Die IG Kindertagespflege setzt ein Zeichen für die Zukunft dieser Betreuungsform. Foto: Redaktion

Dutzende freie Plätze vermeldet die Kindertagespflege in Bergisch Gladbach für das kommende Betreuungsjahr. Während aktuell noch neue Kitas gebaut werden, ist die Zahl der Geburten kontinuierlich gesunken. Und plötzlich gibt es mehr Plätze als Kleinkinder. Das wirkt sich auf die Betreuungslandschaft aus.

Die Kindertagespflege befindet sich in einer schwierigen Situation: Sinkende Geburtenzahlen und der fortschreitende Ausbau von Plätzen für Kinder unter drei Jahren (U3) setze viele Kindertagespflegepersonen wirtschaftlich und strukturell unter Druck. Darauf weist die die Interessengemeinschaft Kindertagespflege Bergisch Gladbach anlässlich der bundesweiten Aktionswoche „Gut betreut in Kinderagespflege“ hin.

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Mit einem Sternenlauf zum Rathaus auf dem Konrad-Adenauer-Platz machten Kindertagespflegepersonen aus dem gesamten Stadtgebiet am Montag auf ihre Lage aufmerksam und setzten ein Zeichen für die Zukunft dieser Betreuungsform. 

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Die Bevölkerungszahl Bergisch Gladbachs geht zurück, die Zahl der Geburten liegt sogar auf dem niedrigsten Stand seit mindestens 40 Jahren. Das hat Auswirkungen auf die weitere Planungen der Stadtverwaltung – zunächst offenbar bei den Kitas, die gerade unter Hochdruck ausgebaut werden.

„Es deutet sich nichts Gutes an für die Kinderbetreuung“, sagte Sarah Heller, 1. Vorsitzende der IG Kindertagespflege. Wegen der Unsicherheit hören einige Kindertagespflegepersonen auf, dazu gehört auch Sarah Heller selbst. „Die Kindertagespflege ist nicht mehr sicher“, begründet sie ihre eigene Entscheidung.

Für das kommende Betreuungsjahr gibt es laut Heller noch 46 freie Plätze in der Kindertagespflege. „In früheren Jahren hatten wir Wartelisten.“ Bis zum Sommer könnten diese Zahlen noch steigen, weil noch nicht alle Kitas mit der Vergabe der Plätze fertig seien. 

Konkurrenz um die Kinder 

„Viele Eltern würden ihr Kind gern in der Kindertagespflege betreuen lassen, bis es drei Jahre alt ist“, berichtet Jenni Löllgen. „Aber wenn sie kurzfristig einen Platz von einer Kita angeboten bekommen, nehmen sie diesen an – aus Sorge, dass sie später keinen mehr bekommen.“ Aktuell gebe es einen Überangebot für Zwei- bis Dreijährige.

Häufig setzten Kitas die Eltern unter Druck. Das führt laut Löllgen mitunter dazu, dass Eltern ihr Kind nach einigen Wochen oder Monaten wieder aus der Kindertagespflege nehmen – „kurz nach der Eingewöhnung“. Etwa, weil eine neue Gruppe in einer Kita eröffnet wurde. Für die Kindertagespflegepersonen sei das eine finanzielle und emotionale Belastung. „Und es führt zu Unruhe in der Gruppe.“ 

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Aus Sicht der IG bleibt die Kindertagespflege ein „unverzichtbarer Bestandteil der frühkindlichen Betreuung“.Gerade für Kinder unter drei Jahren biete sie Vorteile – etwa kleine Gruppen, feste Bezugspersonen, eine familiäre Atmosphäre sowie flexiblere Betreuungszeiten.

„Wir möchten nicht mit den Kitas um Kinder konkurrieren“, sagt Löllgen. „Wir sind eine wertvolle Ergänzung in der Betreuungslandschaft.“

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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