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Sehr geehrter Herr Urbach,

Sie schreiben, dass Sie diese “wie hässlich-ist-doch-diese-Stadt”-Bilder (siehe unten) mittlerweile etwas anstrengend fänden. Und Sie fragen in Ihrem Facebook-Kommentar zu den Bildern über die Scheußlichkeiten dieser Stadt, ob “Herr Hansen auch schon einmal die schönen Ecken in Bergisch Gladbach photographiert” hat*.

Zunächst einmal eine Klarstellung und um weitere Missverständnisse zu vermeiden:

In den Ausstellungen 1996 und 2013 zum Thema “Alltagsästhetik – Jenseits des Konsums” habe ich (wie aus dem Plan ersichtlich) die Fehlentwicklungen, Fehlplanungen, Misshandlungen, Verwahrlosungen der innersten Innenstadt gezeigt. Nicht irgendwelche Schmuddelecken in Industriegebieten.

Innsensta

Die Punkte zeigen die fotografierten Orte in Bergisch Gladbachs Innenstadt an.

Die Bilder zeigen die Situation an und in der seelenlosen und ungepflegten Fussgängerzone, dazu die Rückseiten der verschiedenen Abschnitte der Hauptstraße, an der Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße und der Stationsstraße, am Stadthaus und um das Bürgerhaus Bergischer Löwe herum. Die Fotos zeigen die Parkplätze (“Kleingartenanlage”) An der Gohrsmühle, auf dem Fronhof oder die Asphaltbrache hinter dem Bergischen Löwen mit dem großspurigen Namen “Maria-Zanders-Anlage”.

In meinem Vortrag im Februar 2013 habe ich auf diese in vielen Jahrzehnten (also schon lange vor Ihrer Amtszeit) entstandenen Fehlentwicklungen hingewiesen. Dazu kommen weitere (auch aktuelle) Planungs- und Handlungsfehler. Ich denke dabei an die Planungsfreiheit der Investoren, an die Straßenplanung, die offensichtlich nicht für alle Verkehrsteilnehmer gedacht ist (fehlende Überwege, fehlende Radwege), an Radwege, die jeder Beschreibung spotten, an falsch angelegte Behindertenparkplätze, an ungeordnete Beschilderungen, an versäumte Gelegenheiten für zukunftorientiertes Bauen, an selbstverschuldeten Schwerlastverkehr, an die Auflösung der Fußgängerzone Schlossstraße etc.etc.

Den Katalog über die Ausstellungen und den kompletten Vortrag gebe ich heute im Rathaus ab. Ich würde mich freuen, wenn Sie die Zeit fänden, sich mit der Kritik auseinanderzusetzen. Da von offizieller Seite auf die konkreten Darstellungen in einem öffentlichen Vortrag nie konkret reagiert worden ist, lade ich Sie (und weitere Interessierte und Verantwortliche) zu einer Begehung der innersten Innenstadt ein. Vom Driescher Kreisel bis zum Waatsack. Danach könnten wir – auch gern öffentlich – im Zusammenhang über konkrete Möglichkeiten der Veränderung, der Verbesserung diskutieren.

Mit freundlichem Gruß, Klaus Hansen

*Ich fotografiere seit vielen Jahren dokumentarisch die Stadt. Allerdings bin ich weniger an den vielen schönen privaten Wohnquartieren im Grünen interessiert, auch nicht an der eintausendsten Aufnahme des Bensberger Schlosses im Abendlicht, sondern eher am städtischen Lebensumfeld der Bürger, also den Stadtteilzentren, den Einkaufszonen, den öffentlichen Parks und Plätzen, der städtischen Architektur etc.

PS: Da ich nicht in Facebook bin, bitte ich alle diejenigen, die mich erreichen und eine Antwort erhalten möchten, mir zu mailen: klaus.hansen@koeln.de

Das Thema Stadtentwicklung wird am Donnerstag, 12. Juni, 18 Uhr auf Einladung des Arbeitskreises „Baukultur” mit Bürgermeister Urbach, Stadtplanern und Architekten Thema einer Diskussion über einen Gestaltungsbeirat für Bergisch Gladbach im Bensberger Ratssaal sein.

Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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