll, von Köln nach Düsseldorf und umgekehrt, wofür soll das gut sein?”

    Das ist Haaresträubend und man fragt sich voller Ironie: Lieben sich alle gegenseitig so innig, das man sich austauscht. Nur mal am Rande bemerkt. Für Unwissende, ich meine die Sympathietheorie das bei AN und AG die Chemie stimmen muss.

    Sicherlich bringen Industriebetriebe auch Unannehmlichkeiten mit und jedem muss klar sein, das man auch mit manchen Unannehmlichkeiten leben muss, wenn Arbeit sicher gestellt werden soll.

    Selbst mit dem Pkw sind Arbeitsplatzanfahrten im Kölner Umland mit erheblichen Fahrzeiten verbunden und ich würde mir wünschen, dass Arbeitgeber wie einst an die Fahrzeiten der Mitarbeiter denken.

    Ich könnte das jetzt hier stundenlang ausführen, sehe aber davon ab, weil es den Rahmen sprengen würde.

    Nur jeder Einzelne sollte auch an die Zukunft und Sicherstellung der Arbeitsplätze für unsere Kinder denken und sich im Klaren darüber sein, das nicht alle Menschen am Schreibtisch in einer “ Dienstleistungslandschaft“ arbeiten wollen und arbeiten können.

  2. Anscheinend haben die Herren und Damen noch nicht verstanden, dass die Wirtschaft für die Menschen da sein muss, und nicht umgekehrt. Würden bestimmte Unternehmer sowie Herr Urbach nicht dauernd versuchen, die Wirtschaftsinteressen in dieser Stadt den Bürgern aufzudrücken und dabei die Interessen der Bürger aussen vor zu lassen, wäre auch die Akzeptanz in der Bevölkerung dauerhaft besser.