Kölner Stadt-Anzeiger und  Bergischen Landeszeitung: unterschiedliche Titel, gleicher lokaler Inhalt

Nach Einschätzung der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) hat die Vielfalt der Medien in Nordrhein-Westfalen dramatisch abgenommen. Das gelte besonders bei Tageszeitungen und beim privaten Lokalfernsehen, schreibt die LfM mit Bezug auf den „Bericht zur Medienkonzentration 2015″, den sie  am Dienstag veröffentlichte (Dokumentation siehe unten). Nur die unabhängigen Onlineportale wirkten den Monopolen entgegen. Beide Sachverhalte treffen auf Bergisch Gladbach und große Teile des Rheinisch-Bergischen Kreises zu.

Dabei haben sich die Tageszeitungen in einen Teufelskreis begeben: Die Zahl der Abos und verkauften Einzelexemplare ist zwischen 2002 und 2014 von 5 auf 3,4 Millionen Zeitungen kräftig zurückgegangen. Darauf reagieren die Verlage mit der Zusammenlegung von Redaktionen und mit Sparprogrammen. Vielfalt und Qualität sinken. Weitere Leser geben ihre Tageszeitung auf.

Das Ergebnis: Im vergangenen Jahr hatte knapp die Hälfte der Bevölkerung in NRW nur noch eine einzige Zeitung mit lokaler Berichterstattung zur Verfügung. Das ist auch in RheinBerg und in Bergisch Gladbach der Fall, wenn man nur die gedruckten Zeitungen einbezieht.

Mit der Zusammenlegung der Lokalredaktionen von Kölner Stadt-Anzeiger und Bergischer Landeszeitung 2014 bleiben den Lesern im Rheinisch-Bergischen Kreis zwar formal zwei Zeitungen zur Auswahl, die lokalen Inhalte sind inzwischen identisch, die Online-Ausgaben bilden davon nur einen kleinen Teil ab. Ein Verlagsmonopol sei das, urteilt die LfM, das über kurz oder lang in ein Zeitungsmonopol übergehe. Hinzu kommt, dass auch die Anzeigenblätter und das Lokalradio im Rheinisch-Bergischen Kreis in der Hand der DuMont-Gruppe liegen.

Einen Gewinn in der Medienlandschaft erkennt die LfM allein bei den insgesamt 93 lokaljournalistischen Onlineangeboten, die unabhängig von sonstigen Medienunternehmen gegründet wurden. Sie seien derzeit der einzige Hoffnungsschimmer für eine größere lokale Vielfalt, sagte LfM-Direktor Jürgen Brautmeier. Allerdings sei umfassender Lokaljournalismus personalintensiv und könne nur gelingen, wenn sich die ökonomischen Rahmenbedingungen dauerhaft verbessern.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis identifiziert die LfM das Bürgerportal Bergisch Gladbach als einziges unabhängige Onlineangebot, das eigenständige Inhalte biete, nicht durch Meinungsbeiträge geprägt sei und mehr als nur Blaulicht-Meldungen bringe. Nur wenige der Portale, so die LfM, bieten eine solche Bandbreite an Themen, wie sie der Zeitungsleser „von seinem Lokalteil gewohnt ist”. Sport und Veranstaltungen seien stark vertreten, Wirtschaftsthemen schon weniger, Lokalpolitik eher selten.

Das schwierige Umfeld, so die LfM weiter, lasse viele der Online-Portale scheitern. Von 96 lokaljournalistischen Angeboten, die 2002  ausgewiesen worden, waren Anfang 2016 mehr als die Hälfte nicht mehr am Markt.

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Dokumentation: Die gesamte Studie der Landesanstalt für Medien

 

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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