Die zweite Gruppe von Flüchtlingen trifft in in Sand ein, darunter auch kleine Kinder. Foto: WSD

Anmerkung der Redaktion: Die zweite Gruppe ist am Montagabend in Sand eingetroffen. Nach ersten Informationen bestand sie aus 38 Menschen. Damit ist die Kapazität der Turnhalle in Sand vollständig erschöpft. Als Reserve verfügt die Stadt jedoch noch über rund 20 Plätzen im Schulpavillon in Herkenrath. Unter den Flüchtlingen sind erneut kleine Kinder und Menschen, die von den Konflikten in ihren Heimatländern sichtlich gezeichnet sind.

Der ursprüngliche Artikel vom Nachmittag: Neueste Entwicklung zur Flüchtlingssituation in Bergisch Gladbach: Fachbereichsleiterin Beate Schlich wurde am Vormittag telefonisch durch die Bezirksregierung Köln informiert, dass am Montag erneut ein Bus mit Flüchtlingen nach Bergisch Gladbach gesandt werden soll.

Damit könnten die insgesamt 80 Plätze, die in der letzten Woche an die Bezirksregierung als mögliche Kapazität für die Erstaufnahme gemeldet worden waren, erschöpft sein. Die Turnhalle in Sand wäre somit als provisorische Aufnahmeeinrichtung ausgelastet. Weitere Informationen beispielweise über die Ankunftszeit oder Herkunft der Menschen liegen nicht vor.

Auf dem Weg in die Erstaufnahme in der Turnhalle Sand. Foto: WSD

DRK gut vorbereitet

Gut gerüstet zeigen sich trotzdem DRK und Stadtverwaltung: „Im Grunde nehmen wir die Flüchtlinge auf dieselbe Weise in Empfang wie am Freitag“, beschreibt Beate Schlich die Aufgaben des heutigen Tages.

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Zunächst muss die ärztliche Erstuntersuchung erneut organisiert werden. Der Untersuchungsbus steht heute nicht zur Verfügung, aber Ingeborg Schmidt, Teamleiterin beim DRK, ist sich sicher: „Unser Untersuchungszelt, das wir am Freitag eingerichtet haben, reicht bequem aus.“

DRK-Gruppenleiterin Ingeborg Schmidt vor Ort in Sand. Foto: WSD

Betreuung und Verpflegung müssen ebenfalls an die zusätzliche Anzahl der Ankömmlinge angepasst werden.

Wer Freitag kam, ist schon ein wenig angekommen

Die Lage in Sand zeigt sich derweil perfekt organisiert und weitgehend entspannt. Die bereits am Freitag aufgenommenen Personen richten sich allmählich ein in ihrem vorläufigen Quartier. Die Feldbetten sollen im Laufe des Tages richtigen Betten mit Lattenrost und Matratze weichen.

Die Sozialverwaltung leert zu diesem Zweck ihr Lager; die Feuerwehr sorgt für Transport und Aufbau. Für die Habseligkeiten sollen Behältnisse beschafft werden, die unter den Betten Platz finden. Um die Beschaffungen zusätzlicher Schlafgelegenheiten wird sich zurzeit bemüht.

Vor Ort eingerichtet ist bereits eine Kleiderkammer; das bisher einzige Baby hat ein Bettchen bekommen, und auch erste Spiel- und Sportsachen konnten schon verteilt werden.

Flüchtlinge warten in Sand auf die medizinische Untersuchung.

Anwohner in Sand nehmen Anteil – und helfen

Auch von Nachbarn und Geschäftsleuten in Sand sind die Reaktionen durchweg positiv. Hilfsangebote gibt es reichlich und werden von DRK und Sozialverwaltung koordiniert.

Die Anwohner in Sand sollen weiterhin über den aktuellen Stand auf dem Laufenden gehalten werden. Geplant sind jetzt Aushänge an Stellen mit hohem Publikumsaufkommen.

Das DRK teilt ergänzend mit: „Sachspenden nimmt das Deutsche Rote Kreuz gerne im Second-Hand-Laden auf der Hauptstraße 261 in Bergisch Gladbach entgegen. Dort wird das Material sortiert und bei Bedarf nach Sand gebracht. Von einer Direktanlieferung an der Notunterkunft bitten die Verantwortlichen abzusehen.”

In der Halle entsteht ein Gemeinschaftsgefühl

Ingeborg Schmidt weiß über gut ausgebildetes Gemeinschaftsgefühl in der Unterkunft zu berichten: „Die Großen passen auf die Kleinen auf, egal, ob es die eigenen sind. So kommen die jungen Eltern auch mal in Ruhe zum Essen.“

Wobei die Nationalitäten stark gemischt sind: Die Staaten des südlichen Balkan sind ebenso vertreten wie Iran, Irak, Afghanistan und Syrien; auch afrikanische Flüchtlinge sind darunter. Gedolmetscht werden muss kaum; viele sprechen Englisch, die wiederum in ihre Heimatsprachen übersetzen können.

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Bürgermeister Lutz Urbach informiert sich in der Halle bei DRK-Teamleiterin Schmidt

Bürgermeister Lutz Urbach ist erleichtert, so viele kompetente Hilfe an der Hand zu haben: „Ich kann nur vor allen Beteiligten den Hut ziehen und mich herzlich bedanken, dass diese Mammutaufgabe so reibungslos gestemmt wurde.“

Aufenthaltsdauer bleibt offen – ist aber wohl befristet

Wie lange die Menschen bleiben, ist nach wie vor ungewiss. Beate Schlich hat auf Nachfrage die Aussage der Bezirksregierung erhalten, dass die in kommunalen Turnhallen erstaufgenommenen Personen bis zum Ende der Sommerferien wieder in Landeseinrichtungen zurückgeführt werden sollen.

Notfallpläne für den Sportunterricht

Um den Sportunterricht der umliegenden Schulen sicherzustellen, ist deshalb bei der städtischen Sportverwaltung zur Zeit hohe Kreativität gefragt.

Tatsache ist: Die Turnhalle am Schulzentrum Herkenrath wird seit Anfang der Sommerferien saniert und steht auch im neuen Schuljahr nicht zur Verfügung. Im Ersatzplan der Sportverwaltung war bislang die Turnhalle Sand in erheblichem Maße eingeplant.

Sofern die Turnhalle über das Ende der Sommerferien belegt ist, müssen die Bemühungen um Belegungszeiten in den anderen Sportstätten ausgeweitet und der notwendige Schülertransport organisiert werden. „Wir loten augenblicklich die Möglichkeiten nach allen Seiten aus“, so Fachbereichsleiter Dettlef Rockenberg. Dieselbe Situation stellt sich für die Sportvereine dar, die ebenfalls versorgt werden müssen.

Die abgeteilten Betten der Notunterkunft. Die Feldbetten werden jetzt durch richtige Betten ersetzt.

Sander Flüchtlinge bleiben voraussichtlich nicht in Bergisch Gladbach

Zur Zeit befinden sich in Bergisch Gladbach 689 Flüchtlinge und Asylbewerber, die regulär durch die Landesbehörden der Stadt zugewiesen wurden. Hinzu kommen die zurzeit 42 Personen, die in Sand einquartiert sind.

Der Abteilungsleiter für Flüchtlingsarbeit in der Sozialverwaltung, Andreas Kuhlen, weist deutlich darauf hin, dass diese beiden Personenkreise voneinander zu unterscheiden sind, was ihren Status anbetrifft: „Mit der Turnhalle in Sand ersetzen wir quasi eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes, wie sie zentral in Dortmund oder Bielefeld existieren.“

Demnach werden die Personen auch aller Voraussicht nach nicht in Bergisch Gladbach bleiben: „Wir gehen davon aus, dass diese Flüchtlinge wieder zurückgeführt werden, um erneut von einer zentralen Einrichtung aus an Kommunen überwiesen zu werden.“

Pressestelle Stadt BGL

Hier werden offizielle Pressemitteilungen der Stadtverwaltung veröffentlicht. Sie geben nicht die Meinung des unabhängigen Bürgerportals iGL wieder.

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