Kann sie bei den „Deutschen“ starten oder fällt Sonja Mosler erneut aus gesundheitlichen Gründen aus? Eine Frage, die Trainer Guido Schmitt in den Tagen vor den Deutschen Meisterschaften am Samstag und Sonntag in Ulm immer wieder gestellt wurde.

Nach ihrem Sieg bei den Deutschen U23 Meisterschaften Mittel Juni in Wesel litt die 20jährige Herkenratherin zunächst unter einem Magen-Darm-Infekt, dann stellt sich auch noch eine Halsinfektion ein. Trainingspause war angesagt, intensive Tempoläufe fielen aus, lange geplante Wettkämpfe mussten gestrichen werden.

Eine Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften, den großen Saisonhöhepunkt, war einfach nicht möglich. Drei Tage vor der DM gab der Arzt dann doch grünes Licht, die Blutwerte waren wieder okay, einem Meisterschaftsstart von Sonja standen keine medizinischen Gründe entgegen.

Im 800m Vorlauf am Samstag tat Sonja Mosler nicht mehr als nötig, immer im Pulk an Position drei oder vier laufend qualifizierte sich die Studentin in 2:08,75 Minuten locker für das Finale.

Mosler unter diesen Bedingungen mit Platz 6 nicht unzufrieden

Sonja Mosler (Archivbild)

Im Endlauf sorgte die 20jährige Münchenerin Christina Hering mit 60 Sekunden über 400m und 1.30,78 Minuten über 600m für ein schnelles Tempo. Zu diesem Zeitpunkt lag Sonja Mosler hinter der Leverkusenerin Walther an Position drei, noch auf Tuchfühlung zur späteren Meisterin Hering. Auf den letzten 200m konnte die Herkenratherin der Münchenerin jedoch nicht mehr folgen, Der Trainingsausfall und die fehlende Wettkampfhärte forderten ihren Tribut. In 2:05,00 Minuten lief Sonja Mosler als Sechste ins Ziel.

„Nach den Infektionen in den letzten Wochen bin ich mit dieser Zeit und Platz sechs nicht einmal unzufrieden. Im Schlussspurt fehlte mir einfach die für ein solches Meisterschaftsrennen nötige Tempohärte“ sagte Sonja Mosler nach dem Lauf.

Mausbach geht in einer Wasserschlacht baden

Glänzend in Form präsentierte sich in Ulm 400m-Läufer Tobias Mausbach. Im ersten Vorlauf begann der 24-Jährige vergleichsweise verhalten, lief aber auf der Zielgeraden von Position sieben auf Rang vier vor und qualifizierte sich mit Saisonbestzeit von 47,06 Sekunden als Siebtschnellster für das Finale. Auf der Strecke blieb u.a. der Münchener Johannes Trefz, vor vier Wochen noch Mitglied der Deutschen Mannschaft, die die Team-EM in Braunschweig gewann, oder der Frankfurter Benjamin Jonas, 2012 Olympiateilnehmer in London.

Einer Wasserschlacht glich dann das Finale am Sonntag. Mitten in einem heftigen Regenschauer wurden die Athleten ins Rennen geschickt. Während der Deutsche Meister Kamge Gaba in Anbetracht der Verhältnisse sensationelle 45,82 Sekunden erzielte, kam Tobias Mausbach mit den Bedingungen überhaupt nicht zu Recht und trudelte am Ende in 48,00 Sekunden als Achter ein.

Dennoch bleibt festzuhalten: Mausbach, der derzeit seine Bachelor-Arbeit bei der Lufthansa in Frankfurt anfertigt und nur drei- bis viermal pro Woche trainieren kann, gehört weiterhin zu den stärksten deutschen 400m-Läufern. Nach Ulm 2013 und der diesjährigen Hallen-DM in Leipzig konnte sich der Herkenrather zum dritten Mal in Folge für ein DM-Finale qualifizieren.

Aufregung und Chance für Nachwuchsläufer bei der Staffel

Aufregung gab es dann im Herkenrather Team bei der Vorbereitung auf den letzten Meisterschaftswettbewerb, das Finale über 4x 400m der Männer. Jan Vogt, als Startläufer vorgesehen und in den letzten vier Jahren an jeder Top-Acht Platzierung der Herkenrather Staffel bei Deutschen Meisterschaften beteiligt, konnte wegen Schmerzen am Sprunggelenk nicht sprinten. Der Jugendliche Stefan Höller musste als Ersatz einspringen, Timur Tezkan auf die Startposition wechseln.

Der 26jährige Tezkan legte seine Teilstrecke in sehr guten 49,5 sec. zurück und übergab an vierter Stelle liegend den Staffelstab an Tobias Mausbach. Nur 90 Minuten nach der Regenschlacht im 400m-Finale zeigte sich Mausbach bestens erholt und brachte das Herkenrather Team mit einem glänzenden Rennen auf Position eins, knapp vor der zweiten Staffel der LG Stadtwerke München.

Bei seinem ersten Einsatz in der Männerstaffel lief Stefan Höller vorsichtig an und musste die Münchener Mannschaft nach 150m passieren lassen. Doch nach einer starken zweiten Hälfte übergab der 19jährige als Erster an Schlussläufer Christian Grund.

Der hatte keine leichte Aufgabe. In seinem Nacken „saß“ Tobias Giehl, der Dritte der Deutschen Meisterschaften über 400m Hürden. Wie nicht anders zu erwarten, musste Grund den B-Kader-Athleten passieren lassen, sicherte aber den zweiten Platz des Herkenrather Teams souverän ab. Die Endzeit von 3:17,08 Minuten bedeutete im Gesamtergebnis der beiden Zeitendläufe wie im Vorjahr Platz acht für die Herkenrather.

Dorfverein aus Bergisch Gladbach setzt auf eignen Nachwuchs

Nach 2010, 2012 und 2013 stellt der „Dorfverein“ aus Bergisch Gladbach erneut eine der besten deutschen 4x 400m-Staffeln. Und auch das spricht für die Herkenrather Arbeit: Timur Tezkan, Tobias Mausbach, Stefan Höller, Christian Grund und der so unglücklich ausgefallene Jan Vogt haben die Leichtathletik „von der Pike auf“ beim TVH gelernt, keiner wurde von einem auswärtigen Verein dazugeholt.

Über 4x 400m der männlichen Jugend U20 kam das Herkenrather Nachwuchs-Team in 3:27,63 Minuten auf Platz 15 und erzielte damit die beste Zeit einer Jugend-Staffel aus dem LA-Kreis Oberberg seit 2007. Mehrkämpfer Stefan Höller auf eins, Jonathan Schubert auf Position zwei, der lange verletzte Youngster Milan Wurth auf der Drei und Mittelstreckler Jonathan Dahlke als Schlussläufer zeigten ein beherztes Rennen und konnten sich um mehr als drei Sekunden gegenüber den Westdeutschen Meisterschaften Anfang Mai steigern.

Marla Feldwisch, Hannah Scholl und Jana Stremlau liefen über 3x 800m der weiblichen Jugend U20 als Zwanzigste 7:26,58 Minuten und verfehlten ihre diesjährige Bestzeit um sieben Sekunden.

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