Der neue Focus Electric gehört zu den Plug-In: Strom aus der Steckdose, aber ein Verbrennungsmotor ist auch an Bord. Werksfoto Ford

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Vertreter der Belkaw und des Kreises RheinBerg präsentieren die E-Tanke am Kreishaus. Foto: Belkaw

Es ist gar nicht lange her, da konnte man dem E-Hype kaum noch ausweichen, doch inzwischen ist es um die alternativen Antriebe ziemlich ruhig geworden. Dafür gibt es bei aller Umwelt- und Technologie-Begeisterung einige gute Gründe – die nicht zuletzt dafür sprechen, dass der gute alte Verbrennungsmotor noch lang nicht auf das Altenteil gehört.

Markus Lüttgen

Für jedes Auto mit einem alternativen Antrieb zahlt man einen Mehrpreis – weil in der Regel ein herkömmlicher Motor aufgerüstet wird. Sei es durch ein Elektroaggregat oder auch durch eine Flüssiggasanlage. Reine E-Autos oder gar Wasserstofffahrzeuge sind derzeit noch sehr viel teurer.

Daher rechnet sich das ganze am Ende nur, wenn die Verbrauchskosten drastisch sinken. Genau daran hapert es aber.

Der Ford Mondeo zum Beispiel wird auch mit einem Hybrid-Antrieb geliefert. Die Mehrkosten sind mit rund 3000 Euro gegenüber einem vergleichbaren Benziner noch nicht einmal so hoch.

Niedriger Benzinpreis verschlechtert Wirtschaftlichkeitsrechnung

Der Verbrauch ist deutlich niedriger – aber in der Praxis dann auch wieder nicht so niedrig. Realistisch gesehen spart der Mondeo Hybrid mit vier Litern pro 100 Kilometer zwar rund die Hälfte des Benzinverbrauchs. Aber auch damit muss man schon fast 100.000 Kilometer diszipliniert fahren, bevor der höhere Anschaffungspreis ausgeglichen ist.

Der Hybrid-Antrieb des Mondeos. Werksfoto Ford

Und das gilt umso mehr, je niedriger der Benzinpreis fällt. Auch daher war das vergangene Jahr kein gutes Jahr für die E-Mobilität. Einen brauchbaren Vergleichsrechner, der allerdings bei der Ökobilanz die Herstellung und Entsorgung ausklammert, finden Sie hier.

Übrigens: diese Wirtschaftlichkeitsentscheidung durch eine Kaufprämie zu verzerren, wie zuletzt diskutiert wurde, halte ich nicht für sinnvoll. Denn dann würden alle Steuerzahler die Elektroautos einiger Weniger mitfinanzieren.

Völlig unabhängig vom Ölpreis sind die reinen Elektroautos, die Sportwagen von Tesla oder der BMWi3. Aber sie sind entweder wirklich teuer – oder aufgrund geringer Reichweiten für die meisten Autofahrer nicht alltagstauglich.

Reiner Elektroantrieb bei Tesla. Werksfoto Tesla

Nur für den reinen Stadtverkehr, in der Nähe der nächsten Steckdose, machen sie Sinn und erobern sich vielleicht auch eine Nische. Dafür bietet auch Ford ein Modell an, den Focus Electric.

Wie sieht die Ökobilanz wirklich aus?

Allerdings kommt für potenzielle Käufer, gerade auch bei den Geschäftskunden und Großflottenmanager, ein gehöriges Maß Unsicherheit hinzu. Welchen Wiederverkaufswert hat eigentlich ein Elektroauto nach einem Jahr, nach drei Jahren?

Wer sich ein Elektroauto kauft, will also vor allem etwas für die Umwelt tun, auch wenn es etwas mehr kostet. Doch selbst hier setzt Ernüchterung ein: ob die gesamte Ökobilanz, von der Herstellung über den Betrieb bis zur Entsorgung (auch der Batterie) wirklich so viel besser ist als bei einem effizienten Verbrennungsmotor, kann auch die Fachwelt nicht schlüssig beantworten.

Eine bewährte Alternative: Der Gasantrieb

Weiterhin gute Argumente sehe ich für die Umrüstung auf den Gasbetrieb. Hier gibt es inzwischen ein gut ausgebautes Tankstellennetz. Zudem kann man so gut wie jedes Auto umrüsten, gerade bei den ganz großen Motoren kann das Sinn machen.

Der Preisvorteil beim Gastanken ist erheblich, kann aber genau wie beim Elektroauto nur bei Vielfahrern den Preis für die Umrüstung wieder einspielen; unter 30.000 Kilometer im Jahr wird sich das nicht lohnen. Und auch hier wirkt der niedrige Ölpreis kontraproduktiv.

Individuelle Entscheidung – breite Produktpalette

Was bleibt? Der Wasserstoffantrieb? Daran forscht und arbeitet BMW schon Jahrzehnten, aber das bleibt für mich noch eine ganze Weile Zukunftsmusik. Toyota und Hyundai haben zwar schon Modelle auf dem Markt, die angeblich „serienreif” sind. Aber das sind nur sehr teure Spielzeuge für Technikfreaks. Einen Ford Mustang mit einer Brennstoffzelle, das sehe ich noch nicht.

Unter dem Strich bleibt die Entscheidung für eine Elektroauto oder einen Gasantrieb eine individuelle Entscheidung, bei der der Umweltgedanke eine entscheidende Rolle spielt. Für jede Entscheidung stellt der Markt inzwischen auch ein passendes Modell bereit.

Der Focus Electric gehört zu den Plug-Ins: Strom aus der Steckdose. Werksfoto

Das Gute daran ist, dass wirklich jeder das Auto mit dem Antrieb findet, das er will. Nicht ganz so einfach wird es dann, die Gleichung mit den Variablen Verbrauch, Emission und Reichweite, zu lösen.

Ich selbst bin überzeugt, dass die E-Autos in den nächsten zehn Jahren zwar Marktanteile gewinnen, aber dennoch eine Randerscheinung bleiben. Schon alleine deshalb, weil der Otto-Motor eine ausgereifte, effiziente Technologie darstellt und trotzdem noch einiges an Entwicklungspotenzial bietet.

Zum Beispiel der Ecoboost, der einen kleinen Dreizylinder ordentlich aufbläst. Der ist sparsam, zuverlässig und bietet auch noch eine Menge Fahrspaß. Aber das ist ein anderes Thema.

Bis zum nächsten Mal, Ihr Markus Lüttgen

Das Autohaus Lüttgen wurde 1928 vom Bergisch Gladbacher Huf- und Wagenschmied Jean Lüttgen als einer der ersten zehn Fordhändler in Deutschland gegründet. Heute führen seine Enkel Markus und Michael Lüttgen das Unternehmen mit knapp 40 Mitarbeitern. Vor 87 Jahren ging das Unternehmen die mutige Verpflichtung ein, mindestens vier „Motorwagen“ im Jahr abzunehmen. Derzeit verkauft Lüttgen mehr als 800 Neu- und Gebrauchtwagen jedes Jahr.

Odenthaler Str. 153, 51465 Bergisch Gladbach
Website, Facebook, Mail: service@luettgen.de

Markus Lüttgen

geboren 1968, hat in Köln Betriebswirtschaftslehre studiert und ist verheiratet. Seit 1994 arbeitet er im Familienunternehmen Autohaus Lüttgen, seit 1998 in verantwortlicher Position. Sein Auto ist ein Ford Mustang, rot.

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