Im Lübbe-Gebäude sollen ab Ende Januar rund 100 Flüchtlinge untergebracht werden.

Die Ankündigung der Stadtverwaltung, im Lübbe-Gebäude 100 Flüchtlinge unterzubringen, war ein Weckruf. Per Telefon, Mail oder Facebook melden sich täglich bei ihm Bürger, berichtet Bürgermeister Lutz Urbach. Nicht, um zu protestieren oder Vorbehalte vorzubringen – sondern um ihre Hilfe anzubieten.

Schon jetzt leben mehr als 350 Flüchtlinge in Bergisch Gladbach, werden versorgt und betreuut. Aber die Tatsache, dass nun ein richtig großes Flüchtlingsheim eingerichtet werden muss, hat den Bürgern klar gemacht, dass sich etwas verändert. Sie würden alles tun, um die neuen Nachbarn willkommen zu heißen, hatten Anwohner in der Senefeldstraße geschrieben, aber die Stadt müsse ihre Hausaufgaben machen.

Genau das macht die Verwaltung (seit Monaten) und hat nun auch noch alle Hände voll zu tun, Angebote entgegen zu nehmen und zu koordinieren. In einem Pressegespräch erläuterten die Verantwortlichen daher ausführlich, wie der Stand der Dinge ist, was gebraucht wird und was nicht. Zum Beispiel nicht „die Eichenschrankwand der verstorbenen Tante“, so Urbach.

Für eilige Leser: Weiter unten finden Sie eine Liste der Dinge,
die benötigt werden – und viele Ansprechpartner.

Zur Sachlage

Im Moment hat die Stadt Bergisch Gladbach 356 Flüchtlinge untergebracht. Hinzu kommen rund 50 Menschen, deren Aufenthaltsstatus geklärt ist bzw. die als sogenannten Kontingentflüchtlinge in eigenen Wohnungen untergebracht sind. Monat für Monat steigt die Zahl der Flüchtlinge um gut 20, berichtet Andreas Kuhlen, Abteilungsleiter Soziale Förderung. Von August 2012 auf August 2014 habe sich die Zahl verdreifacht.

Momentan sind die Flüchtlinge in Wohnheimen, angemieteten Wohnungen und Hotelzimmern untergebracht. Im ehemaligen Lübbe-Gebäude in Heidkamp sollen rund 100 Flüchtlinge einziehen, sobald der Umbau fertig ist. Und das wird allerfrühestens Ende Januar der Fall sein, wurde jetzt deutlich.

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Wer spendet Zeit? Beate Schlich erläutert die Hintergründe im Interview, iGL 17.10.2014
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Die Flüchtlinge kommen aus den aktullen Krisengebieten, die einem aus der Tagesschau bekannt sind, aus dem nahen und mittleren Osten (Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Tschetschenien oder Pakistan), aus Afrika (v.a. Somalia, Nigeria, Eritrea) sowie immer noch aus Ex-Jugoslawien.

Flüchtling in einer Notunterkunft. Foto: Wikipedia/Andreas Bohnenstengel

Die allgemeine Versorgungslage

Als es noch 100 Flüchtlinge waren, so Kuhlen, sei der Unterbringungsstandard in Bergisch Gladbach „sehr gut“ gewesen. Inzwischen sei er „nicht mehr ganz so gut, aber immer noch besser, als die Standards in vielen anderen Städten“. Eine Unterbringung in Zelten, Containern oder Bahnwaggons, da sind die Verantwortlichen eindeutig, werde es hier nicht geben.

Den Einsatz von fremden Dienstleistern oder gar Sicherheitsdiensten hatte Fachbereichsleiterin Beate Schlich kategorisch ausgeschlossen. Statt dessen beschäftigt die Stadt zwei eigene Sozialpädagogen, Hausmeister, Sachbearbeiter und Kräfte der GL Service gGmbH, die sich um die Menschen kümmern. Drei zusätzliche Stellen werden gerade ausgeschrieben.

„Das Engagement unserer Mitarbeiter geht weit über alles hinaus, was arbeitsrechtlich gefordert wäre“, lobt Bürgermeister Urbach.

So werden die Flüchtlinge versorgt

Die Flüchtlinge werden der Stadt Bergisch Gladbach vom Land NRW zugewiesen, wie viele wann kommen lässt sich nie vorhersagen. Einige Tage zuvor, erläutert Kuhlen, bekomme die Stadt eine Liste mit den Personaldaten. Die Flüchtlinge kommen per Bus und werden in der Regel von den Sozialarbeitern in Empfang genommen, am Wochenende können Hausmeister einspringen.

Das Thema Flüchtlinge in den sozialen Medien:
„Neue Heimat Bergisch Gladbach“, Facebook-Gemeinschaft
Debatte zum Thema in der offenen Facebookgruppe „Politik in BGL“
Einladung zum Stammtisch: „Miteinander – wie geht BGL mit seinen Flüchtlingen um?“

Im ersten Schritt, so berichtet Kuhlen weiter, versuchen die Betreuer, im Gespräch eine gemeinsame Sprache zu finden und dringende Bedürfnisse abzuklären. Die Flüchtlinge werden dann beim Einwohnermeldeamt angemeldet, ein Antrag auf die Regelleistungen gemäß Asylbewerberleistungsgesetz wird ausgefüllt.  Mit einem Barscheck für den Bedarf der ersten Tage geht es dann zur Bank, es gibt außerdem einen Mobilpass NRW für Busse und Bahnen sowie Bescheinigungen für den Zugang zur Tafel und zu gebührenfreien Medikamenten.

Dann werden die Neuankömmlinge in eine passende städtische Einrichtung gebracht. Dabei achte man sehr auf ein passendes Umfeld, je nach Religionszugehörigkeit oder auch Familiensituation. Im jeweiligen Heim gibt es dann ein sogenanntes Starterkit, das von der Matraze bis hin zur Seife den ersten Grundbedarf abdecken soll. Wenn Kleidung oder Möbel notwendig sein sollten, wird ein Kontakt zum Kinderschutzbund, zum DRK oder zu Emmaus vermittelt.

Bernd Martmann und Beate Schlich erläutern die Pläne, im Lübbe-Gebäude 100 Flüchtlinge unterzubringen.

So werden die Flüchtlinge betreut

Die Menschen sollen aber nicht nur untergebracht, sondern auch betreut werden. Zum Beispiel durch Sprachangebote oder Freizeitmöglichkeiten für die Kinder. Auch hier gibt es ein relativ dichtes Netz von Einrichtungen und Institutionen, die sich seit langem kümmern – die jetzt aber kräftig ausgweitet werden müssen und sollen.

Eine dieser eingespielten Institutionen sind die Netzwerke, die nicht nur den Abenteuerspielplatz Gronau sondern zum Beispiel auch das Bauwagenprojekt unterhalten und stark bei der Betreuung von Flüchtlingskindern engagiert sind. Ihre Finanzierung aus Bundesmitteln läuft wie bekannt am Jahresende aus; eine Weiterfinanzierung steht in den Sternen. Auf die Frage, ob angesichts der besonderen Lage jetzt nicht vielleicht doch ein Weg zur städtischen Finanzierung der Netzwerke gefunden werden kann, reagiert Bürgermeister Urbach schmallippig: Das müssten die gerade anlaufenden Haushaltsberatungen zeigen.

So wird die Hilfe erfasst

Um die anlaufende Welle der Hilfsangebote zu erfassen, zu kanalisieren und zu koordinieren, hat die Stadtverwaltung eine Hotline eingerichtet. Dort sitzt Friederike Hennig, die alle Anrufe aufnimmt und soweit wie möglich an die zuständigen Stellen weiterleitet. Viele Angebote kann sie allerdings nur aufschreiben und die Anbieter auf später verweisen.

Im Moment wird das bislang nur informelle Betreuungskonzept der Stadt in eine Schriftform gebracht und soll künftig alle Aspekte der Willkommenskultur enthalten: Bürgerinformation, Integrationsangebote, Situation an den Kindergärten und Schulen, Sprachkurse, Patenschaften. Darüber soll auch der Sozialausschuss in seiner nächsten Sitzung beraten.

Gleichzeitig wird derzeit der Umbau des Lübbe-Gebäudes konzipiert. Klar ist, dass auf jeder Etage drei Küchen zur Verfügung stehen sollen – und Sozialräume, die für Angebote aller Art offenstehen. Dafür ein spezielles Betreuungskonzept zu entwickeln wird erst der nächste Schritt sein.

Was derzeit nicht benötigt wird

Soviel wird aber aus den Erläuterungen der Verantwortlichen klar: Kleider- und Möbelspenden an die Stadt werden DERZEIT NICHT benötigt. Die eigenen Lager und die der einschlägigen karitativen Einrichtungen seien gut gefüllt, Lagermöglichkeiten bis zum Bezug des Lübbe-Gebäudes gibt es nicht.

Eine Ausnahme bei den Sachspenden gibt es jedoch: einigermaßen energieeffiziente Kühlschränke. [Tweet “Gefragt als Hilfe für Flüchtlinge in #gl1: Wohnungen, Dolmetscher, Kühlschränke, Räume für Sprachunterricht”]

Nach wie vor dringend sucht die Stadt nach Unterkünften. Denn bis das Lübbe-Gebäude fertig ist, dauert es noch eine Weile. Und schon jetzt ist absehbar, dass es dann sehr schnell voll sein wird, der Flüchtlingsstrom aber nicht abreißt. Daher appelliert Andreas Kuhlen an alle Besitzer von freistehendem Wohnraum, sich zu melden.

Darüber hinaus bittet die Stadt um konkrete Betreuungsangebote, am liebsten in Kombination mit einem Raumangebot. Eine Kirchengemeinde, die Gemeinderäume und dazu noch geeignete Personen für Sprachunterricht zum Beispiel anbieten könnte, wäre ein Glücksfall. Wobei diese Art von Räumen noch dringender gesucht werden als Sprachlehrer.

Sehr interessiert ist die Verwaltung auch an allen Helfern, die über relevante Sprachkenntnisse verfügen: nicht Englisch oder Französich, sondern alle Sprachen aus dem afrikanischen und arabischen Sprachraum. Für Dolmetscherdienste, Behördengänge oder Patenschaften.

So werden die Angebote vernetzt

Die Koordinierung der Betreuung übernimmt der Fachbereich Soziales unter Beate Schlich selbst. Er versucht dabei, möglichst viele andere Akteure einzubinden, von den Wohlfahrtsverbänden über private Initiativen bis hin zu etablierten Organisationen wie die Freiwilligenbörse.

Eine wichtige Rolle spielt auch der Arbeitskreis Flüchtlingshilfe, in dem sich alle professionellen Akteure in diesem Bereich regelmäßig treffen und austauschen; der aber auch bei der Suche nach Dolmetschern oder bei der Netzwerkarbeit konkret hilft. Der AK denkt gerade darüber nach, in einem erweiterten Kreis auch die ehrenamtlichen Helfer mit an den Tisch zu holen.

Sie wollen mitreden? Dann kommen Sie zum Stammtisch des Bürgerportals
am 4.11.2014. Dort wollen wir mit Beate Schlich, Bürgern und Politikern
diskutieren, wie den Flüchtlingen geholfen werden kann

Keine Sorge: Ebola

Eine Sorge können die Verantwortlichen den Bürgern nehmen. Ebola, so haben Nachfragen bei den Gesundheitsbehörden ergeben, kann es bei Flüchtlingen in Bergisch Gladbach nicht geben. Die Menschen seien zuvor schon viel zu lange in den diversen Auffanglagern in Deutschland unterwegs; sollte tatsächlich jemand mit dem gefährlichen Virus einreisen, würden die Symptome lange vor der Ankunft hier offenbar werden.

Kontaktadressen

Ansprechpartnerin bei der Stadt Bergisch Gladbach
Friederike Hennig, 02202 – 14 2868, F.Hennig@stadt-gl.de

Kleidungsspenden und Spielzeug

Träger von sozialen Einrichtungen haben Kleiderkammern und nehmen Spenden entgegen.

  • Deutscher Kinderschutzbund:        02202 – 3 99 24
  • Deutsche Rote Kreuz:                02202 – 9 36 41 0
  • Gronauer Fenster:                02202 – 4 45 12
  • Kleiderstube:                        02204 – 5 87 70
  • Kleiderschrank:                        02202 – 3 80 37
  • Aus der Aktion „Schuhe für Bulgarien“ gibt es auch Spenden, die bei der GL Service gGmbH eingelagert sind und verteilt werden

Spenden von Möbeln und Haushaltsgegenständen

  • Skarabäus Novo e.V.:                02202 – 70 86 08
  • Sozialkaufhaus Emmaus:        0152 – 28 54 03 06

Lebensmittel

  • Die Tafel e.V.:                        02202 – 95 72 20 40

Wohnraum
Flüchtlinge dürfen in Privatwohnungen untergebracht werden. Daher wird Wohnraum gesucht.
Ansprechpartnerin bei der Stadt Bergisch Gladbach: Friederike Hennig, 02202 – 14 2848, F.Hennig@stadt-gl.de

Räume für Sprachkurse
Ansprechpartnerin bei der Stadt Bergisch Gladbach: Friederike Hennig, 02202 – 14 2848, F.Hennig@stadt-gl.de

Dozenten für Sprachkurse (ehrenamtlich oder entgeltlich)
Ansprechpartnerin bei der Stadt Bergisch Gladbach: Friederike Hennig, 02202 – 14 2848, F.Hennig@stadt-gl.de

Kinderangebote (Sprachkurse, Spielen, etc.)
Wer bei der Arbeit mit Kindern helfen möchte, wendet sich an Friederike Hennig: 02202 – 14 2848, F.Hennig@stadt-gl.de sowie an den Netzwerk-Koordinator der Stadt Bergisch Gladbach: Uwe Tillmann, 02202 – 14 – 2321, U.Tillmann@stadt-gl.de

Koordinatorin für pfarrgemeindliche Flüchtlingsarbeit im Rheinisch Bergischen Kreis
Claudia Kruse, Kreisdekanat Rheinisch-Bergischer Kreis
Laurentiusstraße 4, 51465 Bergisch Gladbach
Telefon  02202/2515774, E-Mail  claudia.kruse@laurentius-gl.de

Arbeitskreis Flüchtlinge
Ansprechpartner für konkrete Hilfsangebote ist auch der Arbeitskreis Flüchtlinge:  Szymon Bartoszewicz: 02202 – 9 31 01 36
Ansprechpartner bei der Stadt Bergisch Gladbach ist Jens Dettmann: Tel.: 02202 – 14 – 2345, U.Dettmann@stadt-gl.de
Der Arbeitskreis trifft sich vierteljährlich, beim nächsten Treff Anfang November stehen aktuelle Themen zur Flüchtlingsarbeit auf der Tagesordnung, unter anderem die Einbindung von ehrenamtlichen Angeboten.

Freiwilligenbörse Rhein-Berg
Website, Telefon: 02202 1882717

Hilfe bei der Betreuung von Flüchtlingsfamilien (Patenschaft)
Ansprechpartnerin bei der Stadt Bergisch Gladbach: Friederike Hennig, 02202 – 14 2848, F.Hennig@stadt-gl.de

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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