Die Studie von E & Y hatte die Stadt geschockt: Keine deutsche Kommune habe so schnell so viel Schulden gemacht wie Bergisch Gladbach. Stimmt nicht, protestierte die Verwaltung. Stimmt tatsächlich nicht. Aber auch die Zahlen der Stadt stimmten nicht.

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Bergisch Gladbachs Verschuldung sei zwischen 2012 und 2014 von 312 auf 458 Euro gesprungen, ein Plus von 46 Prozent und damit deutscher Rekord, hatten die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young in einer Studie ausgerechnet. Pro Kopf sei damit jeder Bergisch Gladbacher mit 4169 Euro verschuldet.

Die Stadtverwaltung konterte. Zwar habe die Beteiligung an der Belkaw (Kaufpreis für 49,9 Prozent: 78 Millionen Euro) den Schuldenstand kräftig erhöht – aber bei weitem nicht in diesem Ausmaß. Alles in allem, mit den Nebenhaushalten und Beteiligungen habe die Stadt „nur” einen Schuldenstand von 393 Millionen Euro.

Aber wie die Differenz zu den Ernst & Young-Zahlen zustande kommt, die immerhin auf das statistische Landesamtes zurück gehen,  konnte die Verwaltung auf die Schnelle nicht aufklären. Inzwischen hat die Fachabteilung geforscht und gerechnet. Und kommt zu einem überraschenden Ergebnis: weder die Stadt noch Ernst & Young hatte Recht.

So ist es richtig: 381 Millionen Euro Schulden, 3466 Euro pro Kopf

Die Gesamthöhe der Schulden zum Stichtag 31.12.2014 betrug „nur” 381 Millionen Euro – und war damit sogar noch deutlich niedriger, als die Stadtverwaltung eigentlich angenommen hatte.

Die Verschuldung pro Kopf beträgt daher 3466 Euro, was einem Anstieg um 21 Prozent in zwei Jahren entspricht.

Die rote Laterne ist Bergisch Gladbach damit auf jeden Fall los, Städte wir Stuttgart (+ 36 Prozent) oder Göttingen (+ 31 Prozent) schneiden im Vergleich viel schlechter ab.

Der Stadtverwaltung fehlte die „Konzernbrille”

Zudem geht der Anstieg um 21 Prozent ganz und gar auf den Belkaw-Kauf zurück, der sich ja für die Stadt auf lange Sicht positiv auswirken soll. Würde man den Belkaw-Deal aus der Verschuldung rausrechnen, hätte sich die Gesamtverschuldung überhaupt nicht erhöht.

Die Ursachen für die Konfusion, das räumt Fachbereichsleiter Harald Schäfer offen ein, lagen aber in Bergisch Gladbach. Die Stadtverwaltung wusste selbst nicht so genau, wie hoch die Schulden ihrer Beteiligungen und eigenbetriebsähnlichen Einrichtungen waren. „Aber wir haben jetzt die Konzernbrille aufgesetzt und das geklärt”, sagt Schäfer.

Hinweis der Redaktion: Alles Wichtige wissen Sie jetzt, ab jetzt wird es kompliziert. Denn es die Stadt hatte an fünf Punkten ihre Schulden falsch verbucht. Wenn Sie es genau wissen wollen, lesen Sie weiter.

So kamen die fünf Fehler zustande

Will man die Verschuldung einer Kommune komplett erfassen, muss man drei Bereiche in den Blick nehmen: Kernhaushalt, eigenbetriebsähnliche Einrichtungen und Töchter. Alle drei können Schulden machen, alle melden die Zahlen nach Düsseldorf – doch manchmal weißt der eine nicht, was der andere macht.

Die Töchter hatten laut Ernst & Young 91 Millionen Euro Schulden, waren laut Stadtverwaltung aber schuldenfrei. Für diese Differenz ist eine zweiteilige Erklärung notwendig.

Erstens gehört zu den Töchtern auch die Bädergesellschaft, die die städtischen Schwimmbäder und die Belkaw-Beteiligung hält. Diese hatte den Belkaw-Kredit in Höhe von 78 Millionen Euro nach Düsseldorf gemeldet, allerdings als „Darlehen von verbundenen Unternehmen”, was falsch war. Tatsächlich ist es ein Trägerdarlehen – weil es von der Stadt aufgenommen und durchgereicht wird. Damit gehören die 78 Millionen zu den Schulden des Kernhaushaltes, und dort sind sie auch zu finden.

Zweitens hatte die Stadtverwaltung Schulden anderer Tochterunternehmen (SEB, AWB, …) in Höhe von 13 Millionen Euro nicht verbucht. Im Ergebnis reduziert sich die Verschuldung der Töchter von 91 um 78 auf 13 Millionen Euro.

Der Kernhaushalt hatte 216 Millionen Euro gemeldet, inklusiv des Belkaw-Kredites. Soweit so gut. Allerdings wurde ein weiteres Trägerdarlehen in Höhe von einer Million Euro nicht gemeldet, der tatsächliche Schuldenstand des Kernhaushaltes betrug also 217 Millionen Euro.

Die eigenbetriebsähnlichen Einrichtungen hatten an das statistische Landesamt 151 Millionen Euro berichtet. Die Stadt hatte hier mit 176 Millionen Euro jedoch deutlich mehr verzeichnet – und sich kräftig geirrt.

Erstens hatte sie ein „kreditähnliches Nießbrauchsentgelt” (für die Schulen Ahornweg und Herkenrath) in Höhe von 22,1 Millionen Euro mitgezählt, das nicht in diese Statistik gehört.

Zweitens war hier schon ein Kredit in Höhe von 2,7 Millionen Euro verbucht, der tatsächlich aber erst im Folgejahr aufgenommen worden war. Korrekt sind bei den eigenbetriebsähnlichen Einrichtungen also 151 Millionen Euro Schulden.

Die Gesamtschulden der Stadt Bergisch Gladbach mit allem Zip und Zapp betragen also:

  • Töchter: 13 Millionen
  • Kernhaushalt: 217 Millionen
  • Eigenbetriebsähnliche Einrichtungen: 151 Millionen
  • ____________________________________
  • Gesamtschulden: 381 Millionen Euro

Alles klar?

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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