Titelbild der Studie. Die gesamte Studie finden Sie weiter unten. Foto: Screenshot

Kaum hatte der Verein „Autobahnzubringer e.V.” seine Studie der Öffentlichkeit vorgestellt, da hagelte es auch schon Kritik. Eine von einer wirtschaftsnahen Lobbygruppe in Auftrag gegebene Untersuchung könne nicht stichhaltig sein, so der Tenor in der Facebook-Gruppe „Politik in BGL”.

Substanzieller fiel die Kritik von Grünen-Fraktionschef Dirk Steinbüchel aus: „Ob den befragten Haushalten mitgeteilt wurde, dass das aktuell vom Landesverkehrsministerium geplante Zubringerstück gar nicht bis zur Autobahn geht, sondern vorher auf der Kölner Straße endet? (…) Das mit dem Zubringer eine klasse Abkürzungsstrecke zwischen A4 und A1 entsteht mit der man die Autobahnkreuze in Köln und Leverkusen sowie einige Mautpunkte umfahren kann? Das diese Abkürzungsstrecke mitten in der Innenstadt (Gronau) endet? Das eine „hübsche“ Lärmschutzwand links und rechts entlang der Trasse gebaut werden muss? Das ein Umweltgutachten vorliegt, dass klar gegen den Zubringer spricht? Und, und, und…”

Soviel vorweg: Nein, natürlich nicht. So kann man eine Telefonumfrage nicht durchführen. Aber bei der Bewertung der Ergbnisse wurden diejenigen Personen herausgerechnet, die selbst gestanden, über das Uralt-Projekt nicht gut informiert zu sein. Kann man machen, lädt aber zu Kritik an anderer Stelle ein.

Lesen Sie mehr:
KSTA/BLZ: Mehrheit für den Zubringer
Die 90jährige Chronik des Projektes
„Autobahnzubringer”

Alle Beiträge zur Bahndammtrasse

Aber der Reihe nach. Im Autobahnzubringer-Verein sind tatsächlich einige Bürger vertreten, die sich in Bergisch Gladbach wirtschaftlich engagieren – und die schon lange für die Bahndammtrasse plädieren. Im Vorstand sitzen Cornelia Lübbe-Roggen, Heinz P. Hinterecker und Heikki Husso.

Sie hatten die Befragung bei dem unabhängigen Kölner Institut  september Strategie und Forschung GmbH eine Umfrage in Auftrag gegeben. Die Kosten wurden von der IHK Köln, der Kreishandwerkerschaft und einigen Bergisch Gladbacher Firmen getragen.

Repräsentative Umfrage mit 1003 Teilnehmern

Das Institut befragte per Telefon etwas mehr als 1003 Bergisch Gladbacher, damit ist die Umfrage nach gängigen Standards bei den Aussagen für ganz Bergisch Gladbach so gerade noch repräsentativ. Eine Fälschung oder auch nur Verzerrung der Zahlen kann sich ein solches Institut aber nicht leisten.

Besonders interessant sind die Ergebnisse, wenn man sie nach Stadtbezirken differenziert: denn hier zeigt sich ein sehr unterschiedlicher Grad der Zufriedenheit mit der Verkehrssituation und der Haltung zum Bahndamm-Projekt.

Die Bensberger, die von dem Zubringerbau negativ betroffen wären, aber jetzt schon eine gute Anbindung zur A4 haben, sind sogar in der Gesamtschau deutlich glücklicher als zum Beispiel ein Gladbacher.

Aber gerade bei den Zahlen für die sechs Stadtbezirke sollten man vorsichtiger sein, denn hier wurden zum Teil weniger als 100 Personen pro Bezirk befragt.

Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung

Dennoch gibt es keinen Grund, die Zahlen grundsätzlich in Frage zu stellen. Aber die sollte man sich im Detail anschauen – und sich dann eine eigene Meinung bilden.

Daher dokumentieren wir zunächst die Ergebnisse – und geben weiter unten die Interpretation der Auftraggeber wider. (Zum Lesen das Bild anklicken, dann können Sie sich bequem durchblättern).

Der Autobahnzubringer e.V. interpretiert die Zahlen als klares Votum für die Autobahnanbindung über die Bahndammtrasse. Bei seinem zentralen Argument („zwei Drittel für die Bahndammtrasse”) hat der Verein jedoch zunächst diejenigen Bürger ausgenommen, die das Projekt nicht oder kaum kennen. Das macht zwar sachlich Sinn – doch schränkt es die Aussagekraft für die ganze Stadt etwas ein. So wertet der Verein die Zahlen im Detail:

  • „Zwei Drittel der Kenner der geplanten Autobahnanbindung bewerten das Vorhaben mit „sehr gut bis gut“.
  • 65% aller Befragten geben an, dass sie „sehr stark“ oder „stark“ eine verkehrsentlastende Straße befürworten.
  • 67% aller Befragten haben eine „sehr gute“ oder „gute“ Kenntnis des konkreten Plans der Anbindung. Von ihnen bewerten wiederum 60% das Vorhaben der Autobahnanbindung in der Linienführung des ehemaligen Bahndamms mit „sehr gut“ oder „gut“.
  • In der Befragung wurde darüber hinaus der Einfluss der Verkehrslage auf die empfundene Lebensqualität der Befragten untersucht. Zwei Drittel aller Befragten, über alle Bezirke) rechnen der Verkehrslage eine „sehr starke“ oder „starke“ Rolle in diesem Zusammenhang zu. Von diesen bewerten wiederum 67% die Verkehrssituation dagegen „sehr schlecht“ oder „schlecht“.
  • Die Befragung zeigt, dass besonders die Bezirke, die die Verkehrslage negativ bewerten, sich den Anschluss wünschen, da die derzeitige Verkehrslage subjektiv als relevante Schmälerung der Lebensqualität empfunden wird.”

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. Sehr geehrter Herr Theis,

    persönlich begrüße ich es sehr, dass man Umfragen und Statistiken erst einmal kritisch gegenübersteht! Und weil Sie sich sehr bemüht haben Fakten gegen die Aussagekraft der Umfrage zu generieren, gehe ich mit Respekt auf das Geschriebene ein:
    Man kann doch grundsätzlich erwarten, dass die Meinungen der Bürger als solche bewertet werden und danach die Frage der repräsentativen Aussage gestellt werden. Bislang hat die Stadt GL keine Meinungen der Bürger eingeholt. Das auch bewusst! Und wenn man die Wertung „repräsentativ“ in Frage stellt, kann/sollte man dieses wichtige Umfrage-Prädikat mit den Fachleuten diskutieren!
    Dann bekommt man entweder Recht oder muss seinen (fachlichen) Fehler eingestehen.

    Warum gehen Sie, sehr geehrter Herr Theis, nicht einfach auf den „Lobbyverein“ Autobahnzubringer zu und verifizieren die Fakten? Wenn Sie sich schon so viel Mühe mit Ihren faktischen Ausführungen gegeben haben, sollte doch klar werden, ob Sie aus einem Oppositionsdenken heraus die Studie ablehnen oder ob Sie in der Diskussion mit der Fa. September wissenschaftliche Gründe finden werden, die Studie zu ignorieren.
    Beides sehe ich als konstruktives Vorgehen an. Über Jahrzehnte hat es an solchen faktischen Diskussionen gefehlt. Nur so lässt sich die – insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht – schlechte GL-Situation erklären.
    Die Rechnung der Ineffektivität kann ja nur der Bürger bezahlen: In Form höherer Steuern, was gerade wieder beschlossen wird!

    Mit freundlichen Grüßen

    Wolfgang Maus

  2. Klare Mehrheit ist für den Zubringer
    oder traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.

    Der KStA schreibt am 2. November 2015, dass der geplante Autobahnzubringer über den Bahndamm zwischen Gronau und Bensberg eine signifikante Bevölkerungsmehrheit hinter sich hat. Laut Artikel fordern 65% der befragten Haushalte eine Entlastungsstraße. Die Mehrheit der Befragten, je nach Bezirk, stuften die Verkehrssituation als schlecht bis sehr schlecht ein. Für den Autobahnzubringer sind je nach Bezirk 43% bis 90% der Bevölkerung. Natürlich sei die Befragung repräsentativ gewesen, man habe schließlich 1003 Bürger befragt.
    Die Schlussfolgerung war, dass die Mehrheit den Zubringer fordern würde, die Herausforderung wäre, jetzt noch Überzeugungsarbeit bei den Ablehnern zu leisten. So weit so – gut?
    Leider wurden die Leser des KStA über die genauen Inhalte der Fragen sowie der sehr „interessanten“ statistischen Auswertung im Unklaren gelassen. Der Wahrheit verpflichtet, möchte ich daher auf diese spezifisch eingehen.
    Frage 1 stellte die Frage nach der Lebensqualität. Diese wurde von den Angerufenen in Bensberg (78%) leicht höher beurteilt als in Bergisch Gladbach (BGL) Mitte, jedoch selbst in BGL Mitte wurde sie von 69% der Befragten als gut oder sehr gut beurteilt. Sicherlich sind für die Lebensqualität überwiegend andere Aspekte von Wichtigkeit als die des „Autobahnzubringers“.
    Dann wurde mit Frage 2 die Verbindung zur Verkehrssituation erstellt. Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Verkehrssituation? Hier wurden die Antworten nicht aufgeschlüsselt nach Bezirken zur Verfügung gestellt, insgesamt sollen 62% die Rolle der Verkehrssituation als stark bis sehr stark eingeschätzt haben.
    Stellen wir fest, die Mehrheit der Bürger in den nördliche Stadtteilen und BGL Stadtmitte ist mit der Lebensqualität zufrieden, auch bei starker bis sehr starker Rolle der Verkehrssituation. Nach diesen Zahlen besteht bei der Mehrheit kein Leidensdruck, auch nicht in BGL Mitte!
    Frage 3 wurde nicht allen Angerufenen gestellt, sondern nur denen, die die Verkehrssituation als wichtig bis sehr wichtig für die Lebensqualität angesehen hatten (621 von 1003 Befragten). Diese sollten nun beurteilen, wie sie die Verkehrssituation auf einer Skala von 1 „sehr schlecht“ bis 5 “sehr gut“ beurteilen. Und siehe da, der Unterschied im Stadtgebiet war recht gering. In Bensberg und Refrath befanden 63% bzw. 64% die Situation als schlecht oder sehr schlecht, in Mitte 76%. Und natürlich war bereits hier die Umfrage nicht mehr repräsentativ, denn es war eine Vorauswahl getroffen worden, es wurden nur 621 von 1003 Angerufenen befragt.
    Trotzdem ist der Unterschied gering. Bensberg hat einen Autobahnanschluss, mehr kann in BGL Mitte auch nicht erreicht werden. Daraus folgt, dass für 13% der verkehrsmäßig unzufriedenen Bürger in BGl Mitte ein Autobahnzubringer die Zufriedenheit erhöhen könnte. Ist das die Mehrheit?
    Frage 4 wurde dann nur noch an 414 Befragte gestellt, die Angerufenen, die die Verkehrssituation als schlecht beurteilt hatten. Hier waren Staus der überwiegende Grund der Beurteilung für 373 der Befragten. Laut statistischer Auswertung leiden also 90% unter Staus, also fast alle, nicht wahr? 373 von 1003 Bürgern sind jedoch lediglich 37%, also etwa ein Drittel aller Befragten, nicht 90%. Die Vorselektion durch die zuvor gestellten Fragen führen zum Verlust der Repräsentativität – so lassen sich Daten statistisch darstellen bzw. manipulieren.
    Und von diesen 373 Bürgern stellten auf Befragung hin 90% fest, dass Stau und verzögerter Verkehrsfluss sie stark bis sehr stark stören. Wiederum als nicht 90% der 1003 befragten Bürger, sondern die Minderheit von etwa 335 der über 1003 befragten Bürger – ein Drittel, nicht 90% wie mit der statistischen Auswertung suggeriert.
    Diese 335 Bürger wurden dann gefragt, ob sie sich eine Verbesserung der Verkehrssituation wünschen. 95% dieser Befragten wünschten sich dies stark oder sehr stark – kein Wunde, denn diese waren als die Leidenden durch die vorherigen Fragen vorselektiert. Aber es blieb natürlich nur ein Drittel der 1003 Angerufenen.
    Alle Angerufenen wurden dann gefragt, ob sie eine verkehrsentlastende Straße befürworten würden. Und siehe da, 59% – 71% der Bevölkerung stimmten dem zu. Wiederholen wir einmal die Frage: „eine stauentlastende Straße“. Irgendeine . . . Kein Hinweis auf eine bestimmte Straße oder gar den „Autobahnzubringer“. Und natürlich wird suggeriert, dass die Straße auch stauentlastend ist. Hier ist man am ehesten über die geringe Zustimmungsrate erstaunt.
    Erst jetzt wird der Befragte in Kenntnis gesetzt, worum es geht. Der Wortlaut der Frage ist interessant: „Kennen Sie den Plan der Anbindung „Zentrum Bergisch Gladbach an die A4“, die im Wesentlichen in der Linienführung des ehemaligen Bahndamms führt, oder haben Sie davon schon mal etwas gehört oder gelesen? In Bensberg, Refrath oder BGl Mitte bestätigten 67% bis 79% eine „Kenntnis“.
    Damit brauchte man diesen Angerufenen offensichtlich gar nicht mehr zu erzählen, worum es eigentlich geht. Suggeriert wird ein „Autobahnzubringer“ also einer Strasse, die entlang des bahndamms die A4 erreicht. Dieser ist aber vom Land gar nicht in der Diskussion, derzeit geht es um eine Straße, die das Stadtzentrum mit der Kölner Straße/Frankfurter Straße verbindet. Dieser ist also gar kein „Autobahnzubringer“, auch wenn er so genannt wird. Dieser Problematik entzog sich die Befragung sehr geschickt.
    Die 671 Angerufenen, die es nicht wagten ihre „Kenntnis“ in Frage zu stellen, wurde dann die Frage gestellt, wie sie „das Vorhaben der geplanten Autobahnanbindung in der Linienführung des ehemaligen Bahndamms“ beurteilen. Hier ergab sich eine Zustimmung von 43% in Bensberg, 56% in Refrath und 64% im Zentrum. Da jedoch nur 671 Angerufene befragt wurden ist entweder die Befragung nicht repräsentativ, oder die Zustimmung unter den 1003 angerufenen weniger als 50%. Denn auch im Zentrum sind 64% von 70% „Kennern“ nur 45% der Angerufenen.
    Das beauftragte und vom Lobbyverein „Autobahnzubringer e.V.“ bezahlte Meinungsforschungsinstitut urteilte im Abschluss (und sicherlich nach ausgiebiger Diskussion mit dem Auftraggeber), dass zwei Drittel das Vorhaben mit gut bis sehr gut bewerten (60%).
    Aha, welche zwei Drittel denn? Zwei Drittel der 671, denen durch die Frage suggeriert wurde, es handele sich tatsächlich um eine „Autobahnanbindung“ entlang des Bahndamms (bis zur A4). Nicht zwei Drittel der 1003 Befragten, denn zwei Drittel von 671 sind etwa 440 der 1003 Angerufenen, eine Minderheit.
    Unglaublich ist, dass die Befragung durchgeführt wurde, ohne den Befragten zu erklären, was mit dem Wort „Autobahnzubringer“ gemeint ist. Dass dieser nach dem derzeitigen Stand der Planung gar nicht zur Autobahn führen wird sondern nur zu der dann im Stau kollabierenden Frankenforster/Kölner Strasse. Dies ist methodologisch mehr als kritikwürdig. Und war es nicht der Stau, den viele als am Schlimmsten empfanden?
    Diese Umfrage ist suggestiv, nicht repräsentativ, und wird sachlich falsch interpretiert. Auch in dieser Umfrage war keine Mehrheit für das (nicht näher differenzierte) Vorhaben sondern lediglich eine Minderheit der 1003 Befragten.
    Beachtlich ist, dass die Verkehrssituation in BGl Zentrum nur von einem von sieben Einwohnern in BGL Mitte schlechter beurteilt wird als in Bensberg oder Refrath. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung scheint diese Strasse damit weder zu brauchen noch zu wünschen. Dies ist das bemerkenswerte Resultat der Umfrage. Schade, dass dieses Resultat nicht als Überschrift gewählt wurde:

    Eine als repräsentativ erklärte Umfrage zeigt, dass für die überwiegende Mehrheit der Bergisch Gladbacher Bürger, einschliesslich der Bevölkerung von BGL Mitte, der Bau eines „Autobahnzubringer“ die Lebensqualität nicht aufwerten würde

    Es stellt sich daher die Frage, warum Einzelne sich dann für diese überflüssige und eingreifende Investition so stark machen.