Catherine Henkel, Tomas Santillan, Lucie Misini, Thomas Klein, Sascha Lenze posieren für ein Wahlplakat

Eigentlich, so behaupten alle Beteiligten, sei die Sache gar nicht so schlimm und völlig normal. Dabei ist die Partei Die Linke in Bergisch Gladbach gerade dabei, sich in zwei unversöhnliche Lager zu spalten und sich in aller Öffentlichkeit als Intrigantenstadel darzustellen.

Am Montag hatte das Bürgerportal berichtet, dass zwei der drei gewählten Ratsmitglieder (Thomas Klein und Lucie Misini) eine Fraktion gebildet und dabei ausgerechnet die Spitzenkandidatin Catherine Henkel außen vor gelassen zu haben. Das wirkte wie ein Stich ins Wespennest – seither liefern sich die Vertreter beider Lager in der für jeden Facebook-Nutzer einsehbaren und damit öffentlichen Facebook-Gruppe „Politik in Bergisch Gladbach” einen heißen Kampf – der die Beobachter aus anderen Parteien mit offenen Mund zurücklässt.

Eine Aktualisierung nach der Sitzung am Mittwoch 
finden Sie weiter unten.

Fakt ist: Nach mehreren Gesprächen im größeren Kreis trafen sich Klein und Misini am Freitag vor Pfingsten, bildeten eine Fraktion und wählten Klein zum Vorsitzenden. Henkel war informiert, aber nicht anwesend.

Wie es dazu kam und welche Absichten dahinter stecken, ist allerdings umstritten.

Tomas M. Santillan, bislang Fraktionschef der Linken und auf Platz 4 der Reserveliste bei der Wahl nicht zum Zug gekommen, steht fest auf Seiten der Neueinsteigerin Catherine Henkel und wirft den Kontrahenten mieses Spiel vor. Er selbst, beteuert er immer wieder, habe keinerlei Ambitionen, in den Rat nachzurücken oder gar Fraktionschef zu werden. Er behauptet, einen großen Teil der Partei-Aktivisten auf seiner Seite zu haben, öffentlich kommt ihm aber nur Patrick Graf (eigentlich Mitglied der Partei Die Partei) zur Hilfe.

Dagegen werfen Parteifunktionäre Santillan vor, tatsächlich mit allen Mitteln an den alten Posten zurück kommen zu wollen. Da sind sich Peter Tschorny (kürzlich zurückgetretener Ortsverbandschef) Rainer Dlugosch (Interimssprecher) und Rainer Schneider (Kreisvorsitzender) völlig einig.

Nach einigen Tagen der Debatte haben sich jetzt auch Thomas Klein und Lucie Misini zu Wort gemeldet. Und stellen klar, dass sie Catherine Henkel nicht ausgeschlossen hätten, auch stünden ihr die Türen zur Fraktion weiter offen. Allerdings habe Henkel Forderungen gestellt, die sie nicht hätten akzeptieren können. So habe die Spitzenkandidatin von Misini verlangt, zugunsten von Santillan auf ihr Mandat zu verzichten. Als Alternative habe sie vorgeschlagen, selbst auf ihr Mandat zu verzichten, dann aber mit dem Posten des Geschäftsführers der Fraktion mit einem Gehalt von 600 bis 650 Euro entschädigt zu werden.

Henkel und Santillan räumen zwar ein, über dieses Möglichkeiten gesprochen zu haben. Dabei sei es aber nur um zwei von vier Varianten gewesen, die man gemeinsam und zum Wohl der Partei erwogen habe. Nie hätten sie Misini unter Druck gesetzt.

Aktualisierung 11.5., 20 Uhr:

Am Nachmittag fand eine Fraktionssitzung der Linken statt, die traditionsmäßig für Gäste offen ist. Bei dieser Sitzung auf Einladung der Fraktion (Thomas Klein und Lucie Misni) fanden sich nach und nach knapp 20 Mitglieder und Symphatisanten der Linken ein.

Der Versuch von Klein und Misini, die Tagesordnung (Sammlung von Vorschlägen für die Besetzung von Ausschüssen und Nominierung der Sachkundigen Bürger) durchzuziehen, schlug rasch fehlt. Nach einer Stunde brach die Debatte über die Wahl des Fraktionsvorsitz offen aus.

Dabei manifestierte sich eine tiefe Spaltung der Linken in zwei Lager, die sich gegenseitig heftigste Vorwürfe machen. Im Kern ging es um das Verständnis von Basisdemokratie: die Gruppe um Catherine Henkel und Tomas Santillan warfen Klein und Misini vor, autoritär vorzugehen und die Basis nicht zu Wort kommen lassen. Klein und Misini, unterstützt von Dlugosch und Tschorny, warfen dagegen vor allem Santillan vor, die Linke in Bergisch Gladbach dominieren zu wollen und den Wählerwillen auf den Kopf zu stellen.

Dabei wurden auch heftige persönliche Angriffe gefahren. Dlugosch warf Henkel mehrfach vor, die deutsche Sprache nicht ausreichend zu beherrschen, um die Fraktion zu führen, und ein Verhältnis mit Santillan zu haben. Das trug ihm den Vorwurf des Rassismus und Sexismus ein.

Moderate Stimmen, die auf einen Kompromiss und eine mögliche Rotation im Fraktionsvorsitz drängten, fanden wenig Gehör.

Am Ende der Veranstaltung bat Henkel dann doch ohne Vorbedingungen überraschend darum, in der Fraktion aufgenommen  zu werden. Eine sofortige Entscheidung darüber lehnten Klein und Misni jedoch ab.

Fortsetzung folgt: Am kommenden Montag, 16 Uhr, findet die nächste öffentliche Fraktionssitzung statt.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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4 Kommentare

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  1. Zitat “Der Versuch von Klein und Misini, die Tagesordnung (Sammlung von Vorschlägen für die Besetzung von Ausschüssen und Sachkundige Bürger) schlug rasch fehlt, eine Debatte über die Wahl des Fraktionsvorsitz brach nach einer Stunde offen aus.”

    Könnte man hier mal vernünftiges Deutsch ausprobieren? Angeblich ist das hier ja eine journalistische Seite. Danke.

  2. “Dlugosch warf Henkel mehrfach vor, die deutsche Sprache nicht ausreichend zu beherrschen, um die Fraktion zu führen, und ein Verhältnis mit Santillan zu haben.”

    Unterste Schublade !
    Gibt Grenzen in der politischen Auseinandersetzung. Die sollten auch für und in der linken gelten.

  3. Wie heißt es doch so schön im Volksmund:

    “Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen.”

    Es ist schon mehr als befremdlich, in der jüngeren Vergangenheit gerade von Seiten der LINKE im Zusammenhang mit der BELKAW-Beteiligung der Stadt unentwegt die intensive Beteiligung der Bürger (Bürgerentscheid) am Entscheidungsprozess zur Neuausrichtung der kommunalen Energieversorgung sowie eine Abkehr von rein finanziellen Interessen zugunsten einer nachhaltigen energiewirtschaftlichen Ausrichtung zu fordern, sich aber parteiintern genau diesem Anspruch zu ungeniert zu entledigen.

    So gilt dann auch für die LINKE das Brecht´sche Motto:

    “Erst kommt das Fressen und dann die Moral.”