Dokumentation eines Artikels aus der Zeitschrift “Rhein-Schiene” des VCD-Regionalverbandes Köln im Sommer 2014:

Das Land Nordrhein-Westfalen plant den Bau der Landesstraße L 286 – Ortsumgehung Bergisch Gladbach/Refrath. Die Straße führt im Wesentlichen über die Trasse des ehemaligen Bahndamms zwischen der Stadtmitte Bergisch Gladbachs und der Autobahn A 4. Der 1. Bauabschnitt verläuft von Stadtmitte bis zur Frankenforster Straße. Der im Landesstraßenbedarfsplan NRW als Stufe 1 („vorrangig zu planen“) eingestufte erste Bauabschnitt verläuft bis zur Frankenforster Straße.

Die neue Straße würde “zu sehr umfangreichen Beeinträchtigungen des Wohnumfeldes, der Erholungsnutzung und des Stadt- und Landschaftsbildes” führen. Dies ist das Ergebnis der am 4. Februar 2014 im Bergisch Gladbacher Stadtentwicklungsausschuss vorgestellten Umweltverträglichkeitsstudie.

Da die Fläche der Bahntrasse für die Straße nicht ausreichend ist, müssten Teilbereiche von angrenzenden Grundstücken in Anspruch genommen werden. Der Höhenunterschied zwischen der geplanten Trasse und dem umgebenden Gelände soll soweit wie möglich durch Böschungen ausgeglichen werden. In Bereichen mit beengtem Platz müssten Stützmauern errichtet werden.

Zur Minderung der Lärmbelastung für die Wohnbebauung und die öffentlichen Einrichtungen sollen auf der erhöhten Trasse noch 3,40 m hohe Lärmschutzwande aufgestellt werden, durch die, so die Gutachter, “eine vollständige Vermeidung der Beeinträchtigung durch Lärm jedoch nicht möglich” sei und die eine erhebliche visuelle Beeinträchtigung darstellen. Der hohe Erholungswert des Rad- und Fußweges, der von Gehölzen gesäumt wird und durch derzeit relativ ruhige, naturgeprägte Bereiche verläuft, gehe – so die Gutachter – “unwiderruflich verloren”.

Teile des Golfplatzes, der Bereich des Erholungsgebietes Saaler Mühle mit dem “Mediterana” und dem Bensberger See sowie die Sportflächen des südlich davon gelegenen Schulzentrums, für die nach der Vorplanung keine Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen seien, würden durch den Lärm des hohen Verkehrsaufkommens beeinträchtigt. Lärmschutzwände und die stark befahrene Straße in Dammlage würden sich in jedem Fall negativ auf das Landschafts- und Stadtbild auswirken. Die unmittelbar an den Bahndamm grenzenden Erholungsbereiche würden ihre Funktion für die innerstädtische Naherholung verlieren. Ein Kinderspielplatz und ein Bolzplatz müssen weichen.

Der Verlust des Bahndamms als innerstädtische Grünachse sei, so die Gutachter, “durch keinerlei Maßnahme zu mindern”. Durch die Überbauung komme es zum Verlust von Lebensräumen für Vögel, Fledermäuse sowie Amphibien und Reptilien.

Außerdem stellen die Gutachter fest, dass Beeinträchtigungen der grundwasserschützenden Deckschichten sowie des Grund- und Trinkwasser durch die vorhandenen Altlasten im Bahndamm unbedingt durch geeignete Vorkehrungen und Maßnahmen vermieden werden müssen, da Ausgleichs- oder sonstige Kompensationsmaßnahmen hierzu nicht möglich seien.

Zum Schutz von Klima und Luft weisen die Gutachter darauf hin, dass die lokalklimatischen Auswirkungen durch den annähernd kompletten Verlust der Gehölzbestände auf dem Bahndamm und den Verlust von Waldbeständen, die zur Frischluftreinhaltung und zum Klimaausgleich beitragen, bestehen bleiben.

Insgesamt liefert die Umweltverträglichkeitsstudie hinreichend Gründe, die Straße nicht zu bauen. Der Landesbetrieb Straßen NRW plant im Auftrag des Landes weiter; zunächst steht die Fertigstellung für das Linienbestimmungsverfahren (für eine “Vorzugsvariante”) an. Danach gebe es Offenlegung und Bürgerbeteiligung – Ansatzpunkte für den weiteren Widerstand gegen diese unzumutbare Planung.

Friedhelm Bihn

Friedhelm Bihn

ist Regionalbeauftragter des VCD-Regionalverbandes Köln für Bergisch Gladbach und RheinBerg, Vorsitzender des Inklusionsbeirates Bergisch Gladbach und des Beirats für die Belange von Menschen mit Behinderungen des Rheinisch-Bergischen Kreises

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