Nur wenige Meter von der Altenberger-Dom-Straße entfernt gibt es mitten in Schildgen eine richtig große grüne Oase: Der städtische Dorfplatz hinter der Herz-Jesu-Kirche wird seit vielen Jahren von einer Gruppe engagierter Ehrenamtlicher gestaltet und gepflegt – und dient der Gemeinschaft aller Generationen im ganzen Stadtteil.

Wer die vielbefahrene Altenberger-Dom-Straße hinter sich lässt und rechts an der Kirche Herz Jesu vorbei geht, gelangt in eine andere Welt – auf den überraschend weiträumigen, grünen und vielfältigen Dorfplatz. Dass es diese Oase hier, inmitten der dichten Bebauung und in dieser Qualität (immer noch) gibt, ist der Verdienst der Dorfplatz-Paten, eine Gruppe Ehrenamtlicher. Die meisten sind von Anfang an dabei, halten ihren Dorfplatz in Ordnung und pflegen den Gartenbereich. 

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Den Dorfplatz initiiert hatte Ingrid Koshofer. Die ehemalige stellvertretende Bürgermeisterin (1995 bis 2014) lebt seit über 50 Jahren in Schildgen und fand, dass der Stadtteil einen zentralen Treffpunkt brauche. Es gelang ihr, zusammen mit den ersten Mitstreitern, die Stadt als Eigentümerin des Grundstücks zur Umgestaltung zu überzeugen. Unter der Prämisse, dass sich zwei Personen zur regelmäßigen Instandhaltung verpflichten.

Das Amt für StadtGrün übertrug das Grundstück zwischen Kirche, Bürgerzentrum und Karl-Giesen-Straße den Initiatoren der Patenschaft schriftlich. Petra Bohlig und Ulli Poggel sind von Anfang an dabei und dokumentieren chronologisch alles über den Dorfplatz. Die Aktenordner und Fotos, mit denen die beiden die Geschichte des Platzes dokumentieren, sind beachtlich. 

Die engagierten Ehrenamtler Ulli Poggel, Resi Hembach, Petra Bohlig und Ingrid Koshofer. Foto: Annette Voigt

Hier ist immer etwas los

Von Beginn an trifft sich die Gruppe der Dorfplatzpaten regelmäßig. Hier ist immer etwas los: Da spielen Kinder auf dem Rasen, eine der beiden Flächen des Dorfplatzes. Auf der zweiten, asphaltierten Fläche kicken und skateboarden Jugendliche, fahren Kinder Fahrrad oder steuern mit Vätern Fernlenkautos. Auf den Bänken plaudern Mütter miteinander und genießen die Sonne. 

Foto: Ulli Poggel

Jeden ersten Freitag im Monat um 17 Uhr trifft sich hier eine Boule-Gruppe unter Leitung von Ulli Poggel und Markus Mechtel. „Wir sind offen für alle, Jung wie Alt“, meint Poggel, der seit 2020 regelmäßig im Sommer ein Boule-Turnier für den Französischen Freundeskreis der Stadt organisiert. 

Jeden Montag von 19 bis 20 Uhr bietet der lokale Sportverein TuS Schildgen Outdoor Fitness an der Sportbox an. Diese öffentliche und kostenfreie Gymnastik kommt gut an. 
Ein offener Bücherschrank am Rande des Zierbeetes lädt zum Stöbern und Verweilen ein. 

Die Interessengemeinschaft Schildgen veranstaltet am ersten Juli-Wochenende ihr traditionelles Dorffest und auch das Schützenfest findet hier statt. Von der Beliebtheit des Dorfplatzes zeugt eine Postkarte, die längst vergriffen ist.  

„Mich motiviert es sehr, wie dieser Platz genutzt wird, sagt Resi Hembach, eine der Mitbegründerinnen und heutige Organisatorin der Dorfplatzpaten.

Trotz Vandalismus, beispielsweise sind die Bänke beschmiert, machen alle weiter und bleibt der Dorfplatz für alle offen. Es sei wichtig den Dialog mit denen zu führen, die sie in Verdacht haben, meinen die Paten.

Hembach erinnert sich an eine nette Episode. Als sie den Platz fegte, kam sie mit Jugendlichen ins Gespräch. „Was bekommen Sie dafür?“. „Nichts, ich mache dies ehrenamtlich“. „Dann geben Sie mir mal den Besen, ich helfe Ihnen.“ 

„Über die Aktion „wie wollen wir in 20 Jahren leben“ kam Vera Pilkuhn zu den Dorfpaten. „Hier treffe ich andere und trage mit dazu bei, den Platz für unsere Zukunft zu erhalten“.  „Ich wohne in der Nähe und komme hier immer vorbei, wenn ich Brötchen hole. Dabei entstand mein Bedürfnis, mich für den Erhalt des Platzes einzusetzen“, erzählt Klaus Brosig. „Als Anwohner versteht es sich von selbst, hier mitzuwirken“, meint Poggel.  

Eine grüne Oase 

Mit den Jahren entwickelte sich der Platz zu dem, was er heute ist, ein grüner und lebendiger Ort mit vielfältigen Begegnungen. Hier wird gemeinsam gefeiert. Hier begegnen sich verschiedene Kulturen.

Symbol dafür ist der „Engel der Kulturen“ im Zentrum des Platzes. Christentum, Judentum und Islam sind in der Bodenintarsie einheitlich dargestellt. Alle Religionsvertreter und die Öffentlichkeit waren vor Ort als der Engel 2015 eingeweiht wurde. 

Die Eröffnung des „Engel der Kulturen“

Die Paten begannen bereits in der Gründungsphase, den Dorfplatz zu begrünen. Resi Hembach nutzte die Gelegenheit, als der Kindergarten in der Nachbarschaft einen Haselnussstrauch abgab. Diesen pflanzten sie in die Hangbefestigung. Er ist heute rund 4 Meter hoch. In einer Bürgeraktion wurden 2008 die Betonsteine des Hangs bepflanzt.

Heute wächst hier violett blühendes Immergrün und stellenweise Montbretien, die aufgrund ihrer leuchtenden Blüten auch als Sternschnuppe, Fackellilie oder Feuerkolben bezeichnet werden. 

Fotos: Annette Voigt

„Es ist beachtlich, wie sich Pflanzen auch bei kargen Verhältnissen durchkämpfen“, sagt Petra Bohlig. „Wir schneiden die umliegenden Gehölze bewusst selten, damit die spielenden Kinder sich hier verstecken können. So entsteht manche kleine grüne Höhle“, meinen die Dorfplatzpaten. Hier wächst auch ein Sommerflieder, den ein Anwohner mitbrachte.

Die Gruppe hat ein Beet mit klimaresistenten und mehrjährigen Pflanzen angelegt, die die Baumschule Hansch in Schildgen spendete. Zum Zeitpunkt der Pflanzaktion löste das inzwischen verstorbene Ehepaar Hansch seine Gärtnerei auf.

Jetzt im Frühling dominiert die Farbe Gelb, denn viele Narzissen blühen hier. Die Rosen, die die Paten einpflanzten, stellte die Stadt zur Verfügung. Die halbrunde Bank mit bunten Mosaiken glitzert in der Sonne. Junge Leute bauten diese 2009 während der „72 Stunden-Aktion“ in Kooperation mit der Herz-Jesu-Gemeinde (Veranstalter: Bund der Deutschen Katholischen Jugend). Diese Bank verspricht im Sommer angenehme Kühle.                                                                                                

Das Beet ist rundherum von allen Seiten begehbar. Dabei bieten sich stets neue Perspektiven. Mal ist der Turm der Herz-Jesu-Kirche zu sehen, mal der angrenzende Kinderspielplatz oder die Wohnhäuser. Hier in diesem Beet tummeln sich Insekten und fliegen Schmetterlinge. Resi Hembach entdeckte kürzlich einen Nashornkäfer, einen seltenen Verwandten des Maikäfers.

Kleine Grünfläche, große Wirkung. Dieses Beet ist ein Musterbeispiel dafür. Es strahlt eine Ruhe aus und wirkt entspannend. Es ist ein grüner Rückzugsort für alle, die Ruhe suchen, während Andere in der Nähe herumtollen. Für alle Interessen und Hobbys ist ausreichend Platz vorhanden.

Hintergrund: MIt der Serie „Mehr grün für die Stadt“ …

… will unsere Autorin Annette Voigt auf Musterbeispiele für grünes Engagement in Bergisch Gladbach und im Rheinisch-Bergischen Kreis aufmerksam machen. 

Angesichts der zunehmenden Negativauswirkungen des Klimawandels wie Hitze -und Trockenperioden, Starkregen und Hochwasser ist der Erhalt von Grünflächen und die Neuanpflanzung klimaresistenter und schattenspendender Pflanzen, Bäume und Gehölze notwendiger denn je. In Zeiten knapper werdenden Wasserressourcen gilt es auch hier umzudenken und einzusparen, z. B. indem Rasenflächen zu blühenden Blumenwiesen umgewandelt werden. Möglichst viel Grün gehört in die Stadt, denn das sind die grünen Lungen der Bergisch Gladbacher Bevölkerung, unsere Sauerstoffproduzenten.

Doch statt dessen ersetzen Schottergärten und durchgeflieste Flächen ehemals grüne Vorgärten. Sie wirken der Biodiversität entgegen und berauben den Insekten und Kleingetier ihren Lebensraum. Da es von der Stadt keine Verfügungen gibt, die diese grauen „Steinwüsten“ verbieten oder zumindest reglementieren, können diese Beispiele dazu beitragen, an die grüne Vernunft zu appellieren.

Eine Reihe von Gartenprojekten haben wir bereits vorgestellt; Sie finden sie unter diesem Artikel.

Kennen Sie weitere Projekte dieser Art? Melden Sie sich gerne bei der Autorin.

Die Rasenflächen, die den Dorfplatz einfassen, wurden inzwischen nachgesät und werden bei Bedarf von den Paten gemäht. Die Randbepflanzungen bieten wenig Spielraum zur weiteren Begrünung. „Wir überlegen aber, was hier trotzdem gedeihen könnte“, meinen die Dorfplatzpaten, die immer wieder neue Ideen umsetzen, um ihren Dorfplatz zu verschönern. 

Die Paten tauschen sich mit der Stadt regelmäßig aus. Die Verbesserungsvorschläge der Gruppe sollen von der Stadt zeitnah umgesetzt werden. So braucht der Boule-Platz einen neuen Belag. Die beschädigte Tischtennisplatte müsste ausgetauscht werden, es bedarf einiger Anlehnhilfen für Zuschauer bei Veranstaltungen und der diagonale Trampelpfad soll als Kies und -Ascheweg befestigt werden. 

Vögel rascheln im Buschwerk, während die Gruppe gemeinsam Kaffee trinkt. „Das machen wir nach getaner Arbeit immer so. Wir verstehen uns gut und wir arbeiten schon so lange zusammen“, erklärt die Gruppe. Die Pflanzen hier auf dem Platz sind für mich ein Symbol für Schönheit, Lebendigkeit, aber auch für Widerstandskraft. Es spiegelt den Platz wieder“, sagt Bohlig.

Festakt zur Benennung in „Auguste-und-Fritz-Fuchs-Platz“. Foto: Ulli Poggel

Erinnerung an Auguste und Fritz Fuchs

Alle sind stolz auf ihr Gemeinschaftswerk, den Dorfplatz, der seit 2015 Auguste-und-Fritz-Fuchs-Platz heißt. Er wurde nach Auguste Fuchs (1887-1971) und Dr. Fritz Fuchs (1881-1972) benannt.

Zur Person: Auguste und Fritz Fuchs

Das Ehepaar Auguste Fuchs, geborene Buchholz (1887-1971) und Dr. Fritz Fuchs (1881-1972) nahm am 17. September 1944 die rassisch verfolgte Jüdin Henriette Jordan (1886-1981) aus Wuppertal in ihr Haus in Biese bei Schildgen auf. Jordans nichtjüdischer Ehemann war am Vortag gewarnt worden, dass eine Deportation geplant sei.

Die Eheleute Fuchs versteckten die jüdische Frau bis zur Befreiung durch den Einmarsch der Amerikaner am 13./14. April 1945 in ihrem Haus in Biese und schützten sie auf diese Weise vor Deportation und Tod.

Dr. Fritz Fuchs war Mitglied der Bekennenden Kirche und gehörte 1945 zu den Mitbegründern der CDU in Köln, während Auguste Fuchs in der Glaubensgemeinschaft der Quäker aktiv war, in der sich auch die Familie Jordan engagierte.

Auguste und Fritz Fuchs wurden im Jahre 2010 von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem in Anerkennung ihrer Aktivitäten zur Rettung der Jüdin Henriette Jordan vor der nationalsozialistischen Rassenverfolgung als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.

Das Ehepaar versteckte 1944 die Jüdin Henriette Jordan in ihrem Haus in Biese bei Schildgen bis zur Befreiung durch die Amerikaner 1945. Sie retteten H. Jordan somit das Leben. 

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