Wer in Herrlisch Raubach ganz genau horcht, der hört das leise Aufatmen bei den Hellroten. Nachdem die Schwarzen ihr Jawort nicht ganz ohne Genuss hinausgezögert hatten, stattdessen auch noch mit der grünen Partei zu flirten begannen, scheint die von Hellrot ersehnt großkoalitionäre Polithochzeit nun doch in Greifweite zu rücken. Auch weil Trutz Altwassers Verkehrsvisionen vielen Grünen nicht ganz grün sind.

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Altwasser, der Bürgermeister von Bergisch Gladbachs virtuellen Partnerstadt Herrlisch Raubach, und seine Schwarzen hatten sich reichlich Zeit gelassen. Anstatt dass gleich nach den Wahlen jenes von Hellrot dringlich erwartet offizielle Jawort zur Regierungsehe getauscht wurde, sahen sich die Hellroten unverhofft auf die lange Bank in der Wartezone geschoben.

Zur reichlichen Verwunderung wie Verunsicherung. Schließlich hatte man dem leidlich aufmerksamen Bürger vor den Wahlen doch mit einigen Zaunpfählen gewunken, was die Stunde nach der Wahl schlagen würde.

Zwischen Ehelust und Bräutestolz

HeLKuW(Herrlische Lisch-, Kraff- un´ Wasserwerke)-Deal gegen Kämmerer, Platz im neuen Aufsichtsrat (vor allem ganz wörtlich auch an der Spitze desselben), trauliches Kuscheln zum Ende der städtischen Legislatur und dann eigentlich ein bloß mäßiger Wahlkampf, der unausdrücklich gleitend Seit´ an Seit´ mit den Schwarzen eben auf die Regierungsbank führen sollte.

Einziger Missklang: Der von den Hellroten zwar spätestens, aber dann doch noch einigermaßen pathetisch gekürte Bürgermeister-Kandidat Rüdiger Buschek machte, zu deutlichem Verdruss der Koalitionsentschlossenen, dann fast auch zur Verwirrung der eigenen Partei und nicht zuletzt zum Ärger Trutz Altwassers, tatsächlich Wahlkampf.

Dabei hatten alte hellrote Einflussgrößen (unter anderem HR´s ehemaliger BM Hans Platz, heute Aufsichtsratschef der HeLKuW, dem schwarz-hellroten Verlobungsprojekt, oder Dr. Friedrich Wilhelm Stiege, der das Bündnis als Vermächtnis des von ihm verehrten Stammes der Rauen, jener in ihrer Existenz strittigen Urbevölkerung Herrlisch Raubachs, beschwor) längst die halbheimliche Parole ausgegeben:

Sattes Schwarz und helles Rot – Das ist für Herrlisch Raubach joot!“

Vor dem Hintergrund der sozusagen naturgegeben und bei den jüngsten Wahlen dann auch wieder bestätigt politischen Normalverteilung, ist die hellrote Sehnsucht nach einer patronal beschirmten Machtteilhabe durchaus verständlich. Außerdem: Von Angie und Siggi lernen …

Denn weil nun einmal die große und contra-schwarz oppositionelle Attacke per Hellrot-Grün, Hellrot-Grün-Gelb und erst recht Hellrot-Grün-Dunkelrot entweder prozente- und/oder inhalts- bzw. opportunitätshalber hier an der traulichen Schlunde nicht realisierbar war und ist, musste Hellrot sich ernsthaft fragen, ob man auch die kommenden sechs Jahre weiter auf dem harten Holz der Oppositions- oder in dafür gepolsterter Duldung mit auf der Regierungsbank verbringen wollte.

Das Gelbe wird frei

Zudem hatte die zuvor bestanden schwarz-gelbe Ehe entschiedene Zerrüttungserscheinungen gezeigt. Die Gelben sahen (und sehen) sich auf striktem Kurs in Richtung politisches Nirwana, was auch ein Grund dafür gewesen sein mag, dass sich der gelbe Spitzen- und Bürgermeister-Kandidat Pit Schnell zu einem für gelbe Verhältnisse einigermaßen schnittigen Wahlkampf gegen Schwarz und vor allem Trutz Altwasser entschloss.

Während also Pit Schnell und Gelb ganz geschlossen, Rüdiger Buschek und Hellrot teils verdrossen gegen das schwarze Regime Altwasser schossen, warb der grünen Partei unterhaltsamer Bürgermeister-Kandidat Dieter Schaeumle-Furth zwar gelegentlich und mit lässlichem Schalk für sich als gegebenfälliger Alternative zum Amtsbesitzer, zog sich im Unterschied zu Schnell und Buschek aber nicht dessen Unmut zu.

Das Warten der Braut

Das dieses Mal von allen Seiten mit besonderer Spannung erwartete Wahlergebnis bescherte dann Gelb und Hellrot ein sattes Minus, Grün dagegen ein ebensolches Plus und Schwarz den dieses Mal besonders erleichtert begrüßten Sieg.

Das wiederum ließ schon einmal sanft hintergründig virulent geworden schwarz-grüne Farbenspiele auf’s Neue interessant werden, zumal die grüne Partei fraglos grün, aber vor allem auch eine Herrlisch Raubacher Partei ist.

Nachdem Hellrot jedoch das Aufgebot schon bestellt und sich auf den versorgungssichernden Ehevertrag in Gestalt einer ihrerseits hellroten Minderheitsbeteiligung eingestellt hatte, musste der plötzlich frivole Flirt zwischen Schwarz und Grün dort desto mehr irritieren bis entsetzen. Was, wenn der umworbene Bräutigam statt gnädig zum Altar zu schreiten, geradezu lasziv ins Grüne fliehen würde?!

Landluft-Verkehrskonzept nicht grün genug

Aber hinter allen noch so reizvoll tändelnden Turteleien und progressiven Phantasien bleibt nicht zuletzt die große Frage: Wer schreitet letztlich Seit’ an Seit’ mit Trutz Altwasser und den Schwarzen in die Herrlisch Raubacher Landluftverkehrs-Zukunft und entsprechend das ILlvGkfHRudh (Integriertes Landluftverkehrs-Gesamtkonzept für Herrlisch Raubach und darüber hinaus)?

Da hatte die grüne Partei zwar bereits Akzente gesetzt (die je doppelte Untertunnelung bzw. Überbrückung der Landluft-Verkehrsbahnen für den Querzug der Schlunder Mittelschwanz-Kröte bzw. des ostrheinischen Riesen-Hüpfflohs). Aber ein jetzt von Kritikern innerhalb der Partei vorgelegt aktuelles Gutachten wirft weitere, noch fundamentalere Fragen auf und lässt eine grüne Zustimmung zu Trutz Altwassers großem Projekt plötzlich rapide bröseln.

Die Fahrlärm-Falle des fluglärmneutralen Landluft-Verkehrs

So vermeide das Landluft-Verkehrskonzept wohl den Fluglärm, da sich die Flugzeuge ja lediglich in bodenhaftiger Rollbewegung zwischen Scherkenrath und Hildgen wie umgekehrt bewegten – aber was ist mit dem Fahrlärm?!

Insbesondere auf den jeweils bergan führenden Teilstrecken dürften die Turbinen einen Geräuschpegel erzeugen, der mehr als bedenklich sei (wobei die Frage des Turbinenlärms beim bremswirkenden Umkehrschub auf den je bergab führenden Teilstrecken noch gar nicht berührt wäre).

Hellrot legt noch einen drauf

Während sich zwischen Schwarz und Grün hier also plötzlich Gräben öffnen, die einen erst recht raschen Start der integrierten Landluft-Verkehrspläne mehr als fraglich erscheinen lassen, grätschen die Hellroten luftig erleichtert in die erhoffte Bresche und lassen per Statement ihres Fraktionschefs Claas Forsthauer verlauten:

Hellrot fordert Verkehrsgerechtigkeit und gleichberechtigte Teilhabe am größten Aufschwung aller Zeiten für ganz Herrlisch Raubach! Wir stehen für Landluftverkehr nicht bloß zwischen Scherkenrath und Hildgen, sondern auch zwischen Heidelust und Schmand!“

Die Finanzierung sei kein Problem, erklärten Forsthauer und sein Parteikollege Hans Platz, der es wissen muss. Denn durch den nach ihren Worten vor allem Hellrot zu dankenden Einstieg Herrlisch Raubachs ins hochprofitabel internationale Energiegeschäft, stünden der Stadt künftig Mittel in nahezu unbegrenzter Höhe zur Verfügung.

Nun bald das landluftige Jawort zwischen Schwarz und Hellrot?

Man begrüße Einsicht wie Unterstützung der Hellroten durchaus, äußerte jetzt der schwarze Fraktionsführer Karl Dönekes. Allerdings habe auch bei den Schwarzen  – ohne deren weitblickende Initiative das einträgliche HeLKuW-Geschäft niemals zustande gekommen wäre –  längst Einigkeit darüber bestanden, dass Scherkenrath und Hildgen sowie die auf der Strecke liegenden Ortsteile nicht einseitig durch den Landluft-Verkehr begünstigt werden dürften, sondern hier eine parallele Nord-Süd-Achse geboten sei.

Also mögen es nun wohl doch Schwarz und Hellrot sein, die gemeinsam in eine landluftige Zukunft schweben. Eine Liebesheirat wird es dabei kaum werden, eher eine Zweckehe. Und deren handfeste Vorteile für die jeweils Beteiligten wiegen eben schwerer als eine wennschon romantisch lockend schwarzgrüne amour fou.

Auf in die neue Saison

Für die grüne Partei ist das oppositionelle Dasein davon abgesehen kein Nach-, eher noch ein Vorteil. Die Schwarzen ihrerseits dürften es mit den Hellroten einfacher haben, aber für die Hellroten selber stellt sich hinter dem vordergründigen Glück der Teilhabe die Frage, was sie als Partei eigentlich noch sind.

Herrlisch Raubach jedenfalls geht keinesfalls langweiligen Zeiten entgegen, auch wenn die nun voraussichtlich zahlenhalber eindeutigen Mehrheits- und Machtverhältnisse das auf den ersten Blick erwarten lassen könnten.

So ist übrigens die Lage in Bergisch Gladbach: Schwarz prüft Grün und Rot gründlich

H-G. Ullmann

ist gebührend ratloser Bürger, gelegentlicher Zaungast am Spielfeldrand, findet interessante Gespräche ohne Scheuklappen inspirierend und bewahrt sich den Reiz (manchmal auch fassungslosen) Staunens als Mittel geistiger Ausgeglichenheit.

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