Klaus (l.) und Georg Musculus (r.) mit Jürgen Kamrath, der seit 50 Jahren für die Firma arbeitet.

„Ich bin kein Konzernmensch, sondern Mittelständler“, sagt Georg Musculus. Und das soll auch so bleiben. Zusammen mit seinem Bruder Klaus werde er alles dafür tun, auch in Zukunft jeden seiner Mitarbeiter persönlich zu kennen. Wachstum ist daher nicht sein Thema. Sondern Stabilität. Und die sieht der Unternehmer durchaus gefährdet.

Seit 90 Jahren produziert die Georg Musculus GmbH & Co. KG Produkte aus Schwertextilien: Erst Zeltplanen, später Wohnwagenvorzelte, heute vor allem Markisen. 70 Mitarbeiter beschäftigt Musculus.

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Der Absatz von Sonnenschutzsystemen ist dank der Arbeitsplatzrichtlinien der EU gesichert, die Unternehmensnachfolge ebenfalls. Unter  Georg (63) und Klaus (57) Musculus arbeiten bereits drei Mitglieder der vierten Familiengeneration im Unternehmen an der Ernst-Reuter-Straße: Sandra, Christopher und Lucas Musculus.

Aber der Standort wird immer mehr zum Problem.

Hoffnung auf Gewerbegebiet Vinzenz Pallotti schlägt in Frust um

Schon vor zehn Jahren hatte Musculus ein großes Grundstück an der Vinzenz-Pallotti-Straße gekauft, in der Hoffnung, dass hier ein neues Gewerbegebiet mit reichlich Platz für einen modernen Neubau entsteht. Doch das Projekt geriet in juristisches und politisches Störfeuer, entschieden ist bis heute nichts. „Wenn ich vor zehn Jahren gewusst hätte, was da passiert, wäre Musculus heute längst anderweitig angesiedelt“, bilanziert der frustrierte Firmenchef.

Klaus und Georg Musculus in der hauseigenen Gartenöbelausstellung

Drastische Entscheidungen mussten die bislang drei Musculus-Führungsgenerationen immer wieder treffen. Das 1924 am Kölner Holzmarkt gegründet Unternehmen wurde ausgebombt, ausgelagert, 1980 erfolgte der Umzug nach Bensberg, hier brannte der Betrieb 1990 komplett ab und wurde neu aufgebaut.

Zweckbau an der Ernst-Reuter-Straße platzt aus allen Nähten

Technische Konfektion von Markisen. Foto: Musculus

Doch inzwischen ist der Zweckbau für eine effiziente Produktion viel zu eng geworden, längst nicht mehr zeitgemäß. Ein Beispiel? Im oberen Stockwerk werden die zum Teil sehr großflächigen Markisen genäht. Die fertigen Bahnen dürfen aufgrund von Produktvorschriften seit einigen Jahren nicht mehr gefaltet werden, passen nun nicht mehr in den Aufzug. Daher müssen sie zweimal pro Tag durch ein Loch in der Decke herabgereicht werden

Im Erdgeschoß, wo die großen Schweißautomaten stehen, herrscht drangvolle Enge. Gerne würden Georg und Klaus Musculus für eine halbe Million Euro neue Maschinen kaufen. Nur haben sie keinen Platz dafür.

Aber weil die Firmenchefs eben keine „Konzernzmenschen“ sind, schrecken sie vor einer Betriebsverlagerung zurück. Vor allem mit Blick auf die Mitarbeiter, die zum Teil schon von Köln mit nach Bensberg gezogen sind. Der Konfektionär Jürgen Kamrath beging im März sein ganz persönliches Firmenjubiläum: er ist seit 50 Jahren im Betrieb.

Georg Musculus

Und dennoch: „Mittelfristig muss hier aber etwas geschehen“, sagt Georg Musculus. Diese Entscheidung werde in Absprache mit der nächsten Familiengeneration getroffen – um die Kontinutität des Unternehmens zu sichern.

Spezialisierung sichert Musculus das Überleben

Kontinuität, aber auch Wandel prägen das Unternehmen seit 90 Jahren. In diesen Jahrzehnten haben sich die Branche und das Endprodukt völlig gewandelt. „Früher gab es in unserer Branche allein in Köln fünf große Betriebe, jetzt sind es in ganz Deutschland gerade mal noch fünf“, berichtet Georg Musculus. Übrig blieben die Spezialisten.

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Das dahinter liegende Berufsbild wurde immer attraktiver, aber gleichzeitig unbekannter. Gerade mal 40 bis 50 technische Konfektionäre würden derzeit pro Jahr ausgebildet. Wurden früher vor allem Säcke und Lkw-Planen auf Maß gebracht, so fertigen die Konfektionäre heute aus Schwertextilien eine große Bandbreite von Produkten: vom Segel bis hin zur Außenhaut von Fußballstadien

Klaus Muculus

Oder eben Sonnenschutzsysteme, wie beim Spezialisten Musculus. Nach den Vorgaben der Anlagenbauer werden in Bensberg Markisen, Sonnensegel und andere textile Komponenten genäht und geschweißt. „80 Prozent sind Einzelanfertigungen“, betont Georg Musculus, der viele Jahre als Vorsitzender des Prüfungsausschusses tätig war. Daneben vertreibt Musculus auch hochwertige Gartenmöbel und Grills, aber 75 Prozent des Umsatzes entfallen nach wie vor auf die traditionelle Produktion.

Neben Industriekaufleuten und Sonnenschutzmechatronikern bildet Musculus jeweils zwei technische Konfektionäre aus. Qualifizierte Bewerber zu finden sei allerdings nicht einfach: ein gutes Verständnis für Flächen und Maße müssen die Auszubildenden mitbringen. Dafür stehen ihnen nach Abschluss der Ausbildung viele Türen offen, denn gute technische Konfektionäre sind gefragt. Nicht zuletzt bei Musculus.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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