600 Kilometer über dem Planeten Erde schwankt die Temperatur zwischen 126 Grad und -100 Grad Celsius. Es gibt keine Atmosphäre, die Schallwellen weiterleiten könnte. Keinen Luftdruck. Keinen Sauerstoff. Leben im All ist nicht möglich…

Die Oscar®-Preisträger Sandra Bullock und George Clooney  verlieren sich in dem Thriller „Gravity“ in der erbarmungslosen Unendlichkeit des Alls. Regie führt Oscar-Kandidat Alfonso Cuarón („Children of Men“). Am heutigen Donnerstag (19:30 Uhr) wird der Film im Kultkino im Bergischen Löwen gezeigt – mit einer anschließenden Talkende.

Bullock spielt die brillante Medizintechnikerin Dr. Ryan Stone, deren erste Shuttle-Mission vom erfahrenen Astronauten Matt Kowalski (Clooney) geleitet wird. Doch während eines scheinbar ganz normalen Weltraumspaziergangs kommt es zur Katastrophe: Der Shuttle wird zerstört – völlig haltlos bis auf das Band zwischen ihnen trudeln Stone und Kowalski mutterseelenallein in die Finsternis.

Aufgrund des ohrenbetäubenden Schweigens wissen sie, dass sie den Kontakt zur Erde verloren haben … und damit jede Chance auf Rettung. Ihre Angst schlägt um in Panik, während jeder Atemzug ihren kleinen Vorrat an Sauerstoff reduziert. Dennoch erfordert die einzige Möglichkeit einer Rückkehr zunächst einen weiteren Vorstoß in die grausige Grenzenlosigkeit des Raums…

„Das All und die Erforschung des Weltraums haben mich schon immer fasziniert“, sagt  Alfonso Cuarón, der Regisseur, Produzent und Co-Autor von „Gravity“. „Einerseits hat die Vorstellung, sich von Mutter Erde zu lösen, etwas Mythisch-Romantisches. Aber im Grunde ist es sinnlos, sich dort oben aufzuhalten, denn Leben gibt es nur hier unten.“

Derzeit umkreisen Menschen Hunderte von Kilometern über uns die Erde in einer Umgebung, in der Leben und Tod unmittelbar nebeneinander existieren. Die offensichtlichen Gefahren der Weltraumfahrt sind in den Jahrzehnten seit den ersten Ausflügen außerhalb unserer Atmosphäre sogar noch gestiegen – und diese steigenden Gefahren haben die Menschen selbst zu verantworten: Der Abfall früherer Missionen sowie nicht mehr verwendete Satelliten bilden ein Schrottfeld, das plötzliche Katastrophen auslösen kann.

Die NASA hat dieser Situation sogar einen Namen gegeben: das Kessler-Syndrom. Jede Schraube, jedes Schrottteil, das im All zurückgelassen wurde, umkreist die Erde mit unglaublicher Geschwindigkeit, und wenn sie kollidieren, entsteht noch mehr Müll. Er bedroht das Leben der Astronauten, die Raumschiffe und möglicherweise sogar die Erde selbst.

Sandra Bullock ließ sich über das Problem von jenen Leuten berichten, die direkt davon betroffen sind: „Ich habe immer geglaubt, dass Astronauten im All Spannung und Abenteuer suchen. Doch als ich mit ihnen sprach, beeindruckte mich zutiefst, wie sehr sie an unserer Welt hängen und die Schönheit der Erde aus dieser Perspektive bewundern – die Ozeane, Bergketten und die Lichter der Großstädte. Wie klein man sich doch vorkommt in diesem gewaltigen Universum!“

Bullock ergänzt: „Es bricht einem das Herz, wenn man überlegt, dass wir nicht nur die Zerstörung unseres Planeten verantworten, sondern auch das, was wir nicht sehen können: den Müll, der buchstäblich über unseren Köpfen kreist.“

Dieser Umstand bildet in „Gravity“ den Ausgangspunkt eines atemberaubenden Überlebenskampfes, der uns in die ungeheuren, lebensfeindlichen Weiten des Alls entführt.

Ein nicht mehr benötigter Satellit wird bewusst zerstört, wodurch scharfe Fragmente ins All geschleudert werden und eine Kettenreaktion auslösen, durch die das Müllfeld mit hoher Geschwindigkeit auf den Explorer zurast.

Die Filmemacher erfanden komplette Systeme, um die Illusion der Situation im All zu erzeugen – unmittelbar beeindruckend, aber auch völlig glaubwürdig: eine neuartige Vorrichtung mit zwölf Drähten, die von Marionettenspezialisten bedient wurden, sodass Bullock in bestimmten Sequenzen durchs All „schwebt“.

Trotz der bahnbrechenden technischen Entwicklungen, die bei „Gravity“ umgesetzt wurden, ging es für die Darsteller wie für die Filmemacher doch vor allem um die sehr persönliche Geschichte, die das Zentrum des Films bildet – vor allem Ryans Schicksal: Sie ist über weite Strecken des Films ganz auf sich gestellt. Dazu Bullock: „Im Mittelpunkt steht, dass wir selbst dann alles Menschenmögliche versuchen, wenn wirklich kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Was treibt uns an, über uns hinauszuwachsen – einfach die Hoffnung, dass es sich im Endeffekt doch noch lohnen könnte?“

So handelt ‚Gravity‘ von der Kraft, die uns ständig in Richtung Heimat zieht… Dazu Jonás Cuarón: „Wir legten Wert darauf, dass eine Frau im Mittelpunkt steht, weil wir  subtil, aber dennoch nachdrücklich eine Beziehung zwischen ihrer Mütterlichkeit und der im Hintergrund ständig präsenten Mutter Erde hinweisen.“

Die NASA stellte ein Großteil der gesammelten Informationen in Form von Fotos und Filmaufnahmen zur Verfügung. Astronauten sind nämlich sehr gute Fotografen – der Film zeigt einige wirklich überwältigende Bilder.

Als Talkgast kommt Katharina Fischer eingeladen. Sie ist Buchhändlerin aus Bensberg und spezialisiert auf Weltraumliteratur, Science fiction und Fantasy.

„Gravity“ am 27.3.2014 um 19.30 Uhr im Bergischen Löwen. Karten gibt es an Abendkasse zum Preis von 3,- €. Kultkino ist eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Magazins Franzz, der Brunotte Filmtheater AG und der Bergischer Löwe GmbH.

Doro Dietsch

Verheiratet, drei Töchter. War lange beim WDR, arbeitet heute in der Verwaltung des Düsseldorfer Landtags.

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