Lutz Urbach an seinem Schreibtisch

Das Verfahren der Bürokratie ist eindeutig: Flüchtlinge kommen zunächst in eine Erstaufnahme, dann müssen sie bei einer zentralen Stelle ihren Asylantrag stellen, dann kommen sie in ein Zwischenlager – und erst dann werden sie einer Kommune als endgültigem Zufluchtsort zugewiesen.

Das gilt auch für die 78 Flüchtlinge in Sand, für die das DRK eigens eine Erstaufnahmeunterkunft eingerichtet hatte, weil die Landeseinrichtungen überlastet sind. Wann sie ihren Asylantrag stellen dürfen, ist noch offen – auf jeden Fall müssen sie dafür nach Düsseldorf gebracht werden. Wohin sie danach kommen, ist völlig offen. Aber sehr wahrscheinlich nicht zurück nach Bergisch Gladbach, das hatte die Bezirksregierung gleich zu Anfang klar gemacht.

Begründung: Bürokratie, Verfahrensfragen, siehe oben. Da könnte ja jeder kommen.

Und in der Tat kommen jetzt einige. Lutz Urbach, aber auch einige andere Bürgermeister, die plötzlich Erstaufnahmelager einrichten mussten, wehren sich gegen den üblichen Lauf des Verfahrens. Im Interesse der Flüchtlinge, aber auch im eigenen Interesse.

Urbach hat NRW-Innenminister Ralf Jäger einen persönlichen Brief übergeben, in dem er seine Argumentation klar darlegt:

  • Das entstanden Netzwerk der Hilfe durch Anwohner und Vereine vor Ort drohe zu zerreißen, Angebote wie Patenschaften machten ohnehin nur bei einem längeren Aufenthalt Sinn
  • Kosten für einen erneuten Umzug werden eingespart.
  • Den Flüchtlingen bleibt eine weitere Odyssee erspart.

Das klingt und ist einleuchtend. Dennoch ist die Reaktion von Minister Jäger eindeutig. Urbach schreibt in einem Beitrag in der Facebook-Gruppe „Politik in Bergisch Gladbach”:

„In einer ersten mündlichen Reaktion sagte er (Jäger) , dass es nicht möglich sei, dass die Flüchtlinge, die derzeit noch in der Turnhalle in Sand untergebracht sind, auf Dauer in Bergisch Gladbach bleiben, zugewiesen und auf die Quote angerechnet werden.“

Damit sind die Mitglieder der Politik-Gruppe nicht zufrieden. Sie regen spontan eine Unterschriftenaktion oder eine Online-Petition an, um Druck auf die Landespolitik zu machen. Die ersten „Likes” lassen sich durchaus als Unterstützungssignal werten.

Machen Sie mit, geben Sie hier unten im Kommentarfeld, in der Politikgruppe oder auf unserer Fanpage ein „Like” ab – damit die Flüchtlinge in Sand bleiben können, bis ihr endgültiger Status geklärt ist.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. Das beste währe freilich gewesen man hätt Gaddafi erst gar nicht weggebombt und damit den Flüchtlingsdamm erhalten.
    Nun aber die Flüchtlinge auch noch hierzulande hin und her zu verschieben trägt nicht wirklich zu einer Stabilisierung bei. In der Hinsicht macht der verbleib schon Sinn.
    Allerdings ist Sinnfreies Handeln längst Politische Dogma geworden in einer EU die reagiert statt agiert und außenpolitisch ein Totalausfall ist. Insofern ist dann der Verschiebebahnhof nur die konsequente Weiterführung der eigenen Unfähigkeit eine außenpolitische Europäische Lösung zu finden. Scheint so als das Europäische Interessen und gleichzeitige NATO Mitgliedschaft unvereinbar sind weil von unterschiedlichen Interessen getragen.

  2. Ich wohne seit vielen Jahren in Bergisch Gladbach und unterstütze die Anregung, dass die Flüchtlinge bis zu einer entgültigen, dauerhaften Lösung/Zukunftssicherung hier in Bergisch Gladbach/Sand verbleiben. Es gab und gibt zahlreiche Hilfsangebote aus der Bevölkerung, und allmählich baut man eine gewisse Art von Gemeinschaftsinn und Vertrauen auf. Man möchte nicht plötzlich hören, dass die Flüchtlinge einfach verschwunden sind, ohne zu wissen, wie deren Zukunft aussieht. Deshalb bin ich für eine Dauerhafte Lösung, im Sinne der Flüchtlinge, die hier endlich durchatmen und zur Ruhe kommen können, ohne auf Hass und Ablehnung zu stoßen!

    mit freundlichen Grüßen

    Kathrin Schmegner