Schwarz bleibt´s an der beschaulich plätschernden Strunde

Tomas Santillan hat hier im Bürgerportal eine gut gegliederte Aufbereitung des Wahlergebnisses von vergangenem Sonntag vorgelegt. Keine Frage: Der klare Sieg Lutz Urbachs im ersten Wahlgang gehört zu den durchaus überraschenden Unzweideutigkeiten, hatten doch viele, wenn nicht die meisten und nicht zuletzt Lutz Urbach selbst mit einer Stichwahl gerechnet. Aber wie Wähler wirklich denkt, weiß man eben erst, wenn sich Urne dann zum Zählen senkt.

Davon abgesehen: Dass die CDU stärkste Kraft an der beschaulich plätschernden Strunde bleiben würde, stand kaum in Zweifel.

Wie üblich ging es hier um den Grad der Stärke bzw. das Ausmaß der Beimischung zur schwarzen Grundfarbe. Und da bestand angesichts von kontinuierlichen Abschmelzprozessen bei den Großen und neuer Konkurrenz jetzt ebenso Grund zur Freude und wahrscheinlich ausgelassenen Feier im „Bock“.

Der CDU ist es bisher auch hier gelungen, DIE bürgerliche Volkspartei zu bleiben und sämtliche Erosionswirkungen weitgehend zu absorbieren. Zumindest nach außen.

CDU: Immer da, immer nah

Schwer bis kaum schlagbarer Vorteil der gerade hiesigen CDU ist und bleibt schlicht ihre tiefe und bis ins Kleinste verwurzelte, über die Generationen durchgereichte Einbindung in die lokale Sozialstruktur der Vereine, Verbände, stadtvierteligen und nachbarschaftlichen Gemeinschaften. Hier, immer da, immer nah, findet im Übrigen auch durchaus Bürgerbeteiligung unter Gleichgesinnten und –gestimmten statt. Man kennt sich und versteht sich. Wenn man sich denn gekannt und verstanden wird.

GRÜN scheint „in“ und gerade hiesig je „inner“, desto weniger man die Leute mit tunnelblickhaft wirrem Schlingenwuchs oder radikalisierten Ochsenfrosch-Offensiven malträtiert, sondern dafür eine Linie bürgerlich durchgrünt gelassener Vernunft auf höherem Sozial- und Bildungsniveau fährt. Denn grün ist nicht bloß die Heide.

GRÜN ist nicht bloß die Heide

Zudem gilt GRÜN mittlerweile als notwendiges und verlässliches Korrektiv für andererseits doch immer wieder aufzuckende Asphaltwachstums-Phantasien aus dem Waffenarsenal von Vorgestern. Insofern ist auch Schwarz-Grün auf der Schnittmenge solidbürgerlicher Soziographie und im Sinne der wechselweisen Abfederung jeweiliger Irrläufe gar nicht so weit hergeholt.

Die LINKE hat auf kleiner, aber fest brennender Flamme konsolidiert, zweifellos ein Achtungserfolg in einem Umfeld  wie diesem hiesigen. Vielleicht auch ein Hinweis darauf, dass es hinter den noch überwiegend idyllischen Kulissen ebenso hier mindestens schwelende Problemlagen gibt, die dringend ein scheuklappenfreies Hinsehen und entschlossenes Anpacken verlangen. Da ist genug zu tun, um nicht in einen leer drehenden Kampf der Ideologien zurück zu fallen.

Bloß kein Kampf der Ideologien zwischen „Rinks“ und „Lechts“

Wenn ich mir daher als halbfrischer und gerade mit „meinem“ Projekt wahlhalber abgeschmierter Politfloh noch ´was wünschen kann, in diesem Fall hinsichtlich der LINKEN und der kommunalpolitisch debütierenden AfD, dann das:

Der Traum aller Reflexideologen, ob Rinks, ob Lechts, besteht ja im Kampf gegen die jeweils und zudem gern dämonisiert anderen. Das hat, praktisch gesehen, den Grund der Selbstvergewisserung und -mobilisation, robustromantisch betrachtet spielen hier bei manchen auch wilde Vorstellungen von politischen Kreuzzügen bis hin zu saftigen Straßenschlachten eine Rolle.

Und da ziehen dann die Kohorten der einen gegen die verspäteten „Mauerjünger Moskaus“ zu Felde, während die anderen zum Kampf gegen eine dunkel dräuende „Gefahr von rechts“ aufrufen.

Eine Debütantin sorgt für kritische Aufmerksamkeit

Beides ist natürlich ausgemachter Unsinn, aber deshalb noch lange nicht unmöglich. Erste Textfragmente von gefährlichem „Rechtspopulismus“ und Ähnlichem kursieren ja schon. Die jetzt neu in den Rat einziehende AfD gehört, davon abgesehen, ebenfalls in die Reihe der Wahlgewinner und ist, im Unterschied zu allen übrigen, ob Gewinner oder Verlierer, eben eine kommunalpolitische Debütantin. Und eine, die sich kritischer Aufmerksamkeit wohl sicher sein darf.

Aber kaum eine neu auftretende Partei oder Gruppierung, die in ihren Anfängen nicht kritisch beäugt bis umstritten gewesen wäre. Man erinnere sich nur an die ersten Jahre der GRÜNEN oder auch und eigentlich bis heute, an den (Wieder-)Eintritt der / einer ausdrücklich linken Partei ins hiesige politische Gefüge. In dem Sinne geht mir selber übrigens jede hirnluftige Linken-Verdammung genauso ab wie ein pflichtrituelles AfD-Bashing.

Ich schaue mir jeden Laden samt Leuten erst an und urteile dann

In der Hinsicht unverbesserlich, schaue ich mir jeden Laden samt Leuten erst an und urteile dann. Sowohl bei der Linken wie bei der AfD konnte ich hier feststellen: Da gibt´s intelligente Köpfe, gerade Charaktere, engagierte Menschen, nur eben auf den jeweils geschmackshalber entgegen gesetzten Polen der politischen Skala, dabei allerdings durchaus mit einigen potentiellen Gemeinschaftsbädern, die ich als Freidenker hoffentlich straflos sehen darf.

Tja, apropos „Gemeinschaftsbäder“ und „Freidenker“: Zu den klaren Verlierern des vergangenen Wahltages gehöre ich sozusagen auch selber, nämlich als einer der Verantwortlichen der Demokrative14. Das war ein (wohl zu) gewagtes politisches Freidenker-Projekt, dessen Ziel u.a. gerade darin bestand, vorsätzlich über Fraktions-, Partei- und Ideologiegrenzen hinaus und per verstärkter Bürgerbeteiligung im Sinne problem- bzw. lösungsgerichteter Vernunft  zu wirken. Ging aber an Aufmerksamkeit wie Interesse eben der Meisten vorbei.

Nische oder Brandthema Voraussetzung für Erfolge von Unabhängigen

Martin Wiegelmann hat die Gründe für  das Scheitern / den begrenzten Erfolg überhaupt der kleinen, unabhängigen Wahlbewerber (hier eben BfBB -ganz ´raus-, BGL, D14 -je einen Sitz-) zutreffend daran festgemacht, dass es eine erkennbare und dann erfolgreich besetzte Nische bzw. ein tragendes und glaubhaft zu löschendes Brandthema auf dem kommunalpolitischen Feld geben muss, wenn sich eine überparteiliche / unabhängige Gruppierung wirksam durchsetzen will.

Die beiden anderen Verlierer der Wahl gehören zum etabliert und einst trifolischen Altbestand bundesdeutscher Politware und mögen sich vor allem fragen: Wie macht sie ´s nur, die CDU? Es sind SPD und FDP, die unglücklichen Zwei, beide auf hiesige Tiefststände ihrer langen Geschichte abgesunken.

Die unglücklichen Zwei

Bei der FDP ist die nicht unerwartete Kernschmelze im Sog der bundesweiten Abwärtsspirale eingetreten, allein der Kern ist eben hier noch stark genug, um Unterkante Oberkiefer über den fünf Prozent  zu landen. Und wahrscheinlich liegen die kompakten Erwartungen jetzt wirklich bloß noch bei Kontenverteidigung und Grundbuchschutz. Dabei müsste doch gerade die FDP jetzt ein donnernd intellektuelles und steuerkorsettfrei liberales Gewächshaus öffnen – mit Zutrittsrecht ohne kapitalen Mindestumsatz und ökonomische Erfolgsaureole.

Das offene Misserfolgs-Geheimnis der hiesigen SPD lässt sich an einem weiland vom großen Gerd Fröbe einmal unvergleichlich intonierten „Gespräch einer Hausschnecke mit sich selbst“ (C. Morgenstern) erkennen: Soll ich nun Wahlkampf machen oder nicht (- und wenn ja wie viele?)? Mittendrin ein respektabler Kandidat, über weite Strecken allein zu Haus und eine Strategie, die es nicht gab. Für jeden nach politischer Entzündung lechzend wahren SPD´ler eine Tortur. Da nützte die dann scharf angefahrene Kampagne der allerletzten Meter auch nichts mehr. Mensch, SPD, was war das mal für ein stolzes Haus (wenn auch immer mit Anlagen zur Tragik) …

Die Wahl ist vorbei, die Probleme sind geblieben

Ausgezählt ist, die Gewichte sind verteilt, jetzt lassen sich die farbigen Klötzchen in je ausreichender Summe und idealerweise auch sonst passend zusammen- oder auseinanderschieben:

GroKo, schwarzrot, der Oppositionshammer, wie schon angezielt gewesen. Oder doch vielleicht und ganz progressiv schwarzgrün, ginge rechnerisch auch; Jamaika, schwarzgrüngelb erst recht (rechnerisch). Oder, eine amüsante Revolution durch die Drehtür, rotgelbgrün, Ampel mit noch ´was dabei (allein ist´s wohl zu dünn) …  Und je nachdem, desto gewagter es würde, bekämen sogar die Krümel noch Bedeutung.

Aber wer immer jetzt in welcher Form mit Wem regieren, wer immer dann die Oppositionsbänke besetzen wird, man darf gespannt sein, ob die ein und andere im Zuge des Wahlkampfes geführte Diskussion samt deren Erkenntnisse, die ein und andere dabei geäußerte Absichtserklärung ihren Weg in´s politische Tagesgeschäft finden und vielleicht sogar praktisch wirksam werden.

Kluge Köpfe, intelligente Ideen aller Seiten vereinigt Euch!

Unabhängig davon, sind alle Beteiligten gut beraten, sich weniger in vorsortierten „Lagern“ oder vermeintlich fixiert ideologischen Formationen einzubunkern, sondern ganz im Gegenteil bewusst über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg zu agieren.

Denn das Letzte, was GL jetzt brauchen kann, sind politische Lagerkriege oder ideologische Schaukämpfe im Stadtrat! Erst denken, dann reden (zuhören schadet auch nicht), dann handeln – Frei nach der Devise: Kluge Köpfe, intelligente Ideen aller Seiten vereinigt Euch!

H-G. Ullmann

ist gebührend ratloser Bürger, gelegentlicher Zaungast am Spielfeldrand, findet interessante Gespräche ohne Scheuklappen inspirierend und bewahrt sich den Reiz (manchmal auch fassungslosen) Staunens als Mittel geistiger Ausgeglichenheit.

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1 Kommentar

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  1. Was den SPD-Teil angeht, auch aus meiner Sicht zutreffend. Der letzte Satz “Mensch, SPD, was war das mal für ein stolzes Haus (wenn auch immer mit Anlagen zur Tragik) … würde ich, wenn es nicht so traurig wäre mit “Tragik-Komik” schließen. ;-))