Droht Herrlisch Raubach, der Partnerstadt Bergisch Gladbachs, dieses Schicksal? Foto: 0x FF

Vorweihnachtlicher Schock in Herrlisch Raubach: Die die Gründung der Partnerstadt Bergisch Gladbachs vor über 750 Jahren weist einen formalen Fehler auf. Alle Expertisen und sämtliche Aussagen der juristischen Gutachter und Fachleute für Verwaltungsrecht lassen keinen Zweifel: An der Schlunde wurde ohne gültige Rechtsgrundlage gebaut.

Die Bombe tickte bereits seit Längerem, doch fallen alle Reaktionen der Spitzen Herrlisch Raubachs angesichts der nun drohend letzten Konsequenz einer Bestätigung des bereits vor Längerem aufgekommenen Verdachts recht gelassen aus.

Und das, obwohl nun bereits die einstweilige Anordnung des Landesverwaltungsgerichtes NRW vorliegt: Da die Stadt offenbar nicht rechtmäßig errichtet worden sei, solle die in Herrlisch Raubach regierende GroKo umgehend sämtliche Aktivitäten vorerst einstellen.

Von der „Freien Volksstadt“ zur „Unabhängigen Stadtmark“

Aus Oppositionskreisen verlautete dazu spontan, der entsprechende Handlungsbedarf wäre dabei ja zunächst gering.

Offizielle und wahre Dunkelrote plädierten bereits für das Ausrufen jeweils einer freien Volksstadt, wobei es für den Fall der Gebietsteilung zwischen offizieller und wahrer Volksstadt bereits zu präventiven Grenzstreitigkeiten kam. Niemand habe aber die Absicht, eine Mauer zu errichten.

Von Seiten der dunkelblauen Wählervereinigung HR erfolgte ein promptes Angebot zur kostenfreien Übernahme diverser beweglicher wie unbeweglicher Stadtbestände.

Lesen Sie mehr: Alle Beiträge über Herrlisch Raubach

Der grünen Partei schwebt ein ausgedehnt flächendeckender Blühstreifen beidseits der Schlunde einschließlich Reitverbot vor; die Gelben brachten ins Spiel, HR in eine staatsfreie Aktiengesellschaft oder Freilicht-Spielcasino umzuwandeln; und die hellblaue Initiative für´s Land könnte sich das doppelsinnige Proklamieren der Unabhängigen Stadtmark HR vorstellen.

HR existiert im Grunde nicht

Unheilvoller klingen da schon die bisherigen Stellungnahmen des LVG. Ein Gerichtssprecher erklärte: „Die Lage ist ernst. Rechtlich existiert Herrlisch Raubach im Grunde nicht beziehungsweise das, was an der Schlunde existiert, hat keinerlei Rechtsgrundlage oder Rechtsanspruch auf Existenz.“

Auf die Frage, ob nicht die innerhalb von über 750 Jahren geschaffenen Fakten, also auch die heute kumuliert faktische Existenz Herrlisch Raubachs ihrerseits eine sozusagen faktische und damit mindestens zu tolerierende Rechtssituation herstelle, hieß es weiter:

Ganz im Gegenteil bedeutet die bis heute festzustellend faktische Existenz der Stadt einen fortgesetzten und in dem Sinne kumulativen Rechtsbruch und zwar unabhängig davon, dass dieser Rechtsbruch erst jetzt auffällig und schließlich auch formalrechtlich festgestellt wurde.“

Wiederherstellung der baulichen Situation von 1241

Verwaltungsrechts-Experte Prof. Hilmar von Haars-Paltereiher wurde im selben Zusammenhang sehr deutlich: „Die illegale Ansiedlung an der Schlunde muss zurückgebaut und der Vorzustand wieder hergestellt werden, also die bauliche Situation im Jahre 1241.“ Darauf bestehe hier ein unzweideutiger Rechtsanspruch!

Hinsichtlich dieses möglichen Komplett-Rückbaus Herrlisch Raubachs äußerte der allererste Nebenbeigeordnete und Stadtbauratende Toni Trickler: Einschließlich des entsprechenden Planungsvorlaufs, könne in etwa 2089 mit den erforderlichen Vorarbeiten begonnen werden. Die bestünden dann zunächst in der europaweiten Ausschreibung zur Errichtung eines ganz Herrlich Raubach umfassenden Bauzauns.

Von der Rückbauzaun-Gestaltung zur Bürgerbeteiligung

Bei dessen sich in das umgebende Landschafts- und nachmalig rückzubauende Stadtbild einfügender Gestaltung sieht Bürgermeister Trutz Altwasser auch eine zentrale Aufgabe für den kommenden Gestaltungsbeirat.

Darüber hinaus erklärten die Spitzen der Großen Koalition, Karl „Charly“ Dönekes und Claas Forsthauer, das Projekt „Rückbauzaun“ solle 2089 zugleich den Startschuss für neu zu entwickelnde Formen von Bürgerbeteiligung bilden.

„Den kompletten Rückbau an der Schlunde, den schaffen einzig Schwarz und Hellrot im großen Bunde!“

Für Godehard Möhring ist klar: „Den kompletten Rückbau an der Schlunde, den schaffen einzig Schwarz und Hellrot im großen Bunde!“

Vorausgesetzt, es herrsche hier Kontinuität bis 2089 und darüber hinaus. Im kleinen Kreis hieß es zudem nicht ohne Erleichterung:

Ist Herrlisch Raubach erst ´mal weg, hat auch der Haushalt keinen Zweck! Wir können Schulden machen ohne Ende, denn samt Stadt verschwindet alles spurlos im Gelände!“

„Finanzemirat an der Schlunde“ scheiterte an Grundschulklasse

Der herrlische Traum vom „Finanzemirat an der Schlunde“ war ja recht diskret wieder beerdigt worden, nachdem der Mathelehrer einer Grundschule mit seiner Klasse das entsprechende Konzept spaßeshalber nachgerechnet hatte und man zum Ergebnis gekommen war, dass sich die Verschuldung so auf eine gute Milliarde erhöht hätte.

So stand also die GroKo mit ihrer absolutesten Mehrheit wieder vor der zu lösenden Aufgabe einer mindestens ansatzweisen andeutenden Konsolidierung des Haushalts. Da man sich aber durch die Verweigerungshaltung der gesammelten Minderheitsopposition zudem ungerechtfertigt bedrängt sieht, könne und dürfe hier niemand Lösungen erwarten, hießt es aus schwarz-hellroten Kreisen.

„Der grünen, hellblauen, gelben und dunkelroten Partei plus zwei Verlassenen reicht es nicht, zusammen die Hälfte der Stimmen der GroKo zu haben, sie verweigern auch noch die Lösung der Haushaltsprobleme!“, stellte Karl Dönekes entschieden klar.

Befreiender „Rückbau-Haushalt“ im Falle kommunaler Totaltilgungen

Durch den schwebenden Rückbau der Stadt ist nun aber eine völlig neue Lage entstanden, die auch verschiedene und befreiende Sonderregelungen bei der städtischen Finanzpolitik in Wirkung treten lässt. Der so genannte „Rückbau-Haushalt“ im Falle kommunaler Totaltilgungen setze nämlich sämtlich bislang störenden Beschränkungen außer Kraft.

Wie nicht selten, sind auch in diesem Falle große Wirkungen die Folge kleiner und vor allem völlig ahnungslos geschaffener Ursachen. Denn es waren die unermüdlichen Heimatforschungen des politisch kürzlich emeritiert hellroten Urgesteins Dr. Friedrich-Wilhelm Stiege, die den Stein ins Rollen bzw. die bis heute aufgebauten Steine ins Wanken brachten.

Von Herrlisch Muckenbach nach Herrlisch Raubach

Stiege, der ja bekanntermaßen jenes legendäre Urvolk der Rauen verehrt, immerhin teilweise Namensgeber Herrlisch Raubachs – das eigentlich Herrlisch Muckenbach heißen müsste – Stiege hatte eben dem lang verblichen Rauischen Geist zu neuem Leben verhelfen wollen und dabei unbeabsichtigt jenen formalen Lapsus aufgedeckt.

Auch der unter anderem gerade von Stiege nachdrücklich unterstützte Eintritt der Hellroten in die aktuelle Große Koalition mit den Schwarzen hatte nach seiner Vorstellung eigentlich dem Wiedererwachen hohen Rauischen Geistes in der Politik dienen sollen – bis er feststellen musste, dass zumal seine Hellroten doch eher muckischer Mentalität verfallen waren … Zum Stichwort „Mucken“:

 „Kenneme nit, wulleme nit, brucheme nit!“

Eben hier an der Schlunde siedelte nämlich vordem das ebenso glaubens- wie trinkfeste, selbstgenügsam feierlustige und durchaus bauenschlaue Völkchen der Mucken. Und die wären von alleine nie auf die Idee der Stadtgründung gekommen (getreu einer der muckischen Devisen: „Kenneme nit, wulleme nit, brucheme nit!“ – Kennen wir nicht, wollen wir nicht, brauchen wir nicht!).

Wären da nicht eines Tages die aus bislang ungeklärt sagenhaften Fernen stammenden Rauen an der Schlunde Ufer erschienen, hätten dort gesiedelt und dem betulich vor sich hin dampfenden Siedlungsplatz beharrlich einen allmählichen Vorwärtsschub gegeben.

Der „Große Muckenmumpf“

Im entscheidend „Großen Muckenmumpf“ aber (so der Name des Versammlungsorgans der Mucken, ein im großen Kreis stattfindendes Gebrumme und Geraune, an dessen Ende dann stets ein unverständlicher Entschluss stand, der zumeist gar nicht oder wenn, doch irgendwie anders umgesetzt wurde, was aber niemanden so recht interessierte, zumal die wichtigsten Mucken immer davon profitierten);

im entscheidend Großen Muckenmumpf aber hatte seinerzeit das oberste Muckengremium, die so genannten „Muckendrey“, (das waren vor 750 Jahren damals de´ Waldbaach, de´ Mömmenschmiedt un ´de´ Urrkes), kraft ihrer Macht dafür gesorgt, dass den anwesenden Rauen ein Schlafkraut in ihren Trunk gemischt wurde.

Die Macht der „Muckendrey“

Und kaum, dass sie eingeschlafen waren, sandten die Mucken eigene Boten an den königlichen Hof, um die von den Rauen vorgeschlagene und lange vorbereitete Stadtgründung selber zu vollziehen. Denn so eine Stadtgründung brachte anscheinend doch Vorteile, und die wollte man sich natürlich nicht entgehen lassen.

Die beiden ausgesandten Boten aus altmuckischen Nachwuchs, beide noch Jungmucken im Großen Muckenmumpf (de´ Huchen´s Jung´ un´ de´ Böring´s Jung´) waren aufgeregt, wollten ihre Sache gut machen und vergaßen vielleicht deshalb, sich ein wichtiges Siegel geben zu lassen – eben das Siegel, dessen Fehlen erst jetzt auffiel und damit die Stadtgründung von vornherein ungültig machte. Gewichtige Spätfolgen eines vergessenen Siegels.

Die Spätfolgen eines vergessenen Siegels

Und warum hieß die eigentlich ungegründete Stadt dann nicht „Muckenbach“ (das „Herrlisch“ kam erst durch das viel später aufgetretene Geschlecht der „Grafen von Herrn“ zum Namen dazu), sondern „Rauenbach“ (und schließlich „Raubach“)?

Nun, es gab durchaus Mucken mit Gespür wie Gehör und die setzten durch, dass der wohlklingendere Name „Rauen-“ statt „Muckenbach“ eingetragen wurde. Vielleicht auch, um die verblüfften und sich über den Tisch gezogen fühlenden Rauen zu besänftigen, denn natürlich waren alle Entscheidungspositionen in der neuen Stadt Rauenbach wieder mit altvorderen Mucken besetzt worden. Andererseits wollte man wohl jenen, wenn auch stets mit Misstrauen beäugten rauischen Geist nicht ganz verprellen.

Der segensreiche „Fluch“

Manch einer sagt nun, das möglicherweise zum Rückbau Herrlisch Raubachs führende Rechtsdesaster sei die späte Rache der Rauen oder sogar das Aufgehen eines über der Stadtgründung gelegenen Fluches.

Ein offenbar segensreicher „Fluch“ allerdings, der bei den Stadtoberen und –regierenden, dank der mit dem schwebenden Rückbau verbundenen Haushaltsregeln-Befreiung, statt Schrecken nun vorweihnachtlich beglückte Freude auslöst.

Und ob Herrlisch Raubach dann nach 2089 wirklich zurückgebaut werden wird, das steht noch sehr dahin. Denn schließlich wäre der Rückbau ein städtisches Projekt, d.h. es bestehen gute Aussichten auf einen eher langwelligen bzw. sich überhaupt irgendwo und irgendwie selbst aufhebenden Verlauf.

Daher allen eine hoffentlich entspannte wie entspannende Weihnachtszeit und einen guten Übertritt in 2015!

H-G. Ullmann

ist gebührend ratloser Bürger, gelegentlicher Zaungast am Spielfeldrand, findet interessante Gespräche ohne Scheuklappen inspirierend und bewahrt sich den Reiz (manchmal auch fassungslosen) Staunens als Mittel geistiger Ausgeglichenheit.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

1 Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Volles Risiko fürs Prestigeprojekt

    Die Studie zeigte: Projektmanagerinnen und -manager aus der öffentlichen Hand zeigen mit Abstand die größten kognitiven Verzerrungen. Die Entscheidungsträgerinnen und -träger in Bauunternehmen urteilen und entscheiden dementgegen deutlich rationaler. Pfnür erklärt, warum: „In Verwaltung und Politik werden Entscheider massiv daran gemessen, ob ein Prestigeprojekt verwirklich werden kann. Daher sind die Manager bereit, deutlich höhere Risiken einzugehen – oder sie verdrängen sie.“

    http://www.tu-darmstadt.de/vorbeischauen/aktuell/einzelansicht_117696.de.jsp