Wußten Sie eigentlich, dass es in Bergisch Gladbach neben dem Bürgerhaus Bergischer Löwe und dem Theater im Puppenpavillion Bensberg noch eine weitere Spielstätte gibt?

2013 zeigte das Junge Ensemble "hemmungslos lachen - schamlos weinen"

2013 zeigte das Junge Ensemble “hemmungslos lachen – schamlos weinen”

Das Theas Theater mit eigener Theaterschule residiert seit 2008 in der Jakobstraße direkt am S-Bahnhof, hat neben dem preisgekrönten Jungen Ensemble ein eigene ständige Theatertruppe, bietet fast an jedem Wochenende Gastspiele, hat ein breitgefächertes Kursprogramm und wagt Pionierarbeit wie ein Migrations- oder jetzt gerade ein Inklusionsprojekt.

Intendant David Heitmann vor dem Theas-Vorhang

Intendant David Heitmann vor dem Theas-Vorhang

Und dennoch ist das Theas auch nach sechs Jahren in Bergisch Gladbach nicht wirklich bekannt. Statt vor 80 Zuschauern treten die Schauspieler häufig nur vor 20 oder 30 Gästen auf, berichtet der Theaterpädagoge David Heitmann, der das Theater gegründet hat und bis heute leitet.

Und der sich gerade bereits zum zweiten Mal eingestehen muss, dass sich das Theas finanziell nicht trägt.

Kein Theater kann ohne Förderung überleben

Das ist allerdings wohl bei keinem Theater in Deutschland so, alle künstlerischen Einrichtungen sind auf öffentliche oder private Subventionen angewiesen. Die Frage ist nur, wieviel Kultur sich eine Stadt leisten will. Und diese Frage richtet sich nicht allein an die Politik und Stadtverwaltung, sondern eben auch an die Bürger. An die vielen Stiftungen, Clubs und Bürgervereine – aber auch an jeden einzelnen von Ihnen!

Die Frage nach der öffentlichen Förderung ist schnell beantwortet. Bürgermeister Lutz Urbach ist zwar persönlich ein Fan des Theas und häufiger Gast, hat aber immer klar gemacht, dass die Stadt für eine Förderung des kleinen Theaters kein Geld übrig hat. Auch im Stadtrat haben sich keine lautstarken Unterstützer für das Theas gefunden.

Förderverein musste schon 2011 die Pleite verhindern

„Unter dem Schirm“

„Unter dem Schirm“

Damit bleibt nur die private Inititative. Die war bereits vor drei Jahren eingesprungen, als das damalige Privattheater von David Heitmann zum ersten Mal vor der Pleite stand. Die Fans des Theaters (oftmals die Eltern von Mitgliedern des Jungen Ensemble) gründeten einen Förderverein, der das Theas übernahm, sammelten Geld für einen „Rettungsschirm“  und stecken seither sehr viel ehrenamtliche Arbeit in das Theater. Dem Förderverein stehen derzeit Heribert Bergermann und Otto Mörsberger vor.

Der Rettungsschirm wurde in der Eurokrise zwar ein Vorbild wie Griechenland und andere, hilft aber nicht unbegrenzt weiter. Die Konstruktion sah vor, dass sich die privaten Förderer verpflichteten, drei Jahre lang einen bestimmten, frei wählbaren Betrag zu zahlen. Immerhin 126 Bergisch Gladbacher Bürger und Firmen beteiligten sich mit Beträge zwischen drei und 1000 Euro, womit immerhin 24.000 Euro (ein Viertel Beiträge, drei Viertel Spenden) zusammen kamen. Die Hoffnung Heitmanns und seiner Mitstreiter: nach diesen drei Jahren sollte Theas so stark sein, das es aus eigener Kraft weiter arbeiten könnte.

Rettungsschirm deckt nur das Nötigste an – und läuft aus

Das Stück zum Thema Mobbing haben die jungen Schauspieler selbst erarbeitet.

Das Stück zum Thema Mobbing haben die jungen Schauspieler selbst erarbeitet.

Doch genau das Gegenteil trat ein. Die öffentliche Anerkennung ist groß, die zahlende Kundschaft blieb klein. Zwar erwirtschaftet das Theater 46.000 Euro pro Jahr durch Kursgebühren, Eintrittskarten, Getränkeverkauf, Vermietung und Inserate. Doch auch mit den 24.000 Euro an Spenden und Beiträgen der 88 Mitglieder reicht das hinten und vorne nicht aus.

Dabei ist Heitmann die einzige fest (aber nicht besonders gut) bezahlte Arbeitskraft des Theaters. Nach der Vorstellung putzt der Vereinsvorstand selbst, nicht einmal mehr 300 Euro für einen dringend benötigten neuen PC sind in der Kasse.

Und jetzt läuft auch noch der Rettungsschirm aus.

Ein Appell – und ein Ultimatum

Daher stellt die Theatertruppe um Heitmann Bergisch Gladbach jetzt vor eine konkrete Frage: Ist es der Stadt 50.000 Euro wert, selbst eine solche Einrichtung zu haben? Oder reicht uns die S-Bahn?

50.000 Euro, soviel finanzielle Unterstützung, hält der Förderverein für nötig, um die Arbeit des Theas nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern auch die vielen Ideen umzusetzen, die man noch hat, für die aber das Geld fehlt.

Im Sommer geht das Theater wie üblich in die Pause, sollte das Geld bis dahin nicht zusammen kommen, wird es danach nicht wieder öffnen, stellt Heitmann die Bedingungen klar.

Dabei hat Heitmann die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Am Donnerstag startete er unter dem Motto „Theas – eine Leidenschaft, viele Facetten“ eine Spendenkampagne, zu der auch der Aufruf gehört, den Stadträten eine Mail z schicken. Und ausgerechnet der Kölner Theatermann, der jeden Tag nach Bergisch Gladbach pendelt, lobt die kulturelle Stärke der Stadt:

Hier leben soviele tolle Künstler, es gibt ein riesiges Potenzial – aber irgendwie müssen wir Bergisch Gladbach wachrütteln!”

Theas Plakat DinA2

Wer wach ist, kann folgendes tun:

Weitere Informationen: Alle Beiträge über das Theas

So stellte sich das Theas 201o vor:

)

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Sehr geehrter Herr (?) Habermann, ich glaube, da haben Sie meinen Beitrag nicht ganz richtig verstanden. Heitmann und Mitstreiter wenden sich ausdrücklich nicht an die Stadt (im Sinne von Stadtkasse), sondern an die Bürger der Stadt. Schon in den vergangenen drei Jahren ist das Theater fast ausschließlich von privaten Spendern und Sponsoren getragen worden. Nur läuft dieses befristete (und in der Höhe wohl auch nicht ausreichende) Programm aus – daher der erneute Appell an die ganze Stadt Bergisch Gladbach. Und die Konsequenz ist ziemlich deutlich: wenn wir Bürger dazu nicht bereit sind, dann werden wir auf das Theas verzichten müssen. Und damit fällt nicht nur das Theas, sondern eben auch die Theaterschule, das Junge Ensemble und solche Dinge wie das Inklusionsprojekt weg. Gerade diese Dinge bringen der Allgemeinheit sehr viel ein, daher halte ich eine öffentliche Teil-Förderung auch für angebracht. Aber das ist nur meine Meinung. Mit freundlichen Grüßen, Georg Watzlawek

  2. Das Theas ist ein tolles kleines Theater. Ich bewundere die Macher ungemein, denn was sie machen, ist heute selten: großes Theater in kleinem Theater.
    Was ich aber weniger verstehe und auch nicht gutheiße ist die Art und Weise, mit der hier nun „Politik“ gemacht wird.
    Das Theas ist als Privatunternehmen des heutigen Intendanten gegründet worden. Er wollte damit seinen Lebensunterhalt bestreiten. Das ist legitim. Er hat es nicht geschafft und mit Hilfe von Sponsoren konnte er weitermachen, wenn auch nicht mehr als Privatunternehmen sondern als Verein. Und er bezieht weiterhin ein Gehalt, wie in dem Artikel steht.
    Jetzt merken er und seine Mitstreiter, dass es so nicht weitergeht.
    Und rufen nach der Stadt. Die soll es richten. Die soll – obwohl selber in einer finanziell gebeutelten Situation – einspringen. Ist das der richtige Weg, einer Privatinitiative zum Überleben zu verhelfen? Ich habe da eine klare Meinung: NEIN. Das ist nicht der richtige Weg. Warum hat der Gründer nicht von Anfang an weitere Mistreiter und die Stadt ins Boot geholt? Weil er damit Geld verdienen wollte und damit (leider) gescheitert ist. Jetzt soll die Allgemeinheit es richten. Für teilweise nur 20 Zuschauer pro Vorstellung. Vielleicht sollte das Theas überlegen, Programm für mehr Menschen zu machen? Werbekooperationen mti den örtlichen Medien eingehen, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen und damit mehr Zuschauer zu erlangen.
    Ich wünsche dem Theas alles Gute, hoffe aber gleichzeitig, dass der Rat hier nicht mit Steuergeldern einspringt.
    F. Habermann

  3. Danke für diese wichtige Information!
    Es ist ein Trauerspiel, dass dieses Theater dem Untergang überlassen wird.
    An den wunderbaren Künstlern, die sich mit Leib und Seele für ihr Theater
    einsetzen, kann es nicht liegen.
    Ist Kultur für die Stadt eine lästige Nebensache, da man ja doch nur im Schatten
    der Kölner Kulturszene agiert, oder hat man einfach kein Interesse?
    Nur Kunstschaffende machen eine Kulturszene in Bergisch Gladbach lebendig.
    Aber die Rahmenbedingungen eschaffen ist eine Pflicht der Stadt.
    Mit einem noch etwas optimistischem Gruß
    Lydia Czeranski