Gaffel-Chef Becker und Bock-Geschäftsführer Haumann lassen sich das erste Kölsch reichen

Gaffel-Chef Heinrich Philipp Becker und Bock-Geschäftsführer Bruno Haumann lassen sich das erste Kölsch reichen. Hinten links die ungewöhnlichen Kupfertanks

Es ist der Bock. Aber ein anderer Bock. Moderner, sauberer, und dennoch mit seinen blank polierten Ahorntischplatten und dunklen Nussbaumvertäfelungen das kölsche Brauhaus, das die Bergisch Gladbacher kennen und wiedererkennen werden. Am Dienstag stellte der neue Geschäftsführer Bruno Haumann den neuen Bock der Presse vor, am Donnerstag um 11:30 Uhr werden endgültig die Türen zur Schänke und den Gastraum geöffnet, im Januar folgt auch der Saal.

Haumann ist die Vorfreunde und Ungeduld anzumerken. Eigentlich sollte es mit dem „Gaffel am Bock” schon im Sommer losgehen, doch je gründlicher die Sanierung wurde, desto weiter verschob sich der Eröffnungstermin nach hinten. In der Zwischenzeit lernte Haumann, welche Bedeutung das einst von der Familie Dederichs gegründete Brauhaus für viele Gladbacher hat:

„Der Bock ist eine Kultstätte, mit der viele Erlebnisse verbunden sind, ein Stück zuhause. Das wollen wir den Gladbachern jetzt wieder geben.”

Ursprünglich sei nur eine kosmetische Überarbeitung und die Sanierung der Toiletten geplant gewesen, berichtet Haumann. Doch je mehr sich die Gaffel-Brauerei und ihre Architekten mit dem 1906 gebauten Haus beschäftigten, desto mehr Bauschritte kamen hinzu. Am Ende wurde der Bock generalsaniert, mit neuen Böden, Vertäfelungen, Möbeln, Theke und barrierefreien Toiletten. Selbst das Küchengeschirr musste dann doch komplett ausgetauscht werden.

So soll der neue Gastraum im Bock künftig aussehen. Am Dienstag waren die Handwerker noch schwer beschäftigt. Foto: Gaffel

Allein das Bleiglasfenster mit St. Laurentius und der große schwarze Lampenring in der Schwemme haben überlebt. Die Patina fehlt natürlich noch; und die blauweißen Kacheln zeigen nur Kölner Motive – aber hier werde er noch nacharbeiten, verspricht Haumann. Der neue Hausherr ist gelernter Koch, war lange Zeit Geschäftsführer des Brauhaus Peters und ist Vizepräsident der Blauen Funken in Köln.

Sanierung für einen Millionenbetrag

Eine siebenstellige Summe, soviel verrät Heinrich Philipp Becker, der geschäftsführende Gesellschafter, hat die Privatbrauerei Gaffel in dem Gebäude investiert. Schon seit Mitte der 90er Jahre hat die Brauerei das Gebäude von Kornelius Dederichs gemietet und bislang von verschiedenen Gastronomen betreiben lassen. Doch inzwischen, so Becker, habe sich die Brauerei neben dem „Gaffel am Dom” ein zweites eigenes Brauhaus gewünscht – „und da lag nichts näher als der Bock”.

In der Schwemme und im Gastraum stehen nun 180 Sitzplätze zur Verfügung. Ab März sollen auch die Terasse vor dem Haus und der Biergarten im Hof regelmäßig bespielt werden. Der Bock öffnet täglich um 11:30 Uhr, in der Woche geht es bis 24 Uhr, freitags und samstags bis ein Uhr; bei Festen und Veranstaltungen auch länger.

Aus einem Guss: Rathaus und Brauhaus am Konrad-Adenauer-Platz. Foto: Marcus Ruhkiek

Der Saal wird im Januar von der Grossen Gladbacher eingeweiht

Besonders freut sich Haumann auf die Wiedereröffnung des Saals, den er selbst erst bei seinem ersten Ortstermin entdeckte. Er ist für ein Brauhaus höchst ungewöhnlich und bietet die Gelegenheit für eine vielfältige Veranstaltungs- und Erlebnisgastronomie. Noch ist der traditionsreiche Raum im ersten Stock eine Baustelle, aber er soll am 16. Januar von der Grossen Gladbacher KG mit einer Kinderveranstaltung eingeweiht werden.

Auch der Saal bekommt einen Parkettfußboden und wird mit Licht- und Tontechnik ausgestattet, bleibt aber optisch weitgehend unverändert. Die Lampen aus den 60ern und selbst die kleine Treppe zur Bühne bleibt; die genießt in dem Denkmal-geschützen Haus Bestandsschutz.

Platz für bis zu 600 Personen

Bis zu 600 Menschen fasst der Saal, bei Veranstaltungen werden dort bis zu 480 Personen gut sitzen können. Der Bereich vor den Fenstern zur Kirche soll abtrennbar gemacht werden; dann können dort zum Beispiel Familienfest mit 60 bsi 80 Gästen gefeiert werden. „Wir liegen hier zwischen St. Laurentius und dem Standesamt, da wollen wir zur Taufe, Kommunion und Hochzeit etwas besonderes bieten”, sagt Haumann.

Eine alte Leuchtreklame erhellt den Schankraum

Viel Raum für Erlebnisgastronomie – und die Marke Gaffel

In der Schenke, aber auch im Saal will die Brauerei ganz bewusst die Marke Gaffel herausstellen – und die damit verbundene erweiterte „Gaffelfamilie”: so sollen die Spiele des 1. FC übertragen und Spieler eingeladen werden. Regelmäßige Veranstaltungen aus dem „Gaffel am Dom” werden auch im Bock stattfinden: Wunschkonzerte von Björn Heuser oder„Loss mer singe”; ein Mitsingkonzert mit Brings ist für den Herbst geplant.

Mehr Informationen:
Alle Berichte über den Bock
„Gaffel am Bock” auf Facebook – Website
Website der Privatbrauerei Gaffel
Kontakt/Reservierungen: 02202 940 980, info@gaffelambock.de

Küchenchef in noch jungfräulicher Küche

Gehobene Brauhauskost mit Ausreißern

Aus der Küche kommt gehobene Kölner Brauhauskost – vom Halven Hahn für 4,70 Euro über Reibekuchen (montags) bis zur Grillhaxe (18,50); aber auch ein paar bergische Einsprengsel und einige Ausreißer wie die Maispoularde mit Parmaschinken (16,50) oder das Rumpsteak vom Angusrind mit Balsamicojus (21,50) finden sich auf der Karte.

Der Küchenchef freut sich über eine ungewöhnlich große Küche; rund zwei Dutzend Personen gehören im Bock zum Stammpersonal.

Das Kölsch kostet 1,50 Euro und wird derzeit noch vom Eigelstein geliefert; demnächst aus der neuen Gaffel-Brauerei in Porz-Gremberghoven.

Eine extrem kurze Lieferkette sorgt im Bock für gutes, frisches Kölsch

„Nie älter als zwei Tage”

Damit das Kölsch nicht nur besonders gut, sondern auch frisch ist, kommt der Bock in den Genuss einer besonderen Lieferkette: Unmittelbar nach der Filtrierung wird das Bier in einen Tankwagen gefüllt, gekühlt nach Bergisch Gladbach gefahren und in drei Kupfertanks mit jeweils 500 Liter gefüllt, die direkte hinter der Theke im Schankraum präsentiert werden.

„Unser Kölsch ist nie älter als zwei Tage”, verspricht Haumann.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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