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Für Bestatter gehört der Tod zum Alltag. Also auch für Hanna Thiele-Roth und David Roth, die sich mit dem Tod ihres Vaters Fritz Roth intensiv auseinander gesetzt haben und gemeinsam das Bestattungsunternehmen Pütz-Roth weiter führen.

Sie wissen, dass es eine heilsame Erfahrung sein kann, dem Tod ins Gesicht zu sehen. Über das eigene Ende nachzudenken vermittele ein Gefühl dafür, wie kostbar Lebenszeit ist, sagt David Roth. Nur in der Limitierung würden sich Werte spontan erschließen. Das gelte auch für den Wert und damit am Ende für die Qualität des Lebens.

Dem eigenen Tod ins Gesicht zu sehen, dazu haben die Roths 50 Teilnehmer der Kunstaktion „Im Letzten Hemd” animiert. Bald werden auch die Besucher der gleichnamigen Ausstellung diese Erfahrung machen können.

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Der Fotograf Thomas Balzer hat Menschen jeden Alters, aus allen Schichten und Lebenswelten fotografiert, die bereit waren, sich auf besondere Art mit der eigenen Sterblichkeit zu konfrontieren. Die ihr letztes Hemd bereits gewählt haben.

Balzer hat jeden Teilnehmer zweimal im Letzten Hemd portraitiert. Einmal in aufgebahrter Situation und einmal ganz lebensnah.

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Da sieht man zum Beispiel den Gastronomen Heinz Vierling in traditioneller Jagdbekleidung, glücklich von einem mächtigen Geweih umrahmt.

Der Klüngelkopp Jochen Damm nimmt sein Keyboard mit auf die letzte Reise. Ein Mitglied der Närrischen Sander KG umgibt sich mit Schal, Orden und FC-Insignien. Der Kabarettist Konrad Beikircher mag es ganz schlicht.

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David Roth trägt seinem Lieblingspulli, die Ärmel in charakteristischer Weise bis über den Ellbogen hochgeschoben. Völlig entspannt. Genauso entspannt habe er auch die ganze Kunstaktion gesehen, erzählt Roth. Ausgesprochen spannend seien jedoch die daraus entstehenden Gespräche und – teilweise auch sehr kontroversen – Gedanken.

Viele der Teilnehmer hätten mit dem Thema für sich weder Probleme noch Ängste gesehen. Doch dann seien in einigen Fällen in der Familie und im Umkreis Gespräche entstanden. Einige Angehörige oder Freunde mögen es sich nicht vorstellen, dass die jeweilige Person sterben könne.

Das habe er, so Roth, sehr gut nachvollziehen können. Dennoch sei es gut, über diese Dinge dann doch einmal miteinander zu sprechen. Dazu sei die Ausstellung ein guter Anstoß, auch in Sachen Wertschätzung. Für die Teilnehmer selbst und für jeden Betrachter.

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Bei dem von ihnen inspirierten Fotokunstprojekt „Im Letzten Hemd” greifen Hanna Thiele-Roth und David Roth eine Tradition ihres 2012 verstorbenen Vaters auf, der mit seinen Aktionen für einen besseren Umgang mit Tod und Trauer immer wieder bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte.

Eines seiner bekanntesten Projekte, die nach wie vor ihre Wirkung entfalten, ist „Ein Koffer für die letzte Reise“. Diese Installation war in der Berliner Gedächtniskirche, im Wiener Museumsquartier, im Hamburger Michel, auf einem Kirchentag und ist derzeit in Bad Neuenahr zu sehen. Auch Fritz Roth wollte damit einen Impuls setzen: Sich Gedanken zu machen über das, was wirklich zählt.

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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