Und dann war da noch die von Birgitt Killersreiter moderierte Podiumsdiskussion in der Volkshochschule (VHS) Bergisch Gladbach zum Thema: “Kulturnetzwerk: Zwischennutzungslösungen in der Kreativwirtschaft“…

v.l.n.r.: Thomas Werner, Edda Jende, Andreas Peck, Udo Krause

Mit ungefähr zwanzig anderen Zeitgenossinnen und -genossen hatte ich Gelegenheit, zunächst zuzuhören: Edda Jende (AdK), Udo Krause (GL-Stadtplanung), Andreas Peck (Einzelhandel) und (Pfarrer) Thomas Werner diskutierten zum Thema Kultur in unserer Stadt, überwiegend bezogen auf die östliche Stadtmitte und ab und zu unter dem ausgewiesenen Motto der “Zwischen”-Nutzung von Arealen und Gebäuden für die Kultur und Kunst.

Die zentrale “Zwischennutzung” ist das – an dem Abend mehrfach angesprochene – Beleben von leerstehenden Ladenlokalen oder anderen Räumen mit Kunst: sei es eine einfache Ausstellung von Objekten, sei es die Nutzung als “Live-Atelier” von Künstlern, denen bei ihrer Arbeit zugesehen werden kann. Dabei kann – auch im Sinne einer selbstbewusster auftretenden Kultur – eine “temporäre” Nutzung während einer Leerstandsphase eines Ladenlokals oder ganzen Hauses auch als wert- und image-erhaltende Maßnahme gesehen werden. Kultur, die Geld einspart. (Wieso nicht einmal so?!)

Die augenscheinlichen Probleme sind auch an diesem Abend schnell erzählt, zum Beispiel:

  • Die Künstlerinnen und Künstler haben keinen (und insbesondere keinen bezahlbaren) Raum für die Kunst(-ausübung und -ausstellung).
  • Die Einzelhändler stellen fest, dass Parkplätze fehlen (Stichwort Baumaßnahme Buchmühle). Interessant an dieser Stelle: Andreas Peck berichtet, dass die Eröffnung der RheinBerg Galerie in den ersten Jahren eine deutlich höhere Kundenfrequenz auch in der östlichen Stadtmitte zur Folge hatte!
  • Alle gemeinsam stellen fest, dass sich immer wieder sehr lange (augenscheinlich) nichts tut in der Stadt(mitte).
Bezug nahm die Veranstaltung u.a. auf den Fachbeitrag “Kulturnetzwerk Stadtmitte”, den das Planungs- und Beratungsbüro StadtArt Dortmund im August 2010 vorgelegt hatte. Und seitdem war dieser Fachbeitrag – in der Wahrnehmung der meisten Personen – in einer der zahlreichen Schubladen versunken, verschwunden, (beinahe) vergessen.

Schon damals hat es viele gute Gedanken gegeben. Wurden Entwicklungspotenziale der Kultur- und Kreativwirtschaft (- übrigens eine originelle, aber ganz passende Wortschöpfung -) aufgezeigt. Manches Potenzial bezieht dabei seine “Kraft” aus der Nähe zu und dem Anders-Sein als Köln: “Bergisch Gladbach als Ausweich(!)standort für Betriebe der Kultur- und Kreativwirtschaft aus Köln” [S. 49 des o.e. Endberichtes/Fachbeitrages] oder “Bergisch Gladbach als preiswerter(er) Standort für Kreative”. Aber schon 2010 wurde auch erkannt, dass der Lebensraum Kultur ein unabdingbarer Standortfaktor für unsere Stadt ist. (Zitat des Fachbeitrages: “Creative industries look sexy” [S. 50].)

Bei der Diskussion wurde aber auch zumindest im Ansatz verstehbar, wieso aus den – letztlich immer wiederkehrenden – Ideen(sammlungen) zur Kultur nichts oder nicht so viel wird, wie man sich wünscht: es ist nicht (immer) klar, wer die organisatorisch leitenden Akteure sind, welcher projektartige Zeit- und Fahrplan konkret verfolgt wird oder werden soll, – und Geld ist sowieso keines da. (Was in meinen Augen in keinster Weise ein “Killerargument” sein darf oder sollte. Manches geht auch ohne Geld, – und manchmal muss man das zur Verfügung stehende Geld vielleicht anders auf- und verteilen.)

Es gibt dabei auch recht einfach zu analysierende “Störfaktoren”:

  • So gibt es bei der Stadt kein Leerstandsmanagement. Und offenbar auch nicht bei den Einzelhändlern bzw. der Interessengemeinschaft.
  • Das Thema Kultur ist bei der Stadt vergleichsweise schwach aufgestellt; eine deutlich stärkere Lobby haben Sport oder Wirtschaft.
  • Schließlich ist bei weitem nicht klar, was *die* Kreativwirtschaft in Bergisch Gladbach *ist*, d.h. hier fehlt es an einer Konsens- bzw. Mehrheitsmeinungsfindung, die eine stärkere Position gegenüber anderen Frage- und Themenstellungen erst ermöglichen würde.

Stadtplaner Udo Krause sprach in der Veranstaltung richtigerweise die Wichtigkeit von “urbanem Wohnen” an: eine (Innen-)Stadt ist (auch) außerhalb der Ladenöffnungs- und “Event”-Zeiten am ehesten belebt (also “nicht tot”), wenn hier auch Menschen wohnen. Gleichzeitig relativieren sich Verkehrsprobleme (auch die des “ruhenden” Verkehrs) in dem Maße, in dem (einige) Menschen gar nicht mit dem eigenen Auto anfahren (müssen).

Bau-Schild zur Maßnahme Buchmühle

Einiges habe ich an dem Abend auch auf meinen kleinen Notizzettel gekritzelt: “Kultur muss frecher auftreten”, “Kultur darf sich nicht verstecken”, “Rollentausch/ Perspektivwechsel: Kultur macht Planung, Planung macht Kultur”, “Start-Ups und Kreative Hand in Hand” (gemeinsame Nutzung / Realisierung von Räumen und Ressourcen), “ein roter Faden der Kultur in GL”, “begehbare Landkarte (mit u.a.den zehn Partnerstädten) im Park”, vielleicht auch einmal “ein Maskottchen für GL” (- der Igel ist natürlich für das Bürgerportal schon “vergeben” -)?

Im Schlussteil der Veranstaltung kamen die Menschen aus dem Publikum zu Wort; insgesamt war man sich rasch einig, dass ein erneutes Verschwinden der Ideen in irgendwelchen Schubladen nur dadurch verhindert werden kann, dass die Fragen eines klassichen Projektes “wer macht was wann womit?” nicht nur gestellt, sondern auch beantwortet werden.

Und so wird es recht zeitnah (maßgeblich von Birgit Killersreiter in die Hand genommen “with a little help from” einigen Besucherinnen und Besuchern der Veranstaltung) ein “Weltcafé” (oder eine ähnliche Folgeveranstaltung) geben. (Diesen Typ von Veranstaltung hatte es in der Vergangenheit zweimal für den Themenbereich “Bildung in Bergisch Gladbach” gegeben.) – Parallel dazu waren sich die Vertreterinnen und Vertreter der Ratsfraktionen (von CDU, SPD und Grünen) einig, dass ein interfraktioneller Arbeitskreis zum Thema Kultur eingerichtet werden sollte.

Zumindest vorläufig kann also wohl die Schublade geschlossen bleiben.

pebaco

Peter Baeumle-Courth, wohnhaft in Moitzfeld, beruflich tätig an der FHDW (Fachhochschule der Wirtschaft). Mehr unter baeumle-courth.eu oder im Blog blog.baeumle-courth.eu. Seit 2004 Mitglied des Rates der Stadt...

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