Eigentlich ist er ja nichts Besonderes, der Drisser Zirkel: Bloß einer der von den Verkehrsplanern seit einigen Jahren favorisierten Kreisverkehre. Das heißt ampelfrei kann sich rollender Verkehr hier in dynamischer Rundbewegung aus der Stadt heraus- oder in sie hineinbewegen. An den Zu- und Abführungen des Kreisels kurz zuvor mehrfach spannend gekreuzt von Fußläufern und Radschiebern bzw. verbotenenerweise auch -fahrern. Soweit das Funktionelle.

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Davon abgesehen gibt´s natürlich auch die ästhetische Komponente: Wie ist der Kreisverkehr jenseits oder diesseits der Fahrbahn selbst gestaltet, wie ist er eigebettet in das umgebende Stadtbild, bzw. von welchem Stadtbild ist er selbst umgeben? Auch hier ist Herrlisch Raubachs Drisser Zirkel keine Ausnahmeerscheinung: Mehr oder weniger funktionelle Hässlichkeit, von ebensolcher dann entsprechend konsequent umgeben.

Die Rosette der Stadt

Über den Drisser Zirkel gelangt man in diesem Fall auf der Rückseite Herrlisch Raubachs direkt in dessen Inneres, wobei der erste innere Eindruck nach dem Passieren der „Rosette“ bzw. eben des Drisser Zirkels den äußeren Eindruck desselben bruchlos fortführt. Man könnte hier durchaus von einem Gleichgewicht des Hässlichen sprechen: Hässlich zwar, aber eben im Gleichgewicht.

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Anders gesagt: Wer die „Rosette“ passiert, erwartet einfahrend nichts anderes und wird ausfahrend nicht im Nachhinein irritiert. Allem Gleichgewicht des Hässlichen zum Trotz aber hatten sich Bürger jüngst immer wieder vom Zustand des Drisser Zirkels aus dem Gleichgewicht gebracht gesehen. Eine lebhafte Diskussion über Möglichkeiten der Verschönerung, wenn schon nicht der städtischen Hinterseite, dann wenigstens der „Rosette“, war noch vor den Kommunalwahlen in Gang gekommen.

Notoperation per Kunst?

Konkret hatte besagte Diskussion um die Offerte eines Herrlisch Raubacher Künstlers gekreist, eine vom ihm geschaffene Skulptur für die Mitte des ansonsten wild wuchernden Drisser Zirkels zur Verfügung zu stellen. Immerhin also „Etwas“ anstelle der vernachlässigten Leere. Nun lässt sich über Kunst und Geschmack aber ebenso trefflich wie aussichtslos streiten als über städtebauliche Schönheit oder Hässlichkeit.

Und wenn man sich einmal öffentlich in Fahrt gekommene Diskussionen darüber in voller Breite zu Gemüte führt, dann schlägt´s einem ungemütlich auf dasselbe. Man beginnt zu ahnen, warum u.a. die Städte aussehen wie sie aussehen. Es hilft ja nichts: Architektur und Städtebau drücken den Geist ihrer Zeit aus oder anders: Jede Zeit baut sich ihre Hüllen und Kulissen selbst. Keine Außerirdischen zwingen den Bürgern brachiale Hässlichkeiten auf. Sie werden in aller Unschuld oder auch vorsätzlich selbst gebaut bzw. wenigstens in ihrer Entstehung zugelassen.

Politische Kreisel

Das in Rede gestandene Kunstwerk, eine gewiss eigenwillige Skulptur ohne konkreten Orts- oder Raumbezug, Kunst an sich eben, es löste natürlich die entsprechenden Debatten aus. Und neben weiterer Kreativität prompt auch politische Kontroversen. So erfolgte etwa auf einen Vorschlag aus den Reihen der Initiative fürs Land (IfL), den darbenden Drisser Zirkel einfach mit einer „akkuraten Grünanlage“ samt „adretter Bepflanzung“ aufzuwerten, scharfe Kritik seitens der Dunkelroten.

Wer „akkurat“ begrünen und „adrett“ bepflanzen wolle, argumentiere klar populistisch und auch militaristisch, denn hier habe man sofort die Anlage künftiger Kriegsgräber vor Augen, und man müsse sich bei der IfL ja nicht erst fragen, wofür die ihre zweifellos jetzt schon geplanten Kriege führen wolle. Die erwartbare Idee der Gelben, den Drisser Zirkel zunächst einmal zu privatisieren, weil sein Zustand wieder einmal die Überforderung des Staates deutlich mache, verhallte, weil die Gelben unterdessen nicht einmal mehr wen aufregen.

Die Komplexität des Kreisverkehrs

Da es im Zentrum des Zirkels wildgrün sprießte und sprießt, sah die Grüne Partei keinen Handlungsbedarf. Seitens Schwarz und Hellrot blieb es aus später erwähnten Gründen zunächst ruhig. Immerhin aber hatte sich jetzt Bürger´s kritische Aufmerksamkeit und korrigierender Gestaltungswille auf den in der Tat dringend gestaltungsbedürftigen Zustand wenigstens des Drisser Zirkels gerichtet.

„Gestaltungswille“ indes kann schlimmstenfalls Entscheidungen verlangen und Arbeit nach sich ziehen – und prompt erfuhr eine leidlich erstaunte Öffentlichkeit in Sachen Drisser Zirkel dann hochoffiziell von der Unmöglichkeit, ja Gefährlichkeit jeden gestalterischen Eingriffs.

Denn der führe, so der hiesig oberste Stadtplaner und Baumeister, Herrlich Raubachs Erster Nebenbeigeordneter Anton „Toni“ Trickler, hier zur gefährlichen Komplexitätsüberlastung des bereits hochkomplex kreisenden Verkehrs bzw. der entsprechend kreisenden Verkehrsteilnehmer im Drisser Zirkel.

Der Rauen Runde im Drisser Zirkel

Einen völlig anderen Aspekt hatte das universell gebildete Urgestein der Hellroten, Dr. Friedrich Wilhelm Stiege, aufgebracht. Im Zuge seiner passioniert heimatkundlichen Forschungen identifizierte er das heutig so profane Areal des Drisser Zirkels als der heilig Rauen Runde, nämlich den einstmaligen Kult- und Versammlungsplatz der von ihm verehrten Rauen, jenem in seiner Existenz allerdings bis heute strittig vorchristlichen Volksstamm, dem Herrlich Raubach aber einen Teil seines Namens verdankt.

Mehr noch: In grauer Vorzeit habe an genau der Stelle des heutigen Drisser Zirkels der hohe Rat der Rauen in eben der Rauen Runde getagt, wenn es um Schicksalsentscheidungen für die rauische Region gegangen sei.

Wo heute der Verkehr seine zwar profanen, aber hochkomplexen Kreise zieht bzw. auf der Fläche, um die er nur scheinbar simpel zirkuliert, genau da habe einst das Orakel der Rauen, der Große Raue nämlich, der nächtlich lauschenden Versammlung des hohen Rates stets den richtigen Weg gewiesen.

Nächtlicher Tanz um die Rosette

Und Gerüchten zufolge hat auf Drängen des Altgenossen Stiege sowie seines Parteikollegen Hans Platz, vormals hellroter Bürgermeister Herrlisch Raubachs, tatsächlich eine nächtliche Versammlung zwischen Vertretern der hellroten und der schwarzen Partei stattgefunden, bei der man einander in einem von Stiege sachkundig geleiteten Ritual den HeLKuW-Schwur leistete.

Wir erinnern uns: Jener zwischen Schwarz und Hellrot ausgemachte HeLKuW-(Herrlische Lisch-, Kraff- und Wasserwerke)-Deal, das vom Bürger finanziert vorzeitige Hochzeitsgeschenk zur kommend Großen Koalition.

Mit der scheint es zwar, nachdem aber wenigstens einige bereits am Geschenk zufrieden partizipieren, jetzt entschieden zu hapern, weshalb auch der Wunsch Friedrich Wilhelm Stieges, den Drisser Zirkel als von ihm entdeckte Raue Runde sozusagen unter Denkmalschutz zu stellen (vielleicht mit einer bescheidenen Statuette oder mindestens repräsentativ arrangierten Plakette zu seinen Ehren) in die Ferne zu rücken scheint.

Drisser Zirkel erreicht höchste Kreise

Der Rauen Runde hin, kreisende Komplexität her – Herrlisch Raubachs Bürger scheinen genug von ihrer Rosette zu haben und bleiben offenbar gewillt, wenigstens diese Ballung von Hässlichkeit auf der städtischen Hinterseite etwas zu entschärfen.

Jedenfalls hat HR´s ebenso überraschend wie eindrucksvoll im Amt bestätigter BM selbst angekündigt, sich des Problems Drisser Kreisel anzunehmen. Trutz Altwasser hat Visionen, das ist spätestens seit seinen Landluft-Verkehrsplänen bekannt und hat sich auch durch den HeLKuW-Deal bestätigt, vermittels dessen Herrlisch Raubach bereits zu einem beginnend globalen Energieplayer wurde.

Von der „Rosetten“-Kur zum neuen Herrlisch Raubach

Das öffnet der Phantasie Räume: Wird der Drisser Zirkel etwa selbst Teil des umfassenden ILLVGKfHRudh (Integriertes Landluftverkehrsgesamtkonzept für Herrlisch Raubach und darüber hinaus)? Welche Rolle spielt der Drisser Zirkel im Zuge der jetzt entschieden angegangenen LüZuMAzisVo (Langfristig übergreifende Zustands- und Maßnahmenanalyse zur intrastädtischen Verkehrsoptimierung)?

Denn das scheint sich nach der Kommunalwahl abzuzeichnen: Wem auch immer alsbald an Seite der Schwarzen und Trutz Altwasser unter anderem die städtebauliche und vekehrsplanerische Zukunft Herrlisch Raubachs mit zu gestalten erlaubt wird – es wird die Teilhabe an Großem sein, und das Herrlisch Raubach von Morgen wird ein anderes Gesicht haben als das Herrlisch Raubach von Heute.

Die Renovierung der „Rosette der Stadt“ ist erst der Anfang.

H-G. Ullmann

ist gebührend ratloser Bürger, gelegentlicher Zaungast am Spielfeldrand, findet interessante Gespräche ohne Scheuklappen inspirierend und bewahrt sich den Reiz (manchmal auch fassungslosen) Staunens als Mittel geistiger Ausgeglichenheit.

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